Lade Inhalt...

Karl Marx/ Friedrich Engels: Von den Gesellschaften

Von der kapitalistischen zur kommunistischen Gesellschaft

Rezension / Literaturbericht 2009 3 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

“[...] die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor” (Marx 1976: 261)

Karl Marx und Friedrich Engels, Symbolfiguren und „Wegbereiter“ des Kommunismus, beschäftigen sich in ihren Gedanken zur kapitalistischen und kommunistischen Gesellschaft mit der Metamorphose der Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft von der Bourgeoisie hin zum Proletariat und dem damit verbundenen Klassenkampf untereinander. Grundlage für diese Überlegungen bildet eine historische Analyse der Produktionsweisen materiellen Lebens, die von Marx vorgenommen wird und in der er festhält, dass „asiatische, antike, feudale und modern bürgerliche Produktionsweisen als progressive Epochen der ökonomischen Gesellschaftsformation bezeichnet werden“ (Marx 1976: 254). Er skizziert darauf aufbauend die Teilung der Arbeit, die in der Familie seine erste Form hat, indem Frau und Kind Sklaven des Mannes sind und er dadurch über fremde Arbeitskraft verfügen kann.

Die Arbeitskraft und deren Wert bestimmen nun die folgenden Zeilen, da er hier den Menschen als ein Individuum sieht, welches zuerst sich selbst und zudem noch seine Kinder zu ernähren hat und dadurch gezwungen ist, seine Arbeitskraft zu einem bestimmten Wert einem Kapitalisten zu verkaufen. Dadurch begibt sich der Arbeiter in eine Abhängigkeit oder anders formuliert, der Kapitalist wird zum „zeitweiligen Eigentümer seiner Arbeitskraft“ (Marx 1976: 259). Dieser Austausch zwischen Kapital und Arbeit geht in dem kapitalistischen Verständnis von Produktionsweise auf und wird von Marx scharf kritisiert. Hierzu bedient er sich eines kurzen historischen Abrisses über die bisherigen Gesellschaften in der Geschichte, angefangen von den Freien und Sklaven, den Leibeigenen und Feudalherren bis hin zu Bourgeoisie und Proletariat als sich zwei direkt gegenüberstehende Klassen. Die Bourgeoisie hat auf die Gesellschaft verderblich gewirkt, da es aus der indirekten, durch religiöse und politische Illusionen verhüllten Ausbeutung, die direkte, gezielte und gar unverhohlene Ausbeutung gemacht hat. Und genau hier macht er auch das große Manko dieser Klasse fest, da sie als Hexenmeister, der gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, nun vor dem Problem steht, dass sie im übertragenen Sinne die Geister, die sie rief, nun nicht mehr los wird. Marx nennt hier Überproduktion in Form von zuviel Zivilisation, zuviel Le- bensmittel, zuviel Industrie und auch zuviel Handel als das bestimmende Übel. Als Begleiterscheinung attestiert er der Bourgeoisie auch das Faktum, dass sie zugleich auch die Menschen erzeugt hat, die für den kommenden Untergang dieser Klasse verantwortlich sein wird - die Proletarier. Durch zu geringes Kapital für den Betrieb der Großindustrie fallen Klassen wie Handwerker, Bauern, kleinere Industrielle und Kaufleute in das Proletariat ab und bilden damit eine Konkurrenz, die immer mehr Menschen von der Bourgeoisie zum Proletariat führt. Diese automatische „Genese des Proletariats“ wirkt bisweilen revolutionär, denn die Gesellschaft beruhte bisher auf dem Gegensatz von unterdrückender und unterdrückter Klasse. Und dieser Gegensatz wirkt nicht mehr zeitgemäß, da Marx der Bourgeoisie die Fähigkeit zur herrschenden Klasse abspricht, da sie mit dem Proletariat eine Klasse geschaffen hat, die es zu ernähren gilt, und nicht wie geplant, die Bourgeoisie ernährt. Letztere produziert paradoxerweise ihre eigenen Totengräber, die dem Sieg des Proletariats den Weg ebnen werden. Der Autor fordert eine Vereinigung, die anstelle der alten bürgerlichen Gesellschaft tritt und wo die freie Entwicklung des einzelnen unabdingbar für die freie Entwicklung aller ist (Marx 1976: 269). Ziel dieser Forderung ist es, dass jeder exakt das zurückerhält, was er in den Produktionskreislauf investiert, sozusagen als Grundlage für eine klassenlose Gesellschaft, wo das Privateigentum an Produktionsmitteln im Gemeinwohl aufgeht. Doch genau hier sieht Marx auch die sich zwingend ergebende Konsequenz, nämlich dass sich das Proletariat in diesem Fall selbst entwurzelt und Klassenunterschiede wie Klassengegensätze aufhebt und den Staat als Staat selbst auflöst. Die Zeit zwischen der beschriebenen kapitalistischen und der anvisierten kommunistischen Gesellschaft bezeichnet Marx als eine Periode der revolutionären Umwandlung - der Diktatur des Proletariats.

Markant sind auch die letzten Gedanken des Autors, in denen er festhält, dass der Staat immer der Repräsentant der ganzen Gesellschaft war oder zumindest der Staat derjenigen Klasse, die zu einer bestimmten Zeit die Gesellschaft repräsentierte. In der Antike die sklavenhaltenden Staatsbürger, der Feudaladel im Mittelalter und aktuell die Bourgeoisie. Doch in dem Moment, in dem der Staat real die ganze Gesellschaft repräsentiert, macht er sich selbst überflüssig, da der Antagonismus von Unterdrückenden und Unterdrückten aufgehoben wird. Marx formuliert diesen Moment nicht als Abschaffung des Staates, sondern eher als das Absterben des Staates.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640762637
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156579
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Schlagworte
Karl Marx/ Friedrich Engels Gesellschaften Gesellschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Karl Marx/ Friedrich Engels: Von den Gesellschaften