Lade Inhalt...

Wissenschaftliches Arbeiten

Ein Leitfaden für Volkswirte

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 30 Seiten

Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Arbeitsorganisatorische Hilfen
1.1 Karteikartensysteme
1.2 Einsatz von Softwarepaketen
1.3 Zeitmanagement

2 Wichtige Manuskriptarten
2.1 Seminararbeit
2.2 Bachelorarbeit
2.3 Masterarbeit
2.4 Dissertation

3 Klassischer Aufbau einer Arbeit
3.1 Titelblatt
3.2 Inhaltsverzeichnis
3.3 Abstract
3.4 Verzeichnisse
3.5 Einleitung
3.6 Hauptteil
3.7 Schlussteil
3.8 Anhang
3.9 Literaturverzeichnis

4 Literaturrecherche
4.1 Quellentypen
4.2 Wissenschaftliche Datenbanken
4.3 Statistische Quellen

5 Wissenschaftlicher Apparat
5.1 Zitieren
5.2 Literaturverzeichnis
5.2.1 Umgang mit verschiedenen Quellen
5.2.2 Eigener Vorschlag für das Literaturverzeichnis

6 Inhaltlicher Anspruch
6.1 Typografischer Anspruch
6.1.1 Schriftart
6.1.2 Abkürzungen
6.1.3 Mathematischer Satz
6.1.4 Seitenlayout
6.2 Sprachlicher Anspruch
6.3 Erkenntnistheoretischer Anspruch
6.4 Empirisches Arbeiten
6.5 Sonstiges

A Reputation von Journals

B Literaturverzeichnis

Vorwort

„Setz’ dich in das Tisches Mitte, nimm’ zwei Bücher, schreib’ das dritte!“

Manuel R. Theisen

Motivation für die vorliegende Arbeit war die Frustration über den Mangel an brauchbaren Ratgebern zum Thema ’Wissenschaftliches Schreiben’. Auf dem Buchmarkt finden sich derzeit unzählige Werke für Geisteswissenschaftler und Betriebswirte, aber keines welches die Konventionen der Volkswirtschaftlehre berücksichtigt.

Der Leitfaden selbst ist dabei nicht mustergültig für wissenschaftliches Arbeiten geworden. Studenten die auf der Suche nach vorbildlichen Werken sind, empfiehlt sich der Blick in Journals. Zusätzlich zu den Ratschlägen zum wissenschaftlichen Arbeiten fließen die Erfahrungen aus dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien in den Leitfaden ein. Adressaten der Arbeit sind in erster Linie Studienanfänger. Auch wird im gesamten Dokument immer wieder auf die Verwendung des Satzprogrammes LaTeX eingegangen, welches nicht nur im Studium der Volkswirtschaftslehre, sondern auch im späteren Berufsleben nützlich ist.

Auf die österreichische Konvention den Bachelor - Bakkalaureat und den Master - Magister zu nennen wird im vorliegenden Werk keine Rücksicht genommen. Der Leitfaden orientiert sich an den international üblichen Bezeichnungen akademischer Grade.

Wien, den 11. Juni 2010.

MkM

1 Arbeitsorganisatorische Hilfen

1.1 Karteikartensysteme

Für die Materialsammlung hat sich die Arbeit mit Karteikarten im Gegensatz zum Einsatz von Softwarepaketen wie MS Access bewährt. Der Vorteil von Karteikarten besteht vor allem darin, dass man nach dem Ende der Materialsammlung die Karten nur noch in die richtige Reihenfolge bringen muss, bevor man mit dem schreiben beginnt. Verwendet wer- den sollten Karteikarten der Größe DIN A5 oder DIN A6. DIN A6 Karten zeichnen sich in erster Linie durch ihre Handlichkeit aus. Die größeren DIN A5 Karten nehmen dagegen mehr Informationen auf, was vor allem bei komplexen Diagrammen von Vorteil ist. Tröge für Karteikarten sind im jedem gut sortierten Schreibwarenladen erhältlich. Die Kosten für einen zuklappbaren DIN A5 Trog liegen bei etwa 40 Euro. Das Fassungsvermögen sollte für die jeweilige Manuskriptart ausreichend sein. Für Masterarbeiten sollten 300 bis 500 Karten ausreichen.

Es empfiehlt sich zwei Karteien anzulegen, eine Inhaltskartei und eine Literaturkar- tei. In der Inhaltskartei notiert man für jede Information, die man für wichtig hält die Fund- stelle, also den Namen des Autors, das Erscheinungsjahr sowie die Seitenzahl am unteren Rand der Karteikarte oder auf der Rückseite. Jeder Titel, der einem bei der Materialsuche in die Hände fällt, muss bibliographisch in der Literaturkartei erfasst werden. Farbliche Unterscheidungen nach Primär- und Sekundärquellen oder anderen Kriterien sind möglich.

1.2 Einsatz von Softwarepaketen

Im Vorwort wurde bereits auf das Satzprogramm LaTeX hingewiesen. Dieses ist als Open- Source Softwarepaket im Internet frei verfügbar. Zur Erleichterung der Installation sei dem Anfänger die Installations DVD der gemeinnützigen Vereinigung Dante e.V. empfohlen. Den Selbstkostenbeitrag von 15 EUR werden die meisten als lohnende Investition empfin- den.

Unter den Literaturverwaltungsprogrammen gilt EndNote als Standard. Der Aufwand der Einarbeitung lohnt sich allenfalls für das Abfassen einer Dissertation. Eine normale Lizenz ohne Studentenrabatt kostet circa 175 Euro.

1.3 Zeitmanagement

Wenn man sich an den in Studienplänen vorgesehen Credits orientiert, kommt man auf einen beispielhaften Zeitaufwand von 700-900 Stunden für eine Masterarbeit. Die folgende Tabelle gibt die von Theisen (2005) vorgeschlagene Zeiteinteilung wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Wichtige Manuskriptarten

Allgemeingültige Regeln für den Umfang von wissenschaftlichen Arbeiten gibt es naturgemäßnicht. Dennoch kann die folgende Tabelle Studienanfängern ein Gefühl für eine angemessene Seitenzahl vermitteln. Der Umfang von Seminararbeiten wird häufig vom Lehrveranstaltungsleiter auf wenige Seiten begrenzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Seminararbeit

Nicht erst für höhere Manuskriptarten, sondern schon für Seminararbeiten sollten brand- aktuelle Journals ausgewertet ausgewertet werden. Nur diese Auswertung garantiert die Anschlussfähigkeit der Arbeit an laufende Debatten in der Scientific Community. Für Se- minararbeiten findet man manchmal die Faustregel, dass wenigstens 12 einschlägige Wer- ke im Literaturverzeichnis angeführt werden sollten. Seminararbeiten sind gelocht in ei- nem Schnellhefter in zweifacher Ausfertigung einzureichen. Zusätzlich empfiehlt sich die Einsendung eines elektronischen Exemplares in einem druckerunabhängigen Format (PDF nicht DOC) per E-Mail. Das Papier ist bei Seminarbeiten einseitig zu beschreiben.

2.2 Bachelorarbeit

Der inhaltliche Anspruch bei Bachelorarbeiten liegt zwischen Seminararbeiten und Masterarbeiten. In der Proxis finden sich aber häufig Bachelorarbeiten, welche sich eher an Seminararbeiten orientieren.

2.3 Masterarbeit

In Masterarbeiten soll der Nachweis über die Befähigung zu selbstständigem wissenschaft- lichen Arbeiten erbracht werden. Konkret versteht man darunter das Aufarbeiten themen- spezifischer Literatur sowie eine kritische Stellungnahme (Spoun 2004). Daneben kön- nen gerade in der Volkswirtschaftslehre eigenständige empirische Untersuchungen verlangt werden. Da die Vergleichbarkeit von Hochschulnoten problematisch ist, verlangen Persona- ler häufig die Vorlage der Masterarbeit. Damit gewinnt die Masterarbeit Visitenkartencha- rakter und sollte von den Studenten was Form und Inhalt betrifft, ernst genommen werden.

2.4 Dissertation

In der Volkswirtschaftslehre findet man überwiegend kummulative Dissertationen. Dabei wird die wissenschafltiche Leistung durch das Abfassen mehrerer Artikel zu einem Themenfeld erbracht.

3 Klassischer Aufbau einer Arbeit

3.1 Titelblatt

Die typografische Gestaltung des Titelblattes ist bei Seminararbeiten im Gegensatz zu Ab- schlussschriften nicht geregelt. Enthalten sein müssen aber immer der Titel, der Name des Verfassers, die Matrikelnummer, die Studienkennzahl sowie das Abgabedatum, nicht das Datum der Fertigstellung der Arbeit. Bei Seminararbeiten sollte man noch Daten zur Lehr- veranstaltung hinzufügen. Die Angabe der E-Mail sowie der Telefonnummer ist nicht ob- ligat, empfiehlt sich aber bei Seminararbeiten, da dadurch ein zeitnahes Feedback durch den Dozenten ermöglicht wird. Die Angabe der Adresse und der Fachsemesterzahl wird in einigen Büchern als verpflichtend bei Seminararbeiten beschrieben. Die Kontaktdaten setzt man in LaTex mit dem thanks-Befehl. In englischen Arbeiten nennt man die Matrikel- nummer ’student ID’ oder ’student number’, Studienkennzahl heißt auf Englisch ’program number’.

3.2 Inhaltsverzeichnis

Der Vorteil der Arbeit mit LaTeX ist, dass man sich nicht mehr mit den Konventionen zur Abfassung eines Inhaltsverzeichnisses auseinandersetzen muss. Der Befehl maketitle sorgt bei den meisten Templates dafür, dass ein Inhaltsverzeichnis eingefügt wird, dass al- len Konventionen der Volkswirtschaftslehre entspricht. Bei der Arbeit in Word sollte darauf geachtet werden, dass die in den wirtschaftswissenschaften übliche dekadische Klassifi- kation verwendet wird, also ein Kapitel mit einer arabischen Ziffer ohne Punkt dahinter bezeichnet wird. Ein Abschnitt wird demnach z.B. mit 1.1 bezeichnet. Untergliederungen sind nur vorzunehmen, wenn auf einen Unterpunkt mindestens auch ein zweiter folgt. Die Lücke zwischen den Kapitelbezeichnungen und der entsprechenden Seitenzahl kann mit Punkten geschlossen werden.

3.3 Abstract

Im Abstract werden die Thesen der vorliegenden Arbeit zusammengefasst. In vielen Journals gilt als Obergrenze 100-150 Wörter. Da das Abstract häufig der einzige Teil der Arbeit ist, der tatsächlich gelesen wird, sollte man diesem Teil besonderes Augenmerk widmen. Das Abstract schreibt man ganz zum Schluss. Es sollte folgendes enthalten:

- Begründung warum die Arbeit geschrieben wurde.
- Kurze Beschreibung, wie die Forschungsarbeit durchgeführt wurde. Dabei kann z.B. auf die Quellen der Daten den Datensammlungsprozess, die Testverfahren eingegan- gen werden.
- Analyse der wichtigsten Forschungsergebnisse.
- Zusammenfassung der wichtigsten Schlussfolgerungen.
- Evtl. Hinweise für offene Fragen, die im Rahmen zukünftiger Forschungsarbeiten beantwortet werden können, falls dieser Hinweis in einem Nebensatz untergebracht werden kann.

3.4 Verzeichnisse

Die Beifügen der Verzeichnisse ist für alle Manuskriptarten optional. Gerade in der Volks- wirtschaftslehre ist aber ein Verzeichnis der benutzten Variablen häufig sinnvoll. Ein Ab- kürzungsverzeichnis ist in der Regel unnötig, wenn man Abkürzungen vermeidet, was man auch machen sollte. Bei der Verwendung der Verzeichnisse ist eine feste Reihenfolge zu beachten.

1. Tabellenverzeichnis
2. Abbildungsverzeichnis
3. Abkürzungsverzeichnis
4. Verzeichnis der benutzten Variablen

3.5 Einleitung

Quantitativ sollte die Einleitung circa 10-20% der gesamten Arbeit umfassen. In der Einlei- tung wird die Forschungsfrage wiedergegeben und die wissenschaftliche und gesellschaftli- che Bedeutung des Themas aufgezeigt werden. Ausserdem sollen die Methoden dargestellt, sowie einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Die Einordnung des Themas in ak- tuelle laufende Debatten kann erklärt werden. Dazu sollte man den aktuellen Stand der Forschung erklären. Zum Schluss kann man noch auf die Gliederung der Arbeit eingehen. Die Einleitung kann mit dem Hauptteil der Arbeit zusammen verfasst werden, es empfiehlt sich aber die Einleitung vor der Abgabe der Arbeit nochmals zu überarbeiten.

3.6 Hauptteil

Der Charakter des Hauptteiles ist selbsterklärend. Im Kapital ’Inhaltlicher Anspruch’ wird auf den Gehalt des Hauptteiles näher eingegangen.

3.7 Schlussteil

Die Arbeit muss im Schlussteil zusammengefasst werden. Dabei kann die Zusammenfas- sung umfangreicher als im Abstract sein. Wo im Abstract ein bis zwei Sätze hierfür ausrei- chen, hat man im Schlussteil ein bis zwei Abschnitte zur Verfügung. Die Forschungsfrage muss auf der Basis des Hauptteiles beantwortet werden. Neue Gedanken, die einer Argu- mentation bedürfen, sollte man im Schlussteil nicht mehr einführen. Man sollte detailliert auf weitere untersuchungswürdige Fragen verweisen. Im Abstract ist dieser Verweis optio- nal und deutlich kürzer. Das Weglassen einzelner Quellen kann einem wissenschaftlichen Betrug (Plagiat) entsprechen.

3.8 Anhang

Ob die Beifügung eines Anhanges sinnvoll ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. In der Volkswirtschaftslehre findet man häufig lange Beweise und Tabellen im Anhang. Dadurch wird dem Leser das nachvollziehen der mathematischen und statistischen Teile er- leichtert. Bei statistischen Arbeiten eignet sich der Anhang, um Codes für Programme wie R oder Stata anzugeben. Ob dies im Einzelfall notwendig oder sinnvoll ist, kann einem der Betreuer sagen. Ein Datenanhang kann bei empirischen Arbeiten gegebenfalls auch sinnvoll sein. Das folgende Beispiel für einen data appendix orientiert sich an den Konventionen von

Cambridge University Press:

The following series can be obtained from URL.

EXCHD: Dollar/sterling exchange rate, daily, 1974 to 1993 (4342 observations).

S&P500: S&P 500 index, annual 1972 to 2009 (4223 observations).

S&P500R: S&P 500 real returns, annual 1972 to 2009 (4223 observations).

RPI: U.K. Retail Price Index, monthly, January 1954 to December 2009 (883 observations). RS: 91-day Treasury bill rate, monthly, March 1987 to December 2008 (553 observations).

3.9 Literaturverzeichnis

Häufig findet man für das Literaturverzeichnis auch die Bezeichnung Bibliographie, welche aber im wissenschaftlichen Bereich eher unüblich ist. Im Englischen sollte man die Bezeichnung ’References’ wählen. Das Literaturverzeichnis muss alle Quellen enthalten, welche direkten oder indirekten Einfluss auf die Arbeit hatten.

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640743032
ISBN (Buch)
9783640743445
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160726
Institution / Hochschule
Universität Wien – Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Schlagworte
Wissenschaftliches Arbeiten Volkswirtschaftslehre LaTeX

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wissenschaftliches Arbeiten