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Peer Education

Eine Untersuchung auf Eignung in der Suchtprävention

Bachelorarbeit 2010 46 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 2

2 Problemskizze: Epidemiologie von Sucht im Jugendalter ... 3

3 Aktuelle Präventionsansätze ... 7
3.1 Schulische Präventionsansätze ... 9
3.1.1 Traditionelle Modelle: Information, Aufklärung und Abschreckung ... 9
3.1.2 Aktive Erziehung ... 10
3.1.3 Ansatz der funktionalen Alternative ... 11
3.1.4 Ansatz zum Sozialen Einfluss ... 12
3.1.5 Das Konzept der Lebenskompetenzförderung ... 13
3.1.6 Ansatz der Gesundheitsförderung ... 14
3.2 Gemeindeorientierter Handlungsansatz ... 15
3.3 Massenmediale Maßnahmen ... 16
3.4 Theorien für gesetzliche Maßnahmen ... 17

4 Präventionsprogramme ... 17
4.1 Lieber schlau als blau ... 20
4.2 Hart am Limit (HaLt) ... 23
4.3 Das Soester Programm zur Suchtprävention ... 26

5 Peer Education in der Suchtprävention ... 28

6 Zusammenfassung/ Fazit ... 38

Abstract

In dieser Arbeit werden die aktuellen Zahlen und Gewohnheiten des Suchtmittelkonsums vorgestellt, um die Notwendigkeit von Präventionsansätzen dar- zustellen. Allein die Vorstellung von Präventionsprogrammen ist nicht ausreichend, denn vielmehr muss erst auf die verschiedenen Ansätze und dann auf die Präventionsprogramme eingegangen werden. Es gibt zahlreiche Programme mit dem gleichen Ziel verantwortungsbewusstes Trinkverhalten zu erreichen, jedoch weisen sämtliche Präventionsprogramme eine andere Vorgehensweise auf. Konzepte mit den gleichen Zielen können aber auch unterschiedliche Effektivitäten aufweisen.

Das Präventionsprogramm Peer Education wird mit den Präventionsprogrammen HaLt, Soester und Lieber schlau als blau verglichen. Die Konzeptionalisierung der Programme wird vorgestellt. Gleichzeitig wird darauf geachtet, ob die Programme die Kriterien die von Frau Prof. Leppin, Frau Prof. Kolip und Kollegen aufgestellt wurden, erfüllt werden. Diese Kriterien resultieren aus internationalen Erfahrungen. Ein gutes Programm sollte diese Maßstäbe erfüllen.

Diese Arbeit verfolgt die Fragestellung: Ist Peer Education ein erfolgreicher Weg in der Suchtprävention?, die letztendlich im Fazit beantwortet wird.

1 Einleitung

Komasaufen scheint der Trend der Jugendlichen zu sein. Die Gründe, die Jugendliche zu derartigen Alkoholexzessen treiben, sind verschiedenartig. Jedoch wird das problematische Verhalten, das Komasaufen, von den Jugendlichen oft nicht als verwerflich angesehen, sondern steigert vielmehr deren Ansehen und stärkt ihre Rolle in der Gruppe. Viele Jugendlichen beginnen mit dem regelmäßigen Konsum von Alkohol zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr. Alkohol gehört bei den Jugendlichen zum guten Ton bei Feiern und auch manchmal im Alltag. Der übermäßige Konsum von Alkohol gehört hierbei schon beinahe zum Erwachsenwerden dazu. Genau in dieser Lebensphase, der Pubertät, verändert sich psychisch und physisch sehr viel. Der Körper verändert sich, der Leistungsdruck in Schule und Ausbildung steigt an, der erste Liebeskummer ist zu bewältigen etc. Alkohol dient dazu all diese schwierigen Umstände zu kompensieren. Alkohol hat eine entspannende, enthemmende Wirkung. Dadurch, dass der Alkoholkonsum in der Gesellschaft akzeptiert wird, wird ein Abstinenzler schnell als Außenseiter angesehen. Die krankheitsfördernden oder tödlichen Gefahren, die dem Komasaufen zugeschrieben werden, werden dabei völlig ausgeblendet bzw. sie werden von den Jugendlichen stark unterschätzt. Alkoholkonsum kann ursächlich für gesundheitliche und/oder gesellschaftliche Probleme sein, häufig führt er zu Beziehungsproblemen, schlechteren Schul- und Arbeitsleistungen, Steigerung der Aggressivität, finanzielle Probleme, Gefährdung der Sicherheit im Straßenverkehr, ungeschützter Geschlechtsverkehr, ungewollte Sexualerlebnisse etc.

Die gesundheitlichen Folgeschäden (hinfort: Komorbiditäten) von regelmäßigen und exzessivem Alkoholkonsum verursachen u.a. enorme Kosten im Gesundheitswesen, demnach müssen Präventionsmodelle konzipiert, umgesetzt und letztendlich evaluiert werden. Genau an dieser Stelle ist der Handlungsbedarf von Sozialpädagogen, Medizinern und Gesundheitswissenschaftlern erforderlich.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Präventionsprogramm Peer Education. Sie wurde unter der Fragestellung verfasst: Ist Peer Education ein erfolgreicher Weg in der Suchtprävention? Peer Education wird in dieser Arbeit mit den Präventionskonzepten "Lieber schlau als blau", "Soester" und mit "Hart am Limit - HaLT" verglichen. Es werden verschiedene Präventionsansätze vorgestellt, um so die Wirkungsweise ableiten zu können. Die vier Programme werden den Ansätzen zugeordnet und bewertet.

Der Hintergrund zur Themenwahl dieser Bachelor-Arbeit resultiert aus meinem viermonatigen Praktikum in der Planungs- und Koordinierungsstelle beim Bezirksamt in Berlin Steglitz/ Zehlendorf. Dort betreute ich die Jugendlichen mit zwei weiteren Sozialpädagogen, die an diesem Peer Education-Projekt beteiligt waren. In meiner Literaturrecherche fand ich weitere Präventionsmodelle, die die gleiche Zielsetzung kontrolliertes Trinkverhalten verfolgen, jedoch grundverschiedene Vorgehensweisen aufweisen. Dieses erstaunte und faszinierte mich derartig, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit zu dieser Thematik verfasste.

Diese Arbeit wird mit faktischen Daten über den derzeitigen Suchtmittelkonsum bei Kinder und Jugendlichen in Deutschland beginnen. Dabei werden die Daten der vergangenen Jahren herangezogen, um zu sehen, ob ein Anstieg der Anzahl der Konsumenten statt fand oder die Zahl der Konsumenten unverändert geblieben ist und ob exzessiver konsumiert wurde. Diese Trends müssen in einem Konzept berücksichtigt werden. Im dritten Kapitel werden von mir die drei Präventionsmodelle Lieber schlau als blau, Soester und das Hart am Limit (hinfort: HaLT) vorgestellt. Anschließend werde ich auf das fokussierte Thema Peer Education in der Suchtprävention eingehen. In Unterkapiteln wird die Konzeption, Umsetzung, Unterschiede zu anderen Ansätze und die kritische Betrachtungsweise mit einfließen. Alle vier Programme werden mit den Kriterien, die auf internationalen Erfahrungen basieren verglichen, um so die Wirksamkeit besser beurteilen zu können. Abgerundet werden diese Unterkapitel mit eventuellen Empfehlungen. Abschließen wird die Bachelor-Arbeit mit einer kurzen Zusammenfassung der zentralen Aussagen, Beantwortung der vorangegangenen Fragestellung und der wichtigsten Ergebnisse.

2 Problemskizze: Epidemiologie von Sucht im Jugendalter

Das Konsumverhalten von Suchtmittel in Deutschland bleibt weiterhin unverändert. Der Alkohol- und Tabakkonsum, der Gebrauch der Medikamente mit Suchtpotenzial und illegaler Drogen bleibt weiterhin konstant.1

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (hinfort: DHS) ist zur Erkenntnis gekommen, dass sich der Verbrauch von Alkohol je Einwohner verschoben hat. Die Bundesbürger haben eine Vorliebe für Wein und Schaumwein entwickelt. Laut der World Health Organization (hinfort: WHO) in einem Artikel der DHS, steht Deutschland im internationalen Vergleich an fünfter Stelle mit einem Alkoholkonsum (reinen Alkohol) der über 15-Jährigen.2 Des Weiteren konnte ein Umsatzrückgang von spirituosenhaltigen Mischgetränken um 1,8 Prozent des gesamten Spirituosenmarkts verzeichnet werden. Dies ist auch für die Biermischgetränke zutreffend. Nach zweistelligen Absatzsteigerungen3 stieg der Absatz 2008 nur noch um 1,1 Prozent. Die 15- und 16-jährigen Alkoholkonsumenten trinken weniger Alkopop-Getränke, so sank die Zahl in der Zeit 2003 bis 2007 von 64,3 Prozent auf 45,3 Prozent. Im selben Zeitfenster stieg jedoch der Anteil der Bierkonsumenten von 56,4 Prozent auf 66,8 Prozent. Auch der Anteil der 15- bis 16-jährigen Konsumenten, die hochprozentige Spirituosen konsumieren, stieg in dieser Altersgruppe von 52,6 Prozent auf 56,9 Prozent an. In den Altersgruppen zwischen 35 und 50 Jahren lagen die Zuwachsraten des exzessiven Alkoholkonsums ebenfalls unter 10 Prozent. Es lässt sich anhand dieser Daten erkennen, dass das sogenannte Komasaufen nicht allein ein jugendspezifisches Problem ist. Viele Jugendliche probieren im Alter von 8 bis 10 Jahren erstmalig Alkohol, aber das Haupteinstiegsalter zum gelegentlich bis regelmäßigen Konsum beginnt zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr.4 " Es lässt sich an dieser Stelle anmerken, dass nur 10 Prozent der unter 16-Jährigen noch keine Erfahrungen mit Alkohol gesammelt haben. Mädchen bevorzugen mehr Weine und Jungen Bier.5 Oftmals findet der erste Kontakt zu Alkohol im Elternhaus statt. Anlässe dafür sind oftmals Geburtstagsfeiern, Jubiläen oder Sylvesterpartys.

Kinder bzw. Jugendlichen in deren Familien viel oder häufig Alkohol getrunken wird, werden als eine Risikogruppe angesehen.

Sogar das Konsummuster kann von der Familie angenommen werden, das bedeutet aber auch, dass die Familie eine protektive Wirkung darstellen kann.6 Es lässt sich noch zusätzlich anmerken, dass die Familienkonstellation Einfluss auf das Konsumverhalten nimmt, so wurde nachgewiesen, dass Kinder aus Ein-Eltern-Familien häufiger und mehr Alkohol trinken als Kinder aus vollständigen Familien. Die Anzahl der Geschwister können auch für das Konsum- verhalten entscheidend sein. Auch die Familienatmosphäre bzw. die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung bedingen den Suchtmittelkonsum der Kinder. Seit Jahren wird von einer jährlichen Todesfallrate von über 73.000 Todesfällen ausgegangen, die auf alkoholbezogene Gesundheitsstörungen zurückzuführen sind. Hier sind alle Altersgruppen erfasst. Circa ein Fünftel aller Todesfälle unter den 35 -bis 65-Jährigen sind alkoholbedingte Todesfälle.

In Deutschland konsumieren insgesamt 9,5 Mio. Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise.8 Es ist noch festzuhalten, dass von den 9,5 Mio. Menschen, ungefähr 2,0 Mio. missbräuchlich und 1,3 Mio. abhängig Alkohol konsumieren. Laut der DHS entstehen jährlich 24,4 Mrd. Euro volkswirtschaftliche Kosten, infolge alkoholbezogener Krankheiten. Demgegenüber stehen die Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern, die 2008 um 6,7 Prozent (auf 3,525 Milliarden Euro) stiegen.

Beim Tabakkonsum ist der Trend gegenläufig. Seit 2007 herrscht das Verbot für Werbung für Tabakerzeugnisse in Zeitungen, Zeitschriften sowie im Internet und Sponsoring grenzüberschreitender Veranstaltungen. Es lässt sich lang- sam ein Rückgang des Tabakkonsums auf europäischer und nationaler Ebene erkennen. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank 2008 auf 1.068 Stück (2007: 1.112 Stück). Im Jahr 2009 rauchten 29,9 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands, 33,9 Prozent der Männer und 26,1 Prozent der gleichaltrigen Frauen. Aus den Untersuchungen geht ein Unterschied zwischen den jüngeren und älteren Bundesbürgern hervor, so rauchen die Jüngeren9 mehr als die Älteren. Es wird jedoch immer noch von einer jährlichen tabakbedingten Todeszahl von 110.000 bis 140.000 ausgegangen.10 Anders als beim Alkoholkonsum, ist die Prävalenz abhängig vom Schultypus, so rauchen die Mittelschüler wesentlich mehr als Gymnasiasten.11

Ein geringerer Anteil der Bevölkerung, im Vergleich zu den Tabakkonsumenten nimmt regelmäßig Medikamente ein. Ungefähr 4 bis 5 Prozent aller häufig verordneten Arzneimittel begünstigen eine Suchtentwicklung. Schätzungsweise 1,4 Mio. sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial, 1,1 bis 1,2 Mio. Menschen von Benzodiazepinderivaten und weitere 300.000 bis 400.0000 Menschen von anderen Arzneimitteln.

Frauen konsumieren mehr Appetitzügler, Abführmittel, Beruhigungs- und Schlaf- und Schmerzmittel.12 Es wird angenommen, dass ein Drittel dieser Mittel nicht aufgrund akuter Erkrankungen verordnet werden. Vielmehr werden sie langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung oder Linderung von Entzugserscheinungen rezeptiert. 2008 wurden 28,9 Mio. Packungen Schlaf- und Beruhigungsmittel und 11 Mio. Packungen Tranquilizer über den Apothekentisch gereicht. 81 Prozent (126 Mio. Packungen) der 156 Mio. Packungen verkaufter Schmerzmittel waren nichtrezeptpflichtige Schmerzmittel, inklusiver Medikamente mit Kodein und Koffein.13 Aus den Jugendgesundheitssurveys lässt sich entnehmen, dass Mädchen mehr Medikamente konsumieren als Jungen und die Zahl im Alter weiter zunimmt.

Cannabisprodukte wie Haschisch oder Marihuana sind die am meisten verbreiteten Drogen. Die Akzeptanz für diese Suchtstoffe ist signifikant hoch. So geben ca. 24 Prozent der Jugendlichen an, bereits Erfahrungen mit Haschisch oder Marihuana gemacht zu haben. Es wird davon ausgegangen, dass die 12-Monats-Prävalenz bei ca. 9 bis 10 Prozent liegt.14 Während der Tabakkonsum in den letzten 20 Jahren zurück gegangen ist, ist die Prävalenzrate des illegalen Drogenkonsums stagniert, anders gestaltet es sich bei den Substanzen Ecstasy und Haschisch. In den letzten Jahren wird deutlich mehr konsumiert.15 Der Konsum von illegalen Drogen beginnt meistens im 16. bis 18. Lebensjahr. Mädchen beginnen oftmals früher mit dem Konsumieren als Jungen.16 Bei Mädchen treten die pubertierenden Veränderungen circa zwei Jahre früher ein. Ursachen für erhöhten Drogenkonsum können das soziale Umfeld, die Herkunft oder die Interessenlage sein. Nicht nur körperlich sondern auch seelische Veränderungen finden statt und können mit verantwortlich sein für die frühzeitlichen Entwicklung und das Konsumverhalten der Mädchen.17 Des Weiteren ist anzumerken, dass Jungen eine höhere Prävalenz aufweisen als Mädchen und dass der Konsum von Cannabisprodukte unabhängig vom Schultypus ist.18

Ein weiteres Suchtrisiko besteht im Bereich des Glückspieles. Der Umsatz auf dem Glücksspiel-Markt sank 2008 um 11 Prozent auf 24,895 Mrd. Euro. und in den Spielbanken gar um 21,7 Prozent (auf 8 Mrd.). Dagegen stieg der Umsatz der Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit um 6,6 Prozent (auf 8,1 Mrd. Euro) und wurde mit 32,6 Prozent zum umsatzstärksten Glücksspielsektor. Die DHS schätzt die Zahl der pathologischen Glücksspieler auf über 220.000 Personen.19 Die genannten Zahlen lassen erkennen, das vor allem beim Alkohol- und Drogenkonsum enormer Handlungsbedarf besteht, deshalb ist der Fokus dieser Arbeit auf stoffgebundene Süchte gerichtet.

3 Aktuelle Präventionsansätze

Gründe für ein erhöhtes Suchtrisiko können die Veränderungen der Gesellschaft und der Familienstruktur wie zum Beispiel, Trennung der Eltern, Patchwork- Familien, Kleinfamilien etc. sein. es ändern sich die Rahmenbedingungen in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Hinzu kommt, dass es nicht aus- reichend Ganztagsschulen in Deutschland gibt und die Eltern immer mehr im Berufsleben eingespannt sind. Dies schafft mehr Handlungsspielräume der betroffener- Kinder / Jugendliche. Kinder haben so die Möglichkeit ihre Freizeit frei zu gestalten. Familie wird durch Freunde, Schule etc. substituiert und kann sich positiv oder negativ auf die Entwicklung des Kindes/ Jugendlichen auswirken.20

Weitere Gründe für den Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen können sein:

- nach Autonomie streben - stellvertretende Funktion
- gewollte Normenverletzung - gegen gesellschaftliche Normen - und Wertevorstellungen auflehnen
- alltägliche Stressbewältigung - Ausgleich der Entspannung - Kompensation21
- helfen über Niedergeschlagenheit und Depressionen hinweg
- Zugehörigkeit einer Gruppe bei der Konsum gebräuchlich ist - man fühlt sich in der Gesellschaft wohler22
- ruft Kontaktfreudigkeit hervor23
- Selbstwertgefühl steigern24

In der Pubertät findet hauptsächlich die Identitätsbildung statt, diese kann sich äußerst schwierig gestalten. Die propagierten Lifestyle vermeintlicher Vorbilder und die Suche nach dem Außergewöhnlichen können eine Disbalance bei der Identitätsbildung hervorrufen. Sie messen diese an ihrer eigenen Biographie und Perspektiven. Die äußerlichen Veränderungen wie Körperwachstum, Akne, Menarche, Stimmenbruch bei den Jungen und das Brustwachstum bei Mädchen usw. führen zu persönlichen Verunsicherungen.25

Jugendliche aus ärmeren Verhältnissen verfügen über einen niedrigeren Status, dies führt zu Belastungen, die die Identität beeinflussen kann. Die heutige Zeit ist durch den technischen Fortschritt geprägt. In fast jedem Haushalt verfügt jedes Familienmitglied über technische Geräte, die eine tragfähige Kommunikation innerhalb der Familie erschweren. Aktivitäten wie Sport oder Freizeitgestaltung mit der Familie oder Freunden werden dadurch deutlich vernachlässigt. Die Folge ist oftmals soziale Vereinsamung. Benötigte Kicks bleiben aus und werden durch Konsum von Suchtmittel ersetzt.26

Es gibt viele Ansätze für Präventionsmöglichkeiten, um negative Folgen zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten. Aber nicht jeder Ansatz eignet sich für den Interventionsbereich Schule oder Jugendclub. Jugendliche, die älter sind als 17 Jahre und nicht mehr die Schule besuchen, erreicht man nicht mehr mit dem schulischen Präventionsansatz. Diese Zielgruppe kann beispielsweise mit dem gemeindeorientierten oder massenmedialen Ansatz erreicht werden. Deshalb werden die Ansätze in: schulische Präventionsansätze, gemeindeorientierte Handlungsansätze, massenmediale Maßnahmen und in die Theorien für gesetzliche Maßnahmen unterteilt.

Um dem Missbrauch von legalen und illegalen Drogen zu vermeiden oder zu reduzieren, gilt die Prävention als erfolgversprechend. Kosten der Präventionsmaßnahmen werden mit den Behandlungskosten der Suchterkrankung relativiert.

Das Wort Prävention kommt ursprünglich aus dem Lateinischen. Das Verb prä-venire, heißt übersetzt zuvorkommen. Unter Prävention wird die Vorbeugung von Krankheiten verstanden und üblicherweise in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention eingeteilt.27

- Primäre Prävention ist darauf abgerichtet, im Vorfeld einer Krankheitsentwicklung die Widerstandskräfte zu stärken, das Auftreten einer Krankheit möglichst ganz zu vermeiden oder doch zumindest die Verbreitung einer Krankheit so niedrig wie möglich zu halten.
- In der Sekundärprävention geht es hauptsächlich darum, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um eine Genesung zu erreichen. Sollte eine Heilung unwahrscheinlich sein, dient die Sekundärprävention dazu, das Ausmaß der Ausbreitung und die Dauer der Krankheit zu reduzieren. Eine Zustandsverschlechterung und Komorbiditäten sollen hier verhindert werden.

[...]


1 vgl. DHS, 2010
2 nach Luxemburg, Irland, Ungarn und Tschechien
3 2006: 17,7 Prozent; 2007: 18,2 Prozent
4 vgl. BZgA, 2006, S. 14
5 vgl. Freitag in Kolip, 1999, S. 163
6 vgl. Freitag in Kolip, 1999, S. 164f
7 vgl. Dielmann et al., 1993, S. 273-316
8 wenn sie mehr als 12 g (Frauen) bzw. 24 g (Männer) täglich
9 z.B. 18 bis 29 Jahre, Männer 43,2 undFrauen 37,9 Prozent
10 vgl. DHS, 2010
11 vgl. Petermann & Roth, 2002, S. 58
12 vgl. Glaeske, G., 1989, S. 10-27
13 vgl. DHS, 2010
14 vgl. Caspers-Merk, 2005, S. 19
15 vgl. Kolip, 1999, S. 8f
16 vgl. Hurrelmann & Engel, 1993, S. 23
17 vgl. Haushahn, 1996, S. 71
18 vgl. Petermann & Roth, 2002, S. 58; vgl. Kolip, 1989, S. 13
19 vgl. DHS, 2010
20 vgl. Tossmann & Weber, 2008, S. 231f
21 vgl. Lindemeyer, 1993, S. 14
22 vgl. Lindemeyer, 1993, S. 13
23 vgl. Lindemeyer, 1993, S. 13
24 vgl. Petermann, 1997, S. 26
25 vgl. Nörber, 2003, S. 96f
26 vgl. Tossmann & Weber, 2008, S. 231f
27 vgl. Hurrelmann et al., 2007, S. 31f

Details

Seiten
46
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640705337
ISBN (Buch)
9783640705962
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157336
Institution / Hochschule
Internationale Universität Bremen – Universität
Note
1,3
Schlagworte
Peer Education Eine Untersuchung Eignung Suchtprävention

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