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Die Gründung von Alexandreia in Ägypten

Alexander der Große

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Der Feldzug nach Ägypten
2.1 Alexanders Motive für die Reise
2.2 Ägypter und Makedonen

3.Gründung der Stadt Alexandreia
3.1 Beweggründe von Alexander

4 Alexandreia in der Überlieferung
4.1Charakteristika der Stadt

5 Schlusswort

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Feldzug von Alexander dem Großen bis ans Ende der damals bekannten Welt ist geprägt von zahlreichen großen Taten des Makedonen. Hervorzuheben ist die von ihm praktizierte Städtegründung.

Alexander gründete bis zu seinem Tod in Babylon mehrere Alexandreia in verschiedenen eroberten Gebieten seines Reiches. Dabei stellt die Erbauung von Alexandreia in Ägypten die erste große Städtegründung auf seinem Weg durch den Orient dar. Bis heute existiert die immer wieder neu geformte und aufgebaute Stadt im Norden Ägyptens an der Mittelmeerküste. Schon immer übte diese großartige Stadt eine einzigartige Anziehungskraft auf die Menschen aus. Ein erhaltenes Schriftstück, nämlich ein Brief eines Jungen an seinen Vater, verdeutlicht dies:

"Das hast Du schön gemacht! Nicht mitgenommen hast Du mich mit Dir in die Stadt! Wenn Du mich nicht mit Dir nach Alexandria nimmst, dann werde ich Dich weder einen Brief schreiben noch spreche ich mit Dich, noch wünsche ich Dich Gesundheit! Wenn Du nach Alexandria gehst, nehme ich keine Hand von Dir und grüße Dich nie wieder! Wenn Du mich nicht mitnehmen willst, wird es so!"[1]

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Alexander gerade in Ägypten den Bau dieser Stadt in Auftrag gab? Weshalb verschwendete der Kriegsherr noch mehr Zeit dort, anstatt den persischen Großkönig Dareios III. weiter Richtung Osten zu jagen? Sah er in der Eroberung Ägyptens und der dortigen Niederlassung von Landsleuten eine Festigung des Mittelmeerraumes und hatte er Angst davor, den Ägyptern zu viel Autonomie zu überlassen, sodass diese einen neuen Nationalstaat gründen könnten? Es lassen sich vor allem ökonomische und militärische Gründe in Alexanders Entscheidung abzeichnen. Alexandreia lag an einem geographisch günstigen Punkt Ägyptens, direkt am Meer. Es sollte wohl nach der Zerstörung von Tyros wenige Monate vor dem Ägypteneinzug 331 v. Chr. das neue Handelszentrum zwischen der griechischen Staatenwelt und der Levante bilden.[2] Außerdem erschwerte die besondere Lage der Stadt eine mögliche Invasion von Angreifern.

Die Ausbreitung der griechischen Welt in andere Kulturräume, die Vernetzung der griechischen Kultur und die verstärkte Ausbildung von Kontaktzonen zu den besiegten Völkern waren zentrale Charakteristika der hellenistischen Zeit. Jedoch wurde sie unter Alexander in anderen Dimensionen betrieben wie zu späterer Zeit (siehe Massenhochzeit von Susa). In Alexandreia in Ägypten bildeten die Griechen und Makedonen als kleine, in sich geschlossene Gruppe der Fremdherrscher die gesellschaftliche Oberschicht. Die Bevölkerung vor Ort lebte von den Griechen separiert.

Der Forschungsstand über Alexander und seine Stadt ist beträchtlich, allerdings nicht immer wahrheitsgetreu und glaubwürdig. Die Stadt wurde wiederholt durch Naturkatastrophen zerstört und, wie oben genannt, immer wieder aufgebaut. Dadurch ist es für die Forschung mehr als schwierig, genaue Aussagen über den wahren und exakten Aufbau der Stadt zu geben. Diese Problematik sollte jedem historisch-interessierten Leser vor Augen sein, wenn er sich mit den Überlieferungen zu der Stadt beschäftigt.

Diese Arbeit befasst sich mit Alexanders Intentionen zu seinem Feldzug in Ägypten aber auch mit der Frage, wieso Alexandreia gerade dort erbaut wurde. Dabei werden primär wirtschaftliche und militärische Gründe aufgezeigt. Außerdem rücken die Schwierigkeiten bezüglich der Städtegründung in den Fokus. War Alexandreia in Ägypten überhaupt eine Stadt nach Vorbild der griechischen Polis oder nur ein Verwaltungszentrum, um Alexanders Machtanspruch zu konsolidieren? Spätere Städte ähnelten nämlich viel mehr griechischen und makedonischen Siedlungen, in denen Kriegsveteranen untergebracht wurden, nicht aber einer autonomen Polis.

Zu guter Letzt wird der Blick geweitet auf das Alexandreia zur Zeit der uns überlieferten Quellen von Diodor, Arrian und anderen antiken Geschichtsschreibern. Die Meisten schrieben ihre Alexandergeschichte einige hunderte Jahre nach dem Tod des großen Makedonen und es ist interessant, inwiefern sich die Stadt Alexandreia in dieser Zeit entwickelt hatte.

2. Der Feldzug nach Ägypten

Nachdem Alexander mit seinem Heer die Stadt Gáza belagerte und den Widerstand dort gebrochen hatte, ließ er, genau wie kurz zuvor in Tyros, alle männlichen Erwachsenen töten und machte die Frauen und Kinder der Stadt zu Sklaven. Den persischen Stadtkommandanten band man an einen Wagen und zog ihn hinter sich her um die Stadt herum, ganz nach dem Mythos des Achill, in dessen Nähe sich Alexander gerne stellte.[3] "Die Stadt wurde anschließend neuen Einwohnern übergeben, die aus der Umgebung herbeigeholt worden waren."[4] "Alexander aber zog nach Ägypten, wohin er bereits von Anfang an gewollt hatte, und kam nach sechstägigem Marsch von Gaza aus nach Pelusion in diesem Land."[5] Es ist strittig, ob Alexander von jeher plante, Ägypten aufzusuchen. Historisch gefestigt ist allerdings die Tatsache, dass der griechische Geschichtsschreiber Herodot, dessen Geschichten Alexander bewunderte, von dem "Land uralter Kultur und unerhörtem Reichtums" schrieb[6] und wohl auch darum Ägypten so interessant war.

Alexander zog über Heliopolis weiter Richtung Süden nach Memphis, der damaligen Hauptstadt Ägyptens. Mazakes, der persische Stadthalter, empfing den Eroberer feierlich und übergab ihm kampflos die Herrschaft über das Land. Der Perser wusste, dass er keinerlei Chance hatte, Alexander etwas entgegenzusetzen. Dieser nahm somit "alle dortigen Städte ohne Schwertstreich in Besitz."[7] Nach einem gymnischen und musischen Agon[8] fuhr Alexander "mit einem nur kleinen Truppenteil [...] den Kanobischen Arm hinab ans Meer und gründete im Anschluß an das ägyptische Dorf Rhakotis seine erste und bedeutendste Stadt ’Αλεξάνδρεια.”[9] 2.1 Alexanders Motive für die Reise

Es ist von fundamentaler Wichtigkeit zu klären, wieso Alexander nicht weiter in den Osten vorgedrungen ist. In jene Richtung floh sein Widersacher Dareios III. nach dessen Niederlage bei Issos. Aus rein taktischer Sicht wirkt das Vorhaben zunächst unklug. Hier kommt Alexanders Charisma eines Makedonen, basierend auf der Ilias von Homer, zum Vorschein. Er wollte seine Gegner nicht töten oder jagen, sondern sie lediglich im Kampf besiegen, um selbst Ruhm und Ehre zu erlangen und der Beste zu sein.

Sein Entschluss, nach Ägypten zu reisen, kann aber nicht einzig und allein seinem Charisma zugeschrieben werden. In Alexanders Entscheidung spielte sicherlich auch der wirtschaftliche Faktor eine Rolle. Durch die Einnahme Ägyptens hatte er nun auch das letzte Glied der Levante und damit des Mittelmeerraumes eingenommen und musste sich nun keine Sorgen mehr über einen Angriff in den Rücken durch die Griechen, allen voran die Spartaner, machen. Man wird später noch erfahren, inwiefern Ägypten und die Wirtschaft auch militärisch für Alexander von Nutzen wurden.

Alexander war bekannt, dass die Ägypter ihre persischen Besatzer hassten, denn diese zerstörten ihre Tempel und betrieben schlimmen Frevel gegen ihre Götter. Griechen und Makedonen hingegen schätzen das Volk der Ägypter. Es ist also nicht verwunderlich, dass Alexander als Freund und Befreier nach Ägypten zog, um mit den Einheimischen ein freundschaftliches Bündnis einzugehen und sie von den Persern zu befreien.

Auch persönliche Interessen führten Alexander nach Ägypten. In seinem Blick war dabei das Orakel von Siwa, das dem Gott Amun geweiht war. Die Sprüche des Orakels waren weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt und so war Siwa auch für Griechen und Makedonen ein Begriff. Sie verehrten schon lange ihren Gott Zeus als griechisches Pendant zu Amun.[10] In der Oase von Siwa erhoffte sich Alexander der Große mehr über sich, seine Abstammung und seine Zukunft als Feldherr zu erfahren. Er hat wohl das Orakel auch über den Tod seines Vaters befragt.[11] Letztlich konnte das Orakel als Legitimation seines Machtanspruches dienlich sein.

2.2 Ägypter und Makedonen

Vor Alexanders Einmarsch war Ägypten unter persischer Führung. "Die Ägypter, schon von jeher der persischen Macht feindlich gesonnen, da ihnen deren Herrschaft habsüchtig und übermütig schien, hatten bei der Hoffnung auf Alexanders Ankunft neuen Mut geschöpft."[12] Die Perser unterdrückten die ägyptische Bevölkerung in ihrem Glauben. Dieser spielte aber eine zentrale Rolle in deren Leben. So gehörte zum Beispiel die Anbetung von einem oder mehreren Göttern des ägyptischen Glaubens zum gewohnten Tagesablauf. Jede größere Stadt hatte eigens dafür gebaute Tempel, die einer ganz bestimmten Gottheit gewidmet waren.

Das panhellenische Heer unter Führung Alexanders wurde außerordentlich offen und freundlich von den einheimischen Ägyptern willkommen geheißen. "Alexander ordnete die Dinge in Ägypten [...]."[13] Darunter fällt vor allem der Aufbau der durch die persische Besatzungsmacht zerstörten Tempel ägyptischer Götter. Den Priestern vor Ort begegnete Alexander stets mit Respekt. Er achtete die Kulte und Bräuche der Bevölkerung und brachte in Memphis dem Stier-Gott Apis, der als Mittler zwischen Menschen und dem noch höheren Gott Ptah galt, ein Opfer. Desweiteren veranlasste er, dass die Örtlichkeiten dieser Zeremonien vor jeglicher Verunreinigung geschützt werden sollten.[14]

"Hätte Alexander eine Stadt in Ägypten gründen wollen, um das Land in Gehorsam zu halten, so wäre die Lage an der Spitze des Delta, etwa um Memphis, viel günstiger dazu gewesen."[15]

[...]


[1] Hengstl, Joachim: Griechische Papyri aus Ägypten als Zeugnisse des öffentlichen und privaten Lebens. Griechisch-deutsch. München 1978, Nr. 82

[2] Vgl. Tarn, William Woodthorpe: Alexander der Grosse, Darmstadt 1963

[3] Vgl. Curt. Ruf. 4,6,29

[4] Wiemer, Hans Ulrich: Alexander der Große, München 2005

[5] Arrian 3,1,1

[6] Bethe, Erich: Tausend Jahre altgriechischen Lebens. Mykene - Sparta - Milet - Athen - Alexandria, München 1933, S. 107

[7] Diod. 7,49,1

[8] Ein Wettstreit in der griechischen Antike

[9] Wilcken, Ulrich: Alexanders Zug in die Oase Siwa, in: Berliner Akademieschriften zur Alten Geschichte und Papyruskunde, Leipzig 1970, S. 262f

[10] Vgl. Hölbl, Günther: Geschichte des Ptolmäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung, Darmstadt 1994, S. 10

[11] Vgl. Hölbl, Günther: Geschichte des Ptolmäerreiches, S.11

[12] Curt. Ruf. 4,7,1

[13] Diod. 7,49,2

[14] Vgl. Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Große, 2005., S.107

[15] Tscherikower Viktor: Die hellenistischen Städtegründungen von Alexander dem Großen bis auf die Römerzeit, Leipzig 1927, S. 150

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640738342
ISBN (Buch)
9783640738649
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160632
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Seminar für Alte Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Alexander Alexander der Große Ägypten Geschichte Makedonien Perser Feldzug Krieg Siwa Alexandreia

Autor

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