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Formen der Jugendkriminalität. Ursachen und Präventionsmaßnahmen

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Kriminalität, Devianz, Delinquenz
2.2. Jugendliche und Strafmündigkeit
2.3. Jugendkriminalität

3. Das Ausmaß von Jugendkriminalität

4. Formen von Jugendkriminalität
4.1. Straftaten
4.2. Junge Migranten

5. Risikofaktoren
5.1. Soziale Einflussgrößen
5.1.1. Familie
5.1.2. Peer- Group
5.1.3. Schule
5.1.4. Medien
5.1.5. Milieu und Sozialraum
5.2. Individuelle Merkmale und Persönlichkeitseigenschaften
5.2.1. Biologische Merkmale
5.2.2. Gewaltbereitschaft und Risikoverhalten
5.2.3. Geschlecht

6. Präventionsmaßnahmen
6.1. Begriffsdefinition Prävention
6.2. Polizei, Justiz und Sanktionsmaßnahmen
6.3. Elternhaus und Schule
6.4. Jugendhilfe

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Jugendkriminalität ist kein modernes Problem der Gesellschaft, sondern wird lediglich durch die ständige Präsenz in den Medien öffentlicher diskutiert. Der aktuelle Prozess gegen drei Jugendliche aus München, die im September vergangenen Jahres einen Mann aufgrund seiner Zivilcourage zu Tode schlugen, löste eine bundesweite Debatte über Jugendkriminalität aus und wurde zum Mittelpunkt gesellschaftlicher sowie politischer Diskussionen. Aufgrund täglicher „Schreckensberichte“ in den Medien ist zu vermuten, dass die Brutalität Jugendlicher und das Ausmaß von Jugendkriminalität in Deutschland in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. Doch, ob diese Vermutung der Realität entspricht und nicht ausschließlich durch die Medien hervorgerufen wird, soll unter anderem in dieser Arbeit überprüft werden. Während vieler politischer Diskussionen tritt immer wieder die Frage in den Vordergrund, ob es sinnvoll sei, härtere Sanktionsmaßnahmen einzuführen und das Jugendgesetz zu verschärfen. Bezüglich dieser Fragen werden viele empirische Untersuchungen durchgeführt, die die Wirkung von Gefängnisaufhalten und therapeutischen Maßnahmen untersuchen sowie vergleichen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich demnach mit der Leitfrage, ob die Verschärfung von Sanktionsmaßnahmen das Ausmaß von Jugendkriminalität vermindern kann und welche möglichen Präventionsmaßnahmen eine angemessene Wirkung erzielen. Im ersten Teil der Arbeit sollen die Begriffe Kriminalität, Jugendliche und Jugendkriminalität erläutert werden, um eine eindeutige Definitionsgrundlage für diese Arbeit zu schaffen. Außerdem wird auf die Strafmündigkeit von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden eingegangen, um einen Überblick über rechtliche Grundlagen zu diesem Thema zu geben. In den zwei darauffolgenden Kapiteln soll mit Hilfe von Statistiken untersucht werden, in wie weit die Kriminalität Jugendlicher in Deutschland zu- beziehungsweise abgenommen hat und ob sich Veränderungen hinsichtlich der Strafdelikte feststellen lassen. Anschließend soll der Forschungsstand bezüglich der Ursachen von Jugendkriminalität genauer betrachtet werden, da die Erklärungsansätze eine wichtige Grundlage für mögliche Präventionsmaßnahmen darstellen, welche im letzten Kapitel im Vordergrund stehen sollen.

Besonders durch die vermutete erhöhte Brutalität Jugendlicher spielt die Prävention im Themengebiet der Jugendkriminalität stets eine bedeutende Rolle. Aus diesem Grund sollen im letzten Teil verschiedene Maßnahmen erläutert, vorgestellt und bewertet werden. Außerdem soll im letzten Kapitel dieser Arbeit geklärt werden, welche Wirkungen harte beziehungsweise milde Sanktionsmaßnahmen auf die Rückfallwahrscheinlichkeit jugendlicher Straftäter haben und inwieweit es sinnvoll ist, das Jugendstrafrecht zu verschärfen.

Anzumerken ist, dass diese Arbeit ausschließlich auf die Entwicklung der Jugendkriminalität in Deutschland eingeht und den internationalen Vergleich nicht einbezieht. Des Weiteren wird in der folgenden Arbeit ausschließlich die männliche Form aller Personen verwenden. Dies ist auf ästhetische Gründe der Textgestaltung und zur Vereinfachung des Leseflusses zurückzuführen.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Kriminalität, Devianz, Delinquenz

Häufig werden Begriffe wie Kriminalität, Devianz und Delinquenz synonym verwendet. Hinsichtlich der Differenzierung dieser Begriffe muss die Frage gestellt werden, welches Verhalten als kriminell beziehungsweise als von der Norm abweichend, also deviant, definiert werden kann.

Kriminalität wird als Handlung definiert, die gegen gültige Strafgesetze verstößt. Die Schuldfrage wird in dieser Definition nicht beachtet, da auch Kinder, die nicht bestraft oder verurteilt werden, kriminell handeln können.[1]

Im Zusammenhang mit Jugendlichen und Kindern werden oftmals Begriffe wie Auffälligkeiten, Delinquenz, Devianz und abweichendes Verhalten verwendet. Sie differenzieren sich vom Begriff Kriminalität, da sie Handlungen, die laut Strafgesetzbuch strafbar sind, nicht mit einschließen. Beispielsweise gelten Schulverweigerung oder Alkohol- und Zigarettenkonsum Jugendlicher als abweichendes Verhalten oder Ordnungswidrigkeit. Erst der Verkauf und die Weitergabe von Erwachsenen an Jugendliche macht diese Handlung zur Straftat.[2]

Die beiden Begriffe Devianz und Delinquenz ähneln sich in ihrer Bedeutung und sind Synonyme für abweichendes Verhalten. Devianz wird als allgemein abweichendes Verhalten definiert und bezieht Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel Essstörungen mit ein. Delinquenz hingegen orientiert sich ausschließlich an rechtlichen Grundlagen und wird als Tendenz, rechtliche Grenzen zu überschreiten, verstanden. Daher wird vor allem in Diskussionen über Jugend- und Kinderkriminalität häufig von Delinquenz als Ersatz für Kriminalität gesprochen.

2.2. Jugendliche und Strafmündigkeit

Kinder unter 14 Jahren sind laut Strafgesetzbuch §19 strafunmündig. „Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat 14, aber noch nicht 18, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat 18, aber noch nicht 21Jahre alt ist“.[3]

Dieser Paragraf des Jugendgerichtsgesetztes definieren Jugendliche als eine Altersgruppe zwischen 14 und 18, die auf Grundlage des Jugendgerichtsgesetztes (JGG) verurteilt werden. Ein besonderer Fall ist die Gruppe der Heranwachsenden, welche als Altersgruppe zwischen 18 und 21 definiert wird. Hierbei kann laut §105 des JGGs in Einzelfällen und nach Beurteilung der Persönlichkeit des Täters individuell entschieden werden, ob bereits nach dem Strafgesetzbuch oder noch nach dem JGG verurteilt wird. Häufig werden heranwachsende Straftäter aufgrund ihrer persönlichen und geistigen Entwicklung weiterhin als Jugendliche eingestuft und können auf dieser Grundlage nach dem JGG verurteilt werden. Der Unterschied liegt darin, dass die Höchststrafe im JGG bei 10 Jahren liegt und somit mildere Urteile ausgesprochen werden können.

2.3. Jugendkriminalität

Der Begriff Jugendkriminalität setzt sich aus zwei unterschiedlichen Wortbausteinen zusammen, die ursprünglich eine widersprüchliche Bedeutung haben. Jugendlichkeit wird häufig positiv wahrgenommen, da sie mit Begriffen wie Vitalität, Gesundheit, Schönheit, Kraft und Energie assoziiert wird.[4] Dem gegenüber steht der Begriff der Kriminalität, welcher eine negative Wirkung hat. Aus dieser Widersprüchlichkeit heraus lässt sich vermuten, dass die Gegensätze dazu führen, dass vor allem die Jugendkriminalität immer mehr in den Vordergrund des gesellschaftlichen Interesses rückt. Jugendkriminalität zeichnet sich durch einige Aspekte aus, die sie von der Erwachsenenkriminalität unterscheidet. Zum einen wird Jugendkriminalität als ubiquitär bezeichnet, was bedeutet, dass sie einen großen Teil der Jugendlichen betrifft. Ubiquität will zum Ausdruck bringen, dass Jugendkriminalität als ein Phänomen in allen sozialen und gesellschaftlichen Schichten zu finden ist und als Bestandteil des Reifeprozesses verstanden werden kann. Ein Jugendlicher gilt häufig als ungewöhnlich, sobald er keine Normbrüche begeht. Zum anderen wird Jugendkriminalität als transitorisch beziehungsweise episodenhaft dargestellt. Häufig ist die Phase der kriminellen Handlungen eines Jugendlichen zeitlich begrenzt und lässt nicht selten nach dem 18. Lebensjahr nach. Dollinger beschreibt Jugendkriminalität als ein „vorübergehendes und sich selbst erledigendes Phänomen im Lebenslauf“.[5]

Weiterhin ist Jugendkriminalität im Vergleich zur Erwachsenenkriminalität gruppenbezogen und spontan. Außerdem zeichnet sich die Kriminalität Jugendlicher durch die Begehung leichter, bagatellartiger Delikte aus und richtet in den wenigsten Fällen wirtschaftlichen Schaden an.[6]

Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion über Jugendkriminalität beachtet werden sollte, ist nicht nur der Verweis auf Jugendliche als Täter, sondern ebenso als Opfer. Jugendkriminalität richtet sich sehr oft an Gleichaltrige und stellt somit nicht nur eine Gefahr für die Gesellschaft, sondern insbesondere für Jugendliche selbst dar.[7]

3. Das Ausmaß von Jugendkriminalität

Dieser Teil der Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf die polizeiliche Kriminalstatistik, da diese jedes Jahr aktualisiert wird und für den Großteil der Literatur zu diesem Thema eine wichtige Grundlage darstellt. Die polizeiliche Kriminalstatistik bezieht sich lediglich auf die registrierten Straftaten und kann von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise dem Anzeigenverhalten, der polizeiliche Kontrolle sowie den Änderungen des Strafrechts beeinflusst werden. Das Dunkelfeld bleibt unbeachtet.

Durch die hohe Präsenz von Jugendkriminalität in den Medien wird des Öfteren vermutet, dass der Anteil der kriminellen Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahren enorm gestiegen ist. Unter Berücksichtigung der polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2008 konnte allerdings festgestellt werden, dass nicht nur die Gesamtkriminalität zurückgegangen ist, sondern sich auch speziell die Jugendkriminalität rückläufig entwickelt hat. Dennoch wurde ermittelt, dass der Anteil von jungen Tatverdächtigen überproportional vertreten ist. Seit der Erhebung von Kriminalstatistiken konnte immer wieder festgestellt werden, dass junge Menschen gegenüber älteren stärker mit registrierter Kriminalität belastet sind. Strafunmündige Kinder oder psychisch Kranke werden innerhalb der polizeilichen Kriminalstatistik zu den Tatverdächtigen hinzugezählt, da nicht die Polizei, sondern die Justiz über die Schuldfrage entscheidet.[8]

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland ungefähr 2,3 Millionen Tatverdächtige registriert, davon 4,5 Prozent Kinder und 11,8 Prozent Jugendliche. Werden die Heranwachsenden mit einbezogen, waren im Jahr 2008 insgesamt 27% aller Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre.[9]

4. Formen von Jugendkriminalität

Nachdem im letzten Kapitel das Ausmaß und der Anteil der jugendlichen Straftäter beschrieben wurden, werden im folgenden Teil die ausgeübten Straftaten genauer betrachtet. Um zu untersuchen, ob sich Unterschiede zwischen den Straftaten von Jugendlichen und Erwachsenen erkennen lassen, soll die Tätergruppe der Jugendlichen genauer betrachtet werden.

[...]


[1] Vgl. Lange, H. J., Ohly, H. P., & Reichertz, J. (2008)

[2] Vgl. Dietsch, W., & Gloss, W. (2005). S. 86 f

[3] Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/jgg/gesamt.pdf

[4] Vgl. Dietsch (2005), S. 15

[5] Vgl. Dollinger, B. (2010). S. 11f

[6] Vgl. Walter, M. (2005). S. 35

[7] Vgl. Dollinger, B. , 2010, S. 11f

[8] Vgl. www.bka.de/pks/pks2008/ (Polizeiliche Kriminalstatistik 2008). Abgerufen am 15. Januar 2010

[9] siehe Anhang: Abbildung 1

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640730810
ISBN (Buch)
9783640731084
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159816
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1
Schlagworte
Jugendkriminalität Formen Ursachen Präventionsmaßnahmen

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Titel: Formen der Jugendkriminalität. Ursachen und Präventionsmaßnahmen