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Suizid bei älteren Menschen

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition

3. Suizid im Alter
3.2. Das präsuizidale Syndrom nach Erwin Ringel
3.2.1. Die Einengung
3.2.2. Die gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression
3.2.3. Die Selbstmordphantasien
3.3. Risikofaktoren
3.4. Hilfe aus dem sozialen Umfeld

4. Psychotherapeutische Aspekte

5. Schlusswort

6. Literatur

1. Einleitung

Suizidalität ist ein Phänomen, welches vor allem auch die ältere Generation betrifft. Ältere Menschen werden mit vielerlei Veränderungen konfrontiert. Zum einen sind dies körperliche Veränderungen.

Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen zeigen sich in chronischen Erkrankungen, sensorischen und motorischen Einschränkungen und hirnorganischen Leiden.

Die ältere Generation muss damit umgehen lernen, dass viele frühere Aktivitäten nach und nach eingeschränkt werden. Neben kognitiven Verlusten spielen aber auch der Verlust nahestehender Personen, die dadurch zunehmende Vereinsamung der alten Menschen und die Pensionierung eine entscheidende Rolle.

Gleichzeitig hat das Alter aber auch etliche Gewinne zu verzeichnen. Alte Menschen verfügen über eine große Reife, ein enormes Lebenswissen und eine nicht zu unterschätzende Weisheit (vgl. Maerker 2002, S.5ff).

Trotzdem steigt die Anzahl der Suizide und Suizidversuche im Alter. Mit zunehmendem Alter sinkt aber gleichzeitig der appelative Aspekt von Selbstmordversuchen. Meist handelt es sich hier tatsächlich nur um missglückte Versuche, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Ältere Menschen verwenden, im Gegensatz zu jüngeren Suizidenten, „harte“ Suizidmethoden, bei welchen eine Umentscheidung in letzter Minute und die rechtzeitige Auffindung des/ der Betreffenden kaum möglich sind (vgl. Teising 1992, S.26ff).

Dem biopsychosozialen Modell des Alterssuizids zufolge schafft es der alte Mensch nicht, sich mit den biologischen, sozialen und psychologischen Faktoren auseinanderzusetzen und die nachlassende körperliche Leistung zu akzeptieren. Hinzu kommen nicht selten depressive Erkrankungen, Suchtverhalten und eine „narzisstische Krise“. Dies führt letzlich zur absoluten Selbstaufgabe und schließlich zum Selbstmord. Trotzdem bleibt der Alterssuizid multifaktoriell, wie in den folgenden Kapiteln deutlich wird (vgl. Schütz/ Wetzel/ Kleiber 2008, S.2f).

Meine Arbeit soll Aufschluss über mögliche Ursachen, Motive und Risikofaktoren geben, die einen alten Menschen dazu veranlassen sich frühzeitig das Leben zunehmen. Auch die Rolle des sozialen Umfeldes soll hierbei näher betrachtet werden.

Abschließend möchte ich kurz die Möglichkeiten einer psychotherapeutischen Behandlung bei alten Suizidenten darstellen.

2. Begriffsdefinition

Der Begriff „Suizid“ stammt vom lateinischen „sui cadere“ und bedeutet so viel, wie „sich selbst töten“. Mit dem deutschen Begriff Selbstmord wird der geplante grausame Mord an sich selbst verbunden. Der Begriff birgt etwas Zerstörerisches.

Freud ist der Ansicht, dass der Selbstmörder eigentlich jemand anderen töten wollte und seine Aggressionen aber schließlich gegen sich selbst wendet. Die Angehörigen spüren, dass ein Teil von ihnen mitgetötet wurde (vgl. Teising 1992, S.10).

Im Gegensatz zum Begriffsverständnis von Suizid oder Selbstmord stellt der Freitod die persönliche, freie Entscheidung eines Menschen dar, sterben zu wollen. Diese Freiheit bleibt z.°B. den Tieren versagt.

Der Mensch hat die Freiheit den Zeitpunkt, den Ort und die Art seines Todes selbst zu wählen. Dahinter verbirgt sich der Wunsch, sich von den Qualen des Lebens, von Schmerzen und Zwängen zu befreien. Diese Entscheidung kann dem Menschen niemand nehmen. So lässt sich der Begriff Freitod mit Autonomie und Selbstbestimmung verbinden. Aus Gesprächen mit Menschen in suizidalen Krisen weiß man, dass sie sich Ruhe und Schmerzfreiheit wünschen (vgl. Teising 1992, S.10ff).

Zahlen über Suizide und Suizidversuche sind meist nur ungenaue Annäherungen an die Wirklichkeit. Die Dunkelziffern sind meist um einiges höher. Man kann schwer abschätzen, wie viele Verkehrsunfälle dem Selbstmord dienen sollten. Schwer erfassbar sind auch das absichtliche Absetzen lebensnotwendiger Medikamente, die Verwegerung von Nahrung, Drogen- und Medikamentenmissbrauch und Ähnliches.

Häufig werden „weiche“ Suizidmethoden, wie Medikamentenvergiftung im Gegensatz zu harten Methoden, wie Erhängen, nicht erfasst (vgl. Teising 2002, S.25f).

2006 begingen in Österreich 1293 Personen Selbstmord. Ein Viertel davon waren Männer. Damit sterben beinahe doppelt so viele Personen durch die eigene Hand als bei Verkehrsunfällen (vgl. http://www.statistik.at).

3. Suizid im Alter

3.2. Das präsuizidale Syndrom nach Erwin Ringel

Der Psychiater Erwin Ringel begreift den Suizid als Krankheitssymptom. Unter dem Phänomen des präsuizidalen Syndroms versteht er eine psychopathologische Entwicklung, welche schließlich im Selbstmord endet. Mithilfe der Darstellung dieser Symptome lassen sich suizidgefährdete Personen erkennen.

Das präsuizidale Syndrom lässt sich in 3 Bereiche gliedern welche in den folgenden Abschnitten kurz beschrieben werden sollen:

- Die Einengung
- Die gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression
- Die Selbstmordphantasien (vgl. Teising 1992, S.57f).

3.2.1. Die Einengung

Hierbei differenziert Ringel zwischen der situativen und der dynamischen Einengung sowie der Einengung der „Wertewelt“ und der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Menschen, die sich situativ eingeengt fühlen, fühlen sich von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt. Ihnen fehlen funktionale Handlungsmöglichkeiten. Als letzten Ausweg sehen sie den Suizid, allerdings reicht dieser einzelne Faktor nicht aus, sie zur tatsächlichen Durchführung des Selbstmords zu bewegen. Vor allem alte Menschen werden häufig durch äußere Faktoren, wie niedrige Renten sowie Einschränkungen des Bewegungsapparates und der Sinnesorgane eingeengt.

Unter der dynamischen Einengung versteht Ringel die Verzerrung der Lebensumstände und den allmähliche Interessensverlust des Menschen. Diese Menschen zeichnen sich durch negative Gedankengänge und zwanghaftes Grübeln aus. Sie sind häufig sehr unruhig und weisen kurz vor dem Selbstmord eine unheimliche innere Ruhe auf. Für alte Menschen ist hier das Selbstwertgefühl ausschlaggebend – Haben sie das Gefühl, dass sie noch eine Aufgabe in diesem Leben haben, dass es Menschen gibt, die sie brauchen oder fühlen sie sich wertlos, unnütz und ausgegrenzt?

Bei der wertemäßigen Einengung kommt es zur Entwertung von vorher wichtig empfundenen Aktivitäten und Personen, bis hin zur absoluten Entwertung des eigenen Lebens. Besonders betroffen sind Außenseiter der Gesellschaft, wie Substanzabhängige, Angehörige fremder Kulturen, Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber auch alte Menschen. Sie finden ihren Platz in dieser Gesellschaft nicht und hegen Zweifel, ob ihre Anwesenheit überhaupt erwünscht ist.

Nicht zuletzt spielt die Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen eine entscheidende Rolle. Alte Menschen verlieren immer häufiger Freunde, Verwandte, Partner oder Nachbarn durch Tod. Sie klammern sich an die verbleibenden Bezugspersonen, welche sich dadurch aber vielleicht zunehmend zurückziehen. Durch diese Frustration fühlt sich der alte Mensch mehr und mehr wertlos und isoliert. Alten Menschen fällt es schwer die verlorenen Kontakte durch neue zu ersetzen (vgl. Teising 1992, S.58ff).

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640738304
ISBN (Buch)
9783640738601
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160600
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Schlagworte
Suizid Menschen Alter

Autor

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Titel: Suizid bei älteren Menschen