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Merkmale und Konzepte der Plankostenrechnung

Seminararbeit 2010 29 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung

2. Entstehung und Aufgaben der Plankostenrechnung

3. Die Systeme der Plankostenrechnung
3.1. Die starre Plankostenrechnung
3.2. Die flexible Plankostenrechnung
3.2.1. Die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis
3.2.2. Die flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis
3.3. Die Grenzplankostenrechnung
3.3.1. Entstehung und Einführung der Grenzplankostenrechnung
3.3.2. Vor- und Nachteile der Grenzplankostenrechnung
3.3.3. Entwicklung und Perspektiven der Grenzplankostenrechnung

4. Die Kostenkontrolle
4.1. Grundsätze der Kostenkontrolle
4.2. Die Abweichungsanalyse in der Grenzplankostenrechnung
4.2.1. Die Analyse der variablen Kosten
4.2.2. Die Analyse der Fixkosten

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Bestimmung der Sollkosten in der flexiblen PKR

Abbildung 2: System der Kostenbestimmungsfaktoren

Abbildung 3: Die Sollkosten und die verrechneten Plankosten in der S. 5 flexiblen Plankostenrechnung auf Voll- und Teilkostenbasis

Abbildung 4: Gegenüberstellung der Plankostenrechnungssysteme

Abbildung 5: Der Zusammenhang zwischen dem Einsatz einer Teilkostenrechnung und einer Grenzplankostenrechnung

Abbildung 6: Der Einsatz von Kostenrechnungsinstrumenten in Schweizer Unternehmen

Abbildung 7: Die Sollkostenverläufe bei unterschiedlichen Fristigkeitsgraden

Abbildung 8: Die Verbrauchsabweichung in der Grenzplankostenrechnung

Abbildung 9: Leer- und Nutzkosten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Die Einführung der Plankostenrechnung stellte für viele Unternehmen eine große Bereiche- rung der Kostenrechnungssysteme dar.1 Sie ist als Kern des traditionellen Controllings zu betrachten.2 Allerdings war die traditionelle Kostenrechnung in den vergangenen Jahren im- mer wieder Gegenstand heftiger Kritik gewesen.3 Die Komplexität der Systeme im Verhältnis zu den Kosten und die mangelnde Anpassung an neue Gegebenheiten führten zur Unzufrie- denheit in den Unternehmen.4 Durch das Aufkommen neuer Controlling-Systeme wurde der Fokus immer mehr auf die strategische Planung des Unternehmens gelegt.5 Unter dem Be- griff „Beyond Budgeting“ entstand eine Bewegung, die speziell die Planung und Budgetie- rung anmahnte.6 Das Controlling im Fertigungsbereich hat sich aufgrund der immer größeren Automatisierung zunehmend komplexeren Fragestellungen zu bedienen.7 Dagegen wird das Augenmerk mehr auf die indirekten Bereiche und Dienstleistungsbereiche gelegt. Die Aus- richtung nach einem internationalen Rechnungswesen hatte zur Folge, dass neue Control- ling-Systeme zur Anwendung kamen.

Nichtsdestotrotz kam es zu keiner radikalen Abwehr der Plankostenrechnung; sie kam, unabhängig ihrer Kritik, in der Praxis zum Einsatz. Aktuell wird ihr sogar wieder eine größere Bedeutung zugewiesen.8 Die Frage ist, welche Gründe zum Erhalt der PKR geführt haben und welchen Stellenwert sie in den Unternehmen heutzutage hat.

1.2. Gang der Untersuchung

Im Rahmen dieser Seminararbeit soll ein Einblick in das Verfahren der Plankostenrechnung, insbesondere der Grenzplankostenrechnung, gewährt werden. Im ersten Kapital werden die Entstehung und die Aufgaben, die an eine Plankostenrechnung im Allgemeinen gestellt wer- den, beschrieben. Anschließend werden die drei verschiedenen Systeme der Plankosten- rechnung in ihrer theoretischen Umsetzung vorgestellt. Die Grenzplankostenrechnung, ein spezielles System der Plankostenrechnung, wird im dritten Kapitel auf ihre Konzeption hin näher beleuchtet. Der Fokus liegt dabei besonders auf der aktuellen Entwicklung und den Zukunftschancen des Kostenrechnungssystems. Der letzte große Schwerpunkt dieser Arbeit beinhaltet die Kostenkontrolle. Die Bedeutung der Kontrolle und ihre praktische Umsetzung in der Grenzplankostenrechnung werden untersucht und dargelegt. Insgesamt ist diese Ar- beit auf die Kostenkontrolle ausgerichtet, die Kostenplanung wird nicht speziell behandelt.

2. Entstehung und Aufgaben der Plankostenrechnung

Unter der Plankostenrechnung versteht man ein Kostenrechnungssystem, mit dem die Un- ternehmen ihre Kosten für einen bestimmten Planungszeitraum im Voraus planen. Plan- kosten setzen sich aus dem Produkt der geplanten Faktoreinsatzmengen und den Planprei- sen zusammen.9 Die Einzelkosten werden direkt auf der Kostenträgerebene geplant, die Gemeinkostenplanung findet in den Kostenstellen statt.10 Die Übertragung der Gemein- kosten auf die Kostenträger wird mit Hilfe der Zuschlagskalkulation vorgenommen. Im Ge- gensatz zu der Istkostenrechnung und der Normalkostenrechnung, welche mit Vergangen- heitswerten kalkulieren, ist die Plankostenrechnung zukunftsorientiert11 und ist somit ein wichtiger Bestandteil des innerbetrieblichen Planungs- und Kontrollsystems.12 Sie gehört zu der operativen Planung eines Unternehmens und geht aus der längerfristigen Planung und der Unternehmenszielplanung hervor.13 Der Begriff der Plankosten wurde erstmals von M.R. Lehmann 1925 in der deutschsprachigen Literatur verwendet.14 Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Planungsgedanke immer bedeutender, vor allem bedingt durch die Unsicherheit der wirtschaftlichen Situation.15 Dabei haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Systeme gebildet, einerseits die starre Plankostenrechnung und andererseits die flexible Plankosten- rechnung, die sowohl als Voll-, wie auch als Teilkostenrechnung auftreten kann.16

Die Hauptaufgabe, die an die PKR gestellt wird, ist die Kontrolle der Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus soll die PKR dazu dienen, betriebliche Leistungen zu kalkulieren und Zah- lenmaterial für dispositive Zwecke zur Verfügung zu stellen.17 Die Kostenplanung und die Kostenkontrolle sind die Hauptbestandteile der PKR.18 Die Planungsperiode beträgt in der Regel ein Geschäftsjahr, wohingegen die Kontrolle der Kosten in kürzeren Zeiträumen durchgeführt wird. Der Soll-Ist-Vergleich findet generell monatlich statt, damit auftretende Abweichungen möglichst schnell entdeckt werden und das Unternehmen nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv eingreifen kann. Die Kostenkontrolle findet in den Kostenstellen statt. Daher ist es wichtig, dass das Unternehmen im Voraus in klar abgegrenzte Verantwortungs- bereiche, also in Kostenstellen gegliedert wird, die wiederum einen Kostenstellenleiter als Verantwortlichen haben.19 Die Kalkulation, die in den letzten Jahren in der PKR an Bedeu- tung gewonnen hat, wird auf der Kostenträgerebene vorgenommen.20

3. Die Systeme der Plankostenrechnung

3.1. Die starre Plankostenrechnung

Die ersten Plankostenrechnungen entwickelten sich aus der starren Normalkostenrechnung heraus, welche im äußeren Aufbau der starren PKR ähnelt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die bisherigen Normalkostensätze durch Plankostensätze ersetzt wur- den.21 Die starre PKR ist eine Vollkostenrechnung. Zur Berechnung der geplanten Ver- brauchsmengen pro Kostenstelle werden die Planbeschäftigungen ermittelt und in einer Be- zugsgröße ausgedrückt, z.B. Maschinenstunden.22 Die Plankosten werden bei der starren PKR über die ganze Periode hinweg mit dem ursprünglich festgelegten Beschäftigungsgrad errechnet. Da es keine Anpassung der Plankosten an die jeweilige Istbeschäftigung gibt, spricht man von der starren Berechnung.23 Die geplanten Verbrauchsmengen werden an- schließend mit Planpreisen bewertet, woraus sich die Plankosten ergeben.24 Für die Kalkula- tion berechnet man den Plankalkulationssatz, der sich aus dem Verhältnis der gesamten Plankosten zu der Planbeschäftigung pro Kostenstelle ergibt und somit die Kosten pro Stück darstellt.25 Dieser Verrechnungssatz, welcher ein Vollkostensatz ist,26 wird für die weitere Berechnung der Gemeinkosten auf die Kostenträger verwendet.27 Obwohl die Einzelkosten in der PKR zwar kostenträgerweise ermittelt werden, findet die Kontrolle in den Kostenstel- len, nach Kostenarten gegliedert, statt28, sodass der Plankalkulationssatz für die Kontrolle aus der Summe der Einzel- und Gemeinkosten einer Kostenstelle besteht.29

Die Vorteile der starren PKR liegen darin, dass die Berechnungen relativ einfach und schnell ablaufen. Eine Kostenauflösung in fixe und variable Kosten findet nicht statt. Allerdings ist dieses System nur selten in der Praxis zu finden, da es einige schwerwiegende Nachteile aufweist. Zum einen ist eine Kostenkontrolle durch die fehlende Anpassung an die Istbeschäftigung nicht aussagekräftig und zum anderen findet keine Kostenauflösung statt, wodurch das Verursachungsprinzip bei kurzfristiger Sichtweise verletzt wird. Die Anwendung der starren PKR wäre nur praktisch sinnvoll, wenn keine hohen Fixkosten zu erwarten und wenn die Abweichungen von Plan- und Istbeschäftigung gering wären. In der heutigen Zeit ändern sich die Beschäftigungsgrade jedoch häufig. Die starre PKR findet man noch in Kos- tenstellen, für die sich keine verursachungsgerechten Bezugsgrößen finden lassen, mit wel- chen die Plankosten auf die jeweilige Istbeschäftigung umgerechnet werden können.30

3.2. Die flexible Plankostenrechnung

3.2.1. Die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis

Der Grund für den Wechsel von einer starren zu einer flexiblen PKR liegt vor allem in dem Bestreben nach einer wirksamen Kostenkontrolle.31 Denn im Gegensatz zur starren PKR werden die Plankosten der flexiblen PKR für die Kontrolle an die jeweilige Istbeschäftigung der Planungsperiode angepasst.32 Außerdem erfolgt eine Aufteilung in variable und fixe Kosten. Trotzdem ist das o.g. System eine Vollkostenrechnung, da die Kostenaufteilung nur in den Kostenstellen stattfindet und zur Umrechnung auf die Kostenträger die gesamten Kosten verwendet werden.33 Die Plankosten, die an die jeweilige Istbeschäftigung angepasst werden, nennt man Sollkosten. Diese Sollkosten haben einen Vorgabecharakter, denn sie berücksichtigen Beschäftigungsänderungen und sind somit die Basis für eine wirksame Kon- trolle der Kosten.34 Zur Ermittlung der Sollkosten ist die Kostenauflösung in fixe und variable Kosten notwendig, da nur variable Kosten auf kurzfristige Beschäftigungsänderungen reagie- ren. Dementsprechend werden die Sollkosten aus den variablen Kosten, die auf die Istbeschäftigung umgerechnet werden, zuzüglich der fixen Kosten ermittelt.35

Der entscheidende Nachteil der flexiblen PKR auf Vollkostenbasis ist, wie bereits bei der starren PKR, die Verrechnung der gesamten Kosten mit Hilfe des Kalkulationssatzes auf die Kostenträger.36 Diese Proportionalisierung der fixen Kosten trägt die Gefahr von Fehlent- scheidungen mit sich, da die Fixkosten in die kurzfristige Planung mit einbezogen werden, obwohl sie sich auf kurzfristige Sicht i.d.R. nicht verändern.37 Eine Ermittlung von entschei- dungsrelevanten Informationen, z.B. für die Produktkalkulation, ist durch diese VKR nicht möglich.38

Es wird bei der flexiblen PKR zwischen der einfach-flexiblen und der mehrfach- bzw. vollflexiblen PKR unterschieden. Bei der erstgenannten ist die Beschäftigung der einzige Kostenbestimmungsfaktor der Sollkosten. Im Gegensatz dazu spielen bei den anderen beiden Formen mehrere Kostenbestimmungsfaktoren eine Rolle. In der Praxis tritt meist die mehrfach-flexible PKR auf, da die anderen zwei Formen entweder zu ungenau oder gar nicht realisierbar sind. Nach Wolfgang Kilger stellen die Beschäftigung (für die variablen Kosten) und die Kapazität (für die fixen Kosten) die „Haupt-Kostenbestimmungsfaktoren“ dar, welche in weitere Faktoren aufgegliedert werden können.39

3.2.2. Die flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis

Das Problem der Fixkostenproportionalisierung für kurzfristige Entscheidungen wird bei der flexiblen PKR auf Teilkostenbasis gelöst.40 Im Gegensatz zur flexiblen Vollkostenrechnung wird die Kostenaufteilung in fixe und variable Kosten von der Kostenarten- bis zur Kostenträ- gerrechnung beibehalten.41 Der Sollkostenverlauf in der Kostenstellenrechnung ist identisch mit dem der PKR auf Vollkostenbasis, da wiederum nur die variablen Kosten auf die Istbeschäftigung umgerechnet werden.42 Der große Unterschied zur Vollkostenrechnung besteht darin, dass die Plankalkulationssätze zur Übertragung auf die Kostenträger nur die variablen Kosten enthalten. Die Fixkosten, die als Bereitschaftskosten gesehen werden, gehen als Kostenblock in das Betriebsergebnis ein und spielen für die Plankalkulation keine Rolle mehr.43 Werden die Plankalkulationssätze an die Istbeschäftigung angepasst, berech- net man die verrechneten Plankosten.44 Da die Plankalkulationssätze nur aus den variablen Kosten gebildet werden, sind in den verrechneten Plankosten ebenfalls nur variable Kosten enthalten.45 Die ermittelten variablen Sollkosten stimmen daher mit den verrechneten Plan- kosten überein.46 Die flexible PKR auf Teilkostenbasis wird auch als Grenzplankostenrech- nung bezeichnet.47

Eine zusammenfassende Gegenüberstellung der Systeme der Plankostenrechnung befindet sich im Anhang auf Seite 16.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Sollkosten und die verrechneten Plankosten in der flexiblen Plankostenrechnung auf Voll- und Teilkostenbasis i.A.a. Olfert, K. (2008), S. 324.

3.3. Die Grenzplankostenrechnung

3.3.1. Entstehung und Einführung der Grenzplankostenrechnung

Die erste Anwendung in der Praxis fand die Grenzplankostenrechnung in den USA. Dort wird auch noch heute vom „Direct Costing“ gesprochen.48 In Deutschland war es Hans Georg Plaut, der die Entwicklung und Einführung der Grenzplankostenrechnung in den 50er Jahren geprägt hat. Er verband zum ersten Mal die Idee der Plankostenrechnung mit der Idee der Grenzkostenrechnung, woraus sich der Name der Grenzplankostenrechnung bildete.49 Zu- sammen mit H.G. Plaut wird auch Wolfgang Kilger als Begründer der GPKR gesehen.50 Un- ter Grenzkosten versteht man die Kosten, die durch eine zusätzliche Produktionseinheit an- fallen.51 In der PKR wird ein linearer Gesamtkostenverlauf unterstellt (Linearitätsprämisse), sodass die variablen Stückkosten und die Grenzkosten übereinstimmen und der Begriff der Grenzplankostenrechnung gerechtfertigt ist.52 Mit der GPKR wollten die Konzipienten ein System entwickeln, das sowohl der Entscheidungsfindung als auch der Kontrolle dient.53 Für Plaut ist die „KGrenzplankostenrechnung nichts weiter als eine logische, vernünftige Wei- terentwicklung der flexiblen Plankostenrechnung.“54 Zudem weist er auf die falsche Vorstel- lung hin, dass die PKR ein Gegensatz zur Istkostenrechnung sei. Die Istkosten werden in der GPKR für die Kostenkontrolle benötigt und spielen somit eine wichtige Rolle, da ohne deren Ermittlung keine Kontrolle stattfinden könnte.55

Plaut führte sein System der GPKR im Rahmen seiner Unternehmensberatungsgesellschaft, der Plaut-AG, innerhalb weniger Jahre in vielen Unternehmen ein.56 Im Hinblick auf die Kostenrechnungssysteme ist die GPKR die letzte Entwicklungsstufe57 und außerdem das überwiegend angewandte System der Plankostenrechnungssysteme.58 Sie wird als das bestentwickelte Teilkostenrechnungssystem gesehen.59

3.3.2. Vor- und Nachteile der Grenzplankostenrechnung

Der große Fortschritt der Grenzplankostenrechnung liegt darin, dass sie gegenüber den an- deren Systemen der PKR alle Aufgaben, die an eine PKR gestellt werden, zufriedenstellend erfüllen kann. Neben der Kostenkontrolle eignet sie sich auch für die Kalkulation und für dis- positive Zwecke60. Daher wird sie auch als die „KWende zu entscheidungsorientierten For- men der KostenrechnungK“ bezeichnet.61 Die ermittelten Grenzkosten unterstützen das Unternehmen z.B. bei Entscheidungen über Fertigungsverfahren, Make-or-Buy-Entscheidungen oder bei der Ermittlung von kurzfristigen Preisuntergrenzen.62 Die Deckungsbeitragsrechnung wird im Rahmen der GPKR gelegentlich erwähnt, da sich ihr Grundgedanke der Kostenaufteilung in der GPKR widerspiegelt. Allerdings werden bei der Deckungsbeitragsrechnung vorwiegend Istwerte verwendet.63 Doch die GPKR kann in ihrer Form sowohl als reine Kostenrechnung wie auch als Erfolgsrechnung, durch Einbeziehung der Teilerlöse und somit in der Gestalt einer Plandeckungsbeitragsrechnung, auftreten.64

Die Anwendung einer TKR trägt auch Nachteile mit sich. Das Steuerrecht verlangt größten- teils eine Bewertung der Bestände mit Vollkosten.65 Allerdings werden in der GPKR nur die Grenzkosten, also nur die variablen Kosten, ermittelt.66 Außerdem werden die Vollkosten zur Berechnung der Selbstkostenpreise bei öffentlichen Aufträgen benötigt, falls keine Markt- preise feststellbar sind.67 Als weiterer Kritikpunkt wird die Gefahr von Preissenkungen gese- hen, wodurch eine fehlende Vollkostendeckung entstehen kann.68 Gegen diese Behauptung spricht, dass die Preise normalerweise vom Markt bestimmt werden und die Kostenrechnung nur die Preisbeurteilung beeinflussen kann.69 Zu beachten bleibt aber, dass die GPKR nicht für eine langfristige Preispolitik geeignet ist, da die Erlöse auch die Fixkosten auf längerfristi- ge Sicht abdecken sollten, damit das Unternehmen auf dem Markt überleben kann. Daher ist es von großer Bedeutung, dass der Sinn der ermittelten Preisuntergrenze richtig verstanden wird und alle beteiligten Mitarbeiter eines Unternehmens darüber ausreichend aufgeklärt werden.70

Ein grundsätzliches Problem der GPKR ist die Kostenaufteilung in fixe und proportionale Kosten nach gewissen Fristigkeitsgraden. In der traditionellen GPKR wird die Aufteilung mit dem Fristigkeitszeitraum von einem Jahr durchgeführt.71 Diese Vorgangsweise ist aber prob- lematisch72, da die Fristigkeit der berechneten Plankosten oft nicht mit der Fristigkeit von Entscheidungen über kürzere Planungsperioden übereinstimmt. Kosten, die für einen Monat lang als fixe Kosten gelten, sind bei Betrachtung eines Jahres u.U. variabel.73

[...]


1 Vgl. Löffelholz, J. (1993), S. 1.

2 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 7.

3 Vgl. Pfaff, D./Weber, J. (1998), S. 151.

4 Vgl. Obermaier, R. (2006), S. 177.

5 Vgl. Vikas, K. (2006), S. 35f.

6 Vgl. o.V. (2007), S. 34ff.

7 Vgl. Stahl, H.-W. (2007), S. 72ff.

8 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 1ff.

9 Vgl. http://www.wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/plankostenrechnung.html (Zugriffsdatum: 24.04.2010).

10 Vgl. Olfert, K. (2008), S. 226.

11 Vgl. Wöltje, J. (2008), S. 205.

12 Vgl. Wöhe, G./Döring, U. (2008), S. 988.

13 Vgl. Macha, R. (2007), S. 240f.

14 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 51.

15 Vgl. Kilger, W. (1992), S. 58.

16 Vgl. Hummel, S./Männel, W. (1993), S. 133.

17 Vgl. Haberstock, L. (2008b), S. 4f. Die Kalkulation wird auch als Dokumentationsaufgabe bezeichnet.

18 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A. (2008), S. 647.

19 Vgl. Thommen, J.-P./Achleitner, A.-K. (2009), S. 532; Schmidt, A. (2008), S. 198f.

20 Vgl. Patterson, F.-K. (1961), S. 17; Däumler, K.-D./Grabe, J. (2004), S. 211.

21 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 56.

22 Vgl. Langenbeck, J. (2008), S. 170f.

23 Vgl. Troßmann, E. (1992), S. 227; Ebert, G. (2008), S. 139f.

24 Vgl. Langenbeck, J. (2008), S. 167.

25 Vgl. Stelling, N. (2005), S. 83.

26 Vgl. Däumler, K.-D./Grabe, J. (2004), S. 81.

27 Vgl. Schmidt, A. (2008), S. 207.

28 Vgl. Moews, D. (2002), S. 266.

29 Vgl. Hummel, S./Männel, W. (1993), S. 136.

30 Vgl. Ebert, G. (2004), S. 141; Haberstock, L. (2008b), S. 13; o.V. (1996), S. 732.

31 Vgl. Kilger, W./Pampas, J./Vikas, K. (2007), S. 58.

32 Vgl. Steger, J. (2006), S. 526.

33 Vgl. Stelling, N.(2005), S. 84.

34 Vgl. Wöhe, G./Döring, U. (2008), S. 989.

35 Vgl. Ebert, G.(2004), S. 143f. Siehe hierzu Abb. 1 im Anhang.

36 Vgl. Freidank, C.-C. (2008), S. 269; Kalenberg, F. (2004), S. 176.

37 Vgl. Scherrer, G. (1999), S. 117.

38 Vgl. Wall, F. (1999), S. 211.

39 Vgl. Haberstock, L. (2008b), S. 14f; Haberstock, L. (2008b), S. 36ff. Siehe hierzu Abb. 2 im Anhang.

40 Vgl. Löffelholz, J. (1993), S. 25.

41 Vgl. Gatze, U. (2010), S. 209.

42 Vgl. Haberstock, L. (2008b), S. 21.

43 Vgl. Kalenberg, F. (2004) S. 176; Langenbeck, J. (2008), S. 182.

44 Vgl. Ebert, G. (2008), S. 145.

45 Vgl. Schmidt, A. (2008), S. 213.

46 Vgl. Schmeisser, W. et al. (2006), S. 97. Siehe dazu Abb. 3.

47 Vgl. Wall, F. (1999), S. 211.

48 Vgl. Vikas, K. (1991), S. 4.

49 Vgl. Scheer, A.-W. (1992), S. 43.

50 Vgl. Huch, B./Hanke, M./Viemann, K. (2006), S. 81.

51 Vgl. http://www.wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/grenzkosten.html (Zugriffsdatum: 11.05.2010).

52 Vgl. Rudorfer, M. (2005), S. 140; Haberstock, L. (2008b), S. 179.

53 Vgl. Zwicker, E. (2006), S. 14.

54 Plaut, H.-G. (1961), S. 468.

55 Vgl. Plaut, H.-G. (1961), S. 461f.

56 Vgl. Michel, R./Torspecken, H.-D./Jandt, J. (2004), S. 161.

57 Vgl. Ebert, G. (2008), S. 195.

58 Vgl. Wall, F. (1999), S. 211.

59 Vgl. Hoch, G./Heupel, T. (2008), S. 25.

60 Vgl. Kalenberg, F. (2004), S. 215.

61 Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 96.

62 Vgl. Vikas, K. (2002), S. 626.

63 Vgl. Olfert, K. (2008), S. 321.

64 Vgl. Haberstock, L. (2008a), S.179; Schweitzer, M./Schweitzer, M. (2009), S. 321.

65 Vgl. Jórasz, W. (1996), S. 239.

66 Vgl. Scherrer, G. (1999), S. 150.

67 Vgl. Zimmermann, J. (1990), S. 17; PreisV: Verordnung PR Nr.30/53 über die Preise bei öffentlichen Aufträgen.

68 Vgl. Scheer, A.-W. (1992), S. 95.

69 Vgl. o.V. (2000), S. 755.

70 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 682f.

71 Vgl. Obermaier, R. (2006), S. 190.

72 Vgl. Kilger, W./Pampel, J./Vikas, K. (2007), S. 90.

73 Vgl. Seicht, G.(2004), S. 6.

Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640731305
ISBN (Buch)
9783640731251
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160015
Institution / Hochschule
Hochschule Albstadt-Sigmaringen; Sigmaringen
Note
1,3
Schlagworte
Merkmale Konzepte Plankostenrechnung

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