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Das "Triduum Paschale" - Theologische Deutungen der drei österlichen Tage

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die drei österlichen Tage

2.1. Gründonnerstag – Jesu Vermächtnis

Exkurs: Gründonnerstag, Pessach und Seder-Mahl

2.2. Karfreitag – Jesus, das wahre Paschalamm

2.3. Karsamstag – Tag der Stille, Tag der Grabesruhe

2.4. Osternacht – Auferstehung und Befreiung

3. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Als liebende Mutter hält die Kirche es für ihre Aufgabe, das Heilswerk ihres göttlichen Bräutigams an bestimmten Tagen das Jahr hindurch in heiligem Gedenken zu feiern. In jeder Woche begeht sie an dem Tag, den sie Herrentag genannt hat, das Gedächtnis der Auferstehung des Herrn, und einmal im Jahr feiert sie diese Auferstehung zugleich mit dem seligen Leiden des Herrn an Ostern, ihrem höchsten Fest (Hervorhebung B.B.).“[1]

Mit diesen Worten gibt das II. Vatikanische Konzil der Osterfeier wieder ihren ursprünglichen Platz im Zentrum des gesamten Kirchenjahres. Damit wird ein Fest von neuem in den Mittelpunkt gerückt, welches in seinem Kern bis in die Zeit der apostolischen Kirche zurückreicht und dessen Wurzeln in der Pessachfeier Israels zu finden sind. Dabei hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Ausgestaltung und theologische Schwerpunktsetzung immer wieder verändert und bis zum heutigen Festzyklus entfaltet.[2]

Das Pessachfest ist eines der drei jüdischen Hauptfeste und in ihm wird in besonderem Maße der Befreiung des Volkes aus Ägypten gedacht. Ein für die spätere christliche Deutung wichtiges Element stellt dabei die Schlachtung der Pessachlämmer am 14. Nisan um drei Uhr mittags dar, wie später noch gezeigt wird.

Ab wann eine jährliche Osterfeier stattgefunden hat kann nicht genau gesagt werden, da Dokumente zu einer solchen Feier erst ab dem 2. Jh. vorliegen. Es kann aber wohl davon ausgegangen werden, dass bereits die apostolische Kirche die jährliche Feier kannte. Einen Hinweis darauf stellen die synoptischen Abendmahlsberichte dar, in denen das Abendmahl Jesu als Pessachmahl dargestellt wird. „So sind die synoptischen Berichte und die in ihnen verarbeiteten frühen Traditionen aller Wahrscheinlichkeit nach ein Spiegelbild urchristlicher Paschafeier im Apostolischen Zeitalter“.[3] Auch gab es anfangs noch keinen einheitlichen Termin für das christliche Paschafest. In der Kirche Kleinasiens wurde nach einem Bericht des Eusebius das Fest in Übereinstimmung mit dem jüdischen Termin am 14. Nisan begangen, in anderen Kirchen, wie z.B. in Alexandrien, am Sonntag nach dem 14. Nisan, wobei zu beachten ist, dass sich beide Ansätze eng an den jüdischen Termin des Pessach anlehnen. Erst im 3. Jh. setzt sich der sonntägliche Termin immer mehr durch.[4]

Ursprünglich bestand die Feier aus einem einzigen Gottesdienst, der in der Nacht gehalten wurde und bis zum frühen Morgen dauerte. Diese Feier wird allgemein als Pascha bezeichnet, ihr geht ein unterschiedlich langes Fasten voraus und es schließt sich eine fünfzigtägige Freudenzeit (Pentekoste) an. Den theologischen Gehalt der Feier betreffend kann man verschiedene Aspekte ausmachen: die Einheit von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, die Einheit zwischen dem Handeln Gottes bzw. dem Handeln Christi und dem der Gemeinde und die Erwartung der Wiederkunft des Herrn.[5]

Im 4./5. Jh. kommt es zur Entfaltung der Osterfeier zum Triduum Sacrum, welches die Tage von Freitag bis Sonntag umfasst, und die Heilige Woche beginnt sich damit als besondere Woche abzuzeichnen. Die Osternacht selbst erfährt durch die Einbeziehung von Initiation und Lichtfeier eine Bereicherung. Als Mutter aller Vigilien (Augustinus) behält die Osternachtfeier dabei ihre zentrale Stellung.[6]

Der Gründonnerstag oder Hohe Donnerstag erhielt in Rom erst ab dem 7. Jh. eine reichere Ausgestaltung und wird im Laufe des Mittelalters dem Triduum Sacrum angeglichen und ins Leidenstriduum einbezogen.[7]

Auch der Karsamstag erlebte eine wechselvolle Geschichte, in deren Verlauf er zeitweilig fast ganz zu verschwinden drohte. So ist er seit dem Spätmittelalter charakterisiert durch die immer weiter zum frühen Morgen des Samstages vorgezogene Osternachtliturgie und erst in der Mitte des 20. Jh. wurde der Karsamstag durch die Rückverlegung der Osternachtliturgie wieder in seinem Selbststand und in seiner Bedeutung gestärkt.[8]

Über lange Zeit lag der theologische Schwerpunkt auf der Erlösung aufgrund des Leidens und Sterbens Christi und damit auf dem Karfreitag. Die heute übliche Gestalt, was Ablauf, Inhalt und Schwerpunkt der Feier betrifft, erhielt die Osterfeier, das Triduum Paschale, durch die auf der Grundlage der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils durchgeführten Reformen. Durch sie wurde die Auferstehung Christi wieder mehr in den Blick genommen und damit der Ostersonntag als Höhepunkt des gesamten Triduum Paschale neu ins Bewusstsein gebracht.[9] Entscheidend für die Deutung des Ostergeschehens bleibt es aber, dass die Gesamtheit von Leiden, Tod und Auferstehung gesehen wird. Wie sich dies in der theologischen Deutung der einzelnen Tage des Triduum Paschale heute ausdrückt, soll im Folgenden gezeigt werden. Hierbei wird in dieser Arbeit ein besonderes Augenmerk auf den Gründonnerstag und den Karsamstag gelegt. Der Gründonnerstag als ein Tag, der erst spät zum Triduum Paschale hinzugerechnet wurde und der Karsamstag als Tag des Dazwischen, der Stille und Grabesruhe, ja als a-liturgischer Tag.

2. Die drei österlichen Tage

In den drei österlichen Tagen, welche mit der Messe vom letzten Abendmahl beginnen und mit der Feier der Osternacht enden, wird das eine Pascha-Mysterium gefeiert. Dies wird dadurch deutlich, dass an den einzelnen Tagen das gesamte Heilsgeschehen von Leiden, Tod und Auferstehung ins Gedächtnis gerufen wird, wenn auch jeder einzelne Tag einen besonderen Akzent bedenkt. Dabei werden die Christen dazu eingeladen, sich nicht nur die Ereignisse zu vergegenwärtigen, denen der jeweilige Tag besonders gewidmet ist, sondern den Weg des Glaubens mitzugehen von der Schöpfung bis zur Vollendung. Vergegenwärtigen bedeutet hier nicht einfach erinnern, sondern das Heilsgeschehen in Christus wird in das jeweilige Heute gegenwärtig gesetzt. Die Gläubigen werden hineingenommen in das geschichtlich zwar einmalige, aber die Generationen dennoch übergreifende Heilsereignis von Tod und Auferstehung Jesu Christi. So wird in diesen Tagen die kontinuierliche Zeit durch die Liturgie immer wieder durchbrochen. Durch das „Eingedenken des Vergangenen und in der Hoffnung auf das noch Ausstehende“[10] wird ein Verständnis der Gegenwart eröffnet, in dem diese mehr ist als ein vergehender Augenblick. Hierin teilt die christliche Gemeinde das Zeitverständnis, welches schon in der jüdischen Pessachtradition zu finden ist, wenn es heißt, dass nicht nur die Väter aus Ägypten herausgeführt wurden, sondern auch die jetzt versammelte Pessachgemeinde.[11]

2.1. Gründonnerstag – Jesu Vermächtnis

Der Gründonnerstag wird bestimmt durch die Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und die Fußwaschung als dem Symbol der dienenden Liebe. Diese beiden Aspekte kann man auch in der Auswahl der Lesungstexte und des Evangeliums erkennen.

[...]


[1] SC 102

[2] Vgl. H. Auf der Maur, Feiern im Rhythmus der Zeit I - Herrenfeste in Woche und Jahr, in: Gottesdienst der Kirche Handbuch der Liturgiewissenschaft (Bd. 5,1), Regensburg 1983, 56.

[3] H. Haag, Vom alten zum neuen Pascha. Geschichte und Theologie des Osterfestes, Stuttgart 1971, zit. n. H. Auf der Maur, a.a.O., 66.

[4] Vgl. H. Auf der Maur, a.a.O., 65ff.

[5] Vgl. ebd. 67ff.

[6] Vgl. ebd. 70-77.

[7] Vgl. ebd. 103.

[8] Vgl. ebd. 113, 129 u. 137.

[9] Zu den jüdischen Bezügen und der Entwicklung der Osterliturgie seit der apostolischen Kirche siehe auch G. Rouwhorst, Theologie des Gottesdienstes II – Gottesdienst im Leben der Christen – Christliche und jüdische Liturgie, in: Gottesdienst der Kirche Handbuch der Liturgiewissenschaft (Bd. 2,2), Regensburg 2008, 539-545 u. 555-557 und L. Pietri, Die Zeit des Anfangs, in: Die Geschichte des Christentums (Bd. 1), Freiburg 2003, 370-382.

[10] J. Wohlmuth, Jesu Weg – Unser Weg Kleine mystagogische Christologie, Würzburg 1992, 107.

[11] Vgl. ebd., 106-108 und K. Richter, Ostern als Fest der Versöhnung in: H. Heinz u.a. (Hrsg.), Versöhnung in der jüdischen und christlichen Liturgie, Freiburg u.a. 1990, 72-74.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640712571
ISBN (Buch)
9783640713530
DOI
10.3239/9783640712571
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Katholisch-theologische Fakultät
Erscheinungsdatum
2010 (September)
Note
1,3
Schlagworte
Ostern Triduum Paschale Gründonnerstag Pessach Karfreitag Karsamstag Osternacht Seder

Autor

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