Lade Inhalt...

Artikel Zimt hilft Diabetikern

Zimtextrakt senkt den Blutzucker bei Typ 2 Diabetikern

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 5 Seiten

Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie

Leseprobe

Zimt in der adjuvanten Ernahrungstherapie des Diabetes mellitus Typ2

Zimt ist eines der altesten Gewurze der Welt und gilt hierzulande als typisches „Weihnachtsgewurz". Neuerdings macht Zimt auch in der Ernahrungsmedizin von sich Reden. Forscher haben herausgefunden, dass Zimt den Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte von Typ 2 Diabetikern deutlich senken kann. Zudem hat Zimt beziehungsweise sekundare Pflanzenstoffe im Zimt einen Effekt auf die Blutlipide.

Ein botanischer Exkurs

Als Zimt bezeichnet man die getrocknete innere Rinde von Zweigen des Zimtbaumes, der zur Familie der Lorbeergewachse (Lauraceae) zahlt (1, 2). Als Lieferanten fur die Rinde werden hauptsachlich die drei folgenden Arten von Zimtbaumen genutzt, da diese nach Menge und Qualitat des aus ihnen gewonnen Zimtes die ergiebigsten sind: Cinnamomum zeylanicum, Cinnamomum aromaticum und Cinnamomum burmanii. Cinnamomum zeylanicum, Ceylon Zimt oder Kaneel, stammt aus Sri Lanka (dem fruheren Ceylon) und dem sudlichen Indien. Weiterhin ist er auf den Seychellen, auf Madagaskar, Martinique, Jamaika, Cayenne und in Brasilien zu finden. Cinnamomum aromaticum, der als Chinesischer Zimt oder auch Cassia lignea bekannt ist, stammt aus der sudlichen Region Chinas. Weitere Anbaugebiete sind Vietnam, Sumatra, Java und Japan. Cinnamomum burmanii, auch Padang-Zimt oder Cassia vera, ist in Indonesien beheimatet. Heutzutage wird er vor allem auf Sumatra angebaut (2). Bei der Zimternte werden die meist zweijahrigen Schosslinge (Zweige) vom Zimtbaum abgeschnitten. Die Rinde der Schosslinge wird geringelt, geschlitzt und vom Holz abgezogen. Dann entfernt man die auBeren Korkschichten und Primarrinden, so dass nur noch eine dunne Innenrinde ubrigbleibt. Mehrere der so erhaltenen Innenrinden werden ineinandergeschoben und getrocknet. Durch das Trocknen rollt sich die Rinde ein und man erhalt die sogenannten „Quills", circa 1 cm dicke, rohrenformige Stangen. Die „Quills" werden dann in gleichmaBig lange Stangen von ungefahr 10 cm geschnitten (1, 2, 3). Gewurzexperten und Feinschmecker schatzen den Ceylon-Zimt am meisten. Er schmeckt suBlich und feurig brennend. Je dunner die Rinde des Ceylon-Zimts geschabt wird, desto feiner und aromatischer entwickelt sich der Geschmack. Der China-Zimt ist vom Geschmack aromatisch suBlich, leicht adstringierend, etwas herber und weniger edel als Ceylon-Zimt. Die Rinde dieser Zimtsorte ist oft nicht so gut von den Kork- und darunterliegenden Schichten befreit wie die Rinde des Ceylon-Zimts, was den hohen Anteil an Gerbstoffen und damit den etwas herberen Geschmack erklart. Padang-Zimt ist ebenso aromatisch und schmeckt wurzig-brennend, aber feiner und kraftvoller als China-Zimt. Padang-Zimt ist von der Qualitat her fast so gut wie der Ceylon-Zimt (2). Zimt enthalt bis zu 4 Prozent atherische Ole, auBerdem noch Gerbstoffe und Starken. Das Zimtaroma beruht im wesentlichen auf Zimtaldehyd, das in dem atherischen Ol der Rinde zu 50 bis 80 Prozent enthalten ist. Am hochsten ist der Gehalt an Zimtaldehyd im chinesischen Cassiaol. Zimtaldehyd kann auf einfache Weise auch synthetisch hergestellt werden. In reiner Form ist es dem Zimtaroma ahnlich, aber nicht gleich. Dass liegt daran, dass im Zimtol noch weitere Substanzen enthalten sind: Eugenol (10 Prozent), Safrol (0 bis 11 Prozent), Linalool (10 bis 15 Prozent) und Campher (4, 5, 6, 7). Zimt enthalt daruber hinaus das Polyphenol Methylhydroxy-Chalcone-Polymer (MHCP), welches nach neuesten Studien (8) eine positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel von Typ-2-Diabetikern zeigt. Verwendet wird Zimt in Stangen oder als Pulver zum Wurzen von exotischen Gerichten, SuBspeisen, Kompotten, Geback und zum Aromatisieren von Getranken wie beispielsweise Gluhwein, Likor, Punsch oder Tee. Zimt ist auch in Currypulver, in Leberwurstgewurz und in Lebkuchengewurz enthalten (1, 6). Als Heilmittel wird Zimt ebenfalls verwendet, denn die darin enthaltenen atherischen Ole wirken antibakteriell, desinfizierend und entzundungshemmend. Zimt kann auch gegen Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden wie leichte, krampfartige Schmerzen im Magen-Darm- Bereich, Blahungen oder Vollegefuhl helfen. In groBerer Menge regt Zimt das Herz-Kreislauf-System an und kann bei regelmaBigem Verzehr den

Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus Typ 2 deutlich senken. Die dafur notwendige Menge liegt bei mindestens 1 Gramm und steigt in Studien auf 6 Gramm (1, 3, 8, 9). Da Zimt selbst ein gewisses Allergiepotential aufweist, sind MHCP-haltige wassrige Zimtextrakte im Rahmen der Diabetestherapie empfehlenswert.

Diabetes mellitus Typ 2

Schatzungsweise sind zirka 8 Millionen Menschen in Deutschland von Diabetes mellitus Typ 2, dem sogenannten Altersdiabetes, betroffen. Das sind rund 95 Prozent aller Diabetiker. Jedoch nicht nur altere Menschen erkranken an dieser Form von Diabetes, sondern zunehmend auch viele ubergewichtige Kinder und Jugendliche (9). Diabetes mellitus, zu deutsch: honigsuBer Durchfluss, ist eine Erkrankung des Gesamtstoffwechsels. Er entsteht dadurch, dass Zucker aus der Blutbahn nicht mehr oder nur unzureichend von den Korperzellen aufgenommen werden kann. Aus Zucker gewinnen die Zellen die Energie fur den menschlichen Korper. Um den Zucker aus dem Blut aufnehmen zu konnen, benotigen alle Korperzellen das Hormon Insulin. Dieses Hormon wird in den Beta-Zellen der Langerhans'schen Inselzellen der Bauchspeicheldruse produziert. Bei Diabetes mellitus Typ 1 kann der Korper kein Insulin mehr selbst herstellen, wohingegen bei Diabetes mellitus Typ 2 der Korper durchaus Insulin produzieren kann, welches aber in seiner Wirkung gestort ist. Die Folgen sind ein Ansteigen des Blutzuckerspiegels und spatere Schaden durch Folgeerkrankungen wie beispielsweise Erblindung, Nierenversagen, Bluthochdruck, erhohte Blutfettwerte und ein erhohtes Herzinfarktrisiko (9, 10, 11). Diabetes mellitus Typ 2 entsteht durch eine relative Insulinunempfindlichkeit der Korperzellen, insbesondere in den Zellen der Skelettmuskeln, der Leber und des Fettgewebes. Gleichzeitig gibt es auch eine Storung der insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldruse. Die Neigung zu einer Insulinunempfindlichkeit ist zum Teil angeboren, wird aber auch durch Bewegungsmangel und Ubergewicht ausgelost (12) . Damit die Korperzellen Zucker aufnehmen konnen, muss das Insulin an spezielle Rezeptoren, die an den Zellwanden sitzen, gebunden werden. Bei Personen mit Typ-2-Diabetes sind die Rezeptoren an den Korperzellen unempfindlich fur das Insulin geworden. Aus diesem Grund mussen die Beta- Zellen in der Bauchspeicheldruse immer mehr Insulin produzieren, damit die Korperzellen genugend Zucker aufnehmen konnen. Diese Vorstufe bezeichnen Wissenschaftler als eine „gestorte Glukosetoleranz". Mit steigender Menge des Insulins verkleinert sich die Anzahl der insulinbindenden Rezeptoren, so dass fur eine ausreichende Zuckeraufnahme noch mehr Insulin produziert werden muss. Dieses wird von Fachleuten „Rezeptor-Down-Regulation" genannt. Irgendwann reicht die Insulinproduktion nicht mehr aus. Dann steigt der Blutzuckerspiegel des Patienten an, obwohl er einen hohen Insulinspiegel hat. (12, 13). Durch korperliches Training und eine verminderte Energiezufuhr werden wieder mehr Insulinrezeptoren im Korper gebildet. Dadurch konnen die Korperzellen besser Zucker aufnehmen und der Blutzuckerspiegel geht auf ein normales MaB zuruck (13) . In der Fruhphase einer Erkrankung mit Typ-2-Diabetes ist haufig noch eine normale oder erhohte Insulinkonzentration im Blut nachweisbar. Spater, wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist, beginnt eine langsame Zerstorung der Beta-Zellen. Der Korper kann dann kein Insulin mehr produzieren und der Patient muss sich das benotigte Insulin spritzen. Durch Ernahrungstherapie und Bewegung kann ein Fortschreiten der Diabeteserkrankung bei Diabetes mellitus Typ-2 gemindert oder sogar gestoppt werden. Eine zusatzliche Moglichkeit ist dabei auch die Aufnahme von Zimt, denn in Zimt ist ein sekundarer Pflanzenstoff enthalten, der blutzuckersenkend wirkt. Diese Substanz heiBt „Methylhydroxy- Chalcone-Polymer" (14, 15).

Zimt gegen Zucker

In einer aktuellen Studie der Universitat Peshawar aus Pakistan unter Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Beltsville Human Nutrition Research Centers aus Beltsville, USA, wurde von den Forschern Alam Khan, Mahpara Safadar, Mohammad Muzaffar Ali Khan, Khan Nawaz Khattak und Richard A. Anderson eine Senkung des Blutzuckerspiegels bei Einnahme von einem bis sechs Gramm Zimt taglich zu den Mahlzeiten beobachtet. Weiterhin konnten die Wissenschaftler feststellen, dass zusatzlich der Fettspiegel im Blut (Triglyceride) sowie der Gesamtcholesterinspiegel und das LDL-Cholesterin durch Zimt gesenkt wird (8). Die Substanz in Zimt, die diese positive Wirkung hat, wurde von Forschern aus Beltsville, USA, in weiteren Studien analysiert als „Methylhydroxy- Chalcone-Polymer", kurz MHCP (14). MHCP wirkt direkt am Insulinrezeptor der Korperzellen. Es hat eine insulinahnliche Wirkung und in Kombination mit Insulin hat MHCP eine synergistische, das heiBt insulinverstarkende, Wirkung. Durch das „Andocken" des Insulins am Insulinrezeptor der Korperzellen wird eine Reihe von Signalen freigesetzt, die die Aufnahme des Zuckers aus dem Blut in die Zellen ermoglichen. Das MHCP beeinflusst vermutlich diese Signalubertragung, indem es auf bestimmte Enzyme, die daran beteiligt sind, einwirkt bzw. alleine schon durch das Eintreten in die Korperzelle oder durch das Passieren der Zellmembran eine Wirkung entfaltet. Dadurch wird die Insulinwirkung und somit die Aufnahme des Blutzuckers in die Korperzellen verbessert. Zusatzlich zu ihrer Wirkung auf den Zuckerstoffwechsel wirken sich die Signale des Insulinrezeptors auch auf den Fettstoffwechsel des Korpers aus. Deshalb hat der verbessernde Einfluss des MHCP auf die Signalubertragung ebenfalls eine positive Auswirkung auf den Fettstoffwechsel. Ist kein Insulin vorhanden, wirkt MHCP am Insulinrezeptor auf folgende Weise: es verringert die Insulinunempfindlichkeit des Rezeptors bei Typ-2-Diabetikern und fordert die Zuckeraufnahme in die Korperzellen. Als Insulinersatz kann das MHCP aber dennoch nicht verwendet werden, da die Korperzellen in erster Linie immer noch Insulin benotigen, um Zucker aufnehmen zu konnen (14). Die Zimtfraktion hat auBerdem eine antioxidative Wirkung. Dieses bietet einen weiteren Vorteil fur Typ-2-Diabetiker, denn Antioxidantien konnen vorbeugend gegen vorzeitige Zellalterung und Herz-Kreislauf- Erkrankungen wirken (16, 17).

Fazit

Typ-2-Diabetiker konnen durch die regelmaBige Einnahme von Zimt zu den Mahlzeiten zusatzlich zu ihrer jeweiligen Diabetestherapie ihren Blutzuckerspiegel sowie auch die Blutfettwerte gunstig beeinflussen. Weiterhin kann Zimt auch eingenommen werden, um einer Insulinunempfindlichkeit vorzubeugen. Da die Therapie eine tagliche Einnahme von Zimt in hoherer Dosis erfordert, erscheint die Gabe von standardisierten wassrigen Zimtextrakt-Kapseln aus der Apotheke sinnvoll. In diesen ist das atherische Ol, welches zu Unvertraglichkeiten fuhren oder Allergien auslosen kann, nicht mehr vorhanden und das MHCP liegt in hoher Konzentration vor. AuBerdem sind die geschmacksneutralen Kapseln einfach zu verzehren. Die wichtigste MaBnahme bei Diabetes mellitus Typ 2 ist und bleibt aber ausgiebige Bewegung und eine angepasste gesunde Ernahrungsweise. Da die meisten Typ-2-Diabetiker ubergewichtig sind, hilft die Bewegung und gesunde Ernahrungsweise nicht nur gegen die Insulinunempfindlichkeit der Korperzellen, sondern auch beim Abnehmen. Zusatzlich werden weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstorungen gunstig beeinflusst. (11)

Autor: Sven-David Muller, M.Sc., staatlich anerkannter Diatassistent und Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft, WendenschloBstraBe 439, 12557 Berlin, www.svendavidmueller.de

Unter Mitarbeit von Dipl. troph. Susanne Sonntag und Dipl. oec. troph. Claudia Reimers.

Literatur:

(1) Der Brockhaus ,,Ernahrung", F. A. Brockhaus GmbH, Leipzig - Mannheim, 2001

(2) http://www.gewuerzindustrie.de/gewuerzkunde/Zimt.htm, Fachverband der Gewurzindustrie e. V., Bonn

(3) Lexikon der Ernahrung: in drei Banden / [Red. Udo Maid-Kohnert], Spektrum, Akad. Verlag, Heidelberg, Berlin, 2002

(4) www.ang.kfunigraz.ac.at/~katzer/germ/Cinn_zey.html Katzer, Gernot, Gewurzseite: Monographie Ceylon-Zimt

(5) http://www.chemikalienlexikon.de Firma Omikron GmbH, Neckarwestheim

(6) Belitz, H.-D. et al.: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 5., vollst. uberarb. Aufl., Springer, Berlin, 2001

(7) Krusen, F.: Unsere Lebensmittel: Zusammensetzung,Verarbeitung, Nahrwert. Behr's Verlag, Hamburg, 1989.

(8) Khan, A. et al.: Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes, Diabetes Care 2003, 26 (12): 3215

(9) Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2003, Deutsche Diabetes Union, Kirchheim Verlag

(10) Muller-Korbusch, M.: Diabetes Manual. 2., uberarbeitete Auflage, Thieme, Stuttgart, 2003

(11) Schauder, P., Ollenschlager, G.: Ernahrungsmedizin. Pravention und Therapie. 2. Auflage, Urban & Fischer, Munchen, Jena, 2003

(12) Mehnert, H. et al.: Diabetologie in Klinik und Praxis. 5., vollstandig uberarbeitete und erweiterte Auflage, Thieme, Stuttgart , 2003

(13) Kasper, H.: Ernahrungsmedizin und Diatetik. 10., neubearbeitete Auflage, Urban & Fischer, Munchen, 2004

(14) Jarvill-Taylor, K.J., Anderson, R.A., Graves, D.J.: A Hydroxychalcone Derived from Cinnamon Functions as a Mimetic for Insulin in 3T3-L1 Adipocytes. Journal of the American College of Nutrition, Vol. 20, No. 4, 327 - 336 (2001)

(15) McBride, J.: Cinnamon Extracts Boost Insulin Sensitivity. Agricultural Research Magazine, July 2000: 21

(16) Anderson, R.A, et al.: Isolation and characterization of polyphenol type-A polymers from cinnamon with insulin-like biological activity, J. Agric. Food Chem 2004, 52, 65 -70

(17) Imparl-Radosevich, J. et al.: Regulation of PTP-1 and insulin receptor kinase by fractions from cinnamon: implications for cinnamon regulation of insulin signalling" Horm Res. 1998; 50: 177 - 182

[...]

Details

Seiten
5
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640709359
ISBN (Buch)
9783656611066
Dateigröße
365 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158140
Note
Schlagworte
Diät Zimt Diabetes Zimtextrakt Sven-David Müller Diätassistent Ernährungstherapie Diätetik Ernährungswissenschaft Zuckerkrankheit Zimt gegen Zucker Diabetes mellitus Diätberatung Ernährungsberatung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Artikel Zimt hilft Diabetikern