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Der Zusammenhang von Biodiversität und kultureller Vielfalt am Beispiel der Lüneburger Heide

Seminararbeit 2008 36 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Konzepte der Diversität
2.1 Biodiversität
2.2 Kulturelle Diversität
2.3 Zusammenhänge zwischen kultureller und biologischer Vielfalt

3. Die Lüneburger Heide
3.1 Beschreibung
3.2 Lage
3.3 Entstehung der natürlichen Landschaft
3.4 Entstehung der anthropozoogenen Landschaft
3.5 Die Lüneburger Heide und ihre Bedeutung für die Biodiversität
3.6 Die Lüneburger Heide und ihre Bedeutung für die Kulturelle Diversität

4. Lüneburger Heide im Kontext des Sachunterricht
4.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
4.2 Exemplarität
4.3 Die Lüneburger Heide im Kontext des Konzepts Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
4.4 Lüneburger Heide im Kerncurriculum

5. Methodik
5.1 Projektarbeit

6. Reflexion und Schlusswort

7. Literatur

8. Anhang

1. Einleitung

Die folgende Arbeit ist ein Resultat des Seminars „Biologische und kulturelle Vielfalt - Zugänge für Kinder“. In diesem Seminar ging es um die Verknüpfung von Biodiversität und kultureller Vielfalt. Zunächst wurde durch theoretische Betrachtung der einzelnen Bereiche eine Wissensgrundlage geschaffen, die dann zusammengesetzt wurde. Die Umsetzung erfolgte anhand von Zeitungsartikeln für eine Seminarzeitung. Die Artikel wurden nach der Struktur des Seminars verfasst. Vorerst wurde so das Thema biologische Diversität beleuchtet und mittels verschiedener praktischer Problemstellung analysiert. Hierbei war es entscheidend, dass die dazugehörigen Artikel eine Kernproblematik ansprachen und über die biologische Vielfalt grundsätzlich Aufschluss gaben. Nachdem dieses auch mit der kulturellen Vielfalt erreicht wurde, standen Artikel an, die beide Bereiche miteinander vernetzen sollten. Dieses stellte sich zwar als Herausforderung, aber auch als sehr lehrreich und interessant heraus.

Aus dieser Idee und des darauffolgenden Artikels, der mit Hilfe eines konkreten Unterrichtsthemas, die bisherigen Gegenstände in die Praxis umsetzen sollten, wurde unsere Idee für diese Arbeit.

Die „Lüneburger Heide“ stellt ein mehrperspektivisches Thema dar, das sich für die Bearbeitung von Diversität, biologischer sowie kultureller, geradezu anbietet. In der folgenden Arbeit soll diese These belegt werden, indem alle Facetten dieser besonderen Landschaft aufgegriffen und beschrieben werden. Zunächst folgt eine erneute Auseinandersetzung mit dem Thema des Seminars und es wird eine Grundlage für die Bearbeitung unseres Unterrichtsgegenstandes geschaffen. Danach folgt ein Kapitel über die „Lüneburger Heide“ und ihre Entstehung, um eine Wissensbasis zu schaffen, die die anschließende Aufbereitung für den Unterricht verständlich macht.

Im Anschluss wird das Thema in den Kontext des Sachunterrichts gestellt und anhand von Klafkis Bildungstheorie explizit gemacht, dass die „Lüneburger Heide“ für die Bearbeitung in der Grundschule prädestiniert ist. Der letzte inhaltliche Aspekt ist die Methodik, die in der folgenden Arbeit aufgenommen wurde, um ein Beispiel zu bieten, wie die Arbeit mit der „Lüneburger Heide“ praktisch aussehen könnte. Dieses wird anhand der Projektarbeit analysiert. Am Ende folgt eine Reflexion, die gleichzeitig das Schlusswort dieser Arbeit ist, in der erneut auf die bearbeitete These eingegangen und eigene Erfahrungen mit dem Thema präzisiert werden.

2. Die Konzepte der Diversität

2.1 Biodiversität

„Artenvielfalt […] ist Ergebnis und gleichzeitig Voraussetzung für weitere Evolutionen.“[1] Die Biologische Vielfalt ist Lebensgrundlage für den Menschen und alle Organismen dieser Erde. Unter Biodiversität oder biologischer Vielfalt versteht man die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Sie umfasst drei Bereiche:

- Die Vielfalt der Ökosysteme
- Die Vielfalt der Arten
- Die genetische Vielfalt

Als Ausgangspunkt kann man die Vielfalt der Arten sehen. Innerhalb der Arten ist außerdem die genetische Vielfalt zu betrachten, die als Voraussetzung dafür gilt, dass Arten gegenüber Umweltveränderungen gewappnet sind. Darüber hinaus leben Tiere und Pflanzen in Ökosystemen. Diese sind Bereiche in der Natur, in der die Arten in Zusammenhang untereinander und in Wechselwirkung mit der unbelebten Natur stehen.

Genaue Zahlen, wie viele Arten insgesamt auf der Erde existieren, gibt es nicht. Es werden Millionen von Tierarten, Pflanzenarten und Mikroorganismen auf der ganzen Erde sein. In Mitteleuropa sind bisher 30.000 Arten bekannt, die meisten sind aber noch nicht entdeckt bzw. beschrieben und verzeichnet worden. Viele dieser Arten sind inzwischen vom Ausstreben bedroht. Auch hier gibt es keine genauen Zahlen, so dass nur Schätzungen getätigt werden können. Die meisten Wissenschaftler sind sich aber inzwischen einig, dass die Artensterberate alarmierend ist.[2]

Seit den 1980er Jahren wird verstärkt ein Rückgang der biologischen Vielfalt beschrieben. Die Ursachen für diesen Verlust sind vielschichtig und meistens ist ein Zusammenhang verschiedener Faktoren ausschlaggebend. Grundsätzlich wird aber deutlich, dass der Eingriff des Menschen in die Natur für den Diversitätsverlust verantwortlich ist. Der Mensch fordert immer mehr Raum, bedient sich ohne Unterlass an den natürliche Ressourcen, gestaltet Lebensräume und Lebensgemeinschaften um und verändert letztendlich die evolutiven Rahmenbedingungen des Planeten. Dieses zeigt sich besonders in der Debatte um den Klimawandel. Durch die von König und Linsenmair genannte „Habitatzerstörung“ wird der Diversitätsverlust vorangetrieben und „die große Zahl der Organismenarten können in den anthropogen veränderten Lebensräumen nicht überleben.“[3]

Im Speziellen werden Biotopzerstörung, Waldrodungen, der Anstieg der Weltbevölkerung mit ihrem wachsenden Ressourcenbedarf oder das unkontrollierte Jagen und Fischen als Gründe für das Artensterben genannt.

Zu den weiteren Ursache wird auch die moderne Landwirtschaft gezählt, in der immer weniger Pflanzen angebaut werden. Besonders die Züchtung von Hochleistungssorten, die in Monokulturen angebaut werden, verdrängt alte Arten. Siehe zu diesem Thema auch Kapitel 3.5.

Wichtiger als der natürliche Erhalt und Schutz sind dabei die hohen Erträge einer Sorte geworden. Gleichzeitig soll die Beschaffung und Züchtung preiswert sein. Durch diese Spezialisierung und Vereinheitlichung ist ein deutlicher Verlust der „Agrobiodiversität“ zu verzeichnen. Der Begriff „Agrobiodiversität“ meint die Vielfalt der Pflanzen und Tiere, die in der Landwirtschaft genutzt werden, aber auch die Agrarlandschaften.

Nicht nur bei den Pflanzen, sondern auch bei den Nutztieren ist ein Verlust der Vielfalt deutlich spürbar. „Im letzten Jahrhundert sind weltweit 1.000 der anerkannten 6.400 Nutztierrassen ausgestorben. Heute werden nur noch wenige, genetisch immer homogenere Rassen genutzt.“[4] Unsere Nahrung besteht heute zu 90 Prozent aus gut 100 Arten. Dieses wird besonders prägnant am Beispiel der Getreideproduktion.

Über die Hälfte der Weltgetreideproduktion entfällt dabei nur auf die drei Getreidearten Mais, Reis und Weizen.[5] Problematisch wird diese Entwicklung, wenn diese wenigen Arten neuen Umweltbedingungen nicht standhalten können oder von Krankheiten befallen werden.

Auch in der Pharmaindustrie werden wenige Pflanzen zu Medikamenten verarbeitet, die sehr anfällig sind. Durch Eingriffe in die Natur sind außerdem bestimmte Heilpflanzen nicht mehr oder kaum noch in der Natur zu finden. Wirkstoffe einiger dieser Pflanzen können nicht künstlich hergestellt werden und gehen somit beim Aussterben der Pflanze verloren.

Die „Convention on Biological Diversity“ (kurz CBD) ist ein internationales Übereinkommen, das auf der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro ausgehandelt wurde.[6]

Das Übereinkommen beruht auf drei Grundpfeilern, die gleichzeitig die übergeordneten Ziele darstellen. Diese drei Ziele sind Schutz der Artenvielfalt und Lebensräume auf der Erde, Erhalt natürlicher Ressourcen und gerechte Nutzung dieser natürlichen Grundlagen für alle Menschen. Auch der nachhaltige Gedanke an die folgenden Generationen und die gerechte Nutzung der Ressourcen, damit auch sie von ihnen profitieren können, spielt hier eine entscheidende Rolle. Das primär zu erreichende Ziel ist die Reduzierung des Biodiversitätsverlustes auf globaler, regionaler und nationaler Ebene bis 2001.

Der zunehmende Verlust an Diversität in der Natur zeigt, dass es notwendig ist, ein Netzwerk über die Staatsgrenzen hinaus aufzubauen, um an der Problematik des Artenrückgangs, der Ressourcennutzung und der gerechten Verteilung der Lebensgrundlagen zu arbeiten. Signifikant wird hier der globale Zusammenhang aller Staaten und Menschen auf der Erde. Die Nutzung der Natur ist kein regionales oder nationales Problem mehr, sondern macht längst einen globalen Handlungsrahmen erforderlich. Das rapide Verschwinden von Tier- und Pflanzenfamilien zwingt uns zum Handeln. Laut Studien sterben täglich 150 Arten aus und 41.415 stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten 2007.[7] Diese erschreckenden Zahlen machen deutlich, warum Vertreter vieler Staaten 1992 zu einem Übereinkommen gelangen mussten und gelangt sind.

Die Vertragsparteien verpflichten sich zur Mitarbeit am Erhalt der biologischen Vielfalt. Des Weiteren richten sich die Staaten nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit aus, so dass Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei umgedacht und ihre Handlungsweisen nach diesem Prinzip ausgerichtet werden müssen.[8] Länder, deren Ressourcen genutzt werden, sollen am Gewinn gerecht beteiligt werden. Für die Einhaltung dieser Ziele und um weitere Maßnahmen einzuleiten, müssen Vertreter der beteiligten Staaten regelmäßig zusammentreffen.

Es handelt sich bei der Konvention um einen Vertrag zwischen souveränen Staaten, die sich durch die Unterzeichnung verpflichten, an den festgelegten Zielen zu arbeiten. Als Vertragspartner haben bis jetzt 190 Staaten dieses Übereinkommen anerkannt. Sie arbeiten an Arbeitsprogrammen, um die genannten Ziele umzusetzen und treffen sich alle 2 Jahre zu einer Vertragskonferenz. Dort werden Vorstellungen und Ergebnisse diskutiert und an neuen Plänen und Umsetzungsmöglichkeiten gearbeitet. Außerdem werden kurz- und langfristige Ziele festgelegt, um die weitere Zerstörung der Vielfalt aufzuhalten. Dieses Jahr fand die Konferenz in Bonn statt, bei der sich 5000 Delegierte aus 170 Ländern 2 Wochen lang zusammentrafen und sich über weitere Vorgehensweisen berieten. Die Umsetzung des „Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ liegt in der Hand der Länder selbst und in einem Abstand von zwei Jahren finden Folgekonferenzen statt, die die Umsetzung der Konvention beurteilen und vorantreiben sollen.

Die Bundesregierung Deutschland hat sich verpflichtet, einmal in jeder Legislaturperiode einen Rechenschaftsbericht vorzulegen, damit das Erreichen der Ziele bzw. die Arbeit überprüfbar bleibt.

2003 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit der Erarbeitung einer Nationalen Strategie begonnen, um die Ziele der UN-Dekade zu erreichen. Am 7. November 2007 hat die Bundesregierung die Strategie[9] beschlossen.

Um den Verlust der Biodiversität aufzuhalten sind vielschichtige Maßnahmen erforderlich, die auf allen Ebenen durchgesetzt werden müssen. Die Nationale Strategie enthält 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen zu allen biodiversitätsrelevanten Themen. Die Grundlage der Umsetzung ist die dialogische Arbeit mit vielen Akteuren aus Naturschutz, Regierung, Ökonomie, regional sowie national Beteiligten Personen.

Es finden mehrere regionale und nationale Foren statt bei denen sich die Menschen über die Umsetzung austauschen können und durch diesen Dialog an den Prozessen mitwirken können und sollen.

Vor allem geht es um die zentrale Frage „Wie kann unter den Bedingungen einer modernen Industriegesellschaft Schutz und Nutzung der biologischen Vielfalt so gestaltet werden, dass die Vielfalt der Arten und Naturräume erhalten wird und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Interesse an einer angemessenen Nutzung realisiert werden kann?“[10]

2.2 Kulturelle Diversität

Die kulturelle Diversität ist ein Merkmal der Menschheit und der postmodernen Gesellschaft in der wir leben. Diese Gesellschaft ist durch Vielfalt geprägt und letztlich auch durch sie entstanden. „Neben gemeinsamen Werten macht gerade die Vielfalt der Ideen und Lebensweisen Europas Reichtum aus.“[11] Dieses beschränkt sich sicherlich nicht nur auf Europa, wird aber hier für uns besonders in den letzten Jahrzehnten deutlich. In Deutschland und auch weltweit leben Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen. Kulturelle Vielfalt ist die Voraussetzung kultureller Entwicklung und prägt unser tägliches Leben.

Eine Kultur spiegelt die Normen und Werte einer Gesellschaft wieder, die sich unter anderem in der Kunst, dem Recht, der Religion und der Wissenschaft äußert. Die Bundeszentrale für politische Bildung brachte 2004 in der Reihe „pocket global“ eine Ausgabe zum Thema Globalisierung in Stichworten heraus, in der Uli Jäger Kultur folgendermaßen definiert. „Kultur gilt als Ausdruck aller sozialen und geistigen ebenso wie materiellen und technischen Werte, die die Menschen in ihrer jeweiligen Umgebung schaffen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.“[12] Außerdem macht er auf die Bereicherung von anderen Kulturen aufmerksam, die durch ein Zusammenleben mit unterschiedlichen Kulturen erreicht werden kann. Inzwischen zeichnet sich aber deutlich ab, dass wenige Industriestaaten die Kultur beherrschen. Münch nennt dieses „[…]Unterwerfung peripherer Kulturen unter die Zentrumskultur.“[13] Aufgrund des Umfanges dieser Arbeit, kann auf dieses Thema hier nicht weiter eingegangen werden. Die Folge dieser Entwicklung ist ein zunehmender Verlust an Kultureller Vielfalt, vor allem der kulturellen Traditionen indigener Völker.

Die kulturelle Vielfalt wird nicht nur als Chance empfunden, sondern oft als Bedrohung. Viele sind sich nicht einig, ob die Globalisierung und Migrationsbestrebungen der letzten Jahrzehnte zu einem Absinken der Vielfalt beitragen oder sie unterstützen. Aus diesem Grund gibt es viele Projekte und Versuche, die kulturelle Vielfalt zum Thema der Öffentlichkeit zu machen und sich mit dem Schutz der Vielfalt auseinanderzusetzen.

Des Weiteren ist kulturelle Vielfalt eine Voraussetzung für das Konzept einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Es geht um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und deren gerechte Verteilung. „Über die Frage, wie sie gestaltet werden können, entscheiden Lebensstile, kulturelles Wissen und die Art wie Politik und Wirtschaftsmacht genutzt werden.“[14]

Dieses zeigt, dass die Kulturelle Vielfalt geschützt werden muss, genauso wie die Biodiversität. Denn eine „durchaus ähnliche Reduktion von Vielfalt ist auch im Bereich der menschlichen Kulturen zu beobachten. Hier ist es die Dominanz wirtschaftlich starker und durchsetzungsfähiger Nationen, die zur Verringerung der Kulturenvielfalt in vielen Kontinenten und natürlich auch innerhalb einzelner Länder führt. […] Insgesamt ist es die Dominanz des markwirtschaftlichen Geschehens, die zum Verschwinden örtlicher und regionaler Kulturen im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich führt.“ [15]

Am 20. Oktober 2005 wurde von der UNESCO-Vollversammlung in Paris ein Übereinkommen verabschiedet, das das Problem des Diversitätsverlustes zum Thema hat. Dieses Übereinkommen misst der kulturellen Vielfalt ihre Bedeutung bei und enthält Maßnahmen, diese zu schützen.

Am 18. März 2007 ist das Übereinkommen in Deutschland in Kraft getreten.

Das „Übereinkommen über Schutz und Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“[16] hat sich zum Ziel gesetzt, die kulturellen Traditionen zu schützen, Voraussetzungen für die freie Entfaltung dieser zu schaffen, Dialoge zwischen den Kulturen anzuregen und den Staaten das souveräne Recht zur Selbstbestimmung in kulturellen Fragen zu gewähren.

Wichtig ist, dass es sich nicht nur um den Schutz der eigenen Kulturen handelt, sondern dass auch fremde Kulturen, die durch Migration und die gesellschaftliche Entwicklung im jeweiligen Land vertreten sind, geschützt und gefördert werden. „Kunst und Kultur sind wesentlich das Gespräch einer Gesellschaft mit sich selbst, ihre spielerische Reflexion auf die eigene Geschichte, Gegenwart und Zukunft, wie auch über Erfahrungen und Impulse anderer Kulturen.“[17] Es wird deutlich, dass die Vielfalt der Kulturen auch die eigene Kultur prägt und es heutzutage schwer ist eine Abgrenzung zu treffen. Man will diese Grenze zwischen den Kulturen nicht mehr ziehen und erkennt, dass eine Kultur längst abhängig von anderen Kulturen ist und sich nur im Dialog mit anderen weiterentwickelt. Deshalb ist ein Schutz aller Kulturen ein Muss für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um die eigene Entwicklung voranzutreiben. „Diese Vielfalt ist unverzichtbare Ressource für Freiheit, Grundlage unserer pluralistischen Gesellschaft und Voraussetzung für die Ermöglichung individueller Lebensoptionen.“[18]

Die kulturelle Diversität ist heute ein unverzichtbares Gut und wird sich auch in den nächsten Jahren weiter zu einem lebenswichtigen und schützenswerten Bereich unseres Lebens entwickeln. Aus diesem Grund sind auch in vielen Disziplinen Projekte und Themen zur kulturellen Vielfalt aufgegriffen worden. So findet man auch im pädagogischen Bereich viel Literatur und Anregungen, wie man auch seinen Unterricht mit der Grundlage der kulturellen Diversität gestalten kann und sollte, um diesem wichtigen Thema gerecht zu werden.

2.3 Zusammenhänge zwischen kultureller und biologischer Vielfalt

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen biologischer und kultureller Vielfalt. Kulturen haben sich in Abhängigkeit der natürlichen Gegebenheiten entwickelt und bauen noch heute auf Biodiversität auf.

Die neuesten technischen Errungenschaften haben häufig Naturphänomene als Vorbilder. So werden beispielsweise mit Nutzung des Lotus-Effektes wasserabweisende Materialien entwickelt. Einige Effekte aus der Natur können heute künstlich nachgeahmt werden, andere aber nicht. In der Medizin ist der Mensch oft auf die natürlichen Produkte angewiesen.

In der Landwirtschaft wird der Zusammenhang zwischen biologischer und kultureller Vielfalt besonders deutlich. In Abhängigkeit von Bodenbeschaffenheiten wurde Nahrung angebaut. So wurde die Ernährung der Menschen von der Biodiversität bestimmt. Nutztiere und Kulturpflanzen wurden von Menschen gezüchtet, unter Einfluss lokaler Gegebenheiten und Traditionen. Umgekehrt ist Landwirtschaft aber auch ein Eingriff in die Natur, so dass Kulturen, also der Mensch in die natürliche Umgebung eingreift.

Die Menschen haben natürliche Gegebenheiten genutzt, um Züchtungen zu entwickeln. Damit haben sie ursprünglich sogar zur Biodiversität beigetragen. Dieses Phänomen ist auch in den Kulturlandschaften zu beobachten. Dieses sind Landschaften, die stark vom Menschen geprägt oder sogar vollständig durch Menschen angelegt sind. Sie können eine reichhaltige Flora und Fauna aufweisen und damit zur biologischen Vielfalt beitragen. Durch sie kann das Artensterben aber auch begünstigt werden und viele Arten verloren gehen.

Ein Beispiel einer Kulturlandschaft ist die Lüneburger Heide. Sie ist nicht natürlich entstanden, sondern vom Menschen angelegt. Hier wird also der Zusammenhang zwischen biologischer und kultureller Vielfalt deutlich. Die Kultur der Region hat sich entscheidend auf die Natur ausgewirkt und diese verändert.

[...]


[1] Altner (2004), S. 16

[2] Vgl. Streit (2007)

[3] König, Barbara; Linsenmair, K.E. (1996), S. 142

[4] Wolff (2004), S. 43

[5] Vgl. Streit (2007)

[6] Vgl. URL http://www.cbd.int/ Stand: 16.06.2008

[7] http://www.nabu.de/m05/m05_01/07131.html Stand: 17.06.2008

[8] Vgl.: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/Biodiversitaet/2008-05-16-un-naturschutzabkommen-bonner-konferenz.html Stand: 17.06.2008

[9] http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/biolog_vielfalt_strategie_nov07.pdf

Stand: 12.09.2008

[10] http://www.bmu.de/naturschutz_biologische_vielfalt/downloads/doc/40333.php Stand: 12.09.2008

[11] Merkel, Christine M. (2006), S. 7

[12] Jäger, Uli (2004), S. 81

[13] Münch, Richard (1998), S. 231

[14] Stoltenberg (2007), S: 243

[15] Altner (2004), S. 16

[16] Vgl. Merkel, Christine M. (2006)

[17] Merkel, Christine M. (2006), S. 5

[18] Merkel, Christine M. (2006), S. 5

Details

Seiten
36
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640711963
ISBN (Buch)
9783640712960
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158615
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Sachunterricht
Schlagworte
Lüneburger Heide

Autor

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