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Was ist guter Frontalunterricht?

Zwischenprüfungsarbeit 2007 27 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Merkmale guten Unterrichts?

3. Was ist Frontalunterricht?

4. Sieben didaktische Grundfunktionen des Frontalunterrichts

5. Vor- und Nachteile des traditionellen Frontalunterrichts

6. Ein neue Form: der integrierte Frontalunterricht

7. Was ist guter Frontalunterricht?

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hausarbeit „Ist Frontalunterricht guter Unterricht?“ entstand in Anlehnung an das Seminar „Was ist guter Unterricht?“.

Besonders durch die PISA-Studien und das nur durchschnittliche Abschneiden der deutschen Schüler[1] wurde die Diskussion über die effektivsten Unterrichtsmethoden wieder aufgenommen. Es gibt eine große Methodenvielfalt um den Unterricht gut und abwechslungsreich zu gestalten, angefangen von selbstorganisierten Lernformen sowie strukturierten offenen Unterricht oder dem Laisser-faire-Unterricht bis hin zu traditionellen Unterrichtsformen. Jedoch wird der traditionelle Frontalunterricht oft als nicht mehr zeitgemäß gegenüber den modernen Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel dem Gruppenunterricht angesehen. Es gibt zahlreiche kreative und produktive Unterrichtspraktiken, um Informationen und Wissen an die Schülerinnen und Schüler zu vermitteln, als den Frontalunterricht. Der Begriff des Frontalunterrichtes wird häufig negiert von Lehrkräften, obwohl der frontale Unterricht die häufigst angewandte Methode im Unterricht ist.

Ewald Terhart erklärt die Diskussion und Kontroverse über den Frontalunterricht sehr passend:

Gleichwohl dominiert auch heute noch immer der Frontalunterricht- obwohl er zu denjenigen Unterrichtsmethoden gehört, die von theoretischer Seite auch weiterhin am heftigsten bekämpft wird!“[2]

Viele Pädagogen sind sich einig, dass es nicht immer ausreichend ist, nur eine Lernform anzuwenden. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Arbeit nicht nur mit der Methode des Frontalunterrichtes, sondern wirft auch einen Blick auf andere Unterrichtsmethoden. Sie sollen aufzeigen welche Methoden am geeignetesten sind im Zusammenspiel mit dem Frontalunterricht.

Damit verständlich wird, was im Allgemeinen unter gutem Unterricht zu verstehen ist, werden als erstes die zehn Merkmale guten Unterrichts basierend auf Hilbert Meyer vorgestellt. Die Frage, was wir eigentlich unter Frontalunterricht verstehen, wird geklärt, indem unterschiedliche Definitionen von Pädagogen, die sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben, vorgestellt werden.[3] Dabei wird es einen kurzen Einblick in die Geschichte des Frontalunterrichtes geben, damit verständlich wird, welcher Wandlung der Frontalunterricht seit seiner Entstehung unterlag. Des Weiteren ist es notwendig, die didaktischen Funktionen des Frontalunterrichtes vorzustellen. Hierbei dienen die sieben Grundfunktionen von Herbert Gudjons als Grundlage. Weiterhin wird aufgezeigt, dass der traditionelle Frontalunterricht nicht nur Nachteile hat, sondern durchaus auch Vorteile besitzt.

Herbert Gudjons hat sich mit dem Frontalunterricht beschäftigt und ihn modern und neu gestaltet, so dass in ihn offene Unterrichtsformen integriert werden können. Dieser sogenannte integrierte Frontalunterricht wird in Kapitel 5 vorgestellt.

All diese Kapitel sollen abschließend die Frage „Was ist guter Frontalunterricht?“ beantworten. Anhand einer selbst entwickelten Unterrichtssequenz wird beispielhaft gezeigt, wie die Lehrkraft den Frontalunterricht günstig nutzen kann und was beachtet werden muss, um guten Frontalunterricht durchzuführen.

Der Forschungsstand zum Frontalunterricht wird von Herbert Gudjons als „desolat“[4] beschrieben. In den letzten Jahren entstanden zahlreiche Werke über offene Unterrichtsformen, die den Schüler aktiv fordern. Zu dem Thema Frontalunterricht ist jedoch wenig wissenschaftliche Literatur zu finden. Dieser Hausarbeit liegen die Arbeiten von Karl Aschersleben, Hilbert Meyer, Herbert Gudjons und zwei Ausgaben der Zeitschrift Pädagogik, die sich 1990 und 1998 dem Thema Frontalunterricht, jeweils mit einer ganzen Ausgabe gewidmet hat, zugrunde.[5]

2. Was sind Merkmale guten Unterrichts?

Die Frage nach den Merkmalen für guten Unterricht hat Hilbert Meyer erstmals in seinem 2004 erschienenen Werk „Was ist guter Unterricht?“ zusammengefasst. Er schlägt zehn Merkmale vor, definiert jedes Merkmal und illustriert kurze Beispiele zur erfolgreichen Ausführung. Diese zehn Merkmale werden im Folgenden kurz erläutert. Die kurze Erläuterung dieser Merkmale ist wichtig für diese Arbeit, da sie auch alle im guten Frontalunterricht vorkommen sollten und in dem selbst konstruierten Beispiel genannt werden.

Als ersten Punkt nennt er die klare Strukturiertheit des Unterrichtes. Zu diesem Punkt äußern sich die Empiriker folgendermaßen:

„Kein anderes Merkmal guten Unterrichts hat einen stärkeren Einfluss auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern“.[6]

Unter dem Begriff ist eine klar feststellbare Struktur der Unterrichtsstunde gemeint. Der “rote Faden“ ist wichtig, um dieses Kriterium zu erfüllen, das heißt ein klarer Bezug einzelner Unterrichtsphasen zum übergeordneter Lernziel muss immer erkennbar sein. Zur inhaltlichen Klarheit gehören nicht nur die Verständlichkeit der Aufgaben, sondern auch die aufmerksamkeitsregulierenden Hervorhebungen und die Ergebnissicherungen neuer Inhalte. Ebenfalls wichtig sind die Unterrichtsregeln, die dem Schüler bewusst sein und von ihnen und dem Lehrer stets eingehalten werden sollten. Dazu können bestimmte Rituale gehören, aber auch Freiräume.

Der hohe Anteil echter Lernzeit stellt das zweite Merkmal dar. Hilbert Meyer definiert:

„Die echte Lernzeit [...] ist die vom Schüler tatsächlich aufgewendete Zeit für das Erreichen der angestrebten Ziele“.[7]

Darunter fallen unter anderem der pünktliche Unterrichtsbeginn, reibungslose Übergänge, gleichmäßige Wechsel von Anspannung und Entspannung, sorgfältiger Umgang mit Störungen sowie Minimierung des Zeitaufwandes für außerunterrichtliche Aufgaben.

Anschließend wird das lernförderliche Klima genannt. Dazu gehören als wichtigste Ziele, dass das Klassenklima durch Respekt, gegenseitige Rücksichtsnahme und Zusammengehörigkeit geprägt ist sowie auch die Einhaltung der Verhaltensregeln. Ebenso wichtig ist für ein lernförderliches Klima natürlich auch eine positive Arbeits- und Lernhaltung der Schülerinnen und Schüler. Diese kann gefördert werden durch Gerechtigkeit gegenüber jedem Schüler, Authentizität des Lehrkörpers und dem kameradschaftlichen Umgang der Schüler untereinander.

Inhaltliche Klarheit wird als vierter Punkt aufgezählt. Auch hier hat Meyer eine Definition verfasst:

„Inhaltliche Klarheit liegt dann vor, wenn die Aufgabenstellung verständlich, der thematische Gang plausibel und die Ergebnissicherung klar und verbindlich gestaltet worden sind.“[8]

Ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht ist das sinnstiftende Kommunizieren. Dies wird unter anderem erreicht durch Planungsbeteiligung der Schüler, einer ausgeglichenen Gesprächskultur zwischen Schüler und Lehrkörper sowie einem Schülerfeedback.

Als einer der wichtigsten Punkte wird als Sechstes die Methodenvielfalt genannt. Für Hilbert Meyer gehören dazu die Nutzung der verfügbaren Inszenierungsmöglichkeiten, eine Abwechslung der methodischen Grundformen und ein Mix der Sozialformen, wie Plenumsunterricht, Gruppenarbeit oder Partnerarbeit. Aber auch ein Reichtum an Handlungsmustern, Veränderungen im Ablaufschema und der Aufbau von Methodenkompetenz gehören zu der Methodenvielfalt im Unterricht. Auf die Vielfältigkeit der Methoden und ihre Bedeutsamkeit wird in den folgenden Kapiteln noch einmal näher eingegangen.

Damit die Schülerinnen und Schüler ihre Stärken weiterentwickeln und ihre Schwächen ausgleichen können, macht guten Unterricht auch das individuelle Fördern von Schülern aus. Nicht nur leistungsschwache Schüler benötigen Förderung, sondern alle Schüler haben das Recht auf individuelle und angepasste Lernangebote und Differenzierungsformen.

Als achten Punkt für guten Unterricht führt Meyer intelligentes Üben an.

Geübt wird, wenn eine Aneignungsphase- und Erarbeitungsphase ganz oder halbwegs abgeschlossen ist. Üben ist mithin ein didaktischer, kein psychologischer Begriff.“[9]

Die intensiven Übungsphasen sollten immer eine klare Zielorientierung vorweisen, das heißt den Schülerinnen und Schüler muss begreiflich gemacht werden, warum diese Übungsphasen so wichtig sind. Um dieses Ziel zu erreichen müssen die Phasen der Übung motivierend und variabel gestaltet sein, Spielräume für selbstständiges Arbeiten müssen gegeben sein und die Ergebnisse sollten regelmäßig kontrolliert werden sowohl durch den Lehrkörper als auch durch den Schüler selbst. Die Lehrkraft hat bestimmte Leistungserwartungen an seine Schüler, diese teilt er ihnen unter anderem durch:

mündliche Mitteilungen, schriftliche Noten, Begeisterungsausbrüche […] bei der Rückgabe der Klassenarbeit […], durch die Körperhaltung“[10] mit.

Die Transparenz der Leistungserwartungen schlägt Meyer als neunten Punkt für guten Unterricht vor. Diese Transparenz besteht beispielsweise darin,

den Schülern ein an den gültigen Richtlinien oder an Bildungsstandards ausgerichtetes und ihrem Leistungsvermögen angepasstes Lernangebot zu machen, dieses Angebot verständlich zu kommunizieren […] und ihnen nach […] Leistungskontrollen zügig Rückmeldungen zum Lernfortschritt zu geben.“[11]

Als letzter und zehnter Punkt wird die vorbereitete Umgebung genannt. Eine vorbereitete Umgebung soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit “ihrer“ Klasse identifizieren. Um das zu erreichen, müssen in den Klassen- und Fachräumen klare Regeln herrschen in Bezug auf Ordnung, Umgang mit Materialien und den Lautstärkepegel. Natürlich sind auch ausreichende didaktische Materialien, funktionales und funktionierendes Mobiliar vorhanden und ein lerngerechtes Klima, zum Beispiel die Beleuchtung, die Akustik und genügend Platz, von größter Wichtigkeit.

3. Was ist Frontalunterricht?

Laut Karl Heinz Flechsig ist Frontalunterricht

„in europäischen wie außereuropäischen Schulen aller Art die am weitesten verbreitete Unterrichtsform“[12].

In einer Studie von 1977, die untersucht hat, welche Unterrichtsformen am meisten verwendet werden, führt der Frontalunterricht mit 77 % gegenüber dem Gruppenunterricht (8%), der Klassenkooperation (3%), der Partnerarbeit (3%) und der Einzelarbeit (10%).[13]

Aber was bezeichnet der Begriff Frontalunterricht eigentlich, wann wurde er erfunden und in den Schulen regelmäßig praktiziert?

[...]


[1] Ich möchte darauf hinweisen, dass ich in dieser Arbeit größtenteils auf geschlechtsspezifische Bezeichnungen verzichte und Begriffe wie Lehrkraft und Lehrer sowohl männliche als auch weibliche Personen beinhalten.

[2] Terhart, Ewald: Lehr-Lern-Methoden. Eine Einführung in Probleme der methodischen Organisation von Lehren und Lernen. 1989, Z. S. 135.

[3] Die führenden Pädagogen, die sich mit dem Thema Frontalunterricht und der entsprechendem Definition auseinandergesetzt haben sind u.a. Hilbert Meyer und Herbert Gudjons.

[4] Herbert Gudjons: „ Frontalunterricht- neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen, 2003, Z. S. 7.

[5] Karl Aschersleben hat 1991 eine Einführung zum dem Thema geschrieben: Frontalunterricht- klassisch und modern. Herbert Gudjons hat das Werk: Frontalunterricht- neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen verfasst und Hilbert Meyer hat sich mehrmals mit dem Thema des Frontalunterrichts auseinandergesetzt. U.a. in den zwei Bänden zu den Unterrichtsmethoden: UnterrichtsMethoden I: Theorieband und Unterrichtsmethoden II: Praxisband.

[6] Hilbert Meyer: „Was ist guter Unterricht?“, 2004, Z. S. 35.

[7] Hilbert Meyer: 2004, Z.S. 40.

[8] Meyer, Hilbert: 2004: Z. S. 55.

[9] Meyer, Hilbert: 2004: Z. S. 104.

[10] Meyer, Hilbert: 2004, Z. S. 113.

[11] Meyer, Hilbert: 2004, Z.S. 114.

[12] Flechsig, Karl Heinz: Kleines Handbuch didaktischer Modelle, 1996, Z. S. 65.

[13] Gudjons, Herbert: 2003, Vgl. S. 39. Die Studie ist u.a. von Klaus Hage durchgeführt worden. Die ganze Studie kann nachgelesen werden in: Das Methoden-Repertoire von Lehrern. Opladen 1985. Es wurden bei dieser Studie ca. 180 Unterrichtstunden beobachtet. Untersucht wurden jedoch nur die Fächer Deutsch, Naturlehre und Gesellschaftslehre. Seitdem gab es keine weiteren empirischen Untersuchungen. Da die Studie schon 21 Jahre zurückliegt, kann man annehmen, dass die modernen Sozialformen wie Gruppen- oder Partnerarbeit an den deutschen Schulen zugenommen haben.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640698677
ISBN (Buch)
9783640698820
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157452
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
Frontalunterricht Hilbert Meyer Unterrichtsmethoden Unterrichtssequenz Merkmale guten Unterrichts Methodenvielfalt Methoden frontaler Unterricht Lernform

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Titel: Was ist guter Frontalunterricht?