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Medienethische Bewertung der Schneewittchenverfilmung von Walt Disney

von Martin Riggler (Autor)

Seminararbeit 2010 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienethik

Leseprobe

Kontextuelle Situierung

Verantwortung als zentral zu wertender Begriff berührt In seinen medienethischen Aspekten die Im Folgenden dargestellten soziologischen sowie Kontroversen aufgreifenden Kategorien und bedingt somit eine inhaltliche Relevanz hinsichtlich der Filmrezeption, um welche die in den vorangegangenen Teilen dieser Arbeit eröffneten Perspektiven im Sinne einer umfassenden Medienanalyse ergänzt werden sollen.

Die Betrachtung jener der Thematik von Walt Disneys „Schneewittchen und die sieben Zwerge"1 innewohnenden Normen und Werte unter dem Vorzeichen des Eingangs gesetzten Terminus verweist dabei im ersten Teil des Kapitels auf die historischen Entstehungszusammenhänge des ursprünglichen, literarischen Inhaltes sowie dessen moderner Interpretation, ergänzt im darauf folgenden Abschnitt mit der tiefer gehenden Darstellung von Entwicklung und Handhabung des medialen Jugendschutzes am konkreten Beispiel des Analysegegenstandes. Das erkenntnisleitende Interesse wird demzufolge von Herkunft und Eigenschaft der auf den Rezipienten wirkenden inhaltlichen Elemente der Geschichte und ihrem Bezug zum Aufgabenfeld des Schutzes Minderjähriger vor nicht altersgemäßen medialen Produkten bestimmt.

Vor dem Hintergrund dieser zentralen Absicht formuliert sich gleichermaßen die Forschungsfrage: Welche aus medienethischer Perspektive kritisch zu wertenden Inhalte sowie szenischen Darbietungen werden - unter Berücksichtigung perzeptiver Kontexte - durch Film als auch Vorlage transportiert?

1. Soziologische Perspektive

Die zunächst zu eröffnende soziologische Perspektive ist zugleich eine historische Annäherung an die Herkunft des vorwiegend aus der Überlieferung in Form des klassischen grimmschen Märchens bekannten thematischen Stoffes, der als literarische Vorlage für den Kinofilm diente.2 Über diese Darstellung folgt der Brückenschlag zur modernen Interpretation des Themas mit Verweisen auf gesellschaftliche Strukturprobleme und Grundkonflikte - als Voraussetzung der weiterführenden Bearbeitung und Analyse im zweiten Teil des Kapitels.

1.1 Entstehungszusammenhänge

Zahlreiche Variationen der uns heute im deutschsprachigen Raum in Form des bekannten Volksmärchens vorliegenden Geschichte finden sich in den verschiedensten mündlichen Überlieferungen und Volkssagen Europas, wobei sich die Erzählweise der Gebrüder Grimm als die nunmehr populärste auszeichnet. 3 Anzumerken ist hier, dass aus deren Bearbeitung drei unterschiedliche Versionen hervorgingen, wobei schließlich die zuletzt veröffentlichte Fassung der in den zeitgenössischen Märchenbüchern zu findenden Geschichte entspricht.4

Vergleichbare Inhalte der erzählerischen Handlung finden sich im weiteren germanischen, wie auch im romanischen Sprachraum. Beispielhaft findet sich indes die Kernhandlung im Konflikt zwischen heranwachsendem Mädchen und dessen Mutter oder auch Stiefmutter verbunden mit verschieden Motiven, so die von der Mutter zunächst vergossenen drei Blutstropfen oder jenes der Retter oder Begleiter des Schneewittchens, die im deutschsprachigen Raum bekannten sieben Zwerge; ebenso allerdings die in alternativen Erzählungen erscheinenden Räuber oder Ritter gleicher Anzahl. 5

Mehr zufällig stellen sich die Parallelen im Erzählrahmen der Geschichten aus „Tausend und einer Nacht" mit der die Nächte 224 bis 241 umfassenden „Geschichte des Prinzen Kamr und der Prinzessin Bedur" ein, wobei durch Tötung eines Tieres mit dessen Fleisch und Organen der Tod eines Protagonisten, in diesem Fall der des besagten Prinzen, vorgetäuscht wird.6 Oftmals werden dem Entstehungskontext bestimmte lokale Begebenheiten zugeordnet, wobei für diese keine nachweislichen Belege mit Bezug zur tatsächlichen Thematik Schneewittchens zu finden sind; vielmehr werden ortsgebundene Variationen des Stoffes in ihrer Anpassung an geografische oder historische Eigenheiten aus einem fälschlichen Umkehrschluss heraus als eigentlicher Ursprung gedeutet - so etwa im Falle der mitteldeutschen Ortschaft Alfeld.7

[...]


1 SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS (Schneewittchen und die sieben Zwerge, USA 1937, R: David D. Hand).

2 Vgl. Rölleke, Heinz: Die Brüder Grimm als Märchensammler und -bearbeiter, in: Lange, Günther (Hrsg.): Märchen – Märchenforschung – Märchendidaktik, 1. Auflage, Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2004, 33-41.

3 Vgl. Szonn, Gerhard: Die Weisheit unsere Märchen, 1. Auflage, Berlin: Verlag für Wissenschaft und Bildung, 1993, 46/47.

4 Vgl. Rölleke, Heinz (Hrsg.): Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812, 1. Auflage, Cologny- Geneve: Fondation Martin Bodmer, 1975, 244-265

5 Vgl. Röhrich, Lutz: "und weil sie nicht gestorben sind ...". Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen, 1. Auflage, Köln: Böhlau Verlag, 2002, 242.

6 Vgl. Lewald, August (Hrsg.) Tausend und eine Nacht. Arabische Erzählungen, 1. Auflage, Stuttgart: Verlag der Classiker, 1838, 841.

7 Vgl. Sander, Eckhard: Schneewittchen: Märchen oder Wahrheit? Ein lokaler Bezug zum Kellerwald, 1. Auflage, Gudensberg-Gleichen: Wartberg Verlag, 1994, 35, 75-80.

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640716050
ISBN (Buch)
9783640716326
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158902
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,7
Schlagworte
Medienethische Bewertung Schneewittchenverfilumg Walt Disney

Autor

  • Martin Riggler (Autor)

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Titel: Medienethische Bewertung der Schneewittchenverfilmung von Walt Disney