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Die historischen Filme des Steven Spielberg

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Der „historische Film“
2.1. Definition des Genres „historischer Film“
2.2. Probleme des Genres

3. Die Person Steven Spielberg

4. Charakteristika der historischen Filme des Steven Spielberg
4.1 Vorlagen
4.2 Film-syntaktische Analyse
4.3. Film-semantische Analyse

5. Zusammenfassung der Analyse

6. Schlußfolgerung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat als Ziel die historischen Filme des Regisseurs Steven Spielberg zu untersuchen, um ihre allgemeinen Charakteristika herauszufiltern; also Merkmale, die für jene Filme ausschlaggebend sind.

Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versucht lediglich wesentliche Punkte aufzuzeigen, die für die Ausarbeitung von Relevanz sind.

Um sich dem genannten Themenbereich zu nähern, ist eine Definition des Genres („historischer Film“), sowie Problematik von Nöten. Unter Berücksichtigung biographischer Details, wird das Genre auf die angesprochene Person Steven Spielberg zugeschnitten. Dadurch entsteht im letzten Schritt, ein Analysefilter der für die Essenz des Problembereichs wichtig ist.

In dieser Arbeit werden drei Filme von Steven Spielberg, unter dem Aspekt des historischen Films begutachtet:

1) „Schindlers Liste“ / USA/ 1993/ R: Steven Spielberg
2) „Amistad“ / USA/ 1997/ R.: Steven Spielberg
3) „Der Soldat James Ryan“ / USA/ 1998/ R.: Steven Spielberg

Es gibt zwar weitere Filme von Spielberg, die das Label „Historischer Film“ tragen wie z.B.: „Die Farbe Lila“ oder „Das Reich der Sonne“, nur waren jene Filme Mißerfolge. Außerdem würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, ginge man auf weitere Filme ein.

2. Der „historische Film“

Der historische Film ist die Basis der Analyse. Er ist das Genre-Fundament und dient zur Verdeutlichung der Problematik in dieser Arbeit.

Um auf das Genre genauer einzugehen, muss es definiert werden, um später die Problematik der historischen Filme aufzuweisen.

2.1 Definition des Genres „Historischer Film“

Der „historische Film“- ein Begriff bestehend aus zwei Wörtern, die unterschiedliche Kulturbereiche aufweisen. Würde man die beiden Wörter getrennt voneinander definieren, so stieße man auf folgende lexikalische Einträge:

1) historical a. Of history (...), belonging to history.“.[1]
2) film n&v (...) 3. Story, drama, episode, etc., recorded on cinematographic film and shown in cinemas etc.“.[2]

Der erste Eintrag bezieht sich auf die Abbildung geschichtlicher Vorgänge, der zweite beschreibt das Massenmedium des 20. Jahrhunderts.

Was verbindet aber beide Wörter? Wie passen sie zusammen?

Diese Unterschiede weist Pierre Sorlin in seinem Aufsatz „How to look at an „Historical“ Film“ auf:

„ The peculiarity of historical films is that they are defined according to a discipline that is completely outside the cinema; (...), and when speak of them we refer both to cinema and history.“.[3]

Geschichte und Film sind zwei unterschiedliche Kulturbereiche: Geschichte beschreibt die Entwicklung von Zivilisationen, Kulturen und ordnet den Prozeß in einem periodischen System; der Film wiederum stellt Kulturen und Mythen bildlich dar.

„ Historical films are all fictional. By this I mean that even if they are based on records,they have to reconstruct in a purely imaginery way the greater part of what they show. Scenery and costumes similiar to those of the period represented can be based on text and pictures, but the actors alone are responsible for the gestures, expressions and intonations.“.[4]

Die Fiktion des Films trifft also hier auf Fakten und Daten der Geschichtsschreibung, und muß hauptsächlich über die Mise-en-scène ein möglichst realistisches Abbild von Geschichtsvorgängen erzeugen. Dabei ist zu beachten, dass der Film als Geschichtenerzähler, die geschichtlichen Fakten im Verhältnis zu seiner filmischen Umsetzung nie im Verhältnis 1:1 kopiert.

Hier treffen Objektivität (Geschichte) und Subjektivität (Film) aufeinander. Um aber den Balanceakt zwischen Film und Geschichte zu ermöglichen ist folgendes ausschlaggebend:

„Fiction and history react constantly on one another, and it is impossible to study the second if the first is ignored.“.[5]

Wenn man also den „historischen Film“ beschreiben sollte, dann ist es ein Genre, dass durch seine Interdiszplinarität auffällt; die Wechselwirkung zwischen geschichtlicher und filmischer Darstellungsweisen. Hierin liegt aber auch eins der größten Probleme des Genres.

2.2 Probleme des Genres

„ L´antinomie entre le cinéma et l`histoire vient de ce que le cinéma est essentiellement un mouvement: le déroulement, d`une pellicule à la vitesse de vingt-quatre images par seconde. L´histoire, en revanche est une forme de connaissance qui repose essentiellement sur des élements stables.“.[6]

(Übersetzung: Der Widerspruch zwischen dem Kino und der Geschichte liegt darin, dass das Kino in erster Linie eine Bewegung ist: das Abspielen eines Filmes mit der Geschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde. Die Geschichte dagegen ist eine Form des Wissens, dass im Wesentlichen auf stabilen Elementen beruht.)

Dieses Zitat zeigt deutlich, dass längere geschichtliche Vorgänge im Film gerafft werden müssen. Es kann über die Montage betrieben werden, die die Veränderung der formbaren Zeit innerhalb eines Filmes beschreibt. So kann zum Beispiel ein geschichtlicher Vorgang, der sich über mehrere Jahrzehnte hinzieht schnell und wesentlich dargestellt werden.

Dadurch ergibt sich ein weiteres Problem: durch das Raffen geschichtlicher Vorgänge werden die geschichtlichen Fakten außer Acht gelassen soll heißen der Film ist eine Art „Geschichte à la carte“. Der Filmemacher muss an das historische Verständnis seines Rezipienten apellieren. Dabei ergeben sich folgende Probleme, die aber für das Schaffen „historischer Filme“ selbstverständlich sind. Hierbei gehen wir von Mainstream-Filmen aus:

„ 1. The mainstream film tells history as a story, tale with a beginning, middle and an end. A tale that leaves you with a moral message und (usually) a feeling of uplift. (...) 2. Film insists on history as the story of individuals (...), who are already renowned, (...) Those not already famous are common people who have done heroic or admirable things, (...) 3. Film offers us history of a closed, completed and simple past. It provides no alternative possibilities (...) 4. Film emotionalizes, personalizes and dramatizes history. (...) 5. Film so obviously gives us the „look“ of the past-(...)-that we may not see what this does to our sense of history. (...) 6. Film shows history as process.“.[7]

[...]


[1] Sykes, J.B.: „The Concise Oxford Dictionary of Current English (6th ed.)“, Oxford University Press: Oxford, 1976, S.509.

[2] Ebda., S. 390.

[3] Sorlin Pierre: „ How to Look at an „Historical“ Film“, in: Landy, Marcia(Hrsg.): „ The Historical Film, History and Memory in Media, Rutgers University Press: New Brunswick, 2001 , S. 37.

[4] Ebda., S. 38

[5] Ebda., S. 38

[6] Arcand, Denys: „Le film historique: Problèmes de réalisition“ in: Zygulski, Kazimierz (Hrsg.): „ Le Cinéma de l´Histoire“, Les Presses de l`Unesco et la Baconnière: Paris, 1974 , S.15

[7] Rosenstone, Robert A.: „ Looking at the Past in a Postliterate Age“ in: Landy, Marcia(Hrsg.): „ The Historical Film, History and Memory in Media, Rutgers University Press: New Brunswick, 2001, S. 55-57.

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638109925
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1601
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Film-und Fernsehwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Filme Steven Spielberg Seminar Americana

Autor

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