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Vom Begriff der Resilienz in der Pädagogik

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist Resilienz?
1.1 Definitionsmöglichkeiten
1.2 Resilienzforschung
1.3 Der Erwerb von Resilienz

2. Konzepte und Modelle aus der Resiilienzforschung
2.1 Schutz- und Risikofaktorenkonzepte
2.2 Kompensationsmodell
2.3 Herausforderungsmodell
2.4 Interaktionsmodell
2.5 Kumulationsmodell

3. Pädagogische Maßnahmen zur Förderung von Resilienz
3.1 Resilienzfördernde Orientierung der Eltern
3.2 Resilienzentwicklung im Kontext Schule
3.3 Prävention und Resilienz

4. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Vortrag und die aktuelle Diskussion um das Thema Resilienz bilden die Grundlage für die folgende Seminararbeit, die darlegen soll, inwieweit pädagogische Maßnahmen im Kindesalter zur Förderung von Resilienz beitragen können. Hierzu wird im ersten Kapitel ein Überblick über die Wortherkunft und Definitionsmöglichkeiten gegeben, es wird der aktuelle Forschungsstand vorgestellt sowie Möglichkeiten des Erwerbs der Fähigkeit zur Resilienz aufgezeigt. Im zweiten Kapitel werden die verschiedenen Resilienzmodelle dargestellt, um dann im dritten Kapitel die gewonnenen Erkenntnisse in pädagogische Maßnahmen für Eltern, Schule und Prävention zu überführen. Im Fazit soll abschließend geklärt werden, welchen Beitrag das Konzept der Resilienz tatsächlich zur gesunden Entwicklung und Widerstandskraft eines Kindes gegenüber belastenden Lebensumständen und Krisen im Leben leisten kann.

1. Was ist Resilienz?

1.1 Definitionsmöglichkeiten

Der Begriff Resilienz leitet sich vom lateinischen Verb „resilire“ ab, was mit „zurückspringen“ oder abprallen zu übersetzen ist. Im Englischen bedeutet das Wort „resilience“ sowohl Belastbarkeit, Widerstandskraft als auch Elastizität. In der sozialwissenschaftlichen Fachsprache beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Individuums, sich trotz belastender Lebensumstände oder Situationen psychisch gesund zu entwickeln. Definitionsmöglichkeiten lieferten unter anderem Rutter (1990), Bender/Lösel (1998) und Welter-Enderlein (2006), die Resilienz entweder unter externalen oder internalen Kriterien beschrieben haben[1], d.h. „Resilienz wird anhand von Anpassungsleistungen an die soziale Umwelt verstanden, oder es werden explizit die inneren Befindlichkeiten mit berücksichtigt.“[2] Cornelia Wustmann hingegen bezieht in ihrer Definition sowohl externale als auch internale Kriterien mit in den Maßstab ein und schuf so die in deutschen Fachkreisen anerkannte Definition des Begriffes Resilienz als

psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“.[3]

Resilienz ist keine Persönlichkeitseigenschaft, die genetisch festgelegt ist. Sie ist viel mehr als Fähigkeit zu betrachten, die nicht zwangsläufig stabil, sondern meist situationsspezifisch ist. Eine Person kann zu einem Zeitpunkt resilient sein und in einer anderen Situation dagegen Schwierigkeiten haben mit Problemen umzugehen.[4] Resilienz entwickelt sich vor allem im Kindesalter durch Interaktionsprozesse zwischen dem Individuum und seiner Umwelt. Im Laufe des Lebens kann sich die Widerstandsfähigkeit durch weitere Erfahrungen in Krisensituationen verändern.

Dabei geht die Resilienzforschung davon aus, dass zwei Bedingungen vorliegen:

1. Es besteht eine Risikosituation
2. Das Individuum bewältigt diese positiv.[5]

Risikosituationen können der Tod einer nahe stehenden Bezugsperson, die Trennung der Eltern, Aufwachsen in Armut, etc. sein. Bei erfolgreicher Bewältigung bildet sich beim Kind die Fähigkeit aus, in einer erneuten Krise mit gesunder Widerstandskraft Probleme zu bewältigen. Faktoren, die dem Kind dabei helfen resilient zu werden, können situationsspezifisch beispielsweise eine stabile und emotionale Unterstützung im sozialen Umfeld sein.

Hierin liegt nun die Chance der Pädagogik, positiv auf den Entwicklungsprozess von Kindern einzuwirken, nicht nur bei der Auflösung von Risikosituationen Hilfestellung zu geben, sondern bereits im Vorfeld „ressourcen- und bewältigungsorientierte Kompetenzen bei Kindern frühzeitig und gezielt zu unterstützen“.[6]

1.2 Resilienzforschung

Die Anfänge der Resilienzforschung liegen in den 1970er Jahren und muss in direktem Zusammenhang mit einem Paradigmenwechsel in den Human- und Sozialwissenschaften in dieser Zeit gesehen werden, der den Blick von einem krankheits- und defizitorientierten Modell auf ein gesundheitsförderndes- und ressourcenorientiertes Modell richtete. Dies wurde vor allem eingeleitet durch die Studien des israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky, der in den 1970er Jahren den Begriff der Salutogenese prägte. Es handelt sich hierbei um ein medizinisches Präventionskonzept, welches entgegen dem vorherrschenden Prinzip der Pathogenese davon ausgeht, dass Gesundheit durch Maßnahmen erhalten und gefördert werden kann, um Krankheiten vorzubeugen und nicht erst bei Bestehen einer Krankheit einzuschreiten.

Die Resilienzforschung legt wie die Salutogenese Ihren Schwerpunkt „auf die Ressourcen und Schutzfaktoren von Menschen und fragt danach, was Menschen hilft, schwierige Bedingungen erfolgreich zu bewältigen“[7], ist jedoch stärker auf den Prozess der positiven Anpassung und Bewältigung fokussiert und methodenorientierter.[8]

Ende der 1970er Jahre entwickelte sich dann in Großbritannien und den USA eine systematische Resilienzforschung aus der Entwicklungspsychopathologie, in den späten 1980er Jahren schloss sich auch Deutschland mit mehreren Studien an. Die bekannteste und älteste Studie[9] zur Resilienz wurde von der Amerikanerin Emmy E. Werner initiiert, die auf der hawaiianischen Insel Kauai den gesamten Geburtsjahrgang 1955 in einer entwicklungspsychologischen Längsschnittstudie über mehrere Jahrzehnte hinweg begleitete. Werner untersuchte gemeinsam mit Kinderärzten, Psychologen und Mitarbeitern der Gesundheits- und Sozialdienste 689 asiatische und polynesische Kinder[10]. Ein Drittel dieser Untersuchungsgruppe lebte mit einer „hohen Risikobelastung, wie z.B. chronischer Armut, psychischen Erkrankungen der Eltern oder familiärer Disharmonie.“[11] Die Forscher beobachteten diese Personen im Alter von 1,2,10,18,32 und 40 Jahren und stellten fest:

„Zwei Drittel dieser Kinder, die im Alter von zwei Jahren schon vier oder mehr Risikofaktoren ausgesetzt waren, entwickelten dann auch schwere Lern- und Verhaltensprobleme in der Schulzeit, wurden straffällig und hatten psychische Probleme in der späten Jugend.

Auf der anderen Seite entwickelte sich ein Drittel dieser Kinder trotz der erheblichen Risiken, denen sie ausgesetzt waren, zu leistungsfähigen, zuversichtlichen und fürsorglichen Erwachsenen. Im Alter von 40 Jahren gibt es in dieser Population im Vergleich mit der normalen Altersgruppe die niedrigste Rate an Todesfällen, chronischen Gesundheitsproblemen und Scheidungen.“[12]

Bei dieser Personengruppe kann von der Fähigkeit zur Resilienz gesprochen werden. Es konnten verschiedene protektive oder schützende Faktoren festgestellt werden, „wie z.B. eine emotionale Bezugsperson, einen stabilen Familienzusammenhalt, hohe Sozialkompetenzen und positive Selbstwirksamkeitserwartungen.“[13]

Auch in Deutschland wurden Studien zur Resilienz durchgeführt. Die bekanntesten sind die Mannheimer Risikokinderstudie von Laucht et al. von 1999[14] und die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie von Lösel et al. aus dem Jahr 1990[15]. Beide Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen wie die von Emmy Werner: Die Kinder bzw. Jugendlichen, die als resilient eingestuft wurden, hatten Schutzfaktoren, die ihre Entwicklung positiv verlaufen ließ, wie z.B. ein positives Selbstwertgefühl oder ein stabiles soziales Umfeld.

Seit Beginn der Resilienzforschung wurden in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland 19 Längsschnittstudien durchgeführt[16], die zeigen, dass die Fähigkeit zur Resilienz kulturübergreifend existiert und an bestimmte Risiko- und Schutzfaktoren geknüpft ist.

[...]


[1] Vgl. FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.9

[2] Ebd.

[3] WUSTMANN, Corinna: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Beltz Verlag, Weinheim 2004, S.18

[4] FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.10

[5] Vgl. FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.10

[6] Ebd. S.12

[7] FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.13

[8] Vgl. ebd. S. 14

[9] Vgl. WUSTMANN, Corinna: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Beltz Verlag, Weinheim 2004, S.87

[10] Vgl. LOTH, Franziska: Das Konzept der Resilienz, Grin Verlag, Oktober 2008, S.11

[11] FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.14

[12] WERNER, Emmy: Entwicklung zwischen Risiko und Resilienz in OPP, Günther, FINGERLE, Michael (Hrsg.): Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2008, S.21

[13] FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.16

[14] Vgl. WUSTMANN, Corinna: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Beltz Verlag, Weinheim 2004, S.89

[15] Vgl. ebd. S.92

[16] FRÖHLICH-GILDHOFF, Klaus, RÖNNAU-BÖSE, Maike: Resilienz, Ernst Reinhardt Verlag, München 2009, S.14

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640733774
ISBN (Buch)
9783640735488
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160322
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Allgemeine Pädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Begriff Resilienz Pädagogik

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