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Systemtheorie - Eine Einführung in die luhmannsche Universaltheorie am Beispiel des sozialen Funktionssystems 'Medien'

Hausarbeit 2002 16 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Systemtheorie

3. Soziale Systeme: Aufbau und Funktionsweise

4. Systemtheorie und Massenmedien

5. Massenmedien und ‚Realität’

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer auch immer versucht sich als Nicht-Systemtheoretiker mit dem Bereich der Systemtheorie vertraut zu machen, hat ein weites Feld vor sich. Allein der Kern dieser Theorie, der sich auf Niklas Luhmanns moderne Systemtheorie reduzieren lässt, weist eine hochgradige Komplexität auf, die nicht zuletzt damit zu erklären ist, dass der Begründer seine Theorie als „besonders eindrucksvolle Supertheorie“ bezeichnet, die überdies einen Universalitätsanspruch stellt.[1] „Universalität der Gegenstandserfassung in dem Sinne, daß sie als soziologische Theorie alles Soziale behandelt und nicht nur Ausschnitte [...].“[2] Einer Vielzahl seiner zahlreichen Buch-Publikationen und Aufsätze liegt die von ihm entworfene Theorie zugrunde, doch ist dieses Thema derart komplex, dass es nicht weiter verwundert, wenn Luhmann sich zugehörigen Teilgebieten sehr detailliert widmet. In seinem 1984 erstmals erschienenem Werk „Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie“ stellt der Soziologe seine umfassende Theorie, mit der er die Welt zu beschreiben sucht, zusammenfassend vor. Neben Sekundärliteratur stellt dies eine Erleichterung für jeden dar, der einen guten Zugang zur Systemtheorie sucht.

Bereits der Begriff Systemtheorie lässt darauf schließen, dass jene Supertheorie die Welt mittels verschiedener Systeme erklärt, die bestimmte Strukturen, Merkmale, Ausmaße und Einflüsse vorweisen können. Auch die Medien[3] bilden in unserer heutigen Zeit ein solches System, das es in der folgenden Arbeit exemplarisch für weitere Systeme zu untersuchen gilt. Ziel soll eine stark vereinfachte und modellhafte Darstellung Luhmanns Theorie am Beispiel des Funktionssystems ‚Massenmedien’ sein. Der Begriff ‚Kommunikation’, der sich wie ein roter Faden durch „das Labyrinth der Systemtheorie mit ihren zahlreichen Quer- und Rückverweisen“[4] zieht, sowie weitere in der Systemtheorie unersetzbare Termini werden eingeführt, ihre Inhalte und Beziehungen zueinander erörtert. Nach eingehender theoretischer Erläuterung Luhmanns Theorie wird die Funktionsweise des Systems Massenmedien samt ihrer Problemstellungen als Beispiel herangezogen.

2. Systemtheorie

Auch wenn es im Folgenden ausschließlich um die von Niklas Luhmann weiterentwickelte moderne Systemtheorie geht, muss doch festgehalten werden, dass es innerhalb der ursprünglichen Systemtheorie drei Richtungen zu unterscheiden gibt.

Sowohl die allgemeine Systemtheorie, verbunden mit dem österreichischen Biologen Ludwig van Bertalannfy, als auch die auf den amerikanischen Mathematiker Norbert Wiener zurückgehende Kybernetik finden für die hiesige Arbeit keine Verwendung.[5] Ideengeschichtlich knüpft Luhmann[6] an die dritte Strömung, die strukturell-funktionale Systemtheorie des Soziologen Talcott Parsons an, dessen Schüler er in den 1960er Jahren war.[7] Parsons Theorie stellt die Welt ebenfalls als eine Menge zu unterscheidender Systeme dar, allerdings gilt sein Interesse der Struktur jener Systeme, und nicht deren Funktion. Letzteres wird von Luhmann in seinen Ausführungen primär behandelt. Für ihn besteht die Welt aus Systemen, aus Funktionssystemen und deren Umwelt.

3. Soziale Systeme – Aufbau und Funktionsweise

Luhmanns Beschreibung der Welt mit Hilfe der Unterscheidung von System und Umwelt, lässt sich graphisch z.B. anhand dieses Modells darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die von einer dicken schwarzen Linie umgebene Kugel stellt die Welt dar, die

nach Luhmann aus System und Umwelt besteht. Aus der Perspektive eines einzelnen Systems kann alles, was sich außerhalb der eigenen Systemgrenze befindet, als Umwelt bezeichnet werden. Wir können der Grafik entnehmen, dass sich innerhalb der Umwelt eines Systems andere Systeme befinden. Hier stoßen wir auf die begrenzten Möglichkeiten des Modells, da ersichtlich wird, dass es wohl zu erklären vermag, dass die Welt aus Systemen und deren Umwelt besteht, nicht jedoch, dass die ein bestimmtes System umgebenden Systeme in eben dessen Umwelt liegen.[8] Die Umwelt eines Systems ist alles ohne das System, innerhalb der Welt jedoch ist nur das System handlungsfähig.

Greifen wir nun ein einzelnes von den vielen in der Welt existierenden Systemen heraus – z.B. das System Massenmedien, um welches es im Folgenden noch gehen wird – so lassen sich neben der ‚System-Umwelt-Differenz’[9] nach der Universaltheorie bestimmte Merkmale feststellen. Es reproduziert seine konstituierenden Elemente durch seine systeminterne Kommunikation permanent selbst. Systeme, „die alle elementaren Einheiten, aus denen sie bestehen, durch ein Netzwerk eben dieser Elemente reproduzieren und sich dadurch von ihrer Umwelt abgrenzen“[10], bezeichnet Luhmann als autopoietische Systeme. Beim Begriff der Autopoiesis[11] handelt es sich um eine auf den Kognitionsbiologen Humberto Maturana zurückgehende Wortneuschöpfung, deren Übersetzung in ‚Selbstschöpfung’ oder ‚Selbsterzeugung’ allerdings verquere Schlüsse nach sich ziehen könnte. Luhmanns Transfer der Autopoiesis von der Biologie in die Soziologie meint nicht die Selbsterschaffung eines Systems aus dem Nichts – vielmehr dient der Begriff zur „Beschreibung eines Systems, das von seiner Eigendynamik her auf seine Fortsetzung ausgerichtet ist.“[12] Neben der Abgrenzung gegenüber der Umwelt, stellt folglich auch die Kommunikation bzw. die autopoietische Kommunikation ein bestimmendes Merkmal sozialer Systeme dar. Kommunikation findet jedoch nicht nur zum Zwecke der Autopoiesis statt, sondern gleichermaßen als Verbindung zwischen den einzelnen Systemen. In welcher Form kommuniziert wird bzw. welche kommunikativen Verbindungen eingegangen werden, scheint, wie das Modell ersehen lässt, reiner Willkür zu unterliegen. Was jedoch ist in diesem Falle Kommunikation?

[...]


[1] Niklas Luhmann: Soziale Systeme, Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 1987, S. 19.

[2] Ebd. S. 9

[3] Im Folgenden wird dieser Begriff durch Luhmanns bezeichnenden Terminus der ‚Massenmedien’ ersetzt.

[4] Josef Wehner: Wie die Gesellschaft sich als Gesellschaft sieht – elektronische Medien in systemtheoretischer Perspektive. In: Klaus Neumann-Braun, Stefan Müller-Doohm (Hg.): Medien und Kommunikationssoziologie. Eine Einführung in zentrale Begriffe und Theorien.

Weinheim/München 2000. S. 94

[5] Helmut Seiffert: Einführung in die Wissenschaftstheorie, Bd. 3, München 1992.

[6] *1927 in Lüneburg, † 1998 Bielefeld

[7] Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, Soziologie-Studium an der University of Harvard, 1968 erlang

er die Professur für Soziologie.

[8] Die in der gelb gekennzeichneten Umwelt liegenden Systeme eines bestimmten rot markierten Systems

könnten auch orange unterlegt werden, um diesen Aspekt hervorzuheben. Allerdings würde dadurch verloren gehen, dass die System-Umwelt-Differenz allgemeingültig ist, also für jedes einzelne System zutrifft.

[9] Derartige Begriffsoppositionen, sogenannte ‚binäre Codierungen’ sind kennzeichnend für Luhmann, dessen Erläuterungen zumeist auf der Beschreibung von Unterscheidungen basieren.

[10] Niklas Luhmann: Ökologische Kommunikation, Opladen 1986, S. 266.

[11] ‚autos’ = selbst / ‚poiesis’ = Schöpfung, Dichtung

[12] Walter Reese-Schäfer: Niklas Luhmann zur Einführung, Hamburg 1999, S. 43.

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638207683
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15743
Institution / Hochschule
Universität Siegen – FB Germanistik
Note
1
Schlagworte
Systemtheorie Eine Einführung Universaltheorie Beispiel Funktionssystems Medien Grundkurs Medienerziehung

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Titel: Systemtheorie - Eine Einführung in die luhmannsche Universaltheorie am Beispiel des sozialen Funktionssystems 'Medien'