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Jugenddelinquenz

„Gewalt an Schulen“ - Ursachen und Präventionsmaßnahmen

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Delinquenz
2.2. Jugend

3. Geschichtlicher Abriss zur Diskussion „Gewalt an Schulen“

4. Gewalt an Schulen und mögliche Ursachen
4.1 Schulerfolg
4.2 Schulatmosphäre
4.3 Lehrervorbild
4.4 Grenzsetzungen
4.5 Halbtagsschule

5. Präventionen
5.1 Schulische Präventionskonzepte gegen Gewalt
5.1.1 Sozialtraining in der Schule
5.1.2 Programm „Fit for Life“
5.1.3 Konstanzer Trainingsmodell (KTM)
5.1.4 Interventionsprogramm (Olweus)
5.1.5 Konzept „Erziehende Schule“
5.1.6 Schulinterne Lehrerfortbildung zur Gewaltprävention (SchiLF)

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit will ich das Thema Jugenddelinquenz bearbeiten. In unserem Seminar „Pädagogische Berufsfeldbibliographien“ gingen wir zum Thema Jugenddelinquenz auf die Justizvollzugsanstalt Rockenberg ein. Doch in meiner Hausarbeit will ich mich einer anderen Institution zuwenden. Ich werde auch keine Theorien zum Thema Jugenddelinquenz aufzeigen, da dies in der Forschungsliteratur ein unüberschaubares Repertoire mit sich zieht, vielmehr will ich mich einem Thema widmen, welches schon seit Anfang der 90er Jahre seine Verbreitung findet und zahlreiche Diskussionen mit sich führt. Die Rede ist von Gewalt an Schulen. Immer mehr Jugendliche, und sogar Kinder der ersten Klasse, werden bzw. sind gewalttätig, sei es verbal oder körperlich. In meiner Hausarbeit werde ich zunächst eine Definition der Begriffe Delinquenz und Jugend vornehmen und werde im weiteren Verlauf mögliche Ursachen auf den Grund gehen, warum Gewalt an Schulen so weit verbreitet ist und wie die Schule dies zum Teil festigt. Nachdem ich einige Ursachen aufgezeigt habe werde ich mich den schulischen Maßnahmen zuwenden, die der Gewalt entgegenwirken oder Vorzubeugen.

2. Definitionen

2.1. Delinquenz

Delinquenz bzw. delinquentes Verhalten stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: „Übeltäterei“(Schäfers/Scherr 2005, S. 164).

Dem Duden zu Folge ist Delinquenz „fachspr. für Straffälligkeit“ (Duden).

Wirft man einen Blick in die wissenschaftliche Forschungsliteratur um den Begriff Delinquenz zu definieren, zeigt sich, dass verschiedene Begriffe, wie „Delinquenz“, „Jugendkriminalität“, „aggressives Verhalten“ und „Gewalt“, auftauchen, die häufig synonym gebraucht werden aber dennoch eine eigene Definition besitzen auf die ich nicht weiter eingehen werde (vgl. z.B. Kaiser 1973; Bäuerle/Strobel/Reinert/Wehr 2001).

Diese Begriffe lassen sich allgemein „abweichendem Verhalten“ einordnen.
„Unter abweichendem Verhalten sind alle diejenigen Verhaltensweisen und Handlungen zu verstehen, die nicht übereinstimmen mit sozial einflussreicheren Erwartungen (Regeln, Normen und Werten) von Gruppen, Institutionen bzw. der Gesellschaft insgesamt“ (Schäfers/Scherr 2005, S. 162)

Der ursprüngliche Begriff „Übeltäterei“ wurde schon 1899 in das amerikanische Jugendstrafrecht eingeführt, somit konnte man kriminelle Handlungen von Erwachsenen und delinquenten Handlungen von Kindern und Jugendlichen unterscheiden.
Diese unterschiedliche Beurteilung und Einschätzung gleicher oder vergleichbarer Handlungen war für die Theorie abweichenden Verhaltens ein weitere Aspekt (vgl. Schäfers/Scherr 2005, S. 164).

„Das Alter, die Häufigkeit der Abweichung, die Schichtzugehörigkeit, der Kontext, in dem die abweichende Handlung steht usw. sind Kriterien für höchst unterschiedliche Bewertungen und Sanktionen“ (Schäfers/Scherr 2005, S. 164).

Sanktionen können definiert werden als Mittel/Instrumente der sozialen Kontrolle, die zur ‚Erzeugung‘ eines gewünschten Verhaltens führen sollen“ (Schäfers/Scherr 2005, S. 162).

Im Folgenden will ich mich einem Phänomen widmen, was in der Wissenschaft zusätzlich weite Verbreitung gefunden hat und oft Hand in Hand geht mit delinquentem Verhalten.

2.2. „Die Jugend“

Auch Jugend ist in der Wissenschaft kein klar definierter Begriff. „Wie alle Lebensphasen ist auch ‚Jugend‘ nicht allein biologisch definiert, sondern durch kulturelle, wirtschaftliche und generationsbezogene Faktoren beeinflusst, welche die Ausdehnung und das Profil dieses biografischen Abschnitts im Lebenslauf gestalten“ (Hurrelmann 2005, S. 13)
Eine soziologische Definition des Jugendbegriffs lautet nach Schäfers/Scherr (2005) wie folgt: „Jugend ist eine gesellschaftlich institutionalisierte, intern differenzierte Lebensphase, deren Verlauf, Ausdehnung und Ausprägung wesentlich durch soziale Bedingungen und Einflüsse (sozioökonomische Lebensbedingungen, Strukturen des Bildungssystems, rechtliche Vorgaben, Normen und Erwartungen) bestimmt sind. Jugend ist keine homogene Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche Jugenden“ (Schäfers/Scherr 2005, S. 23).

Desweiteren halten Schäfers/Scherr (2005) es für sinnvoll zu unterscheiden zwischen

- „einer pubertären Phase (ca. 12-17 Jahre): Jugendliche im engeren Sinn;
- einer nachpubertären Phase (ca. 18-21 Jahre): die Heranwachsenden;
- der Phase nach dem Erreichen der vollen Rechtsmündigkeit bis zum Abschluss der Erstausbildung (21 Jahre bis ca. Ende des zweiten Lebensjahrzehnts): die jungen Erwachsenen“ (Schäfers/Scherr 2005, S. 24).

Ähnliche Unterscheidungen findet man u.a. auch im Kinder-und Jugendhilfegesetzt (KJHG/SGB VIII, §7) oder im Jugendgerichtsgesetz (JGG).

So heißt es z.B. im JGG §1 Abs. 2; „Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist“ (http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/jgg/gesamt.pdf).

Das Jugend und Delinquenz oft in einem Atemzug genannt werden, lässt sich sowohl bei Autoren der Antike, Shakespeare, als auch in aktuellen Tageszeitungen nachlesen (vgl. Sturzbecher/Landua 2001, S. 11). Wo z.B. in den 50er Jahren die Krawalle der Halbstarken für Aufruhr sorgten, waren es in den 80ern die Hausbesetzerszene, die für Probleme sorgte (vgl. Mansel/Raithel 2003, S. 7). Auch mit Blick in die heutige Forschungsliteratur, können die Augen gar nicht groß genug sein, um das schier unüberschaubare Repertoire an Theorien und Studien zum Thema Jugendgewalt bzw. Jugenddelinquenz zu überblicken (vgl. z.B. Kerscher 1977)

Vom Standpunkt der gegenwärtigen Forschung aus lässt sich sagen, dass es kein einheitliches Theoriemodell für gewalttätiges Verhalten von Jugendlichen gibt. Für Jugenddelinquenz bzw. Jugendgewalt gibt es zahlreiche Ursachen, „man spricht von einem multifaktoriellen Bedingungsansatz“ (Bäuerle 2001, S. 17). Als hauptsächliche Faktoren bzw. Variablen, für delinquentes Verhalten, haben sich „Familie“, „Gesellschaft“ und „Schule“ herausgestellt, wie sie auch schon in der oben genannten Definition von Schäfers/Scherr (2005) zu finden sind.

Im weiteren Verlauf werde ich mich der Institution Schule zuwenden, weil dies ein Sozialisationsort ist, an dem man sich fast ein Jahrzehnt oder länger aufhält. Hier werde ich die anfänglichen Diskussionen aufzeigen um danach auf mögliche Ursachen und Maßnahmen einzugehen.

„Die Schule stellt für die Jugendlichen eine zentrale, gesellschaftlich gesteuerte Sozialisationsinstanz dar. Im Gegensatz zu den Sozialisationsinstanzen Familie und Gleichaltrigengruppen ist Schule eine Institution, deren gesellschaftlicher Auftrag und organisatorische Struktur direkt auf die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen abziehlt“ (Hurrelmann/Rosewitz/Wolf 1985, S. 80)

3. Geschichtlicher Abriss zur Diskussion „Gewalt an Schulen“

Gewalt an Schulen, dieses Thema hat Konjunktur. Im Herbst 1992 machte der Spiegel erstmals Gewalt an Schulen zum Titelthema und spätestens jetzt machten sich die Menschen Sorgen, dass an deutschen Schulen „amerikanische Verhältnisse“ einkehrten. Gewalt an Schulen war bis Ende der 80er Jahre kaum ein Thema in der pädagogischen Diskussion und erziehungswissenschaftlichen Forschung. Die wenigen Studien, die in den 70ern und 80ern durchgeführt wurden, hatten vielmehr „abweichendes Verhalten“ und Schule zum Thema und untersuchten Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten. Doch seit Anfang der 90er Jahre gibt es zunehmend Gründe, gegenüber Gewalterscheinungen im Jugendalter, aufmerksam und sensibel zu sein. Vor allem ausländerfeindliche und rechtsextremistische Gewalttaten von Jugendlichen, hier seien die schrecklichen Mordaktionen von Solingen und Mölln genannt, haben ein Ausmaß angenommen, was die Gesellschaft in Alarmbereitschaft versetzte. „Der Diskurs über Jugend, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit, der seit Anfang der 90er Jahre geführt wird, hat massiv – und gelegentlich auch kurzschlüssig – auf die Schule ausgestrahlt“ (Tillmann 2006, S. 12).

Auch Schulintern gibt es Diskussionen um die immer schwieriger, problematischer und z.T. auch aggressiver gewordenen Schüler. Das Resultat war eine steigende Anforderung und schwerwiegende Belastung im Unterricht, der viele Lehrkräfte nicht mehr gewachsen waren.

Die zunehmenden Diskussionen über Gewalt und Aggressionen an Schulen schreckte nicht nur Schulbehörden auf und machte Lehrerfortbildner aufmerksam, auch die Erziehungswissenschaft begann sich dem Thema zu widmen (vgl. Tillmann 2006, S. 11ff).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es drei Stufen der Thematisierung gab. Die intensive Medienberichterstattung Anfang der 90er Jahre war die erste Stufe, etwa ab 1992 begann die zweite Stufe, indem Gewalt an Schulen auch von pädagogischen Professionen ernst genommen und verhandelt wurde, damit begann sich zur gleichen Zeit auch die empirisch ausgerichtete Erziehungswissenschaft dem Thema zuzuwenden, was als die dritte Stufe betrachtet werden kann (vgl. Tillmann 2006, S. 14).

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Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640724611
ISBN (Buch)
9783640724987
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159038
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,1
Schlagworte
jugend gewalt prävention schule erziehung pädagogik

Autor

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Titel: Jugenddelinquenz