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Die bleibende Bedeutung von Adam Smiths Moralphilosophie

Seminararbeit 2010 8 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbindung von Universalität und Sympathie in Smiths TMG

3. Erweiterung der Moralphilosophie um die Tugend der Schicklichkeit
3.1. Die moralische Grundhaltung
3.2. Soziale Tugenden
3.3. Reaktive Haltungen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Nachdem der deutsche zeitgenössische Philosoph Ernst Tugendhat, im Jahr 1993, in seinen Vorlesungen über Ethik den besonderen systematischen Stellenwert der smithschen Moralphilosophie erkannt und ausformuliert hat, erlebte die Forschung und Diskussion über die TMG eine Renaissance.

Diese Arbeit soll, orientiert an Tugendhats systematischer Einordnung, zeigen, welche Bedeutung die TMG für die Moralphilosophie hat und worin sie besteht. Plausibel ist, dass es im Wesentlichen – mit Kant gesprochen – um eine Einbeziehung des Sinnenwesens in die universalistische Moral geht. Was für Kant eine Unmöglichkeit war, da die Moral allein der Verstandeswelt zuzuordnen ist, scheint mit Hilfe von Smith nun möglich zu sein.

2 Verbindung von Universalität und Sympathie in Smiths TMG

Liest man etwas über eine Moraltheorie, deren oberstes Prinzip universell gültig sein und vernünftigen Kriterien genügen soll, so ist meist von Immanuel Kant oder zumindest von einem seiner Nachfolger die Rede. Handelt es sich um eine Moraltheorie, die den Menschen als Individuum und als soziales Wesen beobachtet und die dem moral sentiment einen besonderen Stellenwert zuschreibt, so ist wohl David Hume der behandelte Autor.

Wenn Kant über Moral schreibt, so propagiert er den Menschen als autonomes Vernunftwesen, das fähig ist, sich selbst ein moralisches Prinzip aufzuerlegen. Dieses moralische Prinzip ist universell, da es vernünftigen, d.h. unveränderlichen und folglich universellen Kriterien genügt. Der Mensch als Sinnenwesen, geleitet von Glücksprinzipien, steht dabei dem moralischen Handeln eher im Weg. Hume dagegen sieht die Moral im Empfinden des Menschen, also in der sinnlichen Seite begründet. Seiner Ansicht nach bestimmen die Prinzipien der Selbstliebe und der Sympathie das Handeln des Menschen, wobei nur Letzteres für die Moral relevant ist. Daher entwickelt Hume, in der Tradition der britischen moral-sense -Philosophen, eine empirische Untersuchung der Psyche des Menschen und deren Rolle für moralisches Handeln.

Möchte man diese beiden, scheinbar unvereinbaren, Gegenpole in der Moralphilosophie verbinden, so erweist sich Smiths Verknüpfung des unparteilichen Betrachters mit dem Prinzip der Sympathie[1] als äußerst fruchtbar. Schließlich ist es Smith gelungen, die Relationalität der Moralpsychologie, welche auf der Sympathie aufbaut, durch den unparteilichen Betrachter aufzubrechen und auf eine universalistische Ebene zu bringen. Somit zeigt sich eine Möglichkeit, den Menschen als Sinnenwesen – für Kant unmöglich – in eine universalistische Moral einzubeziehen. Nun sind nicht nur Handlungen bzw. Handlungsregeln Gegenstand moralischer Beurteilung, sondern auch intersubjektive Haltungen.

3 Erweiterung der Moralphilosophie um die Tugend der Schicklichkeit

Smiths Moralphilosophie erklärt, wie es aufgrund des Phänomens der Sympathie zu moralischen Urteilen kommt und wie aus dem Sympathie-Prinzip die negativen und positiven Pflichten, d.h. die Tugenden der Gerechtigkeit und der Wohltat, abgeleitet werden können. Aufgrund des unparteilichen Betrachters kann ihre universelle Gültigkeit ebenso erklärt werden, wie es Kant durch den kategorischen Imperativ gelungen ist. Beide besitzen die normative Funktion, sein Verhalten an einem universellen Maßstab zu orientieren. Smith erweitert jedoch, wie wir oben gesehen haben, die kantische Moral um die affektive Seite des Menschen. Die sich daraus ableitende Tugend wird als propriety, als Schicklichkeit bezeichnet.

Die Moral der Schicklichkeit ist „eine Moral der [intersubjektiven] Haltung [...], wie wir uns zu anderen affektiv verhalten sollen“[2]. Die Haltung zu anderen besitzt, wie die Tugend der Schicklichkeit, zwei Aspekte: die Grundhaltung, die eine affektive Harmonie im Miteinander ermöglichen soll; andererseits die reaktive Haltung, bspw. nach einem erlittenen Schaden, schicklich zu reagieren. Somit sind die Tugenden, die sich aus der Schicklichkeit ergeben, in zwei bzw. drei Kategorien zu unterteilen in (a): Grundtugenden der prinzipiellen affektiven Offenheit (affektive Teilnahme, Einfühlungsvermögen, Selbstbeherrschung,) und (b): soziale Tugenden, die sich aus (a) ableiten lassen, die als intersubjektive Haltung eine affektive Harmonie ermöglichen sollen (Generosität, Freundschaftlichkeit, Liebenswürdigkeit, Achtung) und in (c): Tugenden der schicklichen affektiven Reaktion (Mäßigung, Versöhnlichkeit). Das moralische Ideal, unter dem all jene Tugenden zu sehen sind, hat Smith wie folgt formuliert:

„Und daher kommt es, daß, viel für andere und wenig für uns selbst zu fühlen, unsere selbstischen Neigungen im Zaume zu halten und unseren wohlwollenden die Zügel schießen zu lassen, die Vollkommenheit der menschlichen Natur ausmacht, und allein in der Menschheit jene Harmonie der Empfindungen und Affekte hervorbringen kann, in der ihre ganze Würde und Schicklichkeit gelegen ist“[3]

[...]


[1] Gleichwohl hat Smith einen weitergreifenden Sympathie-Begriff hat Hume. Hume sieht in der Sympathie nur eine Disposition für moralisches Verhalten, für Smith ist die Sympathie auch die Grundlage moralischer Urteile. Vgl. hierzu Lohmann 2005, 89.

[2] Tugendhat 1993, 300.

[3] TMG 28f.

Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640721344
ISBN (Buch)
9783640721849
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158321
Institution / Hochschule
Hochschule für Philosophie München
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Adam Smiths Moralphilosophie

Autor

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