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Die Partikel 'nu' in der russischen Sprache

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 22 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Partikeln: ein Überblick

1.1. Definition

1.2. Merkmale der Partikeln

1.3. Klassifizierung der Partikeln

2. Die Partikel ну in der russischen Sprache
2.1. Unbetontes ну und seine Bedeutungen
2.1.1. Die Bedeutung der Ungeduld oder der Erwartung der unverzüglichen
Antwort oder Aktion
2.1.2. Die Bedeutung der Unlust des Sprechenden die bestimmte Information
mitzuteilen
2.1.3. Die Bedeutung des Abschlusses des Gesprächs oder des Gedanken
2.1.4. Die Bedeutung der Rückkehr zum Hauptthema des Gesprächs
2.1.5. Die Bedeutung des erzwungenen Einverständnisses
2.1.6. Die Bedeutung einer resümierenden Feststellung oder Ankündigung
2.1.7. Die Bedeutung der Akzentuierung einer Fragestellung
2.2. Betontes ну und seine Bedeutungen
2.2.1 Die Bedeutung der Bereitschaft den Adressaten anzuhören
2.2.2. Die Bedeutung der Zuwendung zu einer Sache oder Person
2.2.3. Die Bedeutung der Suche nach der notwendigen Fortsetzung der Aussage oder der notwendigen Antwort

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Partikeln von Linguisten als bedeutungslose Füllwörter betrachtet, die keine feste selbständige Bedeutung außerhalb des Kontextes haben. Die Analyse von sprachlichem Material im Hinblick auf die Partikelbedeutungen lässt jedoch den Schluss zu, dass Partikeln eine wichtige Rolle in der gesprochenen Sprache spielen und ihre Verwendung bestimmten Konventionen unterliegt.

Die russische Sprache ist besonders reich an Partikeln. Sie werden sowohl in der geschriebenen, als auch in der gesprochenen Sprache verwendet. Laut dem Häufigkeitswörterbuch der russischen Sprache sind die meist verwendeten Partikeln вот, а, и und ну. (vgl. dazu: Zasorina 1977)

Das Interesse dieser Arbeit gilt ausschließlich der russischen Partikel ну. Angesichts der unzureichenden Untersuchungen auf diesem Gebiet soll die Arbeit einen Beitrag dazu leisten, auf Grundlage der ausgewählten Beispiele die Besonderheiten dieser Partikel darzustellen.

In der Arbeit wird folgendermaßen vorgegangen. Zunächst wird ein Überblick über die Natur der Partikeln gegeben. Es werden verschiedene Definitionen von Partikel, Merkmale dieser Wortart und einige Ansätze zur Klassifizierung der Partikeln dargestellt. Am Ende des ersten Kapitels stelle ich meine eigene Klassifizierung der Partikeln, die auf den vorhandenen Modellen basiert, vor.

Das zweite Kapitel bildet den eigentlichen Teil der Arbeit. Es ist in zwei große Abschnitte geteilt. Im ersten Abschnitt werden die zahlreichen Bedeutungen des unbetonten ну dargestellt, im zweiten Abschnitt befasse ich mich mit der betonten Variante der Partikel. Ich möchte keinen Anspruch auf die vollständige Darstellung aller Bedeutungen der analysierten Partikel erheben. In der vorliegenden Arbeit werden nur die wichtigsten und häufigsten Fälle beleuchtet.

Die Partikelbedeutungen werden durch russische Beispiele und ihre Übersetzungen erklärt. Die meisten Beispiele kommen aus Dostoevskijs Roman „Prestuplenie i nakazanie“, deutsche Varianten der analysierten Sätze kommen aus der neuesten Übersetzung des Romans von Swetlana Geier. Andere Beispiele stammen aus der elektronischen Quelle www.ruscorpora.ru und wurden von mir selbst übersetzt.

Anschließend fasse ich alle in der Arbeit dargestellten Thesen zusammen.

Das Literaturverzeichnis bildet den Abschluss der Arbeit.

1.Partikeln: Ein Überblick

1.1. Definition

Der Begriff „Partikel“ wird sehr uneinheitlich verwendet. Noch heute findet man in verschiedenen Wörterbüchern, Grammatiken und linguistischen Arbeiten verschiedene Definitionen der Partikeln.

Bei der Verwendung des Terminus "Partikel" in der Linguistik wird von zwei Deutungsansätzen ausgegangen. Einerseits ist unter Partikeln die Gesamtheit der unflektierten Wörter zu verstehen, andererseits nur eine bestimmte Gruppe der unflektierten Wörter.

Als Partikel im weiteren Sinne wird die Gruppe der Unflektierbaren bezeichnet. Partikel als Oberbegriff umfasst Präpositionen, Konjunktionen, Adverbien, und Partikeln im engeren Sinne. Das Interesse dieser Arbeit dient den Partikeln im engeren Sinne, infolgedessen wenden wir uns der folgenden Definition des Lexikons der Sprachwissenschaft zu:

„Im Sinne der neueren P.-Forschung […] versteht man unter P. im engeren Sinne nicht flektierende, nicht satzgliedhafte Wortklassen, die keine (oder wenig) selbstständige lexikalische Bedeutungen aufweisen, aber die Bedeutung ihrer jeweiligen Bezugselmente modifizieren. Sie sind i.d.R. nicht allein verschiebbar.“ (Bußmann 1990: 562)

In der Grammatik der russischen Sprache von Kirschbaum werden Partikeln als "unveränderliche Hilfswörter" bezeichnet, die "die Bedeutung eines Wortes, einer Wortgruppe oder eines Satzes modifizieren" (Kirschbaum 2001:265).

Ähnlich werden Partikeln bei Admoni definiert als „völlig unveränderliche Hilfswörter […], die mit den Vollverben verbunden werden, um ihre Bedeutung näher zu umgrenzen und hervorzuheben“. (Admoni 1970: 178)

Im Unterschied zu Präpositionen und Konjunktionen

„частицы служат главным образом для выражения значений коммуникативного плана, а именно для обозначения различных отношений говорящего (субъекта оценки) к содержанию высказывания или к какой-то его части, а также к другому субъекту - адресату, собеседнику” (Стародумова 1997, с. 3).

Laut Helbig (1988) wird der Begriff „Partikel“ in der Linguistik mindestens in vierfacher Bedeutung verwendet. (vgl. Helbig 1988: 19). In seinem Lexikon der deutscher Partikeln wird dieser Begriff zunächst im Hinblick auf die vier verschiedenen konkurrierenden Positionen angeführt:

1. alle unflektierbaren Wörter werden als Partikeln verstanden (diese weite Auffassung basiert auf morphologischen Kriterien): Konjunktionen - Präpositionen – Adverbien – Modalwörter – einige Negationswörter (Partikeln im weiteren Sinne)
2. zu den Partikeln zählen nicht alle unflektierbaren Wörter (etwas engerer Sinn): Negationspartikeln – Modalwörter – „modale“ und „emotional-expressive" Partikeln – „Rangier-Glieder“
3. solche unflektierbaren Wörter, die eine eigene Wortklasse bilden und sich von den Adverbien, Modalwörtern, Präpositionen und Konjunktionen in ihren syntaktischen Funktionen unterscheiden, werden als Partikeln verstanden (noch engerer Sinn)
4. Partikeln werden auf die modalen oder expressiven Partikeln reduziert (im engsten Sinn).
Helbig vertritt die dritte Position und grenzt die Partikeln von Adverbien, Modalwörtern, Präpositionen und Konjunktionen nach syntaktischen Kriterien ab (vgl. Helbig 1988:21 )

Wir wollen uns auch an diese Position anschließen, weil sie Partikeln im Gegensatz zu 1) und 2) mehr differenziert und gegenüber 4) eine radikale Reduktion der Partikeln ausschließt.

1.2. Merkmale der Partikeln

Unter morphologischem Aspekt sind die Partikeln weder deklinierbar noch konjugierbar oder komparierbar. In allen Arbeiten, die den Partikeln gewidmet sind, wird die Unflektierbarkeit für das entscheidende Partikel-Merkmal erklärt.

Unter syntaktischem Aspekt können die Partikeln nicht als Satzglieder auftreten, „weder als notwendige Ergänzungen noch als freie Angaben“ (DUDEN 1998: 377).

Was den semantischem Aspekt angeht, gibt es Partikeln, die ein Wort im Satz näher bestimmen, erläutern, spezifizieren oder graduieren. Es gibt jedoch auch Partikeln, deren semantischer Gehalt sehr gering ist, die nahezu ohne eigentliche Bedeutung sind. Sie signalisieren die vielmehr die Anteilnahme des Sprechers bzw. die Art der Sprechhandlung, die also mehr kommunikativen als semantischen Wert haben.
Zum Schluss drücken die Partikeln unter kommunikativem Aspekt oft feine Nuancen aus und sind Indikatoren für bestimmte Sprechhandlungen oder dienen dazu, die Äußerung im konversationellen Kontext zu verankern, den Sprechakt im Sinne des Sprechers zu modifizieren, den Interpretationsprozess des Hörers zu steuern. „Sie geben u.a. den Grad oder die Intensität an, dienen der Hervorhebung, drücken die innere Einstellung des Sprechers aus und spielen eine wichtige Rolle in der Gesprächsführung“ (DUDEN 2000: 377).

Da wir die Position von Helbig bei der Abgrenzung der Partikeln von den anderen Wortarten unterstützen, erscheint es uns sinnvoll, die Merkmale zu nennen, die die Partikeln als Wortklasse von anderen unflektierbaren Wortklassen abheben und unterscheiden:

1. Partikeln sind keine selbstständigen Satzglieder, sie sind Teile von Satzgliedern
2. im deutschen Aussagesatz können sie nicht vor dem finiten Verb stehen
3. sie können nicht erfragt werden
4. sie berühren nicht die Wahrheitswerte von Aussagesätzen
5. sie können in Sätzen weggelassen werden (die Sätze bleiben grammatikalisch korrekt)
6. obwohl sie weggelassen werden können, haben sie einen hohen kommunikativen Wert. (vgl. dazu: Helbig 1988: 21-24)

1.3. Klassifizierung der Partikeln

Obwohl die Partikeln schon seit langer Zeit untersucht werden, ist das Problem ihrer Klassifizierung immer noch nicht gelöst.

„Im Bereich der nicht-flektierbaren Wörter ist die Zuordnung zu einzelnen Wortklassen und Subklassen ungleich schwerer als im nominalen und verbalen Bereich. Das hängt mit dem Fehlen morphosyntaktischer Regularität zusammen, an denen die Zugehörigkeiten leicht erkennbar wären.“ (Rudolf 1979: 139)

Es scheint problematisch zu sein, dass das Hauptmerkmal der Partikeln gerade ihre Unflektierbarkeit ist, was kein ausreichendes Kriterium für ihre Unterscheidung zu den anderen unflektierbaren Wortarten ist. Infolgedessen, stellt Thurmair (1989) die folgende Klassifikation von Partikeln im Deutschen dar: die Partikelklassen sind Präpositionen, Konjunktionen, Konjunktionsadverbien, Adverbien, Satzadverbien, Modalpartikeln, Steigerungspartikeln, Gradpartikeln, Negationspartikeln, Gliederungspartikeln und Interjektionen. (vgl. Thurmair 1989: 8-9).

Bei Helbig/Buscha (2001) werden die Partikeln von den Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen, Modalwörtern und Satzäquivalenten abgegrenzt und weiter subkategorisiert in: a) Abtönungspartikeln; b) Gradpartikeln; c) Intensitätspartikeln; d) Scheinbare Partikeln. Unter der Kategorie "Scheinbare Partikeln" werden heterogene Elemente wie Interjektionspartikeln, Antwortpartikeln, Temporalpartikeln, Negationspartikeln, Vergleichspartikeln und die Infinitivpartikel (zu) angeführt, die für Helbig/Buscha nicht zu den eigentlichen Partikeln zu zählen seien (vgl Helbig/Buscha 2001: 424)

Bei Admoni (1970) sind folgende Klassen von Partikeln ausgesondert: a) begrenzende und identifizierende Partikeln (nur, sogar, gerade, bloß, eben, usw.); b) verstärkende Partikeln (sehr, zu, gar, so, ja, ganz, usw.); c) gegenüberstellend-verstärkende Partikeln (doch, wohl, zwar, usw.); d) grammatikalisierte Partikeln (es, zu, am).

Im Lexikon der Sprachwissenschft von Bußman wird unterschieden zwischen Gradpartikeln, Modalpartikeln, Negationspartikeln, Antwortpartikeln, Steigerungspartikeln und Vergleichspartikeln (vgl. dazu: Bußmann 1990: 562).

In der DUDEN Grammatik (2000) finden wir folgende Klassifizierung:

1. Partikeln, die den Grad oder die Intensität angeben (Gradpartikeln)
2. Partikeln, die der Hervorhebung eines Teils einer Aussage dienen (Fokuspartikeln)
3. Partikeln, die die Einstellung des Sprechers zum Gesagten ausdrücken und einer Aussage eine bestimmte Tönung geben (Modal- oder Abtönungspartikeln).
4. Partikeln, die der Steuerung des Gesprächs dienen, als Antwort auf Entscheidungsfragen (Gesprächspartikeln)
5. Partikeln, die der Verneinung dienen (Negationspartikeln)
6. Steigerungspartikeln

Gesprächspartikeln werden weiter in Gliederung-und Rückmeldunssignale,

Antworten auf Entscheidungsfragen Grüße, Gebote u.dgl. und

Ausrufe(Interjektionen) untergeteilt. (vgl. dazu: DUDEN 2000: 177f).

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640724796
ISBN (Buch)
9783640725113
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159561
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
Partikeln russische Sprache

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