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Urknall und Schöpfung: Creatio ex Nihilo

Schöpfung aus dem Nichts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 18 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) EINLEITUNG

2) NATURWISSENSCHAFTLICHE SICHTWEISE
2.1 Der „Urknall“
2.2 Geschichte des Universums
2.3 Unbeantwortete Fragen

3) DER BEGRIFF SCHÖPFUNG
3.1 Schöpfung aus dem Nichts
3.2 Schöpfung in der Bibel

4) DIE KIRCHLICHE LHRE VON DER CREATIO EX NIHILO
4.1 Anfänge der kirchlichen Lehre
4.2 Creatio ex nihilo bei Irenäus von Lyon

5) ZUR SCHÖPFUNGSTHEOLOGIE DES AUGUSTINUS
5.1 Schöpfer und Schöpfung
5.2 Creatio ex nihilo
5.3 Theorie einer Simultanschöpfung
5.4 Zeit und Ewigkeit

6) ZUR SCHÖPFUNG BEI THOMAS VON AQUIN
6.1 Schöpfung im Werk „Summa Theologica“
6.2 Konkretes zur Creatio ex nihilo

7) SCHLUSS

LITERATURVERZEICHNIS

1) EINLEITUNG

Widersprechen sich Theologie und Naturwissenschaft? Schließen sie sich gegenseitig aus? Oder lassen sie sich miteinander vereinbaren?

In die vergangenen Jahrhunderte zurückblickend sehen wir eine schier unendliche Fülle von immer öfter aufkommenden Infragestellungen, Angriffen und Abwehrhaltungen, sowohl auf Seiten der Kirche als auch auf Seiten der Naturwissenschaft. Eines der nach wie vor aktuellen Themen der Diskussion zwischen Naturwissenschaften und Theologie ist die Entstehung der Welt. Vom Schöpfungsbericht des Alten Testaments hört man nur noch wenig, denn unserer aufgeklärten Gesellschaft wurde er nicht mehr zumutbar und somit ließen sich die ersten Kapitel des Buches Genesis recht rasch in den Hintergrund drängen.[1] Hierfür ist größtenteils die immer mehr vorstoßende und erstarkende Naturwissenschaft verantwortlich. Scheinbar längst überholte Ansichten werden mehr und mehr mit modernen, konkurrierenden Wissenschaftstheorien konfrontiert und zu widerlegen versucht. Die Urknalltheorie, Raum- und Zeitkrümmung sowie auch die Evolutionstheorie vertragen sich ganz offensichtlich nicht mit der Schöpfung durch Gott. Doch wie denkt sich denn die Naturwissenschaft die Entstehung des Universums? Was bedeutet überhaupt Schöpfung und Schöpfung aus dem Nichts und wie hat sich die Lehre darüber entwickelt? Auf diese Fragen möchte ich in meiner Arbeit weiter eingehen.

2) NATURWISSENSCHAFTLICHE SICHTWEISE

2.1 Der „Urknall“

Die Physik gliedert sich in viele Teilgebiete. Davon ist wohl „das spekulativste“[2] die Kosmologie, die sich hauptsächlich auf Theorien und Annahmen stützt. Mittlerweile hat man diese aber zureichend untermauern und bestätigen können, sodass heute von einem „kosmologische[n] Standardmodell“[3] die Rede ist. Hierfür ist wohl als wichtigster Begriff der Urknall hervorzuheben, der nach dem kosmologischen Standardmodell etwa 15 Milliarden Jahre zurück liegen muss. Begonnen mit einem „extrem heißen und dichten Anfangszustand“[4] dehnte sich von hier an das Universum explosionsartig konstant aus. Das bedeutet, dass sich die Galaxien immer weiter von unserer Galaxie wegbewegen und das umso schneller, je weiter sie von uns schon entfernt sind. Diese gleichmäßige Expansion der Galaxien kann beobachtet werden und es wurde erstmals 1929 von Edwin Hubble entdeckt. Nur die uns benachbarten Galaxien entfernen sich nicht, da wir durch Gravitationskraft mit ihnen verbunden sind und diese verhindert, dass sich die Galaxien auseinander bewegen können. 1915 veröffentlichte Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie, die als „wichtigste Vorraussetzung der modernen Kosmologie“[5] gilt. Diese besagt, dass sich das Universum in der Zeit entwickelt. Das heißt, es gibt also zwei vorstellbare Entwicklungstheorien und somit auch zwei vorhersehbare Szenarien: Die erste Theorie geht davon aus, dass sich die Ausdehnung des Universums, die mit dem Urknall begonnen hat, irgendwann stoppt und das Universum nach Milliarden von Jahren wieder in sich zusammenfällt. Andererseits könnte die Ausdehnung des Universums auch nie aufhören. Welche der beiden Annahmen zutreffend ist liege nach Einstein an der „Dichte der Materie“[6] des Universums. Denn würde diese Materie eine kritische Konstante überschreiten, wäre die Gravitationskraft dieser Massen für eine Umkehrung der Ausdehnung ausreichend.

Die Fragen, wo und wann denn der Urknall geschah, beantwortet Einstein in seiner Relativitätstheorie damit, dass Raum und Zeit erst mit dem Entstehen des Universums im Urknall hervorgebracht wurden. Vorher waren sie nicht existent. Auch den genauen Punkt des Universums, von dem das Wegdriften ausgeht, ist für Einstein weder unsere Galaxie noch irgendeine andere. Er beschreibt es vielmehr mit dem Beispiel eines Luftballons. Denn beobachtet man einen beliebigen Punkt auf dessen Gummidecke, wird ersichtlich, dass sich alle Punkte der Gummihülle gleichmäßig voneinander entfernen, wenn der Innenraum mit Luft gefüllt wird.

2.2 Geschichte des Universums

Gemäß der Relativitätstheorie war das Universum im Urknall auf einen Punkt komprimiert und es herrschte eine extrem hohe Dichte und Temperatur. Die moderne Physik geht jedoch davon aus, dass bei diesen „extrem hohen Energien der Materie“[7] die allgemeine Relativitätstheorie nicht gelten kann, da es sich hier um unendlich viele physikalische Größen handelt und dies dem Verständnis physikalischer Gesetze widerspricht. Dieses Problem betrifft die ersten 10-43 Sekunden nach dem Urknall, die auch als so genannte Planckzeit bezeichnet wird. Bis heute sind Aussagen über diese kurze Zeitspanne äußerst spekulativ, denn eine Theorie, die Aufschluss darüber geben kann, wurde bis heute noch nicht gefunden.

In der weiteren Entwicklung des Universums haben sich die Elementarteilchen herausgebildet, so wie wir sie auch heute noch kennen. Jedoch gibt es über diese Entstehungsphase nur wage Theorien, wie zum Beispiel, dass es unmittelbar nach dem Urknall zu einer „inflationären Phase“[8] gekommen ist, in dem sich das Universum um vieles schneller als zuvor und danach ausgedehnt hat. Nachdem die Materie langsam abgekühlt ist, bildeten sich wahrscheinlich Gas und Plasma aus den uns bekannten Teilchen und es setzte der Vorgang der Nukleosynthese ein, der Wasserstoff und Helium im Verhältnis von ungefähr 3:1 hervorbrachte. Dieses Verhältnis ist bis heute bei astronomischen Beobachtungen und Messungen klar zu erkennen und ist so auch eine wichtige Bestätigung für das kosmologische Standardmodell. Erst nach circa 300 000 weiteren Jahren ist unser Kosmos so weit abgekühlt, dass sich Materie bilden konnte, wie sie auch heute noch auf der Erde vorzufinden ist. Des Weiteren bildeten sich Sterne und Galaxien heraus. Je größer die Masse eine Sterns, umso höher ist seine Temperatur und umso schneller verbrennt er. Im äußersten Fall steht am Ende ihres Lebens eine Explosion in einer „Supernova“[9], in der letztendlich die schweren Elemente hervorgebracht werden, durch die unter anderem auch unsere Sonne entstanden ist.

2.3. Unbeantwortete Fragen

Da man sich in der Kosmologie zumeist auf Theorien stützt, vor allem auf das Kosmologische Standardmodell, gibt es in vielen Bereichen Fragen, die bis heute nicht geklärt werden.

Im Zusammenhang mit dem kosmologischen Standardmodell drängt sich zunächst die Frage auf, wie denn die „kosmologische Konstante“[10] zu bewerten und auch zu berechnen sei. Diese Konstante wirkt gegen die Gravitationskraft und bewirkt eine „gleichmäßige Abstoßung im Raum“[11]. Einstein, der diese gleichmäßige Konstante als erster mit in seine Überlegungen einbezogen hat, hat sie auch genauso schnell wieder verworfen. Spätere Wissenschaftler haben aber eine genau solche Konstante gefunden, berechnen kann man sie allerdings nicht.

Auch die „dunkle[n] Materie“[12] ist ein Thema, dass bis heute ungeklärt blieb. Beobachtet man nämlich, wie sich Galaxien bewegen, kann man auf die Massen zurückschließen, die mit ihrer Schwerkraft diese Bewegungen lenken. Dadurch wurde berechnet, dass die Masse mindestens 30mal so groß sein muss, wie die Materie, die wir beobachten können. So wird klar, dass uns der größte Teil des Universums völlig unbekannt ist.

Bedeutend unter dem Aspekt Urknall und Schöpfung ist auch die Frage nach dem „anthropische[n] Prinzip“ und der „Feinabstimmung“[13]. Durch physikalische Berechnungen wurde aufgezeigt, dass Leben auf unserer Erde nicht möglich wäre, wenn auch nur der Wert einer Naturkonstante leicht abgeändert wäre. Es ist also eine genaue Feinabstimmung der wechselseitig wirkenden Naturkonstanten, die Evolution und Leben erst möglich macht. Dies erweckt den Anschein, als wäre das Universum genau so geplant, da unzählige Faktoren zusammenspielen, die man schon aufgrund ihrer Anzahl kaum als Zufall abtun möchte.

Viele der Wissenschaftler machen sich besonders Gedanken über Anfang und Ende des Universums. Hierzu stellte Stephen W. Hawking, der bedeutende Arbeiten zur Kosmologie lieferte, folgende Theorien auf:

„Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keine Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende:

Es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für eine Schöpfer?“[14]

Diese Folgerung Hawkings ist nicht bewiesen und widerspricht sogar neueren Daten, die besagen, dass das Universum anfangslos und endlos sei.

Eine weitere bekannte Theorie ist die des russischen Physikers Andrej Linde. Seiner Meinung nach gibt es neben unserem Universum noch viele andere, die alle aus einem gemeinsamen Mutteruniversum hervorgegangen sind. Die Tochteruniversen haben jedoch keinen kausalen Kontakt miteinander. Linde versucht durch seine Theorie zwar den Urknall zu erklären, jedoch geht er nicht auf das Problem des Anfangs des Universums ein, sondern verschiebt es nur auf das Mutteruniversum, das sozusagen außerhalb der Zeit existiert.

Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Bernulf Kanitscheider löst das Problem des Anfangs noch weniger überzeugend. Er bietet eine naturalistische Lösung an und vertritt die Meinung, dass der Urknall als allein stehender Anfangspunkt betrachtet werden muss, der weder zum Universum noch zu seiner Geschichte gehört. Durch diese separate Betrachtung ist das Anfangsproblem in seinen Augen nicht erklärungsbedürftig.[15]

[...]


[1] vgl. Ratzinger, Joseph Cardinal: Im Anfang schuf Gott. Vier Münchener Fastenpredigten über Schöpfung und Fall, in: Konsequenzen des Schöpfungsglaubens. Freiburg i. Brsg. 1996, 19.

[2] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 688.

[3] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 688.

[4] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 688.

[5] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 689.

[6] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 689.

[7] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 690.

[8] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 691.

[9] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 692.

[10] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 692.

[11] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 692.

[12] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 692.

[13] Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 692-693.

[14] Hawking, Stephen W.: Eine kurze Geschichte der Zeit. Die Suche nach der Urkraft des Universums. Reinbeck bei Hamburg 1988, 179.

[15] vgl. Bauberger, Stefan: Schöpfung oder Urknall? in: StZ 125 (2000), 695-696.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640716548
ISBN (Buch)
9783640716678
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159185
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1
Schlagworte
Creatio ex nihilo SChöpfung aus dem Nichts Urknall Universum Irenäus von Lyon Simultanschöpfung Augustinus Thomas von Aquin Summa Theologica

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Titel: Urknall und Schöpfung: Creatio ex Nihilo