Lade Inhalt...

Posttraumatische Belastungsstörung

Hausarbeit 2009 10 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist eine posttraumatische Belastungsstorung?

3. Geschichtliche Hintergrunde

4. Ursachen und Entstehung
4.1 Ursachen einer PTBS
4.2 Risikofaktoren
4.2.1 Pra-, peri- und posttraumatische Risikofaktoren
4.2.2 Suchtmittel

5. Symptome
5.1 Wiedererleben
5.2 Vermeidung
5.3 Emotionale Taubheit und verkurzte Zukunftsperspektive
5.4 Allgemein erhohtes Erregungsniveau
5.5 Komorbide Storungen

6. Epidemiologie

7. Therapeutische Intervention
7.1 Psychotherapie
7.2 Psychopharmako-Therapie

Schlusswort

1. Einleitung

11. Marz 2009. In der kleinen Gemeinde Winnenden betritt ein 17-jahriger Junge das Schulgebaude. Er ist mit Pistolen seines Vaters bewaffnet. Hier beginnt sein Amoklauf, bei dem er insgesamt 15 Menschen scheinbar wahllos totet. Am Ende nimmt er selbst sich das Leben. Glucklicherweise uberlebten auch viele diesen Tag, obwohl sie ganz in der Nahe waren, alles horen oder sogar vielleicht sehen mussten. Sie alle mussten viel Leid, Schmerz und Tod miterleben. Sie mussten groRe Angste durchstehen, Angst um das eigene Leben, Angst um das Leben der Freunde und Mitschuler. Doch auf eine solche emotionale Belastung ist unsere Psyche nicht vorbereitet. Sie versucht sich zu schutzen. Sie versucht, dem ganzen zu entfliehen. Sie entwickelt eine posttraumatische Belastungsstorung.

Egal ob Unfalle, Naturkatastrophen, Kriege, Terrorismus oder Gewaltverbrechen. Es gibt unzahlige traumatisierende Situationen und Umstande, in die jeder Mensch geraten kann, und deren psychische Belastung leicht die personliche, naturliche Resilienz uberschreiten kann. Manche trifft es nur leicht, andere wiederum werden von solchen Schicksalsschlagen schwer getroffen. Und ebenjene schweben in Gefahr, eine posttraumatische Belastungsstorung zu entwickeln. Ihnen ist diese Arbeit gewidmet.

Die heutige Psychologie weiR, dass Kinder und Jugendliche mit einer posttraumatischen Belastungsstorung sehr ahnliche Symptome zeigen. Daher gelten viele der folgend beschriebenen Informationen meistens fur beide Altersgruppen, allerdings soll sich die Arbeit eher mit Kindern und Jugendlichen beschaftigen, die an einer solchen Storung leiden.

Zuerst soll auf die allgemeine Frage eingegangen werden, was genau eine posttraumatische Belastungsstorung, folgend nur PTBS genannt, uberhaupt ist. Dabei sollen auch die einzelnen Begriffe, die sich im Namen dieser Storung wiederfinden, erlautert werden. AnschlieRend wird ein kurzer Blick auf die Geschichte dieser Storung geworfen, auf die Begriffsentwicklung und geistige Vorvater. AnschlieRend soll die Arbeit verschiedene Ursachen und Entstehungsmodelle vorstellen, wobei auch Risikofaktoren gezeigt werden, die den Verlauf einer PTBS beeinflussen konnen. Danach werden die Symptome beschrieben, die bei einer PTBS auftreten konnen, auRerdem werden komorbide Storungen vorgestellt. Dann folgt ein kurzer Abschnitt zur Epidemiologie dieser Storung, und anschlieRend werden psycho- und pharmako-therapeutische Ansatze vorgestellt. AbschlieRend folgt ein kurzes Schlusswort.

2. Was ist eine posttraumatische Belastungsstorung?

Vor einer detailierten Beschreibung der Storung mochte ich zuerst auf den genauen Wortsinn einer posttraumatischen Belastungsstorung eingehen. Das lateinische Wort post bedeutet nichts anderes als nach, die Storung ist also ein Zustand nach einem Traum. Doch was genau ist ein Trauma? Wortlich bedeutete es einfach Verletzung. Auch ein Schlag auf den Kopf, ein Schnitt mit dem Kuchenmesser oder eine Schramme im Sportunterricht sind nichts anderes als Traumata. Es sind Verletzungen.

Spricht man in der Psychologie von einem Trauma, ist es nicht anders. Es ist eine Verletzung der Psyche, ein Zustand, der genau wie eine offene Wunde, medizinischer/therapeutischer Behandlung bedarf. Somit kann man nun genauer sagen, dass eine PTBS einen Zustand nach einer Verletzung der menschlichen Psyche darstellt. Eine Storung ist es allerdings erst, wenn die traumatische Belastung so stark war, dass die Psyche damit nicht umgehen kann. So wie man kleine Schurfwunden nicht sofort im Krankenhaus behandeln muss, so konnen auch manche leichten posttraumatischen Belastungen ohne schwerwiegende Folgen verklingen. Dann spricht man auch von einer akuten Belastungsreaktion.

Somit sagt uns der Name selbst schon sehr viel uber das Storungsbild: es handelt sich um einen Zustand nach einer schweren Verletzung der Psyche, die so stark ist, dass sie nicht von selbst wieder verfliegt.

Auch das internationale Klassifikationssystem ICD-10 beschreibt die PTBS im Kapitel F43 bei den „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstorungen". Fur diese Arbeit von Interesse sind dabei nur die Unterpunkte akute Belastungsreaktion (F43.0) und posttraumatische Belastungsstorung (F43.1). Die akute Belastungsreaktion, im ICD-10 auch als psychischer Schock beschrieben, manifestiert sich schon wenige Minuten nach dem traumatisierenden Erlebnis, klingt aber nach wenigen Tagen, manchmal schon nach Stunden wieder ab. Die PTBS hingegen kann auch verzogert auftreten, im ICD- 10 spricht man von einer Latenzzeit, die zwischen wenigen Wochen und Monaten schwankt. Allerdings ist eine PTBS resistenter, „in wenigen Fallen nimmt die Storung uber viele Jahre einen chronischen Verlauf" (ICD-10-GM). Ob sich nun eine akute Belastungsreaktion oder eine PTBS entwickelt hangt von dem Schweregrad der traumatischen Reaktion, der Resilienz der traumatisierten Person und ganz besonders auch mit eventuell vorhandenen psychischen Storungen bei der traumatisierten Person ab. Das amerikanische Klassifikationssystem DSM-IV beschreibt die PTBS ahnlich, hier spricht man aber konkret von einer Dauer von einem Monat, nach welcher diese Diagnose erst sicher gestellt werden kann. AuRerdem heiRt es hier, dass die Symptome sich kurz nach dem Erlebnis, aber auch noch Jahre spater manifestieren konnen. Auch hier ist die posttraumatische Belastungsstorung (309.81) ahnlich wie im ICD-10 von der akuten Belastungsstorung (308.3) abgegrenzt. Letztere wird aber im Gegensatz zur akuten Belastungsreaktion im ICD-10 als „noch nicht chronifizierte, aber deutlich krankheitswertige posttraumatische Reaktion" (Rosner, 2008) verstanden.

Die genaueren Symptom-Beschreibungen der beiden Klassifikationssysteme sind sich dann relativ ahnlich, hierauf soll aber in einem spateren Kapitel genauer eingegangen werden. Zuvor soll in einem kurzen Abschnitt etwas uber die PTBS im Verlauf der Geschichte gesagt werden.

3. Geschichtliche Hintergrunde

Auch wenn durch zunehmende Kriegshandlungen, immer gefahrlichere Waffen und die konsequente Zerstorung der Natur die Zahl potentieller traumatisierender Erlebnisse ins unermessliche steigt, so gibt es solche Ereignisse dennoch beinahe so lange, wie es Menschen gibt. Was sich aber geandert hat sind Beschreibungen und Namen dieses Erscheinungsbildes.

Im 17. Jahrhundert sprach man von der „Nostalgie", was sich aus den griechischen Wortern „nostos" (Ruckkehr, Vergangenheit) und „algos" (Schmerz) zusammen setzt. Die Verwandtschaft zur Ubersetzung des Begriffs „posttraumatisch" ist hier gut erkennbar. Im 19. Jahrhundert schuf dann der deutsche Psychiater Emil Kraeplin den Begriff der „Schreckneurose", die er bei Opfer von Unfallen, groRen Branden oder Eisenbahnunglucken bemerkte (Strauli-Eisenbeiss). Zu ahnlicher Zeit schrieben Josef Breuer und Sigmund Freud ihre „Studie uber Hysterie", in der sie die Folgen eines traumatischen Erlebnisses als „traumatische Hysterie" beschrieben. Fur Insassen von Konzentrationslagern, die den Krieg aber uberlebt hatten, schuf der Psychologe William G. Niederland den Begriff des Uberlebenden- Syndroms in seinem Buch „Folgen der Verfolgung: Das Uberlebenden-Syndrom" (1980). Und auch nach dem Vietnam-Krieg beschaftigte sich die Wissenschaft mit den psychischen Nachwirkungen bei den Soldaten, hier sprach man einfach vom „Post-Vietnam-Syndrom". Nicht zu der posttraumatischen Belastungsstorung gehort allerdings entgegen dem haufigen Irrglauben das „Golf-Kriegs-Syndrom", bei welchem sich andere Symptome manifestieren und man daher eher von organischen Ursachen (Uranmunition, chemische Waffen) ausgeht.

Im Volksmund existierten viele andere Begriffe fur die Folgen eines traumatisierenden Erlebnisses. Und je starker ein Volk traumatisiert war, desto eher suchte es nach einem Begriff dafur. So entstanden die meisten umgangssprachlichen Ausdrucke wahrend Kriegszeiten. Im amerikanischen Burgerkrieg sprach man vom „soldier's heart" (Soldatenherz), im ersten Weltkrieg war es ein „shell shock" (Granaten-Schock), im zweiten Weltkrieg nannte man es „war fatigue" (Kriegsermudung), und bei Beteiligten des Vietnamkriegs sprach man von „combat stress" (Gefechtsstress).

Von einer posttraumatischen Belastungsstorung spricht man erst seit 1980, als die Psychologin Judith Lewis Herman den Begriff in Verbindung ihrer Arbeit mit Vietnamkriegsveteranen und von hauslicher Gewalt betroffener Frauen verwendete. Zu dieser Zeit gelang die Storung auch unter diesem Begriff in die damalige dritte Auflage des amerikanischen Diagnose-Manuals DSM-III.

4. Ursachen und Entstehung

4.1 Ursachen einer PTBS

Wichtigste Voraussetzung zur Entwicklung einer PTBS ist naturlich ein traumatisches, belastendes Ereignis. Diese Ereignisse werden nach Rosner (2008) in verschiedene Kategorien eingeteilt. Zum einen unterscheidet man die Storungen nach der Dauer der Ereignisse. Ein kurzzeitiges, traumatisches Erlebnis bezeichnet man als Typ-1-Traumata. Langanhaltende, sich wiederhohlende Ereignisse bezeichnet man hingegen als Typ-2-Traumata. Zudem wird auch noch unterschieden, worin der Ursprung des belastenden Ereignisses liegt. Zum einen spricht man hier von direkt durch Menschen verursachte Traumata, wozu man Uberfalle, Vergewaltigungen, die eingangs erwahnten Amoklaufe (jeweils Typ 1), Kriegserlebnisse, Folter oder korperliche Gewalt in der Kindheit (Typ 2) zahlen kann.

Die zweite Gruppe sind Erlebnisse, die als Natur- oder technische Katastrophe bezeichnet werden konnen, wie zum Beispiel Unfalle, Brande (beides Typ 1), Hungersnot oder sich wiederhohlende Naturkatastrophen (Typ 2). (Siehe Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassifikation traumatischer Ereignisse (Rosner, 2008)

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640719273
ISBN (Buch)
9783640719662
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159337
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Schlagworte
Posttraumatische Belastungsstörung

Autor

Zurück

Titel: Posttraumatische Belastungsstörung