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Die erste Frauenbewegung in Deutschland

Wie unterschied sich die bürgerliche- von der proletarische Frauenbewegung und wie verstanden sie die Ausführung der Sozialen Arbeit?

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Geschlechterstudien / Gender Studies

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Anfänge der deutschen Frauenbewegung
2.1 soziale Situation der Frau im 19. Jahrhundert
2.2 Die Frauenfrage
2.3 Schwierigkeiten der deutschen Frauenbewegung

3 Die bürgerliche Frauenbewegung
3.1 Entstehung und Zielsetzung
3.2 Soziale Arbeit und die bürgerliche Frauenbewegung

4 Die proletarische Frauenbewegung
4.1 Entstehung und Zielsetzung
4.2 Soziale Arbeit und die proletarische Frauenbewegung

5 Gegenüberstellung und Zusammenfassung

6 Ansätze für die soziale Arbeit

7 Quellenverzeichnis
7.1 Literaturquellen
7.2 Internetquellen

1 Einleitung

„Nur ein selbstständiges Herz führt zu selbstständigen Handeln!“

(Louise Otto- Peters 1847)

Einst durch Louise Otto- Peters eingeführt und durch namenhafte Vertreterinnen wie Clara Zetkin, Helene Lang und Rosa Luxemburg fortgeführt, beginnt mit der ersten deutschen Frauenbewegung auch die Ära der ausführenden sozialen Arbeit als eigenständige Beruflichkeit. Aus dem Gedankengut des Bürgertums nach Erhaltung des weiblichen Selbstverständnisses manifestierte sich die Soziale Arbeit erst als Frauenberuf, der sich dann durch Organisation und Verwaltung als Ausbildungsberuf entwickelte. Die Entstehung der Handlungsfelder, der Jugend-, der Gesundheits- und Wohnfürsorge zeigen deutlich den Beginn der Lösungsorientierung der sozialen Frage und die damit entstehenden Aufgaben der Sozialen Arbeit. Eingeläutet durch die unerbittliche Forderung und den Kampfgeist der Frauen nach Erwerbstätigkeit, nach Gleichberechtigung und nach Selbstständigkeit kann die Epoche der ersten Frauenbewegung auch als eine der intensivsten, revolutionärsten und bewegendsten Zeiten der Geschichte der Frauen angesehen werden, in der sich ihr Bewusstsein über das der eigenen Persönlichkeit heraus entfachte und so eine Umwälzung der Gesellschaft hervorrufen versuchte. Durch diesen Aspekt bekräftigt, war es naheliegend, den Ursprüngen der Sozialen Arbeit nach zu gehen und zu untersuchen, wie einst die Ausführung sozialer Arbeit eigentlich verstanden wurde und wie sie sich zwischen der bürgerlichen- und der proletarischen Frauenbewegung unterschied. Um die „Kampfeskraft“ der Frauen zu verstehen und nachvollziehen zu können, muss zunächst einmal die soziale Situation der Frauen (Kapitel 2.1) geklärt, die Thematik der Frauenfrage (Kapitel 2.2) aufgegriffen und die entstandenen Schwierigkeiten (Kapitel 2.3) aufgeführt werden. Um die Hauptfrage „Wie unterschied sich die bürgerliche- von der proletarische Frauenbewegung und wie verstanden sie die Ausführung der Sozialen Arbeit?“ beantworten zu können, erachte ich es für sinnvoll, mich zunächst der bürgerlichen Frauenbewegung und ihrer Entstehung sowie Zielsetzung (Kapitel 3.1) anzunehmen, sie in Verbindung mit der Sozialen Arbeit (Kapitel 3.2) zu stellen, um daraufhin die proletarische Frauenbewegung nach gleichen Grundsätzen zu untersuchen (Kapitel 4.1: Entstehung und Zielsetzung der proletarischen Frauenbewegung, Kapitel 4.2: Soziale Arbeit und die proletarische Frauenbewegung). Anschließend widme ich mich der Gegenüberstellung und Zusammenfassung der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung (Kapitel 5.), um abschließend Parallelen zu den Ansätzen der heutigen sozialen Arbeit zu ziehen (Kapitel 6.).

Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über das breite Spektrum dieser Thematik.

2 Anfänge der deutschen Frauenbewegung

Zu der Frauenbewegung im Allgemeinen muss gesagt werden, dass es sich dabei auch um eine so genannte „soziale Bewegung“ handelte, da sie nicht nur die Rechte der Frau erkämpfte, sondern die gesamte Menschheit durch „Freiheit und Humanität“ entwickeln ersuchte (Nave-Herz 1989; S. 14, Z. 20).

Die subjektive Empfindung dessen, was dem Gerechtigkeits- beziehungsweise dem Ungerechtigkeitsbilde entspreche, wurde als Frage auf das damalige, neue, kapitalistische Marktsystem des 18. Jahrhunderts bereits zu antworten versucht und als „Legitimationsvorstellung“ nachfolgender Proteste und Anklageschriften manifestiert (Meyer- Renschhausen 1989; S. 13, Z. 26). Vorausgehende Revolutionen trugen dementsprechend immer das Ziel inne, eine Verschlechterung der sozialen Lage zu verhindern und die Menschenwürde zu bewahren, indem sich auf moralische und traditionelle Wertvorstellungen berufen wurde. So auch beispielsweise die bürgerliche Frauenbewegung, die, um dem Bürgertum erkennbar beizuwohnen, sich ansatzweise auf das Frauenbild des 18./19. Jahrhunderts (die Frau als Bewahrerin und Hüterin der Sitte, des Anstandes und der Tradition) stützte und aus dem bürgerlichen Gedankengut, der „individuellen Subjektivität“ heraus agierte (Meyer- Renschhausen 1989; S. 17, Z. 11). Diese Verwurzelung auf traditionelle und vorherrschende Menschen- und Gesellschaftsbilder war insofern von großer Bedeutung für die Frauenbewegung, dass sie das Bewusstsein zur Veränderung schaffte, um „den Kampf für ihre (Frauen) Rechte“ aufzunehmen und dem derzeitigen sozialen Gegebenheiten, unter anderem der Unterdrückung der Frau, ein Ende zu setzen (Mahaim/Holt/Heinen 1984; S. 11, Z. 37).

2.1 soziale Situation der Frau im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert, geprägt durch Wandel und Veränderung, sollte auch etwaige Veränderungen innerhalb der Familie und den Aufgabenbereichen von Mann und Frau mit sich bringen. Noch im vorindustriellen Europa, wo Landwirtschaft und harte Arbeit das Leben an das Existenzminimum trieben, galt die Familie als eine „Produktionseinheit“ in der sich die Arbeit und das Zusammenleben organisierte. Dabei gab es eine strikte Trennung der Geschlechtsrollen. Die Frauen waren zuständig für häusliche Arbeiten, der Geflügelzucht und dem Gemüsegarten und Männer arbeiteten auf dem Feld und kümmerten sich um die Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Betriebes. Eheschließungen waren derzeit ausschließlich ökonomischer Idee, wohlauf aber an die Voraussetzung gleichen Besitzes geknüpft. Hieraus erschloss sich für die Männer die Möglichkeit einer weiteren Arbeitskraft „mit speziellen Fertigkeiten einer Ehefrau“ und für die Frauen die Möglichkeit einer „gewissen ökonomischen Sicherheit“ (Schenk 1988; S. 12, Z. 6- Z. 17). Bei Nichtheirat wegen mangelnder Mitgift, musste die Frau bis zum Lebensende als Magd dienen, wobei sich ihre Lebenserwartung (schwere Arbeit und schlechtere Ernährung) deutlich verringerte als die einer verheirateten Frau.

Dann, zu Beginn der Industrialisierung (in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts), rentierte sich die landwirtschaftliche Tätigkeit nicht mehr und viele Landbewohner zogen in die Städte um als Arbeitskraft in Fabriken ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. So verlor die Familie ihre Bedeutung als „Arbeitseinheit“, eine Trennung zwischen Arbeits- und Wohnbereich folgte und neue Beziehungs- und Arbeitsstrukturen entstanden. Die Industriearbeitsschaft und die neue bürgerliche Mittelschicht bildeten sich heraus und es entstand der expansive Bedarf an Dienstboten und häuslichen Personal. Nun fanden sich die neuen Arbeitsstrukturen für Frauen also entweder als Arbeiterinnen in den Fabriken der Textil- und Bekleidungsindustrie oder als Hausmädchen/ Dienstmagd in Haushalten der Mittelschicht wieder. Ledige und junge Frauen ergriffen dabei meist den Beruf des Dienstmädchens, um einerseits bei schlechter Bezahlung dennoch Geld für die eigene Aussteuer anzusparen und andererseits um die bürgerlichen Normen- und Wertesysteme der Mittelschicht zweckmäßig für die eigene Familiengründung zu erlernen. Somit erlernte das Hausmädchen die Privilegien des Fleißes, der Sparsamkeit und der Häuslichkeit und trug zur Übermittlung und Verbreitung der neuen Normensysteme bei (Weiteres zur Herausbildung der „neuen Mittelschicht in Kapitel 3.1). Die Frau der neuen Mittelschicht war dagegen nicht außerhäuslich erwerbstätig. Sie erledigte die, trotz wachsendem Fortschritts und Verbesserung der Haushaltsgeräte noch anfallenden hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und die Erziehung der Kinder. Später übernahm sie lediglich noch die Organisation und Überwachung des häuslichen Arbeitsablaufes und ließ Angestellte die praktischen Arbeiten ausführen. Dieser Lebensstil wurde schnell zum Statusmerkmal der Mittelklasse und wurde auch als solcher erstrebenswert propagiert. Entstanden ist dieser Lebensstil einerseits aus der bürgerlichen Abgrenzung des Adels und deren Müßigkeitstum und andererseits aus der neu interpretierten familiären Umgangsform der Mittelschicht. Die Frau der Mittelschicht ist nun in erster Linie verantwortlich für das Wohlergehen der Familie, das heißt die Aufrechterhaltung der Zufriedenheit von Mann und Kindern und der „Wohlerzogenheit“ der Dienstboten (Schenk 1988; S. 19, Z. 27). Die neue Rolle der Frau kennzeichnete sich weiterhin darin, dass sich die Mutter-Kind-Beziehung sowie die eheliche Beziehung gemäß, so Schenk, der „Emotionalisierung“ und „Intimisierung“ entwickelte (Schenk 1988; S. 20, Z. 8). Die Bezeichnung der „guten Mutter“ begründete sich derzeitig in dem Nachkommen der Bedürfnisbefriedigung der Säuglinge und Kinder durch eine fürsorgliche und liebevolle Bindung. Diese Reformation des Anerkennens von Säuglinge und Kinder als eigenständige Individuen und der Kindheit als eigener Lebensphase formte ebenso die Beziehung zwischen den Ehegatten. Ehen wurden auf einmal nicht mehr aus reinen ökonomischen Zwecken geschlossen, sondern aus Absichten der Zuneigung (Schenk 1988; S. 21,Z. 9). So wurden der Partnerwahl keinerlei offenkundige Schranken gesetzt und auch der Einfluss der Herkunftsfamilie war nicht mehr entscheidend. Trotz dieses Privilegs wurde der häusliche Bereich immer stärker privatisiert. Die Frau der Mittelschicht wurde somit gar gänzlich aus dem öffentlichen Leben verbannt. Diese Tatsache wiederum fachte die Forderung der Mary Wollstonecraft an, die sie nach Beendigung der französischen Revolution stellte:

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640743018
ISBN (Buch)
9783640742943
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160774
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Frauenforschung Frauen Hausarbeit Forschung Frauenbewegung Deutschland proletarische Frauenbewegung bürgerliche Frauenbewegung Geschichte der Frau Unterschied Hochschule Bremen Soziale Arbeit Sozialarbeit Ausführung sozialer Arbeit Geschichte der sozialen Arbeit Pädagogik Anna Rogge

Autor

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Titel: Die erste Frauenbewegung in Deutschland