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Vom Alters- und Pflegewohnheim „Im Spitz“ zum Pflegezentrum „Im Spitz“

Analyse, Planung und Teilumsetzung des Umbaus auf Grund veränderter sozialer und pflegerischer Problemstellungen betagter Menschen der Stadt Kloten

von Sigrid Baierlein (Autor) Peter Kieni (Autor)

Studienarbeit 2003 68 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Anlage 2

Vorwort

Methodisches Vorgehen

Begriffsklärungen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Allgemeine demographische Entwicklung und Veränderung der sozialen Stellung im Alter
2.1 Früher
2.2 Heute
2.3 Einstellungswandel und Tendenz der Gegenwart

3 Ausgangslage in der Schweiz
3.1 Voraussichtliche zahlenmäßige Entwicklung der Hochbetagten
3.2 Ältere AusländerInnen in der Schweiz – ihre zahlenmäßige Entwicklung
3.3 Soziale und pflegerische Problemstellungen
3.3.1 Soziale Selektivität hochaltriger Menschen
3.3.2 Soziale Beziehungen älterer Menschen
3.3.3 Altern mit Partner
3.3.4 Altern ohne Partner
3.3.5 Altersgruppen

4 Ausgangslage Region Zürcher Unterland
4.1 Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur
4.2 Pflegebedarf
4.3 Das derzeitige Angebot
4.3.1 Art der Leistungen
4.3.2 Versorgungslücken

5 Ausgangslage Kloten
5.1 Kloten in Zahlen
5.2 Die Alterspolitik Klotens
5.2.1 Die Arbeitsweise
5.2.2 Das Seniorenbild
5.2.3 Entwicklung Betagte und Hochbetagte

6 Vom Alterswohnheim „Im Spitz“ zum Pflegezentrum „Im Spitz“
6.1 Zur Wohnsituation alter Menschen in Kloten
6.2 Gegenwärtige Situation im Alterswohn- und Pflegeheim „Im Spitz“
6.3 Zukünftige Situation im Pflegezentrum „Im Spitz“

7 Erkenntnisse und Auflagen aus dem Altersleitbild 2001 der Stadt Kloten
7.1 Zukünftige Situation im Pflegezentrum „Im Spitz“

8 Grund für die Planung eines Provisoriums

9 Prüfung der Umsetzungsmöglichkeiten
9.1 Auslagerung der operativen Felder
9.2 Kontainerbauten (Pavillon) im Gebiet der Stadt Kloten
9.3 Schlussfolgerung

10 Umplatzierung der Bewohner während der Bauphase
10.1 Folgekosten
10.2 Vor- und Nachteile sowie offene Fragen zum Pavillion „im unteren Bergli“

11 Öffentlichkeitsarbeit (Infoflyer siehe Beilage)

12 Antrag an den Stadtrat der Stadt Kloten

13 Antrag an den Gemeinderat der Stadt Kloten

14 Urnenabstimmung der Bevölkerung von Kloten

15 Planung der Umsetzung des Pavillons „im unteren Bergli“
15.1 Erarbeitung des Grundkonzeptes
15.2 Anzahl der Bewohnerplätze
15.3 Standard

16 Submissionierung im offenen Verfahren
16.1 Auswahl der Verfahrensart

17 Auswertung und Vergabe des Auftrages zur Erstellung des Provisoriums

18 Errichtungsplanung Provisorium

19 Betriebliche Umzugsplanung
19.1 Zeitplan für den Umzug ins Pavillon „im unteren Bergli“ Kloten
19.2 Umzugspläne im Speziellen - BewohnerInnen
19.3 Umzugspläne im Speziellen - Gütern und Materialien
19.4 Umzugspläne im Speziellen – MitarbeiterInnen
19.5 Erwartungen
19.6 Sicherheit für Personen
19.7 Sicherheit für Güter

20 Gant

21 Planung des Provisoriumsbetriebes (Umzugsfase)

22 Aufnahme des normalen Pflegebetriebes im Pavillon

23 Bauplanung Um- und Neubau des Pflegezentrum „Im Spitz“

24 Budget

25 Schlussbetrachtung und Ausblick

Anhang
Infoflyer der Öffentlichkeitsarbeit
Grundrissplan des Pavillons „im unteren Bergli“¨
Umzugsplanung ins Pavillons „im unteren Bergli“¨

Literaturverzeichnis

Gutachten und Berichte

Websites (Stand 30. Nov. 2002)

Eigenständigkeitserklärung

Eigenständigkeitserklärung

„Ich habe in der vorliegenden Arbeit im Rahmen des Projekt-Kompetenz-Studiums Bachelor of Business Administration im Gesundheits- und Sozialwesen (Zeitraum von 01.03.2002 bis 15.12.2002) die Gliederungspunkte 1 bis 3 selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen, Tools und Hilfsmittel benutzt.“

Das Vorwort, methodisches Vorgehen, alle Verzeichnisse sowie Schlussbetrachtung und Ausblick wurden gemeinsam verfasst.

Freienstein, den 15. Dezember 2002 Sigrid Baierlein

Eigenständigkeitserklärung

„Ich habe in der vorliegenden Arbeit im Rahmen des Projekt-Kompetenz-Studiums Bachelor of Business Administration im Gesundheits- und Sozialwesen (Zeitraum von 01.03.2002 bis 15.12.2002) die Gliederungspunkte 4 bis 7 selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen, Tools und Hilfsmittel benutzt.“ Das Vorwort, methodisches Vorgehen, alle Verzeichnisse sowie Schlussbetrachtung und Ausblick wurden gemeinsam verfasst. Freienstein, den 15. Dezember 2002 Peter Kieni

Anlage 2

Erklärung zur Archivierung und Rechtsübertragung

gem. §§ 16, 19, 21 UrhG

Vorwort

Jede Leserin und auch mancher Leser dieser Arbeit hat große Chancen, das 80. Lebensjahr zu erreichen. Vor rund hundert Jahren war dieses höhere Alter nur sehr wenigen vorbehalten. Heute ist es für die Menschen der westlichen Industrienationen eine fast sichere Zukunftsperspektive. Ein Drittel unserer Lebenszeit – und das ist schon die Norm – verbringen wir als betagte und hochbetagte Menschen, jenseits des Erwerbslebens.

Das Alter ist längst kein Synonym mehr für Krankheit, Gebrechlichkeit und Siechtum. Wir befinden uns mitten in einer historischen Entwicklung, in der sich „das Gesicht des Alters“ rasant wandelt. Die „Alten“, wie wir sie bisher zu kennen glaubten, gibt es nicht mehr. Es bilden sich immer stärker zwei neue Gruppen heraus: die große Gruppe der sogenannten. jungen Alten, die noch voll leistungsfähig sind, obwohl sie nicht mehr im Erwerb stehen, und die viel kleinere Gruppe der pflegebedürftigen Hochbetagten. Es ist die geburtenstarke Nachkriegsgeneration der Baby-Boomer, die auf das Rentenalter zuschreitet, mit einer noch höheren Lebenserwartung als jemals eine Generation zuvor. Bei gleichzeitig rückläufigen Geburtenraten verschiebt sich der demographische Altersaufbau zunehmend zugunsten eines höheren Anteils älterer Menschen.

Die Fragen des Alters und des Alterns werden in den Medien zunehmend thematisiert und sensibilisieren so die Öffentlichkeit allmählich für eine neue, komplexe Problematik mit tief greifenden Auswirkungen auf Politik und Kultur, Bildung und Arbeitsmarkt, Gesundheit und soziale Sicherheit, Lebensformen, Konsumstrukturen und finanzielle Verhältnisse. Hier ist die Gesellschaft als Ganzes sowie jeder einzelne aufgefordert, sich den grundlegenden Veränderungen zu stellen, über neue Lösungsansätze für eine würdige Bewältigung des Alterns nachzudenken und sie auch in die Tat umzusetzen.

Die Stadt Kloten hat diese Herausforderung angenommen und sich den veränderten sozialen und pflegerischen Problemstellungen ihrer Betagten und Hochbetagten gestellt. Mit der Überarbeitung des Altersleitbildes im Jahr 2001 wurden die Weichen für die mittlere und ferne Zukunft gestellt. Im ersten Schritt analysiert und beleuchtet diese Arbeit die Entscheidungsgrundlagen aus unterschiedlicher Sicht und hinterfragt die daraus resultierenden Entscheidungen.

In einem zweiten Schritt beschreibt sie die Umsetzung eines Teilprojektes. Dieses beginnt mit der Planung eines Provisoriums für 1 ½ Jahre und endet mit der Umsetzung des Umzuges in dieses Provisorium im Pavillon „im unteren Bergli“ in Kloten (temporäres Pflegezentrum „im Spitz“ für 1 ½ Jahre) Grundlage dieses Projektes bilden das überarbeitete Altersleitbild der Stadt Koten 2001, fachspezifische Erfahrungen, die Erkenntnisse / Bedürfnisse des Marktes und die Aufträge der Legislativen/Exekutiven

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich im wesentlichen auf eine breit angelegte Recherche von Beschreibungen des Begriffs „Alter“, der veränderten Alterssituation im allgemeinen, der Sichtung von internationalem, nationalem, regionalem und ortsbezogenem Statistikmaterial von Behörden, Gesellschaften, Unternehmensberatungen und dem Internet. Ferner Beschreibungen von komplementären Anbietern im Gesundheits- und Sozialwesen (Pro Senectute, Spitex etc.). Kernstück der Arbeit ist das Altersleitbild der Stadt Kloten.

Begriffsklärungen

Durch die Verwendung von internationaler Literatur wird in der Arbeit abwechselnd der deutsche oder der schweizer Sprachstil gewählt.

Beispiel: Altenheim = deutscher Sprachgebrauch

Altersheim = schweizer Sprachgebrauch

Altersleitbild

Das Altersleitbild formuliert Ziele, zeigt Vernetzungen auf und stellt Maßnahmenpläne dar. Es beantwortet vordergründig die Frage, in welche Richtungen diese Alterskonzepte gehen, von welchen Bedürfnissen sie ausgehen und was wichtig ist in den Bereichen Wohnformen (individuelles und kollektives Wohnen), Dienstleistungen (Hilfe und Pflege zu Hause und in den Institutionen) sowie soziale und kulturelle Aktivitäten[1]. Grundsätzlich sind Altersleitbilder langfristig angelegt, mit einem mittel- und kurzfristigen Kontrollrahmen der einzelnen Umsetzungsschritte.

Altenwohnung [2]

Eine in Lage, Ausstattung und Einrichtung für besondere Bedürfnisse älterer Menschen geeignete Wohnung mit Zentralheizung, Aufzug, Hausmeister.

Altenwohnhaus

Wohngebäude, das ausschließlich Altenwohnungen enthält.

Altenwohnheim

Abgeschlossene kleine Wohnung in einem Heim, selbstständige Führung eines eigenen Haushaltes.

Altenheim / Alterswohnheim

Zimmer bzw. Kleinappartement in einem Heim, eigene Möbel, z. T. mit Nasszelle; wenig pflegerische Unterstützung, Notfallkonzepte rund um die Uhr.

Pflegeheim / Pflegezentrum

Einzel- oder Mehrbettzimmer, einzelne eigene Einrichtungsgegenstände. Pflegebetreuung je nach Pflegestufe durch diplomierte Pflegemitarbeiter rund um die Uhr .

Pflegewohnung

Kleine Alterswohngemeinschaft, begleitet von Fachpersonal, gegenseitige Unterstützung der Bewohner.

Betagte [3]

Menschen im Alter von 65 bis 79 Jahren

Hochbetagte

Menschen ab 80 Jahren

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Veränderungen im Bevölkerungsaufbau von 1890 bis 1987

Abbildung 2 Altersstruktur im Vergleich 1998 und 2010

Abbildung 3 Altersquotient im Kanton Zürich 1990 bis 2020

Abbildung 4 Häufigkeit der von allen Leistungserbringern im jeweiligen Leistungsspektrum angebotenen Leistungen

Abbildung 5 Art der geplanten Angebotsenderungen

Abbildung 6 Altersstruktur nach wirtschaftlichem Wohnsitz Stadt Kloten

Abbildung 7 Entwicklung der Betagten und Hochbetagten nach dem ALB 1990, 1996 und dem Vergleichsjahr 2000

Abbildung 8 Statistische Werte des Alterswohn- und Pflegeheims „Im Spitz“ 1997 bis 2001

Abbildung 9 Statistische Werte des Alterswohn- und Pflegeheim „Im Spitz“ nach Durchschnittsalter und Aufenthaltsdauer

Abbildung 11Erfolgsfaktoren für die Umsetzung

Abbildung 12 Kontainerreihe im Rohbau

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Wahrscheinlichkeit zu unterschiedlichen Zeitperioden das 60., 70., 80. oder 90. Altersjahr zu erreichen

Tabelle 2 Hochbetagte in der Schweiz: Aktuelle Zahl und voraussichtliche Entwicklung

Tabelle 3 Ausländische Wohnbevölkerung im Rentenalter 1981-2030: Entwicklung und Prognosen

Tabelle 4 Studie Vorhandene Kontaktpersonen im Alter: Ergebnisse neuerer deutscher und schweizerischer Studien

Tabelle 5 Alterssurvey: Zuhause lebende Bevölkerung Deutschlands 1996

Tabelle 6 Entwicklung intergenerationeller Unterstützungsraten in ausgewählten Ländern 1950, 1990 und 2025

Tabelle 7 Demographische Alterung gemäß statistischer und dynamischer Betrachtungsweise

Tabelle 8 Altersgruppe unterschieden ob in Kollektivhaushalten oder Pflegeheimen lebend

Tabelle 9 Altersgruppe unterschieden ob in Kollektivhaushalten oder Pflegeheimen lebend

Tabelle 10 Masszahlen zur Altersstruktur 1999 und 2010

Tabelle 11 Altersprognose Kloten

Tabelle 12 Übersicht der Auslagerungsmöglichkeiten

1 Zusammenfassung

Diese Arbeit zeigt auf, dass es nicht mehr genügt, nur aus dem Bauch heraus mehr Altersheim- oder Pflegeplätze zu schaffen. Gefragt ist vielmehr eine neue Definition des Begriffes „Altern“ und damit die Wegnahme des damit verbundenen negativen Beigeschmackes. Es geht darum, Ursachen und Entwicklungstendenzen zu erkennen und bewusst zu machen und so auch im Alter die Lebensqualität individuell zu erhalten und die in diesem Lebensabschnitt entstehenden Probleme aufzufangen und zu bewältigen.

Die Arbeit beschäftigt sich intensiv mit der zahlenmäßigen Entwicklung im speziellen von Hochbetagten und die damit verbundenen sozialen und pflegerischen Problemstellungen. Zum besseren Verständnis wird auf die allgemeine Situation von alten Menschen und deren Stellung in der Gesellschaft kurz eingegangen. Besonders interessieren Forschungsergebnisse, die für die Alterspolitik und Altershilfe in der Schweiz, den Nachbarländern und im speziellen für die Stadt Kloten von praktischer Bedeutung sind. Ferner zeigt sie die damit verbundenen Konsequenzen für die Alterspolitik Klotens auf, die im überarbeiteten Altersleitbild der Stadt Kloten dokumentiert ist.

Im Speziellen wird deutlich, dass die Neupositionierung des Alterswohn- und Pflegenheimes „Im Spitz“ zum Pflegezentrum „Im Spitz“ und der damit verbundene Um- und Neubau gesellschaftlich wie pflegerisch eine Notwendigkeit darstellt. Auch die umbaubedingte Kapazitätserweiterung ist mit Blick auf die nahe Zukunft nicht ausreichend. Die Planung eines Provisoriums für 1 ½ Jahre und der Umzug in dieses Provisorium im Pavillion „im unteren Bergli“ in Kloten stellt den Anfang einer umfangreichen Umbaumassnahme dar. (temporäres Pflegezentrum „im Spitz“ für 1 ½ Jahre.

Ferner geht daraus hervor, dass auch das in Evaluation stehende Alters- und Begegnungszentrum (geplant per 2008) eine absolute Notwendigkeit darstellt, um der prognostizierten Entwicklung der betagten und hochbetagten Menschen in gesetzlich verpflichtender und zeitgemäßer Form gerecht zu werden.

2 Allgemeine demographische Entwicklung und Veränderung der sozialen Stellung im Alter

2.1 Früher

Bis in das frühe 20. Jahrhundert war Alter weitgehend gleichbedeutend mit Invalidität. Personen, deren körperliche und geistige Kräfte schwanden galten als alt, nicht jedoch Personen, die ein bestimmtes kalendarisches Alter überschritten haben[4].

2.2 Heute

Auch heute ist es noch gang und gäbe, dass alte Menschen einsam, abhängig und hilfsbedürftig sind. Laut einer Repräsentativbefragung[5] der Hamburg-Mannheimer Stiftung für Informationsmedizin aus dem Jahre 1989 schätzten nicht weniger als 44 % der Befragten ältere Menschen als „langsam und träge“ ein, 61 % der Befragten betrachteten alte Menschen als „starrsinnig“, 39 % der Befragten (25 – bis 34jährigen) waren der Auffassung, ältere Menschen redeten „dummes Zeug“. 69 % der Befragten einer breit angelegten Erhebung der Kommission der Europäischen Gemeinschaft im Jahre 1992 sagten aus, dass alte Menschen in ihrem Denken zu „starr“ seien.

2.3 Einstellungswandel und Tendenz der Gegenwart

Jede Generation muss sich ihr Seniorenbild erarbeiten und sich auf diese Weise dazu äußern, welche Rolle die Senioren spielen sollen[6]. Senioren werden als gleichberechtigte Gruppe neben den Jungen und den Erwerbstätigen gesehen. Es wird eine Alterspolitik verfolgt, welche vom Grundsatz ausgeht, das Alter als Chance zu betrachten. Das gegenwärtige Seniorenbild ist von folgenden Rahmenbedingungen geprägt:

- Mehr Frühpensionierte aus Zwang
- Mehr Aussteiger und Frühpensionierte aus freiem Wille
- Steigende Lebenserwartung
- Höhere Anforderungen an stationäre Angebote
- Höhere Anforderungen an ambulante Angebote

Die Zahl der Senioren steigt ebenso wie deren Erwartungen an die Wohnqualität im Alter. Bereits heute umfasst jeder vierte Haushalt in der Schweiz zumindest eine Person im Rentenalter[7]. Die RentnerInnen werden in Zukunft eine der wichtigsten Nachfragegruppen auf dem Wohnungsmarkt bilden. Gleichzeitig ändern sich die Wohnbedürfnisse und –wünsche der älteren Bevölkerung rasch, da jede Generation durch ihre spezifische Lebensgeschichte geprägt ist.

Auch die Werbung hat die „Senioren“ entdeckt. Etwa ab dem 55. Lebensjahr werden von Wirtschaft und Werbung Menschen als Senioren bezeichnet. Die Bedürfnisse dieser rüstigen Konsumenten unterscheiden sich grundlegend von den oft pflegebedürftigen Hochbetagten. Den Begriff „alt“ vermeidet man lieber[8].

Auch das Verhältnis zwischen den Generationen[9] hat sich verändert. Auffallend ist die stark veränderte Relation zwischen den einzelnen Altersgruppen. Vor 100 Jahren kamen auf einen über 70-jährigen 79 jüngere Personen, heute noch 12 und in 40 Jahren nur noch 8. Hieraus ergeben sich vielfache Konsequenzen im Hinblick auf die Altersicherung und die Pflegeleistung.

Die nachfolgende Abbildung zeigt deutlich diese Entwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Veränderungen im Bevölkerungsaufbau von 1890 bis 1987

Eine weitere Studie beleuchtet die Befindlichkeit der BewohnerInnen von Alters- und Pflegeheimen im Kanton Schaffhausen[10] In ihrer Studie kamen zwei Psychologiestudentinnen der Universität Zürich zu dem Ergebnis, dass sich 60 % der BewohnerInnen als vollständig oder teilweise selbstständig einstufen. Weitere 31 % können selbstständig alltägliche Aktivitäten ausüben, wie das Bett verlassen oder Mahlzeiten zu sich nehmen, aber auch ihre Finanzen regeln. Insgesamt wurde festgestellt, dass BewohnerInnen die in ihrem Alltag viel selbst bestimmen können, eine wesentlich höhere Zufriedenheit haben, als Personen, die sich fremdbestimmt fühlen. Auf einen Nenner gebracht heißt das: je selbstständiger und autonomer, desto zufriedener. Ein Ergebnis dem bereits bei der Planung von Alters- und Pflegeeinrichtungen Rechnung getragen werden muss.

3 Ausgangslage in der Schweiz

3.1 Voraussichtliche zahlenmäßige Entwicklung der Hochbetagten

Die Lage der Schweiz wird gekennzeichnet durch große demografische Veränderungen in den letzten 100 Jahren. Der jetzt schon hohe Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch wachsen. Schwerpunktmäßig wird die Zahl der über 80-jährigen zunehmen.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistische Jahrbücher der Schweiz und Bevölkerungsbewegungen der Schweiz

Tabelle 1 Wahrscheinlichkeit zu unterschiedlichen Zeitperioden das 60., 70., 80. oder 90. Altersjahr zu erreichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Hochbetagte in der Schweiz: Aktuelle Zahl und voraussichtliche Entwicklung

3.2 Ältere AusländerInnen in der Schweiz – ihre zahlenmäßige Entwicklung

In den letzten Jahrzehnten hat die Einwanderung junger ausländischer Arbeitskräfte wesentlich zur demographischen Verjüngung der Schweiz beigetragen. Durch die Einwanderungsbewegung in den 50er und 60er Jahren wurde das Geburtendefizit der 20er und 30er Jahre kompensiert, und nur die Kombination eine starke Einwanderung ermöglichte der Schweiz der Nachkriegszeit den festgestellten demographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.[12]

Obwohl die ausländische Wohnbevölkerung auch heute durchschnittlich jünger ist als die schweizerische Wohnbevölkerung, nehmen Zahl und Anteil älterer und betagter Menschen auch bei der ausländischen Bevölkerung zu. Dies gilt vor allem für die ersten Einwanderungsgenerationen, welche in den 50er und 60er Jahren ihre Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufnahmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 Ausländische Wohnbevölkerung im Rentenalter 1981-2030: Entwicklung und Prognosen

[...]


[1] Silvia Diebold Zurbrügg, Wohn- und Betreuungsformen für Betagte, Zwischenbericht April 1994, (Ergebnisse einer mehrschichtigen Umfrage im Rahmen des NFP 32-Projektes „Wohnverhältnisse, Wohnraumversorgung und räumliche Verteilung betagter Menschen in der Schweiz“

[2] Begriffsklärungen aus: Jürgen Howe u. a. , Lehrbuch der psychologischen und sozialen Alterswissenschaft, Roland Asanger Verlag, Heidelberg, 1991

[3] Begriffsklärungen aus: Hans Ulrich Schmid, Gutachten zum Altersleitbild 2001, Kloten, Tertianum Management AG, CH-Berlingen

[4] François Höpflinger, Zur Geschichte des Alters in der Schweiz, http://mypage.bluewin.ch/hoepf/fhtop/fhalter1A.html

[5] Mathis Brauchbar, Zukunft Alter, Artemis & Winkler Verlag München, 1993

[6] Gutachten zum Altersleitbild 2001 Kloten, TERTIANUM Management AG, Seestrasse 78, CH-8267 Berlingen

[7] François Höpflinger und Astrid Stuckelberger, Alter, Hauptergebnisse und Folgerungen aus dem Nationalen Forschungsprogramm NFP 32, Bern 1999

Zur Wohnsituation der älteren Menschen in der Schweiz, vgl. Michal Arend (1996) Wohnversorgung und Wohnsituation älterer Menschen in der Schweiz. Datendossier, Zürich: Synergo (mimeo)

[8] Mathis Brauchbar, Zukunft Alter, Artemis & Winkler Verlag München, 1993

[9] Ursula Lehr, Psychologie des Alters, 7. Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Heidelberg, 1972, 1991

[10] http://www.seniorweb.ch/de/aktuell/gesellschaft52.html

[11] http://mypage.bluewin.ch/hoepf/fhtop/fhalter1.html

François Höpflinger; Hochaltrigkeit – Besonderheiten der Hochaltrigkeit

[12] http://mypage.bluewin.ch/hoepf/fhtop/fhalter1.html

François Höpflinger; Alter und Migration – Zur Lebenssituation älterer AusländerInnen

Details

Seiten
68
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638208314
ISBN (Buch)
9783638719438
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15816
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin – Management im Gesundheits- und Sozialwesen
Note
1,2
Schlagworte
Alters- Pflegewohnheim Spitz“ Pflegezentrum

Autoren

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Titel: Vom Alters- und Pflegewohnheim „Im Spitz“ zum Pflegezentrum „Im Spitz“