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Die Symbolik des Christentums

Eine theoretische Untersuchung des christlichen Symbolbegriffs

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Religiöse und mythische Symbolik

3 Symbole in der christlichen Entwicklungsgeschichte

4 Zentrale Gedanken der christlichen Symbolik

5 Die charakteristischen Symbole des Christentums
5.1 Das Kreuz und die Kreuzigung
5.2 Der Fisch
5.3 Brot und Wein

6 Nachwort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Mythologie ist keine bloße Ausdrucksweise, an deren Stelle auch eine andere, einfachere und verständlichere hätte gewählt werden können [...] Dieser Sinn ist deshalb so schwer in die Sprache der Wissenschaft zu übersetzen, weil er völlig nur auf mythologische Weise ausgedrückt werden konnte.“ Karl Kerenyi[1]

Symbole und Mythen sind feste Bestandteile der menschlichen Kultur: Glaubensvorstellungen, die aus dem metaphysischen Bedürfnis des Menschen die Welt in ihrer Ganzheit zu begreifen und den Sinn der Existenz zu verstehen, entspringen, erhalten durch sie eine fassbare Form. Sie dienen als Kommunikations- sowie Abgrenzungsmittel im intersozialen Gefüge und ermöglichen die Identifikation des Individuums mit der Gesellschaft.

Das Aufkommen neuer Ideen und Weltbilder fand stets in Auseinandersetzung mit bestehenden Kulturen und der Vergangenheit statt, was oft zur Synthese verschiedener Mythen und Symbole führte. Das Phänomen dieser gegenseitigen Beeinflussung und Integration ist bei allen Hochkulturen des Mittelmeerraums und Vorderasiens zu beobachten und findet sich auch in den Wurzeln der heutigen Weltreligionen wieder. Den meisten Einfluss übte dabei die Mythologie der Inder und Hindus aus, die sich in allen vorderasiatischen Kulturen findet und auch das Judentum durchdrang, aus dem sich schließlich Christentum und Islam abspalteten.

Das Christentum als eine der führenden Weltreligionen war seine gesamte Entwicklung hindurch der Wandlung und Assimilation unterworfen, die sogar noch heute in den Streitfragen um theologische Aspekte erkennbar wird. Es verwendete vorchristliche Mythen, Bräuche und Symbole, deren ursprüngliche Bedeutungen im öffentlichen Bewusstsein oftmals verloren gingen und so zu einer Entfremdung von den eigentlichen kulturellen Wurzeln führten.

Die vorliegende Arbeit möchte sich mit den Vorbildern der christlichen Symbole und Motive auseinandersetzen. Da die Thematik sehr umfassend ist, wird sich auf die Aspekte des christlich-religiösen Symbolbegriffs und die Grundsymbole des Christentums beschränkt werden. Ziel soll es sein, für den Umgang mit soziokulturellen Phänomenen wie Symbolen und Mythen, die einen unschätzbaren psychologischen Wert in der Beurteilung der menschlichen Gesellschaft haben, zu sensibilisieren und die langen Traditionen, die sich in allen kulturellen Entwicklungen verbergen, bewusst zu machen.

2 Religiöse und mythische Symbolik

„[...] Gesellschaften sind »symbolische«, nicht»natürliche« Ordnungen, sie transformieren Natur in eine symbolische Ordnung, d. h. in Kultur.“[2]

Symbole sind, wie die Sprache, ein System der Kommunikation. In ihrer Bedeutung festgelegt oder unmittelbar erkennbar tragen sie zur Vereinfachung komplexer Aussagen und weitgreifender Sachverhalte. Symbole ersetzten in erster Linie das System der Schrift. Zudem wurde durch ihre Nutzung die Möglichkeit geboten, ganze Gedankenkomplexe oder Geschichten in einem einzigen (u. U. abstrakten) Bild festhalten zu können. Als „kulturgebundenes Wahrnehmungs- und Klassifikationssystem“[3] diente und dient das Symbol vornehmlich der (kulturellen) Ab- und Eingrenzung einer Gesellschaft. Die im Verständnis der jeweiligen Gruppe wirkliche und dahinter verborgene Botschaft ist nur den Eingeweihten bekannt. In dieser instrumentalisierten Rolle ist das Symbol ein grundlegendes Element zur Sicherung und Wahrung einer bestimmten Kultur. Die Verwendung nur im entsprechenden Kulturkreis bekannter Symbole bietet eine Basis der Sicherheit auf psychologischer Ebene. Das ureigenste Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und Integration wird dadurch gedeckt, sowohl durch ein dem Fremden überlegenes Wissen als auch durch die Suggestion der Gleichheit durch das einheitliche Nutzen der Symbole, unabhängig des sozialen Status.

Die Symbolisierung realer Verhältnisse hatte vordergründig die Funktion der Erklärung von unbeeinflussbaren Naturerscheinungen. Ohne den Umweg über das Symbol wären die meisten Naturgewalten in der Frühzeit unverstanden geblieben. Später dienten sie jedoch zunehmend, wenn auch subtil, der Sicherung und Legitimation einer hierarchischen Sozialordnung und das Symbol wandelte sich vom pädagogischen Hilfsmittel zum herrschaftlichen Instrument.[4]

Symbole traten meist in Zusammenhang mit spirituellen oder religiösen Ritualen und in Schutzfunktionen auf. Sie waren die irdischen Repräsentanten nicht wahrnehmbarer Gottheiten und wurden oftmals als deren reale Epiphanien gesehen. Zu dem religiösen Symbolisierungssystem zählen ebenso Mythen, Legenden und Märchen, feste Riten und Bräuche, die allesamt dazu dienten, eine Verbindung zum Göttlichen aufzubauen, sei es durch Opfer und Gebete oder durch die Beschreibung ihrer Leben in für den Menschen nachvollziehbaren Verhältnissen. Christoph Jamme und Mircea Eliade sind sich einig, dass „Der Ursprung religiöser Symbolisierung [...] der Glaube an spirituelle Wesen, an Seelen, die nach dem Tode weiterleben. “[5] ist.

Durch die Eigenschaft des Symbols, inhaltlich mehr zu enthalten als der erste Blick vermuten lässt, eignet es sich zur assoziativen Verknüpfung mit tieferen philosophischen und religiösen Ideen. Durch ihre Komplexität und die Eigenschaft bzw. Möglichkeit, selbst dem Eingeweihten noch etwas verbergen zu können, erschienen oft schon die Symbole selbst göttlich. Dies hatte auch zur Folge, dass sich die Symbole verschiedenster Kulturen im Laufe der Zeit vermischten und Bedeutungen übernommen, abgeändert oder sogar ins Gegenteil verkehrt wurden. Symbole, in welcher Gestalt auch immer, hatten stets den Aspekt des überirdischen, metaphysischen an sich. Ihre Integration in eine andere Kultur kam der Unterwerfung der fremden Götter und der mit ihnen verbunden Kultur gleich. Die Symbole standen damit gleichsam als Repräsentanten der gesamten Gesellschaft.

Religiöse und esoterische Gruppen bedienen sich auch heute noch der Symbolik und erhalten sich so den Status des Spirituellen oder Esoterischen, mit dem Symbole heute noch im Unterbewusstsein oft in Verbindung gebracht werden. Symbole machen in dieser Funktion deutlich, dass nicht alles in naturwissenschaftlichen Formeln oder in rationalen Beschreibungen ausgedrückt werden kann und schlagen eine Brücke zu vorangegangenen, nicht der Moderne zugehörigen Traditionen.

3 Symbole in der christlichen Entwicklungsgeschichte

„Jeder Glaube beruht auf dem, was uns fehlt - und wir deshalb ersehenen; die Religion soll uns über die Realität hinwegtrösten.“[6]

Um eine Religion aufrechterhalten zu können bedarf es neben traditionellen Überlieferungen auch einer überzeugenden Lehre. Das Christentum und seine Mystik sind seit ihrer Entstehung vor ca. zweitausend Jahren einer fortwährenden Entwicklung unterworfen worden, so dass wir heute die Symbole anders deuten und wahrnehmen als das Frühchristentum sie verstand. Dazu gehören nicht nur grafische Darstellungen, sondern auch Riten und theologische Inhalte. Die gegenwärtige europäische Gesellschaft ist ein Produkt spätrömisch-griechischer Politik und Kultur sowie christlich-katholischer Weltanschauungen, die maßgeblich von der katholischen Kirche und ihrer Auslese sowie Überlieferung frühchristlicher Traditionen und Gebräuche bestimmt wurde.[7]

Die vom Christentum genutzten und übernommenen Vorlagen stammten aus jüdischen, babylonischen, persischen, ägyptischen, hellenistischen und indischen, mit der nord- und osteuropäischen Missionierung ab dem 8. Jahrhundert auch aus slawischen, keltischen und germanischen Überlieferungen und Mysterienkulten. Der gesamte damalige Mittelmeerraum und Mittelasien standen durch Handel in regem Kontakt, der zu einer kulturellen und auch sprachlichen Vermischung führte. Bereits das Judentum schöpfte aus babylonischen und persischen Quellen, die sich wiederum auf indische Mythen zurückführen lassen und auch Eingang in die hellenistische Mythologie und Esoterik fanden. In die Riten fanden besonders die Praktiken der Mysterienkulte Eingang, die damals weit verbreitet waren (z. B. Mithras- Kult, Isis-Kult, Dionysos-Kult ect.). Sie bildeten, ähnlich dem anfänglichen Christentum, geheime Gesellschaften und hatten den Polytheismus abgelegt. Stattdessen fokussierten sie sich auf eine Heilsgestalt (Gottheit) und versuchten die Zusammenhänge des Kosmos zu durchdringen, wobei sie stark mit Symbolik arbeiteten. Das frühe Christentum wurde durch die Aufnahme all dieser Elemente „ein Sammelbecken für sehr unterschiedliche religiöse Strömungen [...], die erst im Laufe der Zeit zu einer in sich geschlossenen Lehre zusammengeschmolzen wurden“[8].

Als das Christentum sich stärker ausbreitete und institutionalisierte übernahm es die patriarchalen Strukturen Roms und sah seine Lehre, unter Einbezug griechischer Philosophie, als rein rational und nur durch Askese vollkommen zu erfüllend (ähnlich dem Buddhismus). Es verstand sich so als Antithese der matriarchalen Naturkulte, die oft mit sinnlichen Praktiken verbunden waren.[9] Externe kulturelle und religiöse Einflüsse wurden fortan nicht mehr integriert, sondern verteufelt, wodurch das Christentum sich zunehmend vom Volk entfernte und zu einem System erstarrte, mit dessen Abstraktion und lebensfremder Lehre die einfache Bevölkerung nicht umgehen konnte. Um als ,Volksreligion’ weiter bestehen zu können, mussten zugängliche Möglichkeiten zum Glauben geboten werden, die über den namen- und gesichtslosen Gott nur schwer zu erreichen waren, weshalb bestimmte ,Götzen’ unter christlicher Fahne als Heilige wieder eingeführt wurden.10 Sie verkörperten fortan in ihrer symbolischen Wirkung die vorher ansässigen Gottheiten bzw. erlaubten das entrichten[10] von Bitten und die Knüpfung von Hoffnung an Gestalten, denen man auf einer realen Ebene begegnen konnte. Carl Gustav Jung kritisierte diese Distanzierung der Theologie von ihren ursprünglichen kultischen Wurzeln:

„Die christliche Kultur hat sich in erschreckendem Ausmaß als hohl erwiesen: sie ist äußerliche Politur; der innere Mensch aber ist unberührt und darum unverändert geblieben. Der Zustand der Seele entspricht nicht dem äußerlich Geglaubten. Der Christ hat in seiner Seele mit der äußerlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten. Ja, es steht äußerlich alles da in Bild und Wort in Kirche und Bibel. Aber es steht nicht innen. Im Inneren regieren die archaischen Götter, wie nur je; d. h. die innere Entsprechung des äußeren Gottesbildes ist aus Mangel seelischer Kultur unentwickelt und darum im Heidentum steckengeblieben. Die christliche Erziehung hat zwar das Menschenmögliche geleistet; aber es genügte nicht. Zu wenige haben es erfahren, daß die göttliche Gestalt innerstes Eigentum der eigenen Seele ist. Ein Christus ist ihnen nur außen begegnet, aber nie aus der eigenen Seele entgegen getreten...“[11]

Für die einfache Bevölkerung hatte dies fast unausweichlich die Etablierung einer eigenen Gottesvorstellung und eigener Bräuche zur Folge. Die ausgiebige Missionierungsarbeit der christlichen Prediger brachte das Christentum in den Osten und Norden Europas, wo es mit den ansässigen Bräuchen und Glaubensvorstellungen trotz vehementer Degradierung oft verschmolz.[12] So wurden die Symbole und Glaubensvorstellungen vieler Kulturen in dem Begriff des Christentums vermischt und vereint. Neben der Tilgung fremder Kulturen und Religionen trug diese Praxis auch zu einer Vergrößerung der christlichen Symbolik bei, sowie zu einer Erweiterung der Lehrinhalte und Interpretationsformen. Dazu dienten auch die oft genutzte Allegorie sowie Gleichnisse, dem Neuen Testament nachempfunden. Sie wurden genutzt, um die theologischen Lehrsätze in Anekdotenform dem Volk zugänglich zu machen, waren jedoch aufgrund ihrer uneindeutigen Formulierungen oftmals stark abhängig von der Interpretation des Vortragen, um inhaltlich verstanden zu werden - ähnlich dem Symbol.

4 Zentrale Gedanken der christlichen Symbolik

Im Zeichen der kosmischen Symbolik und, nach christlicher Lehre, seiner Schaffung durch den allmächtigen Gott erhält alles Existierende auf der Welt den Charakter eines Sinnbildes für Gottes Macht, seine Güte und seinen Willen.[13] Alles Sichtbare und Existierende ist ein Beweis seiner Gegenwart und gleichzeitig Symbol seiner Allmacht.

[...]


[1] Kerenyi, Karl/ Jung, Carl Gustav: Einführung in das Wesen der Mythologie. Der Mythos vom göttlichen Kind undEleusinische Mysterien, Erweiterte Auflage, Zürich 1999, S. 15.

[2] Jamme, Christoph (1999): „Gott an hat ein Gewand“ - Grenzen und Perspektiven philosophischer Mythos­Theorien der Gegenwart, Frankfurt a. M., S. 167.

[3] Ebd., S. 168.

[4] vgl. Ebd., S. 171.

[5] Jamme (1999), S. 169f.

[6] Blumenthal, P.J.: „Die Geburt des Christentums Teil 2 - Paulus, das tragische Genie“, in: P.M. - Welt des Wissens 01/2005, S. 88.

[7] vgl. Bauer, Wolfgang/ Dümotz, Irmtraud (1980): Lexikon der Symbole, Wiesbaden, S. 190.

[8] Ebd., S. 190.

[9] vgl. von Glasenapp, Helmuth (1963/1991): Die fünf Weltreligionen, München, S. 209f.

[10] vgl. Bauer/ Dümotz (1980), S. 192f.

[11] Bauer/ Dümotz (1980), S. 195.

[12] vgl. von Glasenapp (1963/1991), S. 213.

[13] vgl. Hülst, Dirk (1999): Symbol und soziologische Symboltheorie: Untersuchungen zum Symbolbegriff in Geschichte, Sprachphilosophie, Psychologie und Soziologie, Opladen, S. 78.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640733491
ISBN (Buch)
9783640734139
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160285
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Theaterwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Christentum Symbolik christliche Symbolik Symboltheorie

Autor

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