Lade Inhalt...

Gewalt gegen Frauen als Trauma für Kinder

Seminararbeit 2002 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. FAMILIENBILDER
1.1 Formen von Gewalt
1.2 Ursachen von Gewalt
1.3 Mögliche Folgen und Traumatisierung

2. GESELLSCHAFTSBILDER
2.1 Die Spirale der Gewalt
2.3 Fallbeispiel: Louis
2.4 Das Ende der Gewalt?

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Manchmal noch empfind ich völlig jenen

Kinder-Jubel, ihn:

da ein Laufen von den Hügellehnen

schon wie Neigung schien.

Da Geliebt-Sein noch nicht band und mühte,

und beim Nachtlicht-Schein

sich das Aug schloß wie die blaue Blüte

von dem blauen Lein.

Und da Lieben noch ein blindes Breiten

halber Arme war –,

nie so ganz um Einen, um den Zweiten:

offen, arm und klar.

Wir alle kennen sie: die Kindheit, diese so grundlegende prägende Phase in unserem Leben, als man sich – wie in diesem einleitenden Gedicht von Rainer Maria Rilke – bedingungslos von seiner nächsten Umwelt geliebt wußte und auch selbst liebte.

Doch entspricht dieser poetische Kinderjubel auch der tatsächlichen Realität? Was passiert, wenn diese so scheinbare Familienidylle durch Gewalt gegen die Mutter oder dem Kind gestört wird? Wo fängt eigentlich die sogenannte Gewalt an, und wo hört sie auf? Und: Was kann man dagegen präventiv unternehmen, um den Traum zweier offener halber Kinderarme nicht zum ewigen um sich greifenden Trauma werden zu lassen?

Diese Proseminararbeit versucht eine Antwort darauf zu geben.

1. FAMILIENBILDER

1.1 Formen der Gewalt

Man wird wohl kaum Eltern finden, die von sich behaupten würden, ihre Kinder nicht zu lieben, für sie nicht genug zu sorgen und ihnen kein optimales Umfeld für ihre Entwicklung zu bieten. Wohl niemand würde von sich behaupten, seine Kinder in ihrer Persönlichkeitsentfaltung zu behindern oder sogar Gewalt gegen sie anzuwenden. Jedoch Gewalt beginnt nicht immer erst mit der handfesten Ohrfeige, so wie man es noch vor ungefähr 15 Jahren in unserer Gesellschaft zu glauben schien.[1] Die eigentliche Gewalt beginnt schon viel, viel früher, nicht nur zuletzt in Gedanken.

Die Formen der Gewalt in Familien (oder aber auch in der Beziehung von Erziehungsberechtigten und Kind) kann man grob in folgende sechs Kategorien unterteilen:[2]

a) Physische Mißhandlung:

Darunter fallen alle Arten der körperlichen Gewalt.

b) Vernachlässigung:

Darunter versteht man unzureichende Kindersorge in Sachen Hygiene, Ernährung, gesundheitliche Pflege, Beaufsichtigung, Schutz vor möglichen Gefahren und Förderung auf allen notwendigen Bereichen des Lebens überhaupt.

c) Psychische Mißhandlung:

Darunter fällt alles, was das Kind verängstigt, überfordert, unterdrückt etc. und somit auf entscheidende Art seine Entwicklung behindert oder sogar verhindert.

d) Indirekte Mißhandlung:

Gewalt muß nicht immer in direkter Form auf den Heranwachsenden einwirken. Man kann ihm sehr wohl auch Gewalt antun, indem man seine Mutter – eine äußerst nahestehende, wenn nicht sogar die nahestehendste Person für ein Kind – mißhandelt (wiederum egal in welcher der hier angeführten sechs Formen), indem Konflikte in der Partnerschaft neben oder über das Kind ausgefochten werden, indem man auch seine Geschwister bevormundet oder aber auch mißhandelt, oder indem man das Kind in Wort (zum Beispiel durch Beschimpfungen) und/oder Tat (zum Beispiel durch Einschränkung des physischen Freiheitsraumes) isoliert.

e) Emotionale Mißhandlung:

Davon spricht man, wenn, zum Beispiel, ein oder beide Elternteile – absichtlich oder unabsichtlich sei hier einmal dahingestellt – nicht ausreichend auf das Kind eingehen oder das Kind mit Liebesentzug bestrafen.

f) Sexueller Mißbrauch:

Darunter versteht man die Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen.[3]

1.2 Ursachen von Gewalt

Die Ursachen von Gewalt in der Familie lassen sich sowohl im kleinen als auch im großen Gefüge, also sowohl in den einzelnen Individuen als auch in gesellschaftlichen Systemen, finden. Der letztgenannte Faktor wird noch im nächsten Kapitel ausführlicher behandelt werden.

Richtet man seine Aufmerksamkeit auf so manche aus dem Rahmen geratene Familieneinheit, so kann man mitunter dem schnellen, und damit sehr trügerischen, Schluß unterliegen, daß gewalttätige Eltern stereotype Eigenschaften besitzen. Nur zu blauäugig kommen dem Betrachter Bilder von Alkohol abhängigen Vätern oder Müttern, von problembeladenen Persönlichkeiten, von niederen einkommensarmen oder arbeitslosen sozialen Schichten, von fremdländischen Zuwanderern oder anderen sozial isolierten beziehungsweise benachteiligten Gruppen in den Sinn.

Die Realität sieht jedenfalls, so wie auch eine gegen Ende der 70er Jahre stattgefundene Untersuchung untermauert, oft ganz anders aus.[4] Gewalt in der Familie findet man praktisch in allen sozialen Schichten unserer Gesellschaft, sowohl in der untersten Arbeitslosenfamilie bis hin zur Akademikerfamilie. Die wahren Streßfaktoren schlummern daher in jedem einzelnen Menschen, letztendlich nicht zuletzt in deren Psyche. Gewalttätige Eltern sind jedenfalls, laut der eben genannten Studie, häufiger depressiv, nervös oder erschöpft und leiden oft unter konfliktträchtigen Partnerproblemen. Außerdem müssen gewalttätige Eltern in ihrer Kindheit nicht immer auch Opfer von Gewalt geworden sein, um diese Gewalt – bewußt oder unbewußt – weitergeben zu können.

[...]


[1] vgl. Petri, in: Biermann (Hrsg.), 1992, 524.

[2] vgl. Engfer, in Hoffmann/Joraschki, 2000, 23-30.

[3] Engfer, in Hoffmann/Joraschki, 2000, 30.

[4] vgl. Engfer, in Joest/Frank (Hrsg.), 1990, 62.

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638208000
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15781
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Pädagogik
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Gewalt Frauen Trauma Kinder Proseminar Kinder Zeugnis Gewalt Frauen Trauma Kinder
Zurück

Titel: Gewalt gegen Frauen als Trauma für Kinder