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Förderung der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz im Rahmen der Glaubensweitergabe

Theoretische und praktische Überlegungen im Kontext der Situation in Ostdeutschland

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung und Vorbemerkungen

2. Theoretische Überlegungen zur Förderung der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz
2.1 Veränderungen im Kontext der Glaubensweitergabe
2.1.1) Traditioneller Kontext
2.1.2) Neuer Kontext
2.2 Bedeutung für die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz
2.2.1 Notwendigkeit eines neuen Denkens
2.2.2 Such nach neuen Orten der Glaubensvermittlung und die Herausforderungen für die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz

3. Praktische Beispiele einer neuen Glaubensvermittlung und ihre Bedeutung für die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz
3.1 Die Antwort auf die Herausforderungen exemplarisch dargestellt an Projekten im Bistum Erfurt
3.1.1 Das „Nächtliche Weihnachtslob“ am Heiligen Abend
im Dom zu Erfurt
3.1.2 „Folge dem Stern – missionarische Projekte am Erfurter Weihnachtsmarkt“
3.1.3 Die Feier der Lebenswende
3.1.4 Beim „Grundkurs Religion/Christentum“ innerhalb des Schulunterrichts
3.2 Bedeutungen der Projekte

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Vorbemerkungen

„ Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, den ihr habt ein reines Gewissen.“

(1 Petr 3, 15f)

Oft hören wir im Kontext dieser Fragestellungen die Stelle aus dem ersten Petrusbrief. Von dem Zeugnis zu geben, was uns erfüllt. Das ist wahrhaftig Grundauftrag, meiner Meinung nach schon Grundauftrag eines jeden Christen, dem es Ernst mit seinem Glauben ist.

Ich bin in einer kleinen Stadt im Westen von Sachsen aufgewachsen. Einer Region, in der mehr als 80% der Bevölkerung keinen Glauben haben, zumindest keiner Religionsgemeinschaft angehören. Meine Großeltern, die Großväter kamen aus Schlesien bzw. Ungarn, waren konfessionell gemischte Ehen eingegangen. Die Großväter beide katholisch, die Großmütter evangelisch. Meine Eltern sind protestantisch getauft, aber nur wenig kirchlich sozialisiert. Ich und mein älterer Bruder wurden nicht getauft. Dennoch, nachträglich meine ich sagen zu können, dass es in meinem Elternhaus durchaus eine gewisse christliche Tradition gab und gibt. Ich interessierte mich etwa 2004/2005 erstmals für den Glauben. Mich beeindruckten große Versammlungen von Gläubigen. Ich lernte einen überzeugenden Geistlichen kennen, der mich Ostern 2007 taufen und firmen konnte. Was da mit mir passierte, kann ich nur schwer in Worte fassen, weil es so tief und innig war und ist. Aber mich bewegt seit je her eine bestimmte Frage, nämlich wie es möglich sein kann, dass was Gott mir geschenkt hat, anderen Menschen zu vermitteln und auf den Glauben aufmerksam zu machen. Und das in einer Umgebung, in der Glaube und Religion gleichsam unwichtig, ja fast nicht existentiell sind. Bischof Dr. Joachim Wanke gibt darauf eine interessante Antwort: man müsse das Evangelium auf mitteldeutsch durchbuchstabieren.

Das Thema dieser wissenschaftlichen Hausarbeit ist die Förderung der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz im Rahmen der Glaubensweitergabe, also der Möglichkeit Gott und den Glauben in Handeln und Sprechen zu bezeugen und zu verkünden. In einem ersten Teil wird es darum gehen unter welchen Bedingungen Glaubensweitergabe heute geschieht und welcher Herausforderungen sich daraus im Hinblick auf religiös motiviertes Handeln und Sprechen ergeben. Im zweiten Teil der Arbeit werden einige Initiativen aufgegriffen und vorgestellt, welche an die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz der Kirche und ihrer Glieder appellieren.

2. Theoretische Überlegungen zur Förderung der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz

2.1 Veränderungen im Kontext der Glaubensweitergabe

2.1.1 Traditioneller Kontext

Zunächst ist es durchaus notwendig, sich die bisherigen Deutungsmuster im Hinblick auf die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz vor Augen zu führen. Dies ist hilfreich einerseits um die Akzentverschiebungen der heutigen Zeit zu verstehen und darüber hinaus auch nicht unwichtig, um den Lernprozess, welcher durch diese Verschiebungen notwendigerweise immer mitschwingt, verstehen und vollziehen zu können.

Dazu muss schlicht und ergreifend die Tatsache in den Blick gerückt werden, dass die Frage der Glaubensweitergabe als solche lange Zeit überhaupt kein Thema war. Das Sprechen von seinem Glauben hat zwar durchaus stattgefunden, allerdings nicht in Verbindung mit der sich daraus ergebenden oder gar dies begründenden Notwendigkeit, den Glauben in die Gesellschaft zu tragen. Wie auch heute, hatte das Sprechen vom Glauben auch im traditionellen Kontext immer verschiedene Facetten, allerdings konzentrierten diese sich meinen Beobachtungen und Erfahrungen zufolge auf zwei große Hauptbereiche, die da seien Familie und kirchliche Volksfrömmigkeit.

Die Familie war der traditionelle und bevorzugte Ort der Glaubensweitergabe und des Teilens des Glaubens. Das Weitergeben des Glaubens von einer Generation zur Nächsten, der gemeinsame Vollzug des Glaubens, wobei hier neben der Familie auch das Spektrum der Volksfrömmigkeit zu beachten ist, waren Teil der Kultur und standen lange Zeit nicht zur Disposition.

2.1.2 Neuer Kontext

Die heutige Deutung im Hinblick der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz ist freilich von einer völlig veränderten Situation des Glaubens geprägt. Durch Aufklärung, Säkularisierung und Privatisierung des Glaubens ist die Glaubensweitergabe heute ein vielschichtiges Thema geworden. Die bisherigen traditionellen Orte der Glaubensweitergabe sind, um es einmal drastisch auszudrücken, größtenteils weggebrochen. Zumindest ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass in Familien über den Glauben gesprochen wird, geschweige denn, dass der Glaube in der Familie gehalten und weitergegeben wird. Diese Beobachtung machen wir beileibe nicht nur in kirchlich wenig sozialisierten Gegenden, auch in den „traditionell“ katholisch geprägten Gebieten wie Bayern oder dem Rheinland, ist es nicht mehr ohne Weiteres selbstverständlich, dass Kinder den Glauben bzw. das Glaubensleben ihrer Eltern geradewegs übernehmen oder an den volkskirchlichen Gepflogenheiten teilnehmen und Teil haben. Bischof Joachim Wanke aus Erfurt hat dies einmal auf eine klare, prägnante Formel gebracht: „Das Traditionschristentum wandelt sich mehr und mehr zu einem Wahlchristentum.“[1]. Das hat verständlicherweise unweigerliche Folgen für das Thema der Glaubensweitergabe und bedarf auch eines neuen Nachdenkens über die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz. Einhergehend mit der veränderten Situation des Glaubens in Deutschland verändern sich auch die Räume, in welchen der Glaube bezeugt und verkündet wird. Das betrifft vor allem die Priester und Diakone sowie die übrigen Mitarbeiter in der Pastoral, insbesondere auch die Religionslehrer, aber auch alle Gläubigen. Seit vielen Jahren gibt es in Deutschland ein neues Bewusstsein für das „missionarisch Kirche Sein“, erfreulich ist, dass auch die Deutschen Bischöfe in ihrem Schreiben aus dem Jahr 2000 „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein.“ die neue Situation aufgreifen und in ihre Überlegungen und in ihre Handlungen einbezogen haben. Auch Papst Benedikt XVI. hat während seines Deutschlandbesuches im Rahmen des Weltjugendtages 2005 in Köln festgestellt, dass Deutschland schlicht wieder zum Missionsland geworden sei und dass die Situation besonders in den Neuen Bundesländern dramatisch sei.

2.2 Bedeutung für die religiöse Sprach und Zeichenkompetenz

2.2.1 Notwendigkeit eines neuen Denkens

Die veränderte Situation des Glaubens in unserem Land erfordert ein neues Nachdenken über die Möglichkeiten der Weitergabe unseres christlichen Glaubens. Diese Notwendigkeit ist glücklicherweise schon seit längerer Zeit in unserer Kirche erkannt worden und es gibt auch eine nicht geringe Zahl an Initiativen, welche dieser Notwendigkeit Rechnung tragen und sich in entsprechende Richtungen bemühen. Vor allem das Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema der missionarischen Kirche „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein“ aus dem Jahr 2000 macht deutlich, dass es in unserer Kirche neuer Anstrengungen bedarf, um den Glauben weiterzugeben und weiterzusagen. Das Schreiben fasst die derzeit vorherrschende und vorpreschende Situation gut zusammen, indem festgehalten wird, dass es in unserem Land durchaus das Bedürfnis nach religiöser Erfahrung gibt, wobei dieses sehr vielseitig und wandelbar ist[2]. Einhergehend mit dieser Beobachtung geht auch das Phänomen, dass bisher festgefügte und vorgegebene Muster der Religiosität immer weniger Zulauf finden und dass sich immer mehr Menschen ihre eigene Religion selber zusammenbauen und dass das Thema Religion mehr denn je zu einer ausschließlich privaten Angelegenheit wird[3]. Demgegenüber stellen die deutschen Bischöfe klar den Auftrag, welcher aus dieser Situation heraus an die Christen erwächst, nämlich die „Spuren von Gottes Gegenwart in ihrem Leben und in der Welt aufzuspüren und die Mitmenschen darauf hinzuweisen.“[4]. Dieser Auftrag bzw. diese Feststellungen bringen einen Punkt mit sich, welcher für das hier zu behandelnde Thema sehr entscheidend ist. Denn auch wenn in unserer Gesellschaft vielen relativiert und nivelliert wird, so ist doch eine Beobachtung sehr auffällig und interessant. Denn ein profiliertes Zeugnis, welche auf tiefer Überzeugung heraus gegeben wird, findet gerade in diesem Kontext große Beachtung. „Je mehr „alle Katzen grau sind“, desto interessanter wird das „Unterscheidende“!“[5] konstatieren auch die deutschen Bischöfe. Diese Überlegungen machen somit deutlich, dass es ein neues Denken über die Möglichkeiten des Zeugnisses und der Mission braucht. Der erste Punkt, nämlich die Erkenntnis, dass wir neue Wege der Glaubensvermittlung und des Glaubenszeugnisses brauchen, ist somit in unseren Überlegungen entfaltet. Nun gilt es, nach Möglichkeiten, ja nach Orten zu suchen, wo eben von der Frohen Botschaft Jesu Christi gesprochen werden kann.

2.2.2 Suche nach neuen Orten der Glaubensvermittlung und die Herausforderung für die religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seinem Dekret über das Laienapostolat bereits die fundamental wichtige Rolle der Gläubigen deutlich gemacht, welche in ihren konkreten Lebenssituationen und Umfeldern Gott bezeugen, verkünden und den Glauben vermitteln sollen und können[6]. Dass die Kirche durch das gelebte Zeugnis ihrer Glieder lebt sagen auch die deutschen Bischöfe, und diese Zeugen können und müssen auch heute in den unterschiedlichen Bereichen, in denen sie leben und wirken auf Gott verweisen[7]. Wie aber kann dieses Zeugnis aussehen, was ist dafür notwendig? Ausgehend vom Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ Papst Paul VI. sind es zwei Schritte, welche für das hier zu bearbeitende Thema wichtig sind. Nämlich das Zeugnis des Lebens und das Zeugnis des Wortes, also das gelebte Zeichen und das gesprochene Zeichen. Diese beiden Schritte, welche religiöse Sprach- und Zeichenkompetenz ausmachen müssen nachfolgend näher betrachtet und bedacht werden.

[...]


[1] Joachim Wanke, Unsere Verantwortung als Christen in Kirche und Welt. Den Duft der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreiten (2 Kor 2,14), Vortrag beim Begegnungstag des Katholischen Senioren-Forums in Würzburg (2002). http://www.bistum-erfurt.de/front_content.php?client=2&lang=3&idcat=1925&idart=10358 (abgerufen am 10.03, 19:15).

[2] Die Deutschen Bischöfe, „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein. Bonn 52000, S.8.

[3] Vgl. Die Deutschen Bischöfe, „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein. Bonn 52000, S.8.

[4] Ebd.

[5] Ebd. S. 9.

[6] Vgl. Dekret über das Laienapostoloat „Apostolicam actuositatem“ Nr. 9-14.

[7] Vgl. Die Deutschen Bischöfe, „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein. Bonn 52000. S.9

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640713615
ISBN (Buch)
9783640713745
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158263
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Katholisch-Theologische Fakultät / Pastoraltheologie und Religionspädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Förderung Sprach- Zeichenkompetenz Rahmen Glaubensweitergabe Theoretische Kontext Situation Ostdeutschland

Autor

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Titel: Förderung der religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz im Rahmen der Glaubensweitergabe