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Krafttraining für Kinder und Jugendliche

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krafttraining für Kinder und Jugendliche – eine Begriffsbestimmung

3. Das vermehrte Auftreten von „Zivilisationskrankheiten“

4. Krafttraining und physiologische Dispositionen im Kindes- und Jugendalter
4.1 Die Entwicklung der Muskeln
4.2 Knochen

5. Vorteile eines angemessenen Krafttrainings im Kindes- und Jugendalter

6. Risiken des Krafttrainings im Kindes- und Jugendalters

7. Methodik und Trainingspraxis

8. Schlussbetrachtung

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Lange Zeit hielt sich die prevalente Meinung, ein bereits im Kindes- und Jugendalter durchgeführtes Krafttraining sei schädlich für die Entwicklung des noch im Wachstum befindlichen Organismus. Aus historischer Perspektive ist die Entstehung dieser zeitweise fast zu einer Doktrin erhobene Sichtweise möglicherweise in der Beobachtung von Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei körperlich schwer arbeitenden Kindern begründbar. Völlig ausgeklammert blieb bei dieser Herangehensweise jedoch die Qualität der Ernährung und die hygienischen und anderweitigen Lebensbedingungen, die ebenfalls schwerwiegenden retardierenden Einfluss auf die physische Entwicklung haben können. Aufgrund der ablehnenden Haltung eines Großteils sowohl der praktischen Sportlehrer und Therapeuten als auch der Wissenschaft spielte das Thema Krafttraining für Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit in Deutschland daher kaum eine Rolle.[1]

In letzter Zeit hat das Interesse allerdings enorm zugenommen, was seine Begründung auch darin findet, dass gleichzeitig der schlechter werdende Gesundheitszustand der Jugendlichen mehr und mehr ins Blickfeld rückt. Heutzutage ist es weitgehend unbestritten, dass ein professionell ausgeführtes Krafttraining auch und gerade im Kindes- und Jugendalter viele Chancen zur Gesundheitsförderung bietet. Immer im Hinterkopf bleiben sollten dabei allerdings die physiologischen Unterschiede zwischen und Kindern und Erwachsenen, welche das Krafttraining bei Heranwachsenden zu einer speziellen (Forschungs)Disziplin werden lässt. Kinder sind bekanntlich nicht einfach „kleine Erwachsene“.

Die vorliegende Arbeit verdeutlicht den Nutzen eines angemessen durchgeführten Krafttrainings bei Kindern und Jugendlichen und gibt Antworten auf die Frage nach zu berücksichtigenden Besonderheiten, potentiellen Risiken sowie Richtlinien für die Trainingspraxis.

2. Krafttraining für Kinder und Jugendliche –
eine Begriffsbestimmung

Eine präzise Definition von Kraft aus biologisch-physischer bzw. sportwissen-schaftlicher Sicht bereitet im Gegensatz zu einer rein physikalischen nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Geeignet erscheint die Formulierung von Boeckh-Behrens und Buskies , wonach physische Kraft „die Fähigkeit des neuromuskulären Systems [ist], Widerstände zu überwinden (dynamisch-konzentrisch), ihnen entgegenzuwirken (dynamisch-exzentrisch) oder sie zu halten (statisch bzw. isometrisch).“[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

BOECKH-BEHRENS, BUSKIES, Fitness-Krafttraining, S. 21

Der Begriff des Krafttrainings fungiert als zentraler Sammelbegriff, der im übergeordneten Sinne eine Trainingsart mit dem generellen Ziel der Verbesserung der Kraftfähigkeiten beschreibt. Konkret geht es hierbei um vier verschiedene Arten der Kraft: Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftausdauer, Reaktivkraft.[3] Krafttraining bei Jugendlichen meint ausdrücklich nicht Bodybuilding, Gewichtheben oder sogenanntes Power Lifting sondern vielmehr allgemeine Krafttrainingsmethoden, die vor dem Hintergrund der altersspezifischen physiologischen (Leistungs-)fähigkeit[4] des heranwachsenden Körpers ausgewählt und durchgeführt werden müssen.[5] Im Vordergrund stehen hierbei einerseits die Trainierbarkeit der Muskulatur bei gleichzeitiger Vermeidung der Schädigung des noch nicht voll belastbaren passiven Halte- und Bewegungsapparates.

3. Das vermehrte Auftreten von „Zivilisationskrankheiten“

Bereits im Kindesalter finden sich weit verbreitete Formen körperlicher Unter-forderung, die ursächlich für eine Reihe auf Bewegungsmangel zurückzuführende Zivilisationskrankheiten sind. In Zeiten der allgemeinen Technisierung des Alltagslebens und damit einhergehender Verdrängung von regelmäßiger körperlicher Aktivität nahmen und nehmen Erkrankungen wie Adipositas, Haltungsschäden, Muskelatrophien und Herz – Kreislauf Beschwerden auch und gerade im Kindes- und Jugendalter zu. Immer häufiger gehen Kinder und Jugendliche körperlichen Belastungen gezielt aus dem Wege. In Bezug auf die damit verbundene (Nicht-)Ausprägung einer ausreichenden Kraftfähigkeit, wodurch viele Schüler nicht mehr in der Lage sind, selbst einfachste Übungen im Sportunterricht durchzuführen, steigt insbesondere die Zahl der Haltungsschäden dramatisch an. Hauptursache hierfür ist eine unzureichend ausgeprägte Muskulatur vor allem im Bereich des Rumpfes. Dadurch, dass die Rumpfmuskulatur nicht mehr in der Lage ist, ihre Haltefunktion zu erfüllen, entwickeln sich muskuläre Dysbalancen und Fehlbildungen bis hin zur Deformation der Wirbelsäule und des Brustkorbs, worunter letztlich auch der Kreislauf sowie das Atmungs- und Verdauungssystem leiden können. Je nach Statistik gelten heutzutage 50 bis 65 Prozent aller Schüler als haltungsschwach.[6] Siewers spricht in Bezug auf Grundschüler gar von bis zu 80 Prozent.[7] Schon allein derartige Zahlen eignen sich als unbedingtes Plädoyer für eine Förderung bzw. Ausweitung von Krafttraining im Kindes- und Jugendalter.

Hinzu kommt das um sich greifende, epidemische Züge annehmende Problem der Übergewichtigkeit. Laut der zwischen 2003 und 2006 durch das Robert-Koch Institut durchgeführten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS), an der insgesamt 17 641 Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 0 und 17 Jahren teilnahmen, kam es sowohl bei Übergewichtigkeit als auch bei Adipositas in den letzten Jahren zu einer dramatischen Zunahme. 15 Prozent (1,9 Millionen) der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren leiden unter Übergewicht, 6,3 Prozent (800 000) sind adipös. Vor dem Hintergrund der Referenzpopulation der 1980er und 1990er Jahre bedeutet dies eine Vergrößerung des Anteils übergewichtiger und adipöser Kinder an der Gesamtzahl der Kinder und Jugendlichen um 50 Prozent![8] Auch vor diesem Hintergrund erscheint die Durchführung eines altersangemessenen Krafttrainings, wodurch bei den Kindern und Jugendlichen ein Muskelkorsett aufgebaut und damit passives in (stoffwechsel)aktives Gewebe umgewandelt werden könnte, äußerst angebracht.

[...]


[1] Anders in den USA, wo die gesundheitsfördernde Wirkung wesentlich früher erkannt und wissenschaftlich untersucht wurde.

[2] BOECKH-BEHRENS, W.-U. & BUSKIES, W.: Fitness-Krafttraining. Die besten Übungen und Methoden für Sport und Gesundheit, 10. Aufl., Hamburg 2006, S. 21; Kürzer die Definition von HABER und TOMASITS: „Kraft ist die Fähigkeit eines Muskels Spannung zu entwickeln.“ – HABER, Paul, TOMASITS, Josef: Medizinische Trainingstherapie: Anleitungen für die Praxis, Wien 2006, S. 41; Siehe auch KANDOLF, Werner: Krafttraining im Kindes- und Jugendalter (Grundlagen), http://www.bwic.de/wb/media/kader/dokumente/krafttraining_fuer_jugendliche.pdf, 19. 08. 2010, 17:30

[3] Hierzu genauer HELLER, Martin: Zur Problematik der Trainingssteuerung über die Belastungsintensität bei fixierten Wiederholungszahlen im Krafttraining Interindividuelle und intraindividuelle Unterschiede bei den Übungen Bankdrücken und Bankziehen, Magisterarbeit der Universität Wien 2010, S. 21 ff.; HOHMANN, Andreas u. a.: Einführung in die Trainingswissenschaft, 4. Aufl., Wiebelsheim 2007, S. 65 ff.

[4] Zu nennen ist hier das „Mark-Jansen-Gesetz“, wonach sich die Empfindlichkeit des Gewebes proportional zur Wachstumsgeschwindigkeit verhält. Außerdem kann die Belastungsverträglichkeit des Körpers bei biologisch und kalendarisch Gleichaltrigen sehr unterschiedlich sein. Hierzu SIEWERS, Michael: Krafttraining im Kindes- und Jugendalter, in: Praxis Physiotherapie 2/2008, S. 60-64, hier S. 60

[5] Je nach Alter werden die Kräftigungsübungen dabei mit dem eigenen Körpergewicht, mit Hilfsmitteln, Widerstandsbändern, mit Zusatzgewichten oder an Kraftgeräten durchgeführt. MENZI, Christoph u. a.: Krafttraining im Kindes- und Jugendalter, in: Schweizerische Zeitschrift für «Sportmedizin und Sporttraumatologie» 55 (2007), S. 38–44, hier S. 38

[6] Ausführlicher statistischer Vergleich bei STEINMANN, Werner: Krafttraining im Sportunterricht (=Sportwissenschaftliche Dissertationen, Bd. 29), Ahrensburg 1988, S. 22; siehe auch ROTKOPF, Thomas: Training mit Kindern und Jugendlichen. Theoretische Grundlagen – praktisch-methodische Umsetzung, S. 5

http://www.schule.at/dl/Training_mit_Kindern_und_Jugendlichen_1141196740547558.pdf, 20. 08. 2010, 17:30

[7] SIEWERS, Krafttraining, S. 60; Problematisch sind auch immer häufiger werdende Fußschäden als Folge einer ungenügend ausgeprägten Fuß- und Wadenmuskulatur sowie des Band- und Knochenapparates der Füße. STEINMANN, Krafttraining, S. 22

[8] KURTH, B.-M., SCHAFFRATH ROSARIO, A.: Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS), in: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 5/6 2007, S. 736-743, hier S. 737

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640723546
ISBN (Buch)
9783640723690
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158572
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover
Note
Schlagworte
Krafttraining Kinder Jugendliche

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Titel: Krafttraining für Kinder und Jugendliche