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Subkultur Skinheads

Erziehungsprozesse, Bildungsprozesse, Sozialisationsprozesse

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der typische Skinhead
2.1 geschichtliche Entwicklung
2.2 Aussehen
2.3 Musik
2.4 Meinung und Feindbilder

3. Ursachen ihrer Auffassungen
3.1 Erziehungsprozess
3.2 Bildungsprozess
3.3 Sozialisationsprozess

4. Auswege aus dem Teufelskreis

5. Zusammenfassung

6. Anmerkungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Du bist ein Nazi? Mit Bildung wäre das nicht passiert!“ - So lautet der Name einer Gruppe, einer Art Organisation, der man als Nutzer der Internetplattform www.studivz.de[1] beitreten kann, um seine Meinung anderen zu präsentieren, aber auch um seine Gedanken mit anderen Nutzern auszutauschen.

Doch was genau ist ein Skinhead, was zeichnet ihn aus? Was hat ihn zu dem gemacht was er heute ist? Welche Rolle spielen dabei Faktoren wie familiäre Erziehung oder Gesellschaftsstrukturen? Wie kann man dem Phänomen des Rechtsradikalismus erfolgreich entgegenwirken?

Genau diese Fragestellungen sollen der Schwerpunkt dieser vorliegenden Hausarbeit sein, nämlich ob und gegebenenfalls in welcher Weise Prozesse wie Erziehung, Bildung und Sozialisation das Denken der Subkultur der Skinheads beeinflussen.

Zunächst werde ich ein Portrait der rechtsradikalen Jugendszene erstellen, das das Aussehen, die Musik, ihre Meinung und ihre geschichtliche Entstehungsgeschichte beinhalten und erklären wird, um aufzuschlüsseln und klar festzulegen, mit welcher Subkultur sich diese Arbeit beschäftigt.

Danach folgt die Auseinandersetzung mit den Erziehungs-, Bildungs- und Sozialisationsprozessen, wobei ich diese erst kurz definieren werde um danach die Zusammenhänge zwischen den Prozessen und dem Verhalten der Skinheads besser erläutern zu können. Hierbei lege ich besonderen Wert auf die Instanzen Familie und Peergroup.

Im Folgenden werde ich einen Ausblick auf Lösungsvorschläge geben, die einen Ausweg aus dem rechten Gedankengut ermöglichen sollen, wobei Begriffe wie Minderwertigkeitsgefühle, familiäre Geborgenheit und historisch wahre Betrachtung eine besondere Rolle spielen.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung der oben genannten Problemfragen und letzte Überlegungen zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus mit Ausblick auf die Zukunft.

2. Der typische Skinhead

Wenn man den Begriff Skinhead hört, hat jeder Mensch ein spezielles Bild im Kopf – die meisten assoziieren kahlköpfige, tätowierte Männer, die ihre Brutalität mit stolz geschwellter Brust zur Schau stellen. Im Folgenden soll nun geklärt werden, wie und warum diese Selbstinszenierung verläuft, mit Schwerpunkt auf Aussehen, Musik und Meinung. Doch um das zu verstehen, sollte die geschichtliche Entwicklung der Skinheads klar sein.

2.1 Geschichtliche Entwicklung

Die ersten Skinheads tauchten Ende der sechziger Jahre in Großbritannien auf, Jugendliche aus dem einfachen Arbeitermilieu, die ihren Trotz und ihre Rebellion zur Schau stellen wollten. So wurden aus Protesten Randale, eine weitaus effektivere Methode die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zu lenken. Zudem herrschte in Großbritannien eine Zeit, die über besonders ausgeprägten Fremdenhass verfügte. Eine Rede Enoch Powells, britischer Politiker, heizte die Stimmung und anderem noch mehr auf, als er sich sich gegen ein Gesetz für Einwanderer aussprach und diese als Ströme von Blut, die das Land zu überfluten drohen, bezeichnete.[2]

Die Einstellung der Skinheads war ursprünglich zwar voller Hass aber nicht rechtsradikal. Dies wurde sie erst, nachdem rechtsradikale Organisationen wie die „National Front“ einen so starken Einfluss ausübten, dass der Hass der Skinheads in ideologisierte Bahnen gelenkt wurde und ihnen damit neuen Mut zur Veränderung gab. Die meisten neuen Mitglieder der Subkultur schlossen sich nur aus Liebe zur Gewalt den Skinheads an, die eigentlichen Anfänge der Bewegung mit Liebe zur schwarzen Reggae-Musik, gerieten in Vergessenheit und sind mit den neuen Einstellungen nicht mehr vereinbar.

Natürlich gibt es auch weiterhin Skinheads, die nichts mit dem rechtsradikalen Gedankengut zu tun haben: „Ein echter Skinhead tanzt nach wie vor zu Ska und Reggae und verprügelt keine Ausländer.“[3] Doch diese Arbeit beschäftigt sich mit dem weitaus größeren Teil der Szene, den rechtsorientierten Skins.

Diese schafften es schließlich auch nach Deutschland: „Prinzipiell kann man sagen, daß die Skinheads in Deutschland […] lediglich die Bewegung aus Großbritannien übernommen haben, quasi ohne eigene Entstehungsgeschichte und daher ohne Wurzeln.“[4] So entstand das Bild des typisch deutschen Skinheads, das sich wie folgt beschreiben lässt.

2.2 Aussehen

Der Begriff Skinhead leitet sich von den englischen Wörtern „skin“ für Haut und „head“ für Kopf ab. Dieser Name kam zustande, da die ersten männlichen Szenemitglieder ihre Haare so kurz schoren, dass die Kopfhaut hindurch schimmerte. Heute hat sich jedoch zum größten Teil die polierte Glatze durchgesetzt. Die Frauen tragen oftmals einen sogenannten „feathercut“[5], eine Frisur, bei der Ober-und Hinterkopf im Gegensatz zu Pony und Nackenhaaren rasiert werden. Doch außer der Frisur gibt es noch weitere Merkmale, die auf einen Rechtsradikalen schließen lassen.

Da wäre zum Beispiel die Kleidung: Hemden rechtsradikaler Marken oder T-Shirts mit Aufdrucken rechtsradikaler Bands, Bomberjacken die Kampfbereitschaft vermitteln und zumeist etwas hochgekrempelte Jeans, damit die schweren Stiefel mit Stahlkappen gut sichtbar sind, welche einen sicheren Tritt bei Straßenkämpfen gewährleisten. Dazu kommen typischerweise noch Aufnäher oder Buttons mit Parolen wie „Rotfront verrecke“[6] oder „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, damit jeder ihre Meinung auf Anhieb entdeckt.

Auch Tattoos sind ein beliebtes Mittel die eigene Meinung nach außen zu tragen und die Treue zur Szene für immer zu halten. Dabei sind Motive wie Totenköpfe, Bulldoggen und Flaggen die Regel, aber auch nationalsozialistische Symbole, Keltenkreuze und Namen von bekannten Bands wie Skrewdriver mit Frontmann Ian Stuart sind keine Ausnahme.[7]

Gleichgesinnte erkennen sich, andere Menschen werden abgeschreckt und eingeschüchtert.

2.3 Musik

Das Medium Musik ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil es sich schnell verbreiten lässt. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen in die CDs die sie auf dem Pausenhof in der Schule bekommen „einfach mal reinhören“ sollen.

Bands wie beispielsweise Störkraft, Landser, Böhse Onkelz (die sich schließlich Ende der neunziger Jahre vom Rechtsextremismus distanzierte) oder Radikahl sind es, die die Ska- und Reggaemusik immer mehr in Vergessenheit geraten lassen. Sie entdeckten wie gut Musik als Träger politischer Botschaften fungiert und versuchen neue Mitglieder, meist Jugendliche in der Pubertät, die sich gerade in ihrer Findungsphase befinden, mit Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ zu ködern.

„In ihren Texten handelt es von der Verachtung und Vertreibung des Ausländers aus ihrem Heimatland. Viele von ihnen sprechen sich für die Zeit des Dritten Reiches aus und verehren Adolf Hitler.“[8] Hier ein Auszug der Band Volkszorn aus ihrem Hetzlied „Stolz“:

„Stiefel gegen Fresse knallen,

Stiefel gegen Leiber knallen!

Blut, das auf die Straße spritzt,

Bilder, die man nie vergisst!

Tausend kleine Punker schlagen,

tausend kleine Türken jagen,

das ist das was mir gefällt,

das ist das was uns erhält!“[9]

Dieser Ausschnitt ist im Gegensatz zu anderen Liedern, die nicht ohne Grund im Internet und anderen Quellen verboten und zensiert werden, noch einer der harmloseren Texte. Doch selbst hier fällt die unheimliche Brutalität und Rücksichtslosigkeit auf, sodass man sich auf Anhieb folgende Fragen stellen muss: Woher kommt dieser Hass auf Ausländer? Gibt es noch mehr Gruppierungen die als Zielobjekt der Aggressionen herhalten müssen? Diesen Fragen sollen Gegenstand des nächsten Abschnitts sein, um zu klären gegen wen sich diese Feindseligkeit richtet.

[...]


[1] Online-Community für Studenten

[2] vgl. El-Nawab (2001, 20 f.).

[3] vgl. El-Nawab (2001, 23).

[4] vgl. El-Nawab (2001, 22).

[5] deutsch: „Federschnitt“, da die längeren Haare eine Art Federkranz ums Gesicht bilden

[6] steht für den Roten Frontkämpferbund, den die Nazis mit Gewalt beseitigen wollten

[7] vgl. El-Nawab (2001, 74).

[8] Behr (2007, 55 f.).

[9] www.moja.at/html/alltag-rassismus/downloads/Hetze%20mit %20Musik.pdf, siehe Literaturverzeichnis

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640733699
ISBN (Buch)
9783640734337
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160310
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Subkultur Skinheads Erziehungsprozesse Bildungsprozesse Sozialisationsprozesse

Autor

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Titel: Subkultur Skinheads