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„Internationaler Frauentag 8.3.1954“

Die wirtschaftliche und politische Situation der Frauen in der frühen DDR

Seminararbeit 2008 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Einleitung

III Quellenvorstellung

IV Die wirtschaftliche und politische Situation der Frauen in der frühen DDR
1. Kapitel – Sozialistische Thesen zur Emanzipation der Frau
2. Kapitel – Integration in den wirtschaftlichen Produktionsprozess
3. Kapitel – Politische Gleichberechtigung

V Ergebnis

VI Quellenanhang & Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit behandelt das Thema Frauen in den früheren Jahren der DDR-Geschichte, warum und mit welchen Maßnahmen von Staat und Partei ihre Einbindung in den Arbeits- und Politikbildungsprozess gefördert wurde. Als Quelle dient ein Plakat zum Internationalen Frauentag des Jahres 1954. Es wurde als Postkarte vom Herausgeber Haus der Geschichte abgedruckt und gilt somit für die folgenden Ausführungen als authentisch.

Der Frauentag geht auf die Sozialdemokratin Clara Zetkin (1857 – 1933) zurück, die 1907 „auf der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen“1 zur Vorsitzenden des Internationalen Frauensekretariats gewählt wurde und auf der Zweiten Konferenz drei Jahre später die Einrichtung eines solchen Feiertages vorschlug.

Auf deren Beschluss, nachdem im März 1911 etwa eine Million Frauen in Europa für „Emanzipation, Wahlrecht und Demokratie“2 demonstrierten, wurde der internationale Frauentag eingeführt, um auf die Rechte der Frauen aufmerksam zu machen. In der DDR hatte dieser Tag besondere Bedeutung, da in der marxistisch-leninistischen Auffassung, die in der DDR verfolgt wurde, die Emanzipation der Frau eng verknüpft war mit deren wirtschaftlicher Integration im Sozialismus. Allerdings versuchte die DDR in den ersten Jahren ihres Bestehens die Frauen nicht nur aus ideologischen Gründen, sondern auch aus aktuellem Arbeitskräftemangel nach dem 2. Weltkrieg in den Wirtschaftsprozess einzubeziehen.3

Gezeigt werden soll, ob das Plakat tatsächlich die Wirklichkeit der Frauenpolitik darstellt, oder nur ein gewünschtes Bild erzeugt. Dies war bei der Betrachtung der Quelle einer der Punkte, der mich besonders interessiert hat. Zunächst soll dazu der Hintergrund des Versuchs der Gleichberechtigung und der Frauenintegration in den Arbeitsalltag dargestellt werden und mit welchen Mitteln dies erreicht werden sollte. Dann soll gezeigt werden, inwiefern Frauen in der DDR eine Chance zur politischen Mitbestimmung erhielten, um

selbst über ihre Zukunft entscheiden zu können. Die wichtigste Literatur zum Thema Leitideen von Regierung und SED sowie politisch-wirtschaftlichem Alltag, auf welche sich diese Arbeit stützt, stammt von Gabriele Gast: Die politische Rolle der Frau in der DDR, Voigt, Voß und Meck: Sozialstruktur der DDR, sowie von Renate Wiggershaus: Geschichte der Frauen und der Frauenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik nach 1945.

Das Plakat zum Internationalen Frauentag 1954 in der DDR

Das Plakat „Internationaler Frauentag“ wurde vom FDGB im Jahr 1954 herausgegeben und behandelt als Thema die Begehung des Frauentages dieses Jahres in der DDR. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund wurde schon 1945 gegründet und hatte die Aufgaben, „Sozialversicherung, Gesundheits- und Arbeitsschutz“1 zu sichern, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten, sowie sie nach den Ansichten der SED-Führung „zu erziehen“. Aufgrund dieser letzten Aussage kann man davon ausgehen, dass diese Quelle zu populistischen Zwecken veröffentlicht wurde.

Sie stellt eine Arbeiterin der frühen DDR in einer Fabrik dar und wird von klaren Farben dominiert. Im Hintergrund sieht man saubere Maschinen und Fabrikfenster, durch die die Sonne scheint, was dem Bild einen sehr hellen und freundlichen Ton verleiht. Die rote Schrift und das die Mitte des Bildes dominierende Blau setzen klare Akzente und bilden einen farbigen Kontrast zum Sonnenschein, springen dem Betrachter also förmlich ins Auge.

Die Frau selbst trägt Arbeitskluft, ihr lächelnder Blick ist in die Ferne gerichtet, als gäbe es dort etwas zu sehen, sodass es wirken muss, als posierte sie, statt dass es eine Momentaufnahme sein könnte, was wiederum auf den ideologischen Hintergrund des Bildes verweist. Ihre Körperhaltung wirkt feierlich, aber auch entschlossen. In der Hand hält sie einen Schraubenschlüssel, vor ihr auf dem Tisch liegen Blumen. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlt.

Hiermit soll anscheinend ausgedrückt werden, dass sie zwar gefeiert wird, ihr die Arbeit aber dennoch vorgeht. Durch ihre in die Hüfte gestemmte Hand wirkt sie sehr tatkräftig, was durch das Werkzeug darin noch verstärkt wird. Sie hat sehr breite Schultern und muskulöse Arme, als hätte sie nie etwas anderes getan, als gearbeitet. Trotzdem sie dies in einer Werkshalle tut, hat sie eine gesunde Hautfarbe, zusätzlich ein hübsches, frisches Gesicht, wirkt noch jung und wird neben ihrer Rolle als Arbeiterin auf diesem Plakat offensichtlich auch als starke Frau wahrgenommen. Die Haltung dieser Arbeiterin macht auf mich den Gesamteindruck, als wüsste sie genau, was sie wollte und wie sie es erreichen kann. Da das

Plakat von der „wichtigste[n] Massenorganisation der SED“2 an gerade diesem Feiertag publiziert wurde, liegt der Schluss nahe, dass die abgebildete Arbeiterin das Idealbild der Frau in der DDR darstellen sollte, die ihre Aufmerksamkeit ganz der wirtschaftlichen Produktion, und damit dem Staat, widmet und was noch wichtiger scheint, auch ihre Erfüllung in der Arbeit findet.

[...]


1 http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ZetkinClara/index.html

2 http://www.dhm.de/lemo/html/1911/index.html

3 Vgl.: http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/KontinuitaetUndWandel/UnruhigeJahre/ frauenZwischenBerufUndFamilieBody.html

1 Art. Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, Brockhaus, S.711, folgendes Zitat ebd.

2 Voigt, Voß, Meck, Sozialstruktur der DDR, S. 103

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640721139
ISBN (Buch)
9783640721627
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159148
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Frauentag Situation Frauen

Autor

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Titel: „Internationaler Frauentag 8.3.1954“