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Das innere und äußere Imperium der Sowjetunion: Aufstieg und Niedergang

Das System der Satellitenstaaten

von Martin Riggler (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung
1. Zum Thema
1.1 Aufbau und Konzept der Arbeit
1.2 Ziel

II. Hauptteil
1. Eine kurze Geschichte der UdSSR
1.1 Von den Anfängen: Oktoberrevolution – II. Weltkrieg
1.2 Die Konfrontation von Ost und West
2. Russland und seine Peripherie in Osteuropa
2.1 Das System der Satellitenstaaten
2.2 Ein „Ostblock“?
3. Der Niedergang des Imperiums
3.1 Glasnost und Perestroika
3.2 Die Auflösung

III. Fazit

I. Einleitung

Die Geschichte ist ein gerechter, ruhiger und anspruchsvoller Richter. Nur langsam wählt sie endgültige Einschätzungen für Staaten, Ereignisse und Persönlichkeiten aus.

Michail Gorbatschow

1. Zum Thema

Der Zusammenbruch der UdSSR zu Beginn der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts brachte zugleich das Ende eines imperialistischen Systems, welches in der Konfrontation zu den westlichen Demokratien unter Führung der USA das Gleichgewicht der politischen Ordnung auf globaler Ebene mit gewährleistet hatte. Ursache für das Ende des Sowjetreiches waren die Synergien zahlreicher interner wie externer Faktoren, für Letztere maßgeblich das Beziehungs- und Wirkungsgeflecht im Verhältnis zu ihren Satellitenstaaten in Osteuropa.

1.1 Aufbau und Konzept der Arbeit

Die Gliederung baut im Anschluss an diesen einleitenden Teil auf drei wesentlichen Bereichen auf. Zunächst sollen, in dem Umfang dieser Arbeit angemessener Weise, die historischen Grundlagen zum vorliegenden Themenfeld erarbeitet werden.

Diese bilden die Voraussetzung für die im weiteren Verlauf des Hauptteils stattfindende dialektische Betrachtung der Peripherie der Sowjetunion und ihres Machtzentrums, in der inhaltlichen Ausrichtung auf die Umstände des Zerfalls des äußeren Imperiums der Union – dem thematischen Schwerpunkt dieser Arbeit. Grundsätzlich sieht das angewandte Konzept eine analytische Herangehensweise vor, bei welcher ein umfassendes Bild des jeweils behandelten Themenfeldes in Bezug zur Gesamtproblematik der Forschungsfrage gezeichnet wird. Die Stichhaltigkeit der Argumentation und die auf dieser aufbauende Erkenntnis sollen dabei nachvollziehbar dargestellt und gegebenenfalls mit Verweisen auf geeignete Literatur unterstrichen werden; das Ende dieser Arbeit findet sich in einem abschließenden Fazit.

1.2 Ziel

Als erkenntnisleitendes Interesse dient dieser Arbeit im Wesentlichen die Auseinandersetzung mit der Frage, ob im Niedergang des sowjetischen Imperiums tatsächlich die weithin wahrgenommene Befreiung der Satellitenstaaten stattfand, oder jene Ereignisse in der Notwendigkeit der engsten Bestandssicherung vielmehr eine Befreiung des Machtzentrums von diesen darstellten?

Die vorgenommene Analyse findet im Bewusstsein der wissenschaftlichen Debatte um den Terminus „Imperium“ statt. Betont werden soll daher, dass dieser Begriff hier nicht ideologisch geprägt oder in solchem Sinne verwendet wird, sondern sich vielmehr aus den im Folgenden beschriebenen Eigenschaften der (imperialen) Strukturen der Herrschaft der UdSSR – mit Fokus auf die Bedingungen und Hintergründe des tatsächlichen Verhaltens der staatlichen Akteure – erschließt.

II. Hauptteil

1. Eine kurze Geschichte der UdSSR

Methodisch korrekt muss, um das Ende des Systems zu beleuchten, auf dessen Vorgeschichte eingegangen werden – dient dies doch gleichermaßen dem Verständnis des Lesers in Bezug auf Geschichtsbild und Standpunkt des Autors. Zudem ist es jene Entstehungs - und Entwicklungsgeschichte, welche das Verhältnis der Klientelstaaten Osteuropas zur UdSSR bis zu deren Untergang und darüber hinaus, nachhaltig bis in die Gegenwart bestimmt hat und somit auch mit Blick auf die Forschungsfrage von grundlegender Bedeutung ist.

1.1 Von den Anfängen: Oktoberrevolution – II. Weltkrieg

Der historische Bruch der russischen Revolution 1917 war bereits in seinen Anfängen von gesellschaftlichen wie ökonomischen Rahmenbedingungen umschlossen, die eine schwere Hypothek für die weitere Entwicklung darstellten und letztlich das Interesse einer Machtexpansion Richtung Westen mitbegründeten. Die Industrialisierung Russlands hatte im Vergleich zu den anderen europäischen Nationen erst spät stattgefunden, auch die Landwirtschaft war rückständig und noch zur Mitte des 19. Jahrhunderts an den feudalen Strukturen des Mittelalters orientiert. Die Tendenzen zu einem Kurs starken staatlichen Einwirkens waren in der steten, auswärtigen Bedrohung im Osten durch die Geschichte Russlands hindurch ebenso begründet, wie in den Merkmalen der Modernisierungen hin zum 20. Jahrhundert; Staatsinterventionismus war bereits damals ein wesentlicher Bestandteil der Kapital- und Innenpolitik.[1] Während diese Bedingungen zusammen mit der ungeheuren Belastung des I. Weltkrieges den Boden für den Umbruch bereiteten, konnte auch das neue politische System keine wesentliche Lageänderung herbeiführen. Vielmehr lud das Machtvakuum in dem sich anschließenden Bürgerkrieg die verschiedenen Nationalitäten des Vielvölkerreiches ein, sich aus dem geschwächten Verband Räterusslands zu lösen. Unter großen Anstrengungen gelang der siegreichen kommunistischen Regierung die Zentralisierung der Macht und die Installation der Einparteienherrschaft, gewaltsame Repression blieb dabei das Mittel der Wahl – die nationalen Bewegungen im Einflussbereich der Union verblassten. Die Bolschewiki schufen um ihrer selbst Willen das „Gefängnis der Völker“, als welches sie das Zarenreich betrachtet hatten.[2] In der Folge konstituierte sich ab dem Jahr 1922 die Sowjetunion als vergleichsweise moderner, bald auch international anerkannter Staat, blieb aber innerlich hinter der Entwicklung des Westens zurück, sowohl in wirtschaftlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht; der Terror und die ökonomischen Fehlnisse Stalins kosteten bereits vor Beginn des II. Weltkrieges unzählige Leben.[3] Mit den ungeheuren Anstrengungen im „Großen Vaterländischen Krieg“ nach dem deutschen Angriff im Jahr 1941 wurde, zunächst im Bündnis mit den westlichen Alliierten, ein wesentlicher Grundstein für die Hegemonie der Sowjets in Osteuropa und den Aufstieg der UdSSR zur Weltmacht gelegt.

[...]


[1] Vgl. Daniel Behruzi: Die Sowjetunion 1917-1924. Revolution – Arbeiterdemokratie – Bürokratisierung, Köln 2001, S. 22-28.

[2] Vgl. Hans-Heinrich Nolte: War die Sowjetunion ein Imperium? – Union und imperiales Erbe, in: Hans-Heinrich Nolte (Hrsg.): Imperien. Eine vergleichende Studie, Schwalbach 2008, S. 69.

[3] Vgl. Helmut Altrichter: Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991, München 22001, S. 88-92.

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640735099
ISBN (Buch)
9783640735204
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158897
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Schlagworte
Imperium Sowjetunion Aufstieg Niedergang System Satellitenstaaten

Autor

  • Martin Riggler (Autor)

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