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Protestantischer Fundamentalismus - Von einer konservativen religiösen Sammelbewegung zu einer politisierten sozialen Protestbewegung

Ein amerikanisches Phänomen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 32 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlagen
1.1 Der allgemeine Fundamentalismusbegriff
1.2 Historisch-theologischer Kontext
1.3 Das Verhältnis von Religion und Gesellschaft in den USA

2. Vorbedingungen
2.1 Die ͣErweckung“ merikas - die evangelikale Bewegung
2.2 Nationalmythos und evangelikaler Millenarismus
2.3 Die soziokulturelle Krise

3. Betrachtungslinien
3.1 Die historische Bewegung
3.2 Rückzug & Reorganisation
3.2.1 Televangelism
3.3 Die Mobilisierung
3.4 Die Christliche Rechte

4. Kreationismus

5. Evangelikale und Fundamentalisten. Versuch einer Abgrenzung

Schlussbetrachtung

Literatur

Einleitung

Der protestantische Fundamentalismus ist vor allem eine Erscheinung Nordamerikas. Er kommt marginal auch in Nordeuropa, vor allem in Großbritannien, vor. Doch nirgendwo wie in den Vereinigten Staaten zeigt der protestantische Fundamentalismus solch einen organisierten Willen, seine Überzeugungen auch politisch durchzusetzen. Die Arbeit wird aufzeigen, dass dafür allerdings auch das besondere Verhältnis von Staat und Religion in den USA eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Entstanden am rechten Rand der evangelikalen Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts erlangte er als eine religiös-konservative Bewegung innerhalb weniger Jahre nationale Prominenz. Doch ebenso schnell, wie er aufkam, so schnell war er plötzlich auch wieder verschwunden, um letztlich in den 80er Jahren als Teil einer politischen Bewegung zurückzukehren. Zuerst soll die Entstehung und Mobilisierung der ersten Fundamentalis- ten nach der Jahrhundertwende im Kontext der gesellschaftlichen Transformationsprozesse beleuchtet wer- den. Im Weiteren soll dann geklärt werden, warum die primär religiöse Bewegung, die eigentlich schon tot schien, als gesellschaftliches Massenphänomen zurückkehren konnte und welche politischen und gesellschaftli- chen Voraussetzungen letztlich zur Politisierung als Teil der Christlichen Rechten geführt haben.

Das wohl bekannteste Ergebnis des fundamentalistischen Schriftverständnisses ist der Kreationismus, dessen Ideologie und Aktivitäten ich daher kurz erläutern will.

Aufgrund des häufig sehr inflationär gebrauchten Begriffes des Fundamentalismus wird der Arbeit eine allge- meine Definition vorangestellt, die allerdings nicht den Anspruch erhebt, eine exakte Analyse zu sein. Des Wei- teren stehen im Zusammenhang mit dem protestantischen Fundamentalismus vielfältige Begrifflichkeiten wie Evangelikalismus, Millenarismus und Dispensationalismus, die für das Verständnis vom protestantischen Fun- damentalismus bedeutsam sind und daher ebenso einer eingehenden Erläuterung bedürfen. Besonders die überkonfessionelle Gruppe der Evangelikalen wird in der Literatur allzu oft mit den Fundamentalisten gleich gesetzt. Die Literatur lässt in diesem Zusammenhang eine klare Definition vermissen. Diese Arbeit stützt sich zu diesem Gebiet vor allem auf die Ausführungen von George Marsden, der im Bereich des christlichen Funda- mentalismus und Evangelikalismus die wohl eingehendste Forschung vorgelegt hat. Bei der Betrachtung des protestantischen Fundamentalismus als historische Bewegung, separierende Bewegung und politisierte Bewe- gung habe ich mich weitestgehend an die in der Literatur übliche Einteilung gehalten. Wenn in der Arbeit im Folgenden von Fundamentalismus die Rede ist, ist der protestantische Fundamentalismus gemeint. Ausnahme bildet das Kapitel 1.1 Der allgemeine Fundamentalismusbegriff.

1. Grundlagen

1.1 Der allgemeine Fundamentalismusbegriff

ͣFundamentalismus“ ist in der öffentlichen Debatte sehr negativ besetzt und wird oftmals polemisch ge- braucht. Ungeachtet seines Ursprungs im amerikanischen Protestantismus wird der Begriff in der politischen wie auch medialen Alltagsrhetorik vor allem im Zusammenhang mit dem Islam verwendet. Dabei war der Begriff Fundamentalismus ursprünglich die Selbstbezeichnung einer Sammelbewegung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts aus der evangelikalen Bewegung in den USA formierte. Geprägt wurde er in Anleh- nung an eine zwischen 1910 bis 1915 erschienende Schriftenreihe ͣThe Fundamentals: A Testimony to the Truth“. Theologisch lässt sich dieser Fundamentalismus als ein Zusammenschluss protestantisch-konservativer Gruppen charakterisieren, die sich auf die Verbalinspiration und die absolute Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift berufen. Sie verstanden sich als eine ͣoffensive Gegenbewegung zu Liberalismus und Modernisierung, die auch die christliche Welt ergriffen hatte“1.

Heute hat sich der allgemeine Begriff des Fundamentalismus aber völlig vom amerikanisch-protestantischen Kontext gelöst. Seit den 80ern erlebte er eine deutliche Ausweitung auf die unterschiedlichsten religiösen aber auch fälschlicherweise auf politische und soziale Bewegungen und war dabei in seiner Unschärfe kaum von Fanatismus oder Terrorismus zu unterscheiden.2 Es lohnt sich daher kurz eine etwas differenziertere Definition des allgemeinen Begriffs des Fundamentalismus dieser Arbeit voranzustellen.

Zum ersten ist festzuhalten, dass Fundamentalismus ein primär religiöses Phänomen darstellt und in der Sozialwissenschaft auch außerhalb seiner protestantischen Tradition auf Gruppierungen innerhalb des Islam und Judentums angewandt wird. Es handelt sich dabei um eine Fremdbezeichnung, die jenen Gruppen von außen angehängt wird, die einem Literalismus, ͣegal wie dieser jeweils definiert und inhaltlich gefüllt wird“3, sowie einer strikten Moral und patriarchalischen Autorität anhängen. Ob er auch für Bewegungen des Buddhismus oder des Hinduismus Bedeutung hat, wird diskutiert.

Vor allem muss der Fundamentalismus als eine Erscheinung der Moderne begriffen werden. Küenzlein nennt ihn einen ͣmodernen ntimodernismus“.4 Zum einen nutzen Fundamentalisten die neuesten Errungenschaften der modernen Kommunikationstechnologie zugunsten politischer Mobilisierung, zum anderen verweigern sie sich der Annahme neuer Einsichten und Erkenntnisse der Moderne. Die Auswirkungen der Moderne auf alle Lebensbereiche in Gesellschaft, Religion und Politik wird von Fundamentalisten als eine dramatische Krisener- fahrung wahrgenommen, die sie durch die Rückkehr zu einer idealisierten, früheren Sozialordnung, die zumeist verbunden ist mit einer imaginierten Urgemeinde, zu bewältigen glauben. Dabei fallen gewisse Grundmuster auf, die praktisch alle Fundamentalismen kennzeichnen. Ihre Gewissheit beziehen sie aus der für sie unan- fechtbaren Überlieferung religiöser Wahrheiten der jeweiligen Heiligen Schrift und ihrer Unfehlbarkeit. Alle

Theologie, Religion und Wissenschaft ist nichtig, soweit sie den Bibeltexten - wie sie Fundamentalisten verste-

hen - widersprechen. Jeder der von ihrer Auslegung abweicht, gilt als Ungläubiger, auch wenn er sich selbst als Gläubiger bezeichnet. Auf eine Trennung von Politik und Religion wird zugunsten eines unmittelbaren Gel- tungsanspruches der eigenen religiösen Wahrheit verzichtet. Dabei wird die eigene Gruppenethik zur verbindli- chen Moral für das gesamte Gemeinwesen erhoben.5 Fundamentalismus bedeutet daher auch immer religiöse Intoleranz.

Damit verbindet sich ein dualistisches Weltbild, in dem alles auf eine Grundentscheidung reduziert wird: Ja oder Nein, Gut oder Böse. Ihr Weltbild wird nicht hinterfragt und ͣführt zu einer äußerst selektiven Wahrneh- mung der aktuellen historischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Wirklichkeit“6. Die Zukunftserwar- tungen sind geprägt von einem Glauben an die Apokalypse und dem Anbrechen einer neuen Weltordnung, was zur Motivation und Legitimation von Gewaltanwendung führen kann, im Vergleich aber doch eher die Ausnah- me darstellt.

Die Ablehnung der Welt kann zu zwei unterschiedlichen Organisationsformen führen. In Anlehnung an Max Weber unterscheidet Riesebrodt hier zwischen einem ͣFundamentalismus der Weltbeherrschung“ und einem ͣFundamentalismus der Weltflucht“. Dabei versuchen die einen die in ihren ugen ideale Gesellschaft entwe- der selbst wiederherzustellen und die anderen dies dem Messias zu überlassen, und bis zu dessen Ankunft lieber ihr individuelles Seelenheil zu sichern.7 Die Untersuchungen dieser Arbeit werden zeigen, dass sich im Verlaufe der Zeit diese Einstellung auch ändern kann. Quietismus kann in Aktivismus umschlagen und umge- kehrt.

1.2 Historisch-theologischer Kontext

Der Protestantismus entwickelte sich seit den Anfängen der reformatorischen Bewegung im 16. Jahrhundert in ein sehr plurales, vielschichtiges und uneinheitliches Gebilde.8 Innerhalb der Reformation kam es zu diversen Spaltungen verschiedener Kirchen, Gemeinden, Bewegungen, Gruppen, die sich nicht nur in der theologischen Lehre unterschieden, sondern auch in Frömmigkeit und moralischer Lebensführung. So unterscheidet man die Lutheraner (Anhänger der von Luther getragenen Wittenberger Reformation) und Reformierte (ausgehend von der schweizerischen reformatorischen Bewegung mit ihren Zentren in Zürich und Genf (durch Zwingli und Cal- vin) sowie diverse Untergruppierungen der so genannten radikalen Reformation (Spiritualisten, Täufer, Men- noniten und andere). Sie alle werden unter dem Begriff des Protestantismus zusammengefasst, da sie sich auf die reformatorische Protestbewegung beziehen, und doch entwarfen sie höchst unterschiedliche Ideale der wahren Kirche.

Die spätmittelalterliche Kirche hatte ein System der Angst geschaffen - die Angst vor Hölle und Fegefeuer. Der fromme Protest eines Martin Luther richtete sich vor allem gegen den Ablasshandel, wo sich der Sünder eine Milderung seiner Strafe im Fegefeuer und der Hölle erkaufen konnte. Im weiteren Verlauf richtete sich der reformatorische Protest gegen die Beziehung des Gläubigen zu Gott, der bis dato nur über die Kirche als Institution vermittelt werden konnte und so die Gläubigen von sich abhängig machen konnte. Für die Reformatoren hätte der fromme Einzelne Vorrang vor der Institution und allein das Wort Gottes, solus christus, definierte Glauben, Erlösung, Heil oder Verdammnis.9

Luther wollte keine neue Kirche, sondern eine erneuerte Kirche mit der Bibel als Grundlage und alleinige Auto- rität.10 Im intensiven Studium der Heiligen Schrift, erschloss sich Luther, dass die Praktiken der Kirche dem Wort Gottes zuwiderliefen. Somit wurde allein dieses Wort Gottes die Grundlage für seinen Protest. Ausdruck findet diese Schriftbindung in der Bezeichnung sola scriptura. Allein aus der Schrift sollte jeder Gläubige seine Orientierung für ein religiöses Leben, sein sittliches und soziales Handeln beziehen und allein das Evangelium als Autorität anerkennen. Daher setzen protestantische Kirchen vor allem einen Schwerpunkt auf die Schrift, besonders im Vergleich zur katholischen Kirche, die die Tradition und das Lehramt hervorhebt. Die Gefahr, die daraus erwächst, ist offensichtlich und wird in der Fachliteratur auch so vertreten. ͣHistorisch gesehen war die lutherische Orthodoxie der Nährboden für die fundamentalistische Entwicklung im Christentum.“11 Die Heilige Schrift als maßgebliche Quelle des Glaubens fördert ein fundamentalistisches Schriftverständnis, wie es heutzu- tage vor allem im Kreationismus seine Ausprägung findet. Die Überlieferung wird in einen Literalismus ge- zwängt. Aber natürlich kam dieser nicht von ungefähr. Denn das fundamentalistische Bibelverständnis, auf das in den folgenden Kapiteln noch näher eingegangen werden wird, ist vor allem eine Reaktion auf die Irritation der historisch-kritischen Forschung, die im Europa der Aufklärung das Bibelverständnis grundlegend änderte.12 Die Sakralisierung des Buchstabens sollte der Zerfledderung der göttlichen Wahrheit entgegengesetzt werden.

1.3 Das Verhältnis von Religion und Gesellschaft in den USA

Der religiöse Charakter der USA erscheint den Europäern schon immer etwas befremdlich. Die Vielfalt religiöser Gruppen und Kirchen, die im ersten Verfassungszusatz gewährte umfassende Religionsfreiheit, die es ermöglicht, dass Sekten wie die Amish gleichberechtigt neben den großen Dachverbänden der protestantischen und katholischen Kirche existieren können, ͣhomeschooling“, Tom Cruise und Scientology, Megakirchen, Fernsehprediger, die religiös gefärbte Rhetorik der Politiker - all das ist Folge einer im Vergleich zu Europa ganz anderen Beziehungsgeschichte von Religion und Öffentlichkeit.

Der entscheidende Punkt dabei ist, dass die USA kein staatlich geschütztes religiöses Territorialmonopol ken- nen, wie es in Europa nach den postreformatorischen Bürgerkriegen charakteristisch wurde.13 Der Verzicht auf eine Amtskirche gehört zum Erbe der puritanischen Siedler, die sich im neuen Land vom Alten Kontinent mit seinen Staatskirchen und Herrschern von Gottes Gnaden emanzipieren wollten.14 Außerdem ermöglichte es einen Pluralisierungs- und Ausdifferenzierungsprozess, durch den sich Religion weniger kirchlich monopolis- tisch als sektenförmig plural organisiert hat.15 Diese Religionsgemeinschaften oder Denominationen16 basieren auf freiwilliger Mitgliedschaft und bieten den verschiedenartigsten religiösen Überzeugungen und Praktiken eine Heimat. Wo in Europa die zwei großen christlichen Kirchen einen stetigen Bedeutungs- und Mitgliederver- lust beklagen, bestimmt die Bindung an eine Glaubensgemeinschaft in den USA heute noch im großen Maße das religiöse Selbstwertgefühl des Einzelnen und ist Gegenstand vielfältiger Formen des sozialen Lebens. Und dieser Einfluss resultiert nach Birnbaum vor allem auf der Dezentralisierung der frühen amerikanischen Gesell- schaft, wo die religiöse Gemeinschaft zum ͣbestimmenden Mittelpunkt der gesellschaftlichen Organisation“ wurde.17 Bereits vor der Amerikanischen Revolution existierten viele verschiedene Glaubensgemeinschaften nebeneinander - ob Episkopale, Baptisten, Calvinisten, Lutheraner oder Methodisten - und sie alle suchten Einfluss auf die Bereiche des sozialen Lebens, die nicht der staatlichen Hoheit unterlagen wie Erziehung, Moral und Familie.18

Resultat dieser Entwicklung ist eine sehr ambivalente Rolle von Religion in der Gesellschaft. Zum einen ist in der Verfassung eine strikte, formale Trennung von Staat und Kirche festgeschrieben - so gibt es z.B. keinen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen - zum anderen aber führte diese nie zu einer ideologischen Trennung.19 Die inhaltliche Überlappung von politisch-säkularen und religiösen Werteorientierungen - Joas nennt es das ͣermutigende Verhältnis des Staates zur Religion“20 - prägt quasi das öffentliche Leben und führt in der Gegenwart immer öfter zu scharfen juristischen Kontroversen.21

2. Vorbedingungen

2.1 Die „Erweckung“ merikas - Die evangelikale Bewegung

Wie eingangs erwähnt hat der amerikanische Fundamentalismus seinen Ursprung in der evangelikalen Bewe- gung, die sich ab Mitte des 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts in mehreren Erweckungswellen (Great Awakening22) in den britischen Kolonien Nordamerikas und später den Vereinigten Staaten entfaltete und eine neue Form des religiösen Erlebens einführte. Da es keine Institutionen oder Traditionen wie in Europa gab, die diese Tendenz hätte lenken können, entwickelten diese revivals eine ungeheure Dynamik, die ͣeine nicht en- den wollende Erweiterung der Denominationen nach sich zog“23. Viele Gläubige, auch der großen Kirchen der Methodisten, Baptisten oder auch Presbyterianer, sehnten sich scheinbar nach einer neuen religiösen Leiden- schaft, die die charismatischen Erweckungsprediger zu schüren wussten. Geistliche wie George Whitefield oder Jonathan Edwards berichteten in einem einfachen, aber leidenschaftlichen Predigtstil vor allem von ihren Er- fahrungen mit Gott und fanden damit großen Anklang in der Bevölkerung. Die Lehre traditioneller, überkom- mener Dogmen trat vollkommen in den Hintergrund. Die Notwendigkeit eines persönlichen Bekehrungserleb- nisses - auch christliche Wiedergeburt genannt - war und ist wichtigster Bestandteil der evangelikalen Lehre. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Erweckungsveranstaltungen - auch crusades genannt

- für das Erlebnis ͣWiedergeburt“ organisiert. Es war die Zeit eines Charles G. Finney oder Dwight L. Moody, die den Evangelikalismus letztlich zu einer Massenbewegung24 weiterentwickelten. Die Botschaft und der religiöse Stil von Dwight L. Moody trugen im Wesentlichen die Grundlagen für die fundamentalistische Bewegung schon in sich.25 Auf seinen Erweckungsreisen predigte Moody den Glauben an die unbedingte Unfehlbarkeit der Hei- ligen Schrift. Durch die jährlichen Northfield-Konferenzen schuf er ein Netzwerk von Verbindungen sympathi- sierender Prediger, das die verschiedensten Strömungen des Great Awakening miteinander in Kontakt brach- te26 und zu neuen Denominationen führte. Spezialisierte Einrichtungen, wie Sonntagsschulen, das Abhalten von Glaubens- und Verkündigungstagen, Glaubensseminaren und gemeinsamen Bibelstunden stärkten die Gemeinschaft, vertieften die Beziehungen untereinander und wurden zu einer entscheidenden Ressource zur Mobilisierung der Anhänger.27 Kritisch zu betrachten ist dabei, dass die neu geschaffenen Bindungen auch zu einer verstärkten Selbstdisziplinierung und Kontrolle durch die Gruppe geführt haben.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts prägte der Evangelikalismus das Gesicht der amerikanischen Religion.28 Zu jener Zeit schien der Traum vom christlichen Amerika erfüllbar und der Einfluss auf das öffentliche Leben war groß.

[...]


1 Küenzlen, RGG 3, 415.

2 Vgl. ders., 414.

3 Riesebrodt, Protestantischer Fundamentalismus in den USA, S.3.

4 Vgl. Küenzlen, 414

5 Vgl. Meyer, Die Politisierung kultureller Differenz, S. 55.

6 Jäggi/Krieger, Fundamentalismus, S.46.

7 Vgl. Riesebrodt, S. 4.

8 Vgl. Graf, Der Protestantismus, S. 78

9 Vgl. Graf, S. 78-98.

10 Vgl. Theißen, Bibelverständnis und politische Kultur in Protestantismus, S. 6.

11 Vgl. Stöhr, Fundamentalismus - protestantische Beobachtungen, S. 238; vgl. Küenzlen, 415; Graf, S. 115.

12 Näheres unter 2.2.

13 Vgl. Joas, Die religiöse Lage in den USA, S. 364.

14 Vgl. Braml, Amerika, Gott und die Welt S.31.

15 Vgl. Joas, S. 367. Es werden nach Troeltsch drei hauptsächliche Organisationsformen des Christentums unterschieden: Kirche, Sekte und Mystik. In Europa ist dabei der Typus Kirche, in den USA vor allem der Typus Sekte charakteristisch. Wobei der Begriff Sekte hier nicht negativ gemeint ist.

16 Denominationen sind ͣauf freiwilliger Mitgliedschaft beruhende einander rechtlich gleichgestellte Religionsgemeinschaften“. Vgl. Joas, S. 368. Eingeführt im 18. Jahrhundert, um die vor allem in Nordamerika entstehenden protestantischen Glaubensgemeinschaften zu erfassen, da die traditionellen Kategorien wie Kirche oder Konfession nicht mehr ausreichten.

17 Vgl. Birnbaum, Der protestantische Fundamentalismus in den USA, S. 123.

18 Ders, S. 122.

19 ͣDie Zivilreligion darf sich mit keiner bestimmten Religionsgemeinschaft identifizieren, muss aber an viele anschlussfähig sein.“ Joas, S. 369.

20 Ders. S. 365.

21 Kapitel 4.

22 Die Literatur unterscheidet drei große Erweckungen in bestimmten geschichtlichen Phasen. Das Great Awakening in der Mitte des 18. Jahrhundert kulminierte in der Amerikanischen Revolution. Das Second Great Awakening (Ca. 1800-1830) als der Beginn des modernen amerikanischen Evangelikalismus, und eine Dritte Etappe zum Ende des 19. Jahrhundert. Vgl. Funke, S. 25.

23 Ostendorf, Conspiracy Nation, S. 160.

24 Eine Bewegung, die allerdings ganz ausschließlich von der der weißen angelsächsischen Mittelschicht getragen wurde. Vgl. Mertin, Zwischen Anpassung und Konfrontation, S. 4.

25 Vgl. Mertin, S. 67 In der historischen Nachbetrachtung wird das Wirken Dwight L. Moodys auch als die Zeit des Profundamentalismus bezeichnet. Vgl. Michael S. Hamilton, in: RGG 3, 417.

26 Vgl. Hamilton, 417.

27 Zimmerling, Protestantischer Fundamentalismus als gelebter Glaube, S. 99.

28 Vgl. Marsden, Understanding Fundamentalism, S. 2-3.

Details

Seiten
32
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640750825
ISBN (Buch)
9783640751471
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160782
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Protestantischer Fundamentalismus Sammelbewegung Protestbewegung Phänomen

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