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Louise Otto-Peters Frauenemanzipation im deutschen Vormärz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 24 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das bürgerliche Frauenbild des 19. Jahrhundert
1.1 Die rechtliche Stellung der Frau

2. Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung
2.1 Die Hürden der Deutschen Frauenbewegung

3. Louise Otto-Peters – Initiatorin der ersten deutschen Frauenbewegung
3.1 Ein Stück sozialkritische Literatur des 19. Jahrhunderts: Louise Otto-Peters-„Schloß und Fabrik“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Deutschland im 19. Jahrhundert, nicht nur in der Schule befassen wir uns mit der Deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts. Begriffe wie Demokratisierung, Industrialisierung, Beginn des Kapitalismus sind uns vertraut, ebenso Daten wie 1848 und 1872, oder Namen wie Bismarck, die verschiedenen Wilhelms, auch Humboldt, die Brüder Schlegel. Aber Hand aufs Herz, was wissen wir über die spezifische Lage der Frauen in dieser Zeit? Welche Namen fallen uns dabei ein, welche Taten? Wahrscheinlich geht es manchem so, wenn wir beginnen, uns mit diesem Thema zu beschäftigen: nicht allzu viele! Es ist also eine uns "fremde" aber doch eigene Geschichte. Nicht nur im Schulunterricht oder in den Medien handelt es sich dabei um “vergessene Lektionen“, sondern auch in der Forschung. Die Geschichte der Ungleichheit von Mann und Frau und die des Kampfes um (Chancen-) Gleichheit für Frauen blieb im Kontext der herkömmlichen Geschichtswissenschaft weitgehend unberücksichtigt. Barbara Becker-Cantarino[1] kommt in ihren Untersuchungen zu der Feststellung, dass das Bild der Frau in der Geistes-, Literatur- und Sozialgeschichte geprägt ist durch "Gesichtslosigkeit" und "Geschichtslosigkeit". Mit "Gesichtslosigkeit" meint sie die fehlende Eigenständigkeit der Frau in der Darstellung, besonders außerhalb des Familienbereichs, und die Reduzierung der Frauen auf so genannte "Ergänzungsrollen" als Gattin und Mutter. "Geschichtslosigkeit" bedeutet eine geringe historische Dokumentation hinsichtlich des Wirkungskreises von Frauen in den verschiedensten Lebensbereichen. Besonders bedeutsam sei der völlige Ausschluss der Frauen aus der Geschichtsschreibung, somit sei diese aus einseitig männlicher Perspektive verfasst und begründe das fast ausschließliche Interesse für die Lebensform des Mannes. Dass sich dort die anerkannten Fragen und Perspektiven langsam wandeln[2], ist nicht zuletzt der neueren historischen Frauenforschung zu verdanken. Dieser geht es nicht um die bloße Anreicherung des Wissenschaftskanons mit "Frauenthemen" oder "frauenspezifischer Forschung", der Frauenforschung geht es insgesamt um einen "anderen Blick auf Geschichte"[3] und um den Versuch, Spurensicherung von Frauenexistenz zu betreiben, die über die Bedingungen der weiblichen Identitätsbildung aufklären soll.

Auf der Spurensuche nach Frauenidentitäten und deren Bildung in der Literatur stoßen wir zunehmend auf die Schriften von Vertreterinnen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts, die dem Leser dank einiger Verlage wie Fischer oder dtv seit wenigen Jahrzehnten wieder zugänglicher gemacht wurden. Diese Schriften zeugen vielfach von einer intensiven Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Geschlechteridealen. Sie gehen über die bloße Kritik der meist von Männern normierten Rollenzuordnungen und über die Beschreibung der realen damaligen Lebenszustände hinaus. Formuliert wurden eigene Entwürfe der Geschlechterverhältnisse und daraus Emanzipationsanforderungen abgeleitet. Diese Bestrebungen nach größerer wirtschaftlicher und sozialer Selbständigkeit der Frau und ihrer politischen und rechtlichen Gleichstellung mit dem Mann setzten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Es waren Forderungen nach dem Recht der Frau auf Bildung, dem Recht auf Erwerbsarbeit und dem Recht auf Teilnahme am politischen Leben, die unaufhörlich lauter wurden.

Die deutsche Frauenbewegung bildete sich maßgeblich vor dem Hintergrund der bürgerlichen Revolution von 1848/49 in Deutschland heraus. Auch wenn einschlägige Recherchen den Beginn der deutschen Frauenbewegung auf diese Zeit festlegen beziehungsweise auf den überregionalen Zusammenschluss engagierter Frauen im Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) im Jahr 1865, finden sich die ersten Emanzipationsansätze bereits in der vorrevolutionären Epoche – im Vormärz. Doch werden diese kaum berücksichtigt und nur als erste Anzeichen eines veränderten weiblichen Bewusstseins gewertet.[4] Beeinflusst wurde die deutsch Frauenbewegung mit ihren ersten Ansätzen zur Emanzipierung der Frau durch die Frauen aus England und denen aus Frankreich, deren Ideen und gelebten Vorbilder.

Zu den ersten emanzipierten deutschen, meist aus dem gehobenen und mittleren Bürgertum stammenden Vormärzschriftstellerinnen zählten etwa Louise Otto (später Louise Otto-Peters) Fanny Lewald und ebenso Henriette Goldschmidt sowie Auguste Schmidt. Sie kritisierten die mangelnde Selbständigkeit und Bildung der Frau, ihre Rechtlosigkeit in der Ehe und im politischen Leben. Allen voran Louise Otto forderte bereits 1843 die Teilnahme der Frau am Staatsleben nicht nur als Recht sondern sogar als eine Pflicht der Frauen.[5] Louise Otto war als Frauenrechtlerin überaus aktiv und erreichte zudem eine Kontinuität feministischen Engagements. Wohl deshalb standen ihr Leben und ihr Wirken im Zentrum des Forschungsfeldes feministischer Literaturwissenschaft.

Louise Otto-Peters, die als Initiatorin dieser ersten Frauenbewegung gilt und diese wie keine andere zwischen 1865-1895 prägte, soll signifikant Thema dieser Arbeit sein. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Frauenemanzipation in Deutschland wird das Leben und Wirken dieser Frauenrechtlerin beleuchtet und im Kontext eines Auszuges ihrer damaligen journalistischen Veröffentlichungen analysiert.

1. Das bürgerliche Frauenbild des 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert in Deutschland wird in der Literatur als das bürgerliche bezeichnet. Es schwankte zwischen Einengung und dem Festhalten an feudalen Werten einerseits und dem Aufbruch aus diesem verfestigten und überholten System andererseits. Die Differenzierung der Geschlechter, die streng voneinander getrennten Handlungsräume von Männern und Frauen und die rechtlich manifestierte wie gesellschaftlich gelebte Abhängigkeit der Frau von ihrem sie beschützenden Vater oder Mann widersprachen diesem versuchten Aufbruch aus diesem bis dahin beständigen System. Ebenso stand es in eindeutigem Widerspruch zu den theoretischen Idealen der Bürgerlichen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Rechtsfrömmigkeit der Individuen.

Die Geschlechterdifferenzierung von Männern und Frauen bezog sich auf die Unterscheidung in intellektueller, gesellschaftlicher und emotionaler Hinsicht. Somit handelte es sich um eine absichtliche Wertbesetzung der Geschlechter.[6] Die strikte Trennung der Wirkungsbereiche wurde damit begründet, dass die Geschlechterdifferenzierung wesensmäßig, naturgesetzlich und damit universal sei. Die Frauen seien somit von Natur aus passiv und emotional, während die Männer aktiv und rational handelten. Daraus wurden unterschiedliche Handlungsräume abgeleitet. Dies bedeutete, die Frauen seien zu personellen Dienstleistungen befähigt und die Männer zu sachbezogener Tätigkeit bestimmt.[7] Eine Eintragung im Brockhaus Lexikon von 1898 veranschaulicht die scheinbare Allgemeingültigkeit dieser Perspektive:

„Alle die körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, durch die sich das Weib vom Manne unterscheidet, stehen im innigsten Zusammenhange mit der Bestimmung derselben, Mutter zu werden.“[8]

Durch die Aufteilung der Arbeit, die damit verankert werden konnte, kam der Frau die Rolle der Schützerin von ethisch-moralischen Normen und der Hüterin der Familie zu, welche sie als fürsorgliche Gattin des Mannes, Mutter der Kinder und Hausfrau erfüllte. Diese Rolle der Frau, die einer öffentlichen Aufgabe gleichkam, konnte sie allerdings nur in ihrem privaten Wirkungsfeld ausüben.

Im Gegensatz dazu repräsentierte der Mann nach außen die politische und wirtschaftliche Stellung der Familie, bewahrte die Ehre der Familie und somit die eigene und galt allgemein als Beschützer von Frau und Kindern.

Beide Wirkungs- beziehungsweise Handlungsbereiche bedingten einander, das bedeutet, dass beide aufeinander angewiesen und untrennbar verbunden waren. Folglich besaß die Frau alleine keine gesicherte rechtliche Stellung und Lebensgrundlage und der Mann andererseits konnte ohne die Frau seine wirtschaftlichen und politischen Aufgaben nicht erfüllen.[9]

1.1 Die rechtliche Stellung der Frau

Das weibliche Naturell wurde maßgebend mit dem Prädikat ’fürsorglich’ beschrieben und galt allgemein als natürlich, physisch und psychisch unterlegen. Daher wurde ihr im Rahmen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung die Aufgabe anvertraut, die Familie zu erhalten und zu sichern. Die Familie galt im 19. Jahrhundert als Ort der Aufrechterhaltung und Produktion beziehungsweise Reproduktion bürgerlicher Werte. Im öffentlichen Leben wurde Frauen lediglich eine indirekte und vermittelnde Rolle zuteil. Demzufolge benötigten Frauen ebenfalls keine eigene Repräsentation im Staat, denn sie seien bereits im Organismus der Familie vertreten, deren natürlicher Repräsentant der Mann sei.[10] Bereits 1813/14 wurde in Preußen der Status des Vollbürgers explizit an den waffentragenden Mann vergeben, so dass die Frauen keinen Bürgerstatus besaßen und somit aus der bürgerlichen Öffentlichkeit ausgeschlossen waren.[11]

Die patriarchalisch aufgebaute innere Ordnung der Familie, welche zu ihrer sozialen Geltung gehörte, bedeutete für die differenzierten Wirkungsbereiche von Mann und Frau, dass die wesentlichen und finalen Entscheidungen, in rechtlicher und sittlicher Hinsicht, bei dem Mann lagen. Folglich war das weibliche Geschlecht, Tochter wie Ehefrau, ebenfalls im Familienrecht unweigerlich der väterlichen beziehungsweise der männlichen Autorität unterstellt. Das bei einer Eheschließung von der Frau eingebrachte Vermögen verfiel im Anschluss augenblicklich an den Ehemann und sie war fortan dazu nicht mehr verfügungsberechtigt. Ebenfalls der Zuerwerb der Frau während der Ehe fiel unter das Vermögen des Mannes.

Nach biologisch und ökonomisch gültigem Gesetz sei Kreativität und Genie Männersache und während Männern eine aktive Rolle zukäme, fiele den Frauen nur eine Passive zu. Demgemäß bedeutete das für die Literatur, dass Frauen die geborenen Leserinnen wären und die Männer zum Schreiben prädestiniert.

2. Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung

Dass die deutsche Frauenbewegung bereits über 150 Jahre alt ist, geriet erst mit der neuen Frauenbewegung der 60er Jahre in das öffentliche Bewusstsein. Bereits in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, so stellten Historiker fest, wuchs bei einigen Frauen das Engagement, die allgemeine Bevölkerung auf die gesellschaftliche Lage der Frauen aufmerksam zu machen und darüber hinaus Freiheit, Gleichheit und Selbständigkeit zu fordern. Die Aufbruchstimmung im Vormärz, der Vorphase der Revolution von 1848/49, gab auch den Emanzipationsbestrebungen neue Impulse, so dass Frauen wie Louise Otto, Fanny Lewald oder auch Louise Aston auf die Unterdrückung der Frauen aufmerksam machten. Eine Bewegung im Sinne einer organisierten Interessenvertretung entstand im Vormärz noch nicht, doch es wurde bereits die Problematik der benachteiligten Stellung des weiblichen Geschlechts thematisiert und ebenso wurden Emanzipationsansätze formuliert, die auf eine selbstbestimmte Lebensführung aller Frauen abzielten.

[...]


[1] Becker-Cantarino 1980, S. 246 ff.

[2] Wehler 1981, S. 326.

[3] Hausen 1983, S. 22ff.

[4] vgl. Schenk 1983

[5] Twellman 1972, S. 1.

[6] vgl. Frevert 1995, S. 21.

[7] vgl. Frevert 1995, S. 21.

[8] zitiert in: Frevert 1995, S. 38.

[9] vgl. Frevert 1986, S.20ff.

[10] vgl. Frevert 1995, S. 55.

[11] vgl. ebd., S. 127f.

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640740130
ISBN (Buch)
9783640740567
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160952
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Louise Otto-Peters Frauenemanzipation Vormärz

Autor

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Titel: Louise Otto-Peters Frauenemanzipation im deutschen Vormärz