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Der Einsatz von Derivaten zur Zinsabsicherung

Eine kritische Betrachtung der monetären Wirkungen

Fachbuch 2009 17 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Ausgangssituation

3 Instrumente zur Zinsrisikominimierung
3.1.1 Cap
3.1.2 Swap

4 Die Produkte der DZ-Bank
4.1 Zins-Cap
4.2 Zahler-Swap
4.3 Korridor-Klassik

5 Berechnungen

6 Bewertung der Ergebnisse
6.1 Beurteilung des Zins-Cap
6.2 Beurteilung des Zahler-Swap
6.3 Beurteilung des Korridor-Klassik

7 Literatur

2 Ausgangssituation

Die Kapitalmarktzinsen bewegen sich bereits seit Jahren auf einem deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Niveau und es wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass diese grundsätzliche Situation von einiger Nachhaltig sein wird.[1] Vor dem Hintergrund der aktuell weiter sinkenden Zinssätze infolge der Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten stellt sich jedoch die Frage, ob diese Entwicklung auch in Zukunft in die gleiche Richtung verläuft oder ob es in nicht allzu weiter Ferne zu einer Trendumkehr kommen könnte. Da gerade die aktuellen Entwicklungen gezeigt haben, dass zutreffende Prophezeiungen eher selten sind und den sich in Inauguration übenden Angehörigen der entsprechenden Zunft daher mit Vorsicht begegnet werden sollte, treten gerade vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen und der eigentlich nur noch sehr eingeschränkt vorhandenen Spielräume nach unten Absicherungsinstrumente in den Fokus, welche bei aller angebrachten Skepsis bezüglich weiter sinkenden Zinsen zwar die Chancen des Kapitalmarktes nutzen, aber im Wesentlichen die Risiken steigender Zinsen begrenzen lässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EZB und Bundesbank

Leider geht dies tatsächlich nicht ohne Antizipation der Zinsentwicklung, was jedoch der grundsätzlichen und damit im Ergebnis normalen unternehmerischen Situation entspricht, Entscheidungen unter Unsicherheit treffen zu müssen.

In Abhängigkeit der Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Kapitalmarktzinsen kommt daher dem Einsatz von Derivaten zur Absicherung von Zinsrisiken bei langfristigen Finanzierungen eine besondere Bedeutung zu wenn davon ausgegangen wird, dass im Prognosezeitraum mit einem eventuell starken Anstieg der Zinsen gerechnet wird.

Zur Frage, wie sich vor dem Hintergrund der aktuellen Kapitalmarktparameter der Einsatz von Derivaten gerade im Mittelstand gestaltet, soll der vorliegende Aufsatz eine Antwort geben und folglich auch als Hilfe bei der Konzeption von Finanzierungen dienen. Dies geschieht aus dem Anlass heraus, dass Geschäftsbanken bereits bei Finanzierungsvolumina von wenigen hunderttausend Euro den Einsatz von Derivaten als Finanzierungsbaustein empfehlen. Beispielhaft werden dabei die Produkte der DZ-Bank AG „Zins-Cap“, „Zahler-Swap“ und „Korridor-Klassik“ einer näheren Betrachtung unterzogen.[2]

Hierzu werden zunächst die den genannten Derivaten zu Grunde liegenden allgemeinen Kapitalmarktinstrumentarien dargestellt, um hieran anschließend auf die speziellen Produkte der DZ-Bank einzugehen. Kern der Darstellungen sind Berechnungen, an Hand derer ermittelt wird, welche tatsächlichen monetären Konsequenzen die Nutzung der Derivate unter Berücksichtigung der definierten Parameter und der aktuellen Kapitalmarktsituation hat. Zum Schluss wird eine Bewertung der Ergebnisse vorgenommen.

3 Instrumente zur Zinsrisikominimierung

Das Eingehen von Risiken gehört ebenso wie das Nutzen von Chancen zum Grundprinzip jeglichen unternehmerischen Handelns. Dabei ist es das bewusste Eingehen von Risiken welches den Unternehmer veranlassen sollte, diese aktiv zu managen und durch proaktive Kontrolle und Steuerung der akzeptierten Risiken deren Minimierung zu bewirken. Während das strategische Risikomanagement als Basis des Gesamtprozesses das grundsätzliche Bewusstsein als Element der Unternehmenskultur aufnehmen soll, dient das operative Risikomanagement der laufenden systematischen Analyse mit dem Ziel, das Risiko-/Chancenprofil stetig zu optimieren.[3]

Historisch dürfte das aktive Zinsmanagement als Teilbereich des Risikomanagements aus der Einschätzung zukünftiger Zinsentwicklungen entstanden sein. Diese fand ihren Niederschlag in der Finanzierungsentscheidung durch die Wahl eines fixen oder variablen Zinssatzes.[4]

Mittlerweile stehen zahlreiche derivative Finanzinstrumente zur Verfügung wie beispielsweise Swaps, Caps, Floors, Collars, Forward Rate Agreements, Financial Futures oder Optionen[5], welche sowohl zur Absicherung von Zins- und/oder Währungsrisiken dienen als auch zu Spekulationszwecken genutzt werden.[6] Im Rahmen der vorliegenden Abhandlungen stehen die derivativen Finanzinstrumente Cap und Swap im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses.

3.1.1 Cap

Unter Cap (Zinscap) wird eine vertragliche Vereinbarung verstanden, bei der eine Zinsobergrenze bezogen auf einen zu Grunde liegenden nominellen Kapitalbetrag bei langfristigen Finanzierungen abgesichert wird. Letztendlich versichert sich der Darlehensnehmer gegen das Risiko, dass die Zinsen über einen festgelegten Zinssatz hinaus steigen. Somit kommt dieses Instrument sinnvoller Weise dann zur Anwendung, wenn das Grundgeschäft, also der Darlehensvertrag mit der finanzierenden Bank, auf Basis einer variablen Verzinsung abgeschlossen wurde. Basis des Darlehens ist stets ein Referenzzinssatz, beispielsweise EURIBOR oder LIBOR. Zusätzlich ist vom Darlehensnehmer die Kreditmarge zu leisten. Sobald nun der Referenzzinssatz über die vertraglich vereinbarte Zinsobergrenze (Strike) steigt, erhält der Kreditnehmer die Differenz zwischen Strike und Referenzzinssatz erstattet.

Wichtiger Bestandteil des Vertrages ist die Prämie, welche für den CAP zu zahlen ist. Sie ist letztendlich der Preis dafür, dass bei über den Strike steigenden Zinsen das Zinsrisiko des Kreditnehmers begrenzt ist. Je weniger hoch der Strike über dem bei Vertragsabschluss geltenden Referenzzinssatz liegt, desto höher ist die Prämie für den CAP.

Bedeutsam ist, dass der Cap, der als eigenständiger Vertrag unabhängig vom Grundgeschäft vereinbart wird, als Kapitalmarktinstrument im Sinne eines selbständigen Wirtschaftsgutes handelbar ist. Wird also das Darlehen beispielsweise vorzeitig getilgt, so dass das Absicherungsinstrument überflüssig wird, besteht die Möglichkeit, den CAP zu veräußern. Oder es wird bei entsprechend hohen Referenzzinsen der Differenzbetrag ausgezahlt, ohne dass noch Darlehenszinsen an die Bank zu leisten wären. Aber auch bei Weiterbestehen der Darlehensverbindlichkeit gegenüber der Bank kann der Cap veräußert werden.

Neben der Versicherung gegen steigende Zinsen bietet der CAP die Möglichkeit, an fallenden Referenzzinsen zu partizipieren, da das Darlehen auf Basis variabler Zinsen vereinbart wurde.[7]

Wie sich die Funktionsweise eines CAP darstellt, zeigt die nachfolgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Vorteile eines Cap bestehen grundsätzlich darin, dass der Kreditnehmer von fallenden Kapitalmarktzinsen partizipieren und gleichzeitig das Risiko eines Zinsanstiegs begrenzen kann. Darüber hinaus ist der Cap jederzeit zu Marktpreisen handelbar. Negativ wirkt sich die zu zahlende Prämie aus. Diese stellt letztendlich das Risiko des Darlehensnehmers dar. Je nach tatsächlicher Zinsentwicklung wäre die Absicherung nicht erforderlich gewesen, so dass die Prämie vergebens gezahlt worden wäre. Unter welchen Bedingungen sich ein Cap rechnet, zeigen die nachfolgenden Berechnungen.

3.1.2 Swap

Bei einem Swap handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um den Austausch von Zahlungsströmen und dient der Sicherung eines festen Zinssatzes über eine bestimmte Laufzeit. Dabei vereinbaren zwei Vertragspartner, dass zu bestimmten Zeitpunkten Zinszahlungen ausgetauscht werden. Die Vertragsbeziehung ist so gestaltet, dass der Darlehensnehmer mit der finanzierenden Bank einen variablen Kredit auf Referenzzinsbasis vereinbart. Gleichzeitig schließt er ein eigenes Rechtsgeschäft mit einem weiteren Partner ab. An den Partner zahlt er über die Laufzeit des Vertrages einen festen Zinssatz, während der Vertragspartner den vom Darlehensnehmer an die Bank zu zahlende Referenzzinssatz, beispielsweise den 3-Monats-EURIBOR, erstattet. Somit versichert der Darlehensnehmer seinen variablen Kredit gegen Zinssteigerungen, ohne an fallenden Zinsen partizipieren zu können. Letztendlich erreicht er durch diese Konstruktion nur, dass der von ihm zu zahlende Zins fix wird.[8]

[...]


[1] Vgl. Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose, 2008, S. 10 sowie Postbank Research, Zinsprognose Januar 2009; Zur Prognose der Kapitalmarktentwicklung bereits Ende 2007 vgl. beispielhaft Berenberg Bank, Konjunktur- und Kapitalmarktbarometer, Jahresprognose 2008, 2007.

[2] www.dz-bank.de

[3] Vgl. Stagl/Lauffer-Köpplinger, Management von Finanzmarktrisiken, in: Stadler (Hrsg.): Die neue Unternehmensfinanzierung, 2004, S. 278 f.

[4] Vgl. Buder/Rux, Instrumente des Zins- und Währungsmanagements, in: Stadler (Hrsg.): Die neue Unternehmensfinanzierung, 2004, S. 284.

[5] Vgl. Olfert/Reichel, Finanzierung, 2005, S. 349 ff.

[6] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen, Unternehmensbewertungen erstellen und verstehen, 2008, S. 154; Zur Verwendung von Derivaten im Rahmen der Kapitalanlage vgl. Pfadenhauer, Derivate, 2007 sowie Bank-Verlag Medien GmbH, Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren, 2007.

[7] Vgl. Buder/Rux, Instrumente des Zins- und Währungsmanagements, in: Stadler (Hrsg.): Die neue Unternehmensfinanzierung, 2004, S. 292 sowie Besant/Heidorn/Linsenmaier, Zinsprodukte in Euroland, 2003, S. 145 ff.

[8] Vgl. hierzu Gaugusch/Wainig, Wie die Wandelbarkeit von Kreditrisiken die Finanzierungslandschaft verändert, in: Stadler (Hrsg.): Die neue Untenrehmensfinanzierung, 2004, S. 93 f sowie Platzer/Riess, Finanzierung über Kredite, in: Stadler (Hrsg.): Die neue Unternehmensfinanzierung, 2004, S. 154 ff.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640703562
ISBN (Buch)
9783640704002
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157245
Note
Schlagworte
Einsatz Derivaten Zinsabsicherung Eine Betrachtung Wirkungen

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