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Lehrer und Schüler im Spannungsfeld von Lernen und Lehren aus systemtheoretischer und konstruktivistischer Sicht

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. LEHRER, SCHÜLER UND GESELLSCHAFT
1.1 Über das Lehren
1.2 Über das Lernen

2. KONSTRUKTIVISTISCHE BETRACHTUNGEN

3. SYSTEMTHEORETISCHE BETRACHTUNGEN

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Also lautet ein Beschluss:

daß der Mensch was lernen muss.

Nicht allein das A-B-C

bringt den Menschen in die Höh´;

nicht allein im Schreiben, Lesen

übt sich ein vernünftig Wesen;

nicht allein in Rechnungssachen

soll der Mensch sich Mühe machen;

sondern auch der Weisheit Lehren

muss man mit Vergnügen hören. –

Dass dies mit Verstand geschah,

war der Lehrer Lämpel da.[1]

Wer kennt sie nicht, die Schule, mit all ihren auf “Beschlüssen” ruhenden Lehrplänen und gestrengen Lehrern der Marke “Lämpel”? Wer von uns kann sich wohl nicht mit einem nostalgischen Lächeln oder sogar mit immer noch nachhallendem Grauen an so manche energieraubende Tage erinnern, an denen man seinen Verstand mitunter auf höchst mühsame Weise zu wahrhaften Herkulestaten zwingen musste, um sich das geforderte Maß an Wissen anzueignen? Geschieht aber dieses “Lernen” denn tatsächlich immer mit Verstand? Oder andererseits gesagt, bedarf es in unseren Tagen vielleicht nicht doch noch um “etwas” mehr, als nur ein Lehrer Lämpel zu sein? Gibt es denn eigentlich auch den typischen “dummen” und den “g’scheiten” Schüler? Oder liegt es nur an unserer mitunter mangelnden Fähigkeit, den für jeden einzelnen Schüler geeigneten (vielleicht sogar über einer etablierten Lehrmethode stehenden transdisziplinären) “Zugang” finden zu können, um Wissen vermitteln zu können? Ist denn auch ein von den Institutionen einer Gesellschaft “wissenschaftlich” erarbeitetes und somit allgemein gültiges, als “gut” und “richtig” empfundenes Schulsystem tatsächlich für alle Schüler geeignet? Oder liegt es letztendlich doch wieder nur an den einzelnen Individuen, dem Menschen im Lehrer einerseits und dem Menschen im Schüler andererseits (als zwei sich gegenseitig ergänzende Pole), zwischen den Buchstaben eines verbindlichen Lehrplanes oder vielleicht sogar manchmal darüber hinweg eine gemeinsame Basis des Lehrens und Lernens, der Wissensbereitstellung und der Wissensaneignung, zu finden?

Diese Seminararbeit versucht mit Hilfe konstruktivistischer und systemtheoretischer Instrumentarien sich einer möglichen Antwort anzunähern.

1. LEHRER, SCHÜLER UND GESELLSCHAFT

1.1 Über das Lehren

Schon seit jeher gab es verschiedene Ansichten und Kontroversen darüber, wie man Kinder, und in Bezug auf das Thema dieser Seminararbeit somit auch Schüler – diese so scheinbar kleinsten Bausteine unserer Gesellschaft – auf das ihnen bevorstehende Leben als Erwachsene vorzubereiten habe, in welchem Rahmen von Fördern und Fordern dies alles vonstatten gehen sollte. Dies äußert sich vor allem auch in der Vielzahl von Begriffen, die, je nach Kulturkreis verschieden, mit dieser Tätigkeit in Verbindung gebracht werden können.

Da gibt und gab es zum Beispiel die Vorstellung von Bildung, die man an heranwachsende Menschen – gleich einem Bildhauer, der aus einem ungeformten Stein eine perfekte Statue formt, indem er das überflüssige Material entfernt – weiter zu vermitteln hatte. Auch der Begriff der In(-)formation fällt in die gleiche formende Themengruppe. Dann gibt es das Bild der sogenannten Erziehung, die sich metaphorisch auf die Vorstellung einer heranzuzüchtenden, zu hegenden und pflegenden empfindlichen Pflanze stützt. Im englischen Sprachgebrauch verwendet man das Wort Education dafür, das sich vom lateinischen Wort ducere, also vom autoritären führen herleitet und vor allem auch im gestrengen Tutorensystem von Lancastor im 18. Jahrhundert sichtbaren Ausdruck verschaffte. Vom gleichen Wortstamm leitet sich übrigens auch das Wort Duke, also Herzog, jemand, der einst einem Heer voranzog und es in die Schlacht führte und koordinierte, ab. Und wer sich vielleicht selbst Pädagoge nennt oder auch nennen darf, sollte sich dabei immer dessen bewusst sein, daß diese Berufsbezeichnung (ins Deutsche übersetzt) sich auf das Bild eines Kinderführers bezieht.

Wenn man also über die Erziehung von Kindern sprechen will, muss man dabei auch immer die diesbezügliche spezifische Gesellschaft mit all ihren Wertvorstellungen und Normen – mit ihrer Kultur per se – miteinbeziehen. So werden, zum Beispiel, Familien in islamischen Staaten mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein völlig anderes Menschenbild (also ein idealisiertes Bild vom „perfekten“ Menschen, das man durch Erziehung verwirklichen will) vorweisen als eine christliche europäische Familie. Die einen von ihnen werden mehr Wert auf eine autoritäre Erziehung legen, wohingegen die anderen diese als überholt und freiheitsberaubend betrachten.

Menschenbilder, und somit auch Bilder von einem damit verbundenen idealen Schulsystem, äußern sich auf allen Ebenen unseres Lebens: in unserer Sprache, in unseren Gebräuchen und Sitten, sowohl in unserem Bewusstsein als auch durch die in unserem Unbewussten tief verankerten archetypischen Vorstellungen von der sogenannten uns allen umgebenden Wirklichkeit. Der Mensch wird daher, nicht zuletzt im Zuge der sogenannten Sozialisation, der Anpassung an ein bereits vorhandenes System, von der Gesellschaft auf sehr nachhaltige und oftmals auch entscheidende Weise geprägt, andererseits formt auch jeder einzelne Mensch, sozusagen vice versa, als Bestandteil eben dieser Gesellschaft, diese auch wesentlich mit seinen eigenen individuellen Erfahrungen und Vorstellungen in Sachen Erziehung mit.

Will man also in der Fragestellung dieser Arbeit näher auf die Problematik von Lehren und Lernen eingehen, muss man sich auch immer diese beiden Pole vor Augen halten: die Gesellschaft, die sich vor allem Ausdruck durch das ihr eigene Schulsystem verschafft und die Familie, die große und die kleine soziale Einheit.

1.2 Über das Lernen

Unter diesen soeben genannten Gesichtspunkten findet Erziehung also immer und überall statt – vom ersten bis zu unserem letzten Atemzug, sowohl im kleinen als auch im großen sozialen Gefüge. Wir Menschen sind in jedem Augenblick im Begriff, in Interaktion mit anderen Menschen oder der Gesellschaft zu treten. Bei all diesen Aktionen, die letztendlich all unser Denken, Fühlen und Handeln betreffen, wird unweigerlich (sowohl alte als auch neue) Information vermittelt. Mit anderen Worten: Wir lernen – unentwegt und überall, weit über die Grenzen und Mauern unserer Schulsysteme hinaus. Der dem römischen Politiker und Philosophen Seneca zugeschriebene Ausspruch non scholae, sed vitae dicimus zeugt noch von dieser soeben geschilderten Ansicht.

Den Eltern, Lehrern, Erziehern, Professoren, Pädagogen und allen anderen wissensvermittelnden Personen und Institutionen – also Lehrern und Schulsystemen – obliegt daher (und besonders in unserem Kulturkreis in dem die Wissenschaften zum Maß aller Dinge geworden sind) große Verantwortung, denn sie entscheiden letztendlich – jetzt einmal überspitzt ausgedrückt – was „gut“ und „richtig“ ist, was dem von der Gesellschaft vorgegebenen Bild vom Menschen entspricht und wie somit auch die Erziehung per se auf allen Ebenen zu erfolgen hat.

Die nun im nächsten Kapitel behandelten Ansichten des sogenannten Konstruktivismus werden nun weiter auf dieses scheinbare Gewirr – bestehend aus Kultur und Gesellschaft, aus Werten und Normen und letztlich auch aus Lehrern und Schülern – klärend einzugehen versuchen.

2. KONSTRUKTIVISTISCHE BETRACHTUNGEN

Konstruktivistisches Gedankengut lässt sich in der europäischen Tradition von den Vorsokratikern angefangen, über Kant bis hin zu Merleau-Ponty finden.[2] Es besagt vor allem, daß eine endgültige und objektive Wahrnehmung von Realität (und so auch seiner Mitmenschen) nicht möglich ist, da jeder Mensch seine Umwelt durch den Filter seiner eigenen, und damit unterschiedlichen, Sinne erfährt. Unsere Sinne liefern also keine naturgetreuen Bilder, sondern lediglich reduzierte und/oder mehr oder weniger verfälschte Abbilder der Realität. So sind auch alle sozialen Systeme, Gesellschaftsformen und auch Schulsysteme lediglich Konstrukte einer von einer sozialen Einheit zur Norm erhobenen Wahrnehmung der Wirklichkeit aber niemals die Wirklichkeit selbst.

[...]


[1] Busch, 1993, 31.

[2] http://vikar.ira.uka.de/teilprojekte/tp31/Konstruktivismus/wurzeln.htm

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638208017
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15782
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Pädagogik
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Lehrer Schüler Spannungsfeld Lernen Lehren Sicht Seminar Transdisziplinäre Zugänge Erziehungswissenschaften

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