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Paul Klee und seine Lehrtätigkeit am Bauhaus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 32 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Paul Klee - eine Kurzbiographie

II. Paul Klee - Seine Art zu Malen
2.1 Die Rolle des Künstlers und die Funktion der Kunst für Paul Klee
2.2 Zentrale Aspekte der Kunst Klees
2.2.1 Kunst und Natur
2.2.2 Bewegung
2.2.3 Intuition und Intellekt
2.3 Bilder der Bauhauszeit
2.3.1 Farbstufungen
2.3.2 Quadratbilder
2.3.3 Pfeilbilder
2.4 Exemplarische Bildanalyse zu Klees Werk „Fischzauber“, 1925

III. Das Bauhaus
3.1 Die Entstehung des Bauhaus
3.2 Das Programm
3.3 Die Ausbildung

IV. Paul Klees Lehrtätigkeit am Bauhaus
4.1 Kunstdidaktik am Bauhaus: „Elementare Gestaltungslehre“ bei Paul Klee 1921-1931
4.2 Formenlehre bei Paul Klee
4.2 Farbenlehre bei Paul Klee

V. Kunstdidaktik heute

VI. Literatur

I. Paul Klee - eine Kurzbiographie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Paul Klee wurde am 18. Dezember 1879 im schweizerischen Münchenbuchsee als Sohn einer schweizerischen Sängerin und einem deutschen Musiklehrer geboren; die Kinder- und Jugendjahre verbrachte Klee jedoch mit seiner Familie in Bern. 1898 nahm er ein Malstudium in München auf und arbeitete in der Akademie von Franz von Stuck. In den Jahren 1901 und 1902 reiste Klee zusammen mit Hermann Haller nach Italien und wohnte in den darauf folgenden Jahren, abgesehen von einer Reise 1905 nach Paris, in Bern. 1906 heiratete Klee Lily Stumpf und übersiedelte mit ihr zusammen nach München, woraufhin ein Jahr später sein Sohn Felix geboren wurde. Die erste Ausstellung Klees fand 1910 im Berner Kunstmuseum, in Zürich, in Winterthur und in Basel statt. 1911 machte er die Bekanntschaft von Kandinsky, Macke, Marc und Kubin sowie die der übrigen Mitglieder des „Blauen Reiters“, so dass er im darauf folgenden Jahr an der zweiten Ausstellung des „Blauen Reiters“ teilnahm. Insbesondere die Tunesienreise, die Klee 1914 mit Macke und Moilliet unternahm, hatte großen Einfluss auf seine Malerei; er entdeckte die Farbe als Möglichkeit und Notwendigkeit und setzte sich außerdem mit dem Kubismus auseinander. Er forschte nach der Essenz der materiellen Welt, studierte ihre verborgene Struktur, untersuchte organische Strukturen unter dem Mikroskop und beschäftigte sich mit jenen Aspekten der Natur, die bisher noch nie Gegenstand der Malerei gewesen waren. In den Jahren 1916-18 diente er beim Militär. 1920 wurde er durch Walter Gropius als Lehrer an das Bauhaus in Weimar berufen, wo er zunächst als Formmeister, dann in einer Malklasse unterrichtet. Hier, und später auch am Dessauer Bauhaus, lehrte er bis 1931, während er 1924 mit Kandinsky, Feininger und Jawlensky die Gruppe „Die blauen Vier“ gründete. An der Düsseldorfer Kunstakademie erhielt er 1931 einen Lehrauftrag, wurde jedoch 1933 durch die neuen nationalsozialistischen Machthaber entlassen und siedelte nach Bern über. In Bern erhielt er Besuche von Picasso, Braque und Kirchner. Im Jahre 1940, am 29. Juni, verstarb Klee bei Locarno am Lago Maggiore.

II. Paul Klee - Seine Art zu Malen

Als Paul Klee 1879 geboren wurde, befand sich der Impressionismus auf seinem Höhepunkt. Erste Vorläufer der Moderne stellten ihre Werke aus. Im Alter von sechs Jahren begann er, unter Anleitung seiner Großmutter, mit Pastellkreiden zu zeichnen: seine erste Begegnung mit Farben, von denen er später wieder Abstand nehmen sollte. Denn er konzentrierte sich nach dem Schulabschluss zunächst auf satirische Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Den dort erkennbaren Stil behielt er bis etwas 1913, doch auch spätere Werke Klees sind davon geprägt. Mit treffsicheren Strichen verzerrte er die Figuren - zum Teil bis zur Unkenntlichkeit. In seinen Bildern liegt ein Ausdruck von Pessimismus, Angst und Trostlosigkeit, was sein „Diagramm der Erlösung“ (1934), „Trotzige Wehr“ (1935) und „Wachsende Waffen“ (1935) veranschaulichen.

Ein weiteres stilistisches Mittel ist die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit: Klee ließ Pflanzliches mit Tierischem verschmelzen. Glieder werden zu ästen und umgekehrt, Finger verwandeln sich in Knospen und umgekehrt. Diese surrealistischen Metamorphosen sind zum Beispiel in der Kreidezeichnung „Hinabgestoßen“ (1939) oder in dem Bild „Frau im Liegestuhl“ (1911) zu erkennen.

Klee suchte nach den Uranfängen der Kunst, wollte den absoluten Nullpunkt erreichen und gleichzeitig den totalen Ausdruck in seinen Werken schaffen. „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, so hatte er sein Schaffen einmal zu erläutern versucht. Er wollte wohl damit ausdrücken, dass der Ausdruck/die Bedeutung eines Bildes und nicht die Bildgegenstände im Vordergrund stehen müssen. Doch nicht nur diese Ansicht Klees war neu, auch seine Experimentierfreude unterschied ihn von anderen Künstlern. Klee malte mit Öl sowohl auf gewöhnliche Leinwand aus Leinen, als auch auf Nesselstoff und Schirtig, den er zuvor mit Gips und Kreide grundierte. Er fertigte Tempera -Zeichnungen und Aquarelle an, benutzte als Untergrund für Zeichnungen nicht nur Pappe, sondern auch Holztafeln und verwendete Papiere unterschiedlicher Körnung. Außerdem kombinierte er verschiedene Malutensilien wie zum Beispiel Kreide und Wasserfarbe, Kreide und Bleistift, Öl und Tempera, Öl und Aquarell, sowie Aquarellfarben und Wachsstifte. Bildbeispiele hierfür sind u.a. „Der Seefahrer“ (1923), „Zimmerperspektive mit Einwohner“ (1921) und „Pflanze mit Fenster“ (1927).

Klee erzielte ungewohnte Effekte, indem er seine Bilder wusch, schliff oder bürstete. Farbe trug er teilweise mit einem Zerstäuber auf, um eine neuartige Wirkung zu erzielen und Plastizität zu unterstreichen. Ähnlich wie schon Vincent van Gogh verfälschte und verschob Klee die Perspektive in seinen Bildern indem er mehrere Fluchtpunkte konstruierte. Weitere Parallelen gibt es zu den Impressionisten Henri Matisse („Gartenszene“ von 1905) und Paul Cézanne, sowie zu Delaunay und Seurat - obwohl ihm die beiden letzt Genannten gar nicht bekannt waren.

2.1 Die Rolle des Künstlers und die Funktion der Kunst für Paul Klee

Für Klee ist die Kunst ein Instrument zur Sichtbarmachung einer anderen, der irdischen Realität. Kunst gibt für Klee nicht das Sichtbare wieder, sie macht vielmehr sichtbar. Sie stellt mit ihren Mitteln der sichtbaren Welt eine unsichtbare Wirklichkeit entgegen, um auf Begrenztheit des Irischen hinzuweisen. Kunst ist also nicht Mimesis der irdischen Realität, sondern ist Schöpfung einer neuen transzendalen Ordnung. Die Kunstwerke stehen in Opposition zur gegebenen Realität. Sie sollen als Mittel dazu dienen, den Geist zu testen, damit er sieht, dass es für ihn nicht nur die eine Möglichkeit des Irdischen gibt.

2.2 Zentrale Aspekte der Kunst Klees:

2.2.1 Kunst und Natur

Klee sieht die Kunst als Schöpfungsgleichnis. Deswegen spiegelt sie auch nicht eine Vorbild-Abbild-Beziehung wieder, sondern bezeichnet etwas Homologe. Natur und Kunst besitzen die gleiche Basis, sie entsprechen sich hinsichtlich ihrer Genesis. Klee studierte die Natur und ihre Gesetze, durch die er die Grundausbildung zur Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten der Kunst erfassen konnte. Für ihn ist der Künstler selbst Natur in einem Raum Natur, dessen Aufgabe es ist, Eindrücke sichtbar zu machen. Der Künstler und der ihm entgegentretende Gegenstand sind beide Teil der irdischen Schöpfung und zugleich mit dem Kosmos verbunden, was den Künstler befähigt, eine Synthese von äußerem Sehen und innerem Schauen zu erkennen. Als eines der wichtigsten Mittel in der Kunst für Klee ist die Reduktion. Denn die Reduktion als bildnerisches Mittel bietet für Klee die Möglichkeit, zu den Menschen unmittelbar und deutlicher sprechen zu können.

2.2.2 Bewegung

Für Klee ist die Bewegung ein zentrales bildnerisches Grundgesetz. Klee versteht die Kunst als zeitlichen Vorgang, denn der Malakt impliziert nicht nur die physische Bewegung des Künstlers, sondern die Spuren des Malers legen im fertigen Bild Zeugnis über den Entstehungsprozess des Kunstwerkes - seine Genesis - ab. Auch hier wird wieder die Idee von Kunst als Schöpfungsgleichnis aufgefasst. Für Klee vollzieht sich die Entstehung von Kunst und Natur analog. Er zieht die Entstehungsprozesse in der Natur gewissermaßen als Verfahrensregeln für die Bildgenesis heran. Hierbei darf man allerdings Bewegung nicht als Ausdrucksbewegungen des Pinsels sehen, sondern als bildnerische Aktivität, die die Passivität der Umgebung voraussetzt.

Die Genesis des Kunstwerkes stellt einen dualistischen Prozess dar: er charakterisiert ein Mit- und Gegeneinander von Geist und Malerei, wobei der Geist der initiierender und formbestimmender Faktor, und die Malerei, vom Geist abhängig, der formbildende Faktor repräsentiert.

Für Klee ist die Bewegung ein übergreifendes, allgemeingültiges Existenzprinzip (wie bei Itten), dem alles Werden zugrunde liegt.

2.2.3 Intuition und Intellekt

Die Frage, die sich hier aufstellt ist die, ob es sich bei der Anwendung der Naturgesetze auf die Kunst um einen rational ablaufenden Prinzipientransfer von einem Bereich auf den anderen gibt, oder ob noch andere Komponenten existieren, die darauf Einfluss nehmen. Beim intensiven Erörtern dieser Frage wird ganz deutlich, dass die rationale Erkenntnis von den Gesetzmäßigkeiten und ihre intentionale Umgebung auf ein Bild die größte Bedeutung hat. (Klee war schon früh an der rationalen Durchdringung des Gesetzmäßigen interessiert). Aber: Zum Objektiven ( gleich dem Gesetzmäßigen) muss als eigentlich wesentlicher und entscheidender Faktor das subjektiv inspirierte, „jener Funken“, hinzukommen, der das Künstlerische ausmacht. „Funke“ soll hier mit den Begriffen „Inspiration / Intuition“ gleichstehen. Mit diesem „Funken“ geht Kunst über die Gesetzmäßigkeit hinaus.

2.3 Bilder der Bauhauszeit

Vor allem während seiner Zeit am Weimarer Bauhaus schienen bei Paul Klee eine Einheit von Künstlerischem und Pädagogischem stattzufinden. Im Folgenden sollen verschiedene Werkgruppen exemplarisch betrachtet werden:

2.3.1 Farbstufungen

Die Farbstufungen sind in direktem Zusammenhang mit Klees systematischer Beschäftigung mit der Farblehre zu sehen. Zu seinem Werk gehören kleinformatige Blätter, bei denen er auf die Lasurtechnik zurückgreift, und auf denen Klee die im Unterricht zu besprechenden Teilaktionen nacheinander ausführt.

Dieses „Zeit-Messverfahren“ macht die Genesis des Bildes (und nicht nur in geometrischen Abbildungen) prozessual erfahrbar. Auch in Aquarellen mit gegenständlichen Motiven (Bote des Herbstes) ist die Genesis zu erkennen.

2.3.2 Quadratbilder

Die „Quadratbilder“ von Klee entstanden fast gleichzeitig mit den „Farbstufungen“, tauchten aber auch noch im Spätwerk Klees auf. Klee knüpft hier an die Aquarelle seiner Tunesienreise an. Dazu beeindruckt von kubistischen und orphistischen Stilelementen, zergliedert er die Flächen in Quadratische und Rechteckige, wobei die Gegenstandsbezeichnungen auf knappste Formdeutungen beschränkt sind. Die Quadratbilder sind nicht die Anwendung seiner Theorie, sondern Mittel zur Erarbeitung derselbigen. In seinen Quadratbildern benutzt Klee ein formal anspruchsloses Quadratraster als neutrales Grundgerüst zur systematischen Exploration der Gesetzmäßigkeiten des Bildnerischen. Jedoch dient das Quadratschema nicht nur für Farbuntersuchungen sondern auch zur Demonstration formaler Probleme wie Bewegung, Rhythmus, Balance, Spiegelung, Proportion usw., deren Erträge in Klees Unterricht eingeflossen sind.

2.3.3 Pfeilbilder

Der Pfeil stellt in Klees Schaffen ein polyvalentes Symbol dar. Er ist Bewegungssymbol oder auch Hinweis auf einen Bewegungsvorgang, der auch manchmal die Farbabstufung unterstützt. In einigen Bildern steht der Pfeil auch als unabwendbares Schicksalszeichen, als Symbol magischer Kraftwirkung, als Eroberungssymbol (auch im erotischen Sinne).

2.4 Exemplarische Bildanalyse zu Klees Werk „Fischzauber“, 1925

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Paul Klees Berufung ans Bauhaus (1921) hatten sich die konstruktiven Tendenzen in seinem Werk verstärkt. Neben den abstrakten, auf rationaler Basis komponierten Arbeiten entstanden aber auch Bilder, die in einem Zwischenbereich von bildformaler Logik und phantastischer Traumwelt angesiedelt sind – zu ihnen gehört Fischzauber. Klee verstand den Traum als Urgrund der Schöpfung („man kann darum ein Bild auch einmal als Traum nehmen“, nicht immer genüge Logik, sagte Klee einst im Unterricht). Fische sind für ihn, mehr noch als Boote, zugleich Fließen und Zwischenreich. Niemand würde an ein Aquarium denken, denn aus dem Dunkel leuchtet das Zifferblatt einer Uhr, eingeschrieben in ein Anglernetz, dessen Fäden den Umriss eines Kirchturms bilden, und dies Linien sind auf eine Kulisse projiziert, die wie ein Bild im Bilde steht.

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Details

Seiten
32
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638210126
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16063
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg – Pädagogische Hochschule
Note
2,0
Schlagworte
Paul Klee Lehrtätigkeit Bauhaus

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Titel: Paul Klee und seine Lehrtätigkeit am Bauhaus