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Drogen in den Filmen “Scarface” und „Maria, llena eres de gracia“

Mediale Darstellung, Problemvermittlung und gesellschaftliche Hintergründe

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Meinungsbildung durch Bildereinsatz

Scarface
Inhalt
Historischer Hintergrund
Politisches Statement und gesellschaftskritische Aussage
Inszenierung eines bildgewaltigen Abstiegs
Das Wesen des Protagonisten im Zuge des Kokainkonsums
Die Funktion der Droge im Film

Maria voll der Gnade
Inhalt
Filmische Herangehensweise und Umsetzung
Grundsatzproblematik der Machtverhältnisse und sozialen Ursachen
Verwendung und Funktionalität der Droge

Schlussbemerkung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Jeder Drogenkonsument hat seine eigene Geschichte. Der Kontakt des Einzelnen mit legalen oder illegalen Mitteln ist nur aus dem Kontext heraus verständlich. In welchem sozialen Umfeld befindet er sich, wer oder was hat ihn bisher geprägt, welche Ziele hat er für seinen persönlichen Werdegang? Was verspricht er sich von den Drogen? Ähnliches gilt für die Drogenproduzenten und die Personen, welche in irgendeiner Weise am Vertriebssystem teilnehmen. Diese Beweggründe stehen fast immer in einer Verbindung mit den gesellschaftlichen Bedingungen eines Landes oder einer Region, aber auch mit den politischen Strukturen der Drogenpolitik. Handelt es sich um inkriminierte Stoffe, gibt es gesetzliche Ausnahmeregelungen, wie entwickelt sich der Schwarzmarktpreis? Rechtliche Regelungen können sich ändern, ähnlich wie auch die Sichtweise auf bestimmte Sucht- und Rauschmittel. Beleuchtet man die Historie der Prohibition, so zeigt sich, dass die Definition von „Drogen“ und auch die Umgangsformen mit diesen wandelbar waren, abhängig von Zeit und Ort des Geschehens. Entwickelten sich die ersten nationalen und dann auch transnationalen Rahmenstrukturen im Kampf gegen Drogen anhand von rassistischen Motiven, globalen Machtverschiebungen und veränderten Konsummustern1, so wird die globale Drogenpolitik heutzutage noch in besonderem Maße von wirtschaftlichen und lobbyistischen Faktoren beeinflusst. Meistens wird von staatlicher Seite eine restriktive Verbots- und Bevormundungstaktik im Bereich der deklarierten Suchtmittel verfolgt, um den Bürger vor sich selbst und den potentiellen Gefahren durch andere Mitbürger zu schützen. Das Prinzip der Eigenverantwortung des vermeintlich selbstständig denkenden Staatsbürgers der westlichen Länder bleibt somit weitgehend auf der Strecke. Scheinen auch die Rahmenbedingungen bei dieser Thematik selten und nur langsam Veränderungen unterworfen zu sein, ist ein spezieller Einflussfaktor auf die Drogenperzeption in besonderem Maße hervorzuheben: Die Macht der Medien, im speziellen die Macht der bewegten Bilder. Filme, sofern sie nicht indiziert oder gar verboten werden, die einem Massenpublikum zugänglich gemacht werden können, besitzen die Fähigkeit Blickwinkel zu verändern. Sie können entweder soziale, wirtschaftliche Strukturen kritisieren, indem sie beispielsweise drogenspezifische Probleme anprangern. Sie können aber auch bestehende Klischees kolportieren durch die Visualisierung politisierter Drogenopfer und Rauschgifttäter aus bestimmten Milieus. Deshalb sollte sich dem Zuschauer bei der Analyse von Filmen, die die Drogenthematik aufgreifen, direkt die Frage stellen, welche Konstruktionsform gewählt worden ist und welche Botschaft möglicherweise vermittelt werden soll. Fast immer wird der Drogenkonsum als etwas Furchtbares und Schreckliches dargestellt werden.2 Regisseure, die eine andere Vorgehensweise bevorzugen, ernten häufig aus konservativen Kreisen der Gesellschaft Kritik. Anhand der zwei Spielfilme „Scarface“ von Brian de Palma und „Maria, llena eres de gracia“ von Joshua Marston werde ich die dargestellten Drogenproblematiken untersuchen. Hierfür beginne ich jeweils mit kurzen Inhaltsangaben, erläutere dann die historischen bzw. sozialen Hintergründe und beschreibe anschließend die Darstellungs- und Funktionsweise der Drogen im Film. Letztendlich werde ich auf die Hauptaussagen und Botschaften der Filme zu sprechen kommen.

Meinungsbildung durch Bildereinsatz

Filme, in denen Drogen thematisiert werden, transportieren fast zwangsläufig Topoi. Sie greifen in ihrer Darstellung und medialen Umsetzung auf Klischees zurück, bedienen sich historisch-politischer Stigmatisierungsmuster bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, Schichten bzw. Milieus und erschaffen gleichzeitig in ihrer Bildhaftigkeit einen speziellen Blickwinkel beim Rezipienten. So steht jede Droge sinnbildlich für eine spezielle soziale Klasse oder als Ausdruck einer kategorisierten Lebensweise. Betrachtet man Filme, die bewusstseinsverändernde - und erweiternde Mittel zum Gegenstand haben, so fallen vorgenommene Einteilungen sofort ins Auge. Alkohol steht als Metapher des Scheiterns für den heruntergekommen Säufer, den Proll oder den Menschen, der an seinen Problemen zu Grunde geht. Heroin funktioniert als die totbringendste aller Drogen und ist Ausdruck größter Tragik. Sie wird als Zeichen des Verfalls eingesetzt und charakterisiert Personen, die meist überhaupt keinen sozialen Halt mehr haben und sich am vermeintlichen Boden der Gesellschaft befinden. Hinzu kommt hierbei der gezeigte Einsatz von Nadeln, die schmerzhaft in den menschlichen Körper eindringen müssen und ein Loch in die physische Unversehrtheit reißen. Der körperliche Zerfall des Drogenkonsumenten erhält somit eine extreme Darstellungsform. Die Identifikation mit dem Protagonisten des Films erweist sich als sehr gering, während hingegen Mitleid oder Abscheu meist hervorgerufen werden. Marihuana dient als erheiterndes Mittel in Komödien. Fröhlichkeit und Lässigkeit werden als Wirkung beim Konsumenten in den Vordergrund gestellt und erzeugen beim Zuschauer dadurch die positivste Sicht auf eine Droge. Kokain wird als Partydroge der Reichen und Schönen vermittelt. Reines Kokain ist teuer und steht für den kurzen, aber intensiven Kick in einer sinnentleerten Gesellschaft oder als Aufputschmittel um ständigem Erfolgsdruck standzuhalten.3

Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass mit jeder Art von Droge verschiedene Assoziationen hervorgerufen werden, die in besonderem Maße durch die Massenmedien der heutigen Zeit ins Kollektive Empfinden eingebrannt wurden und auch noch werden. In diesem Zusammenhang besitzen Filme, gleich ob Spiel- oder Dokumentarfilme, aufgrund ihrer visuellen Projektionskraft die wichtigste Funktion im Bezug Meinungsbildung, Informationsvermittlung und Zuschauerbeeinflussung.

Scarface

Inhalt

Der Film „Scarface“ von Brian de Palma aus dem Jahr 1983 mit Al Pacino in der Hauptrolle stellt ein Remake des gleichnamigen Filmes von Howard Hawkes dar, der im Original die Geschichte von Al Capones Aufstieg zum Gangsterboss in Chicago erzählt. Die Kulisse des Remakes ist das Miami der frühen 80er Jahre. Im Zuge der US-Grenzöffnung im Mai 1980 gelangt der Kleinkriminelle Antonio „Tony“ Montana nach Florida. Nachdem er im Auftrag von Frank Lopez einen wichtigen Kommunisten getötet hat, bekommen seine Freunde und er eine Aufenthaltsgenehmigung. Tony schlägt sich zunächst als Tellerwäscher durch, doch dabei bleibt es nicht lange: Nach einem gefährlichen Auftrag im Drogengeschäft, bei dem Tony fast mit dem Leben bezahlen muss, lernt er Frank Lopez persönliche kennen, der Montana in sein Kokainsyndikat integriert. Der Kleingauner entwickelt sich zum Unterboss und macht sich schnell einen Namen auf den Straßen von Miami, auch dank seiner Skrupellosigkeit. Bei einem Geschäftsabschluss in Kolumbien mit dem Drogenbaron Alessandro Sosa wird der Protegé Omar Suarez als vermeintlicher Informant enttarnt und von Suarez umgebracht. Dies und der Geschäftsabschluss führen zum Bruch zwischen Montana und Lopez, woraufhin ein Krieg zwischen den beiden ausbricht, woraus Montana als Sieger hervorgeht. Nachdem er Lopez und den korrupten Polizisten Mel Bernstein hingerichtet hat, baut Montana, auch mit Hilfe von Sosa, ein Imperium auf. Er heiratet Elvira, die Frau von Lopez und ist auf der Höhe seines Erfolges angelangt.

An dieser Stelle leitet der Film die Katastrophe ein, die dann zur unvermeidlichen Katharsis führen muss, in diesem Fall der Tod der Protagonisten. Tony Montana konsumiert seine eigenen Drogen und verspürt trotz seines Geldes, seiner Macht und der Frau eine deutlich angezeigte Leere in seinem Leben. Seine Frau liebt ihn nicht und verlässt ihn nach einem öffentlichen Streit in einem Restaurant. Wenig kann ihn noch aus dem Whirlpool in seinem Haus reißen und er muss sich ganz auf seinen lebenslangen Freund Manny Ribera verlassen. Als dieser zu einem Deal rät, willigt Montana ein ohne die Geschichte besonders zu überprüfen. Der Deal zur Geldwäsche stellt sich als Falle der Polizei dar, die Montana der Steuerhinterziehung und Geldwäsche überführt. Zeitgleich greift ein Journalist unangenehm in die Geschäfte des Drogenkartells von Sosa ein und gefährdet dessen Integrität und anderer mächtiger Verbündete. Sosa verlangt von Montana seinen Attentäter Roberto zu unterstützen, der den Feind beseitigen soll, bevor dieser die Gelegenheit erhält vor den Vereinten Nationen zu sprechen. Das Attentat soll per Autobombe durchgeführt werden. In dem betroffenen Auto fahren allerdings auch die Kinder des Opfers mit, woraufhin Montana Gewissensbisse verspürt und Roberto erschießt, um die Zündung der Bombe zu verhindern. Daraufhin bricht Sosa mit ihm und entsendet eine kleine Armee. Montana kehrt von New York nach Miami zurück und sucht Manny Ray auf, der heimlich die kleine Schwester von Montana geheiratet hat. Im Affekt des Kokainrausches und von dem Gefühl der vollkommenen Verlassenheit überwältigt, erschießt Tony seinen besten Freund und flieht mit seiner Schwester in seine Villa. Er verbarrikadiert sich dort vor den Männern von Sosa, die aber durch ihre Überzahl den Kampf gewinnen und Montana von allen Seiten angegriffen wird. Er stürzt angeschossen über das Treppengeländer in den Brunnen in seiner Halle, in dem eine Weltkugel installiert ist mit den Worten „The World is Yours“. Damit endet der Film.

[...]


1 Vgl. http://www.zeitenblicke.de/2009/3/tanner.

2 Vgl. http://www.film-kultur.de/glob/kurz-fachtagung_2008-10.pdf.

3 Vgl. http://www.filmzentrale.com/essays/drogengs.htm.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640755127
ISBN (Buch)
9783640755141
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160968
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Drogen Filmen Mediale Darstellung Problemvermittlung Hintergründe

Autor

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