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Die Rolle von IWF und Weltbank im kapitalistischen Weltsystem

Lassen sich IWF und Weltbank mit Immanuel Wallersteins Theorie des kapitalistischen Weltsystems erklären?

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das kapitalistische Weltsystem bei Immanuel Wallerstein
2.1. Die Ausbreitung des kapitalistischen Weltsystems
2.2. Die Dreiteilung des kapitalistischen Weltsystems
2.3. Die Rolle des Staates im kapitalistischen Weltsystem

3. Entstehung und Struktur von IWF und Weltbank
3.1. Der Internationale Währungsfonds (IWF)
3.2. Die Weltbank
3.3. Der Washingtoner Konsens

4. IWF und Weltbank im Lichte der Theorie Wallersteins
4.1. IWF und Weltbank als staatliche Einrichtungen
4.2. IWF und Weltbank als Hilfsmittel zur Sicherung von Handelsbedingungen
4.3. IWF und Weltbank und die Umverteilung
4.4. IWF und Weltbank und die Ausdehnung des kapitalistischen Weltsystems
4.5. IWF und Weltbank und die Proletarisierung der Haushalte

5. Fazit

6. Ausblick ins Weltsystem

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit oder inwieweit auch nicht sich der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank mit ihren Politiken durch die Weltsystemtheorie Immanuel Wallersteins erklären läßt. In welcher Weise lassen sich das Handeln und die Zielsetzung von IWF und Weltbank in die Theorie Wallersteins einfügen?

In einem ersten Teil werden die wesentlichen Elemente der Theorie Immanuel Wallersteins erläutert, die in Bezug auf die Fragestellung als wichtig erscheinen. Hierbei geht es insbesondere um die Ausbreitung des kapitalistischen Weltsy­stems als Grundlage der Theorie sowie die Dreiteilung des Systems in Zentrum, Semiperipherie und Peripherie und die Rolle des Staates im kapitalistischen Weltsystem.

In einem zweiten Schritt wird dann zunächst die Entstehungsgeschichte von IWF und Weltbank erläutert und auch ein kurzer Blick auf den Washingtoner Konsens geworfen, der ab den 1990er Jahren Leitlinie für diese Institutionen geworden ist.

Hieran schließt sich die Bearbeitung der eigentlichen Fragestellung an: Die Untersuchung der Frage, inwieweit sich IWF und Weltbank durch die Theorie Wallersteins erklären lassen. Dabei erscheinen die Gewichtungen, die zunächst auf die Erläuterungen der Theorie Wallersteins gelegt wurden sowie weitere Aspekte, die im Rahmen der Untersuchung als wichtig erscheinen.

Als Literatur werden insbesondere die Werke »Der historische Kapitalismus«, »Utopistik«, sowie der Aufsatz »Klassenanalyse und Weltsystemanalyse« von Immanuel Wallerstein herangezogen. Bezüglich Aufbau und Politik von IWF und Weltbank werden verschiedene Werke herangezogen, die sich in verschie­dener Weise kritisch mit IWF und Weltbank auseinandersetzen. Hauptsächlich finden »Die Schatten der Globalisierung« von Joseph Stiglitz, der als Ökonom selbst für die Weltbank tätig war und tiefe Einblicke in die Institutionen Welt­bank und auch IWF bekommen hat, Verwendung und »IWF & Weltbank« von Burak Copur und Ann-Kathrin Schneider, die für das globalisierungskritische Netzwerk Attac arbeiten.

2. Das kapitalistische Weltsystem bei Immanuel Wallerstein

2.1. Die Ausbreitung des kapitalistischen Weltsystems

Immanuel Wallerstein beschreibt das Weltsystem als eine Weltökonomie, die definiert ist als System mit einer einzigen Arbeitsteilung (vgl. Wallerstein 1983, 311). Seine Definition von »Weltsystem« schließt nicht die ganze Welt an sich von Anfang an ein. Die Bezeichnung »Weltsystem« definiert Wallerstein als ein System, welches größer ist als einzelne Staaten: »Es ist ein Weltsystem, nicht weil es die ganze Welt umschließt, sondern weil es größer ist als jede juridisch definierte politische Einheit« (Wallerstein 1986, 27).

Die kapitalistische Weltwirtschaft entstand in Europa und Teilen der westlichen Welt und dehnte sich in mehreren Schüben weiter aus, bis es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geographisch global war, und erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die entlegeneren Weltregionen integriert wur­den (vgl. Wallerstein 2002, 17).

Der Grund für die Ausdehnung des kapitalistischen Weltsystems lag unter ande­rem in der Proletarisierung der Haushalte. Darunter ist die Abhängigkeit von Haushalten von Lohnarbeit zu verstehen (vgl. Wallerstein 1984, 18f). Je mehr ein Haushalt vom Verdienst der Lohnarbeit abhängig war, desto höher mußte der Lohn ausfallen, um alle Kosten des Haushalts zu decken, während halbpro- letarisierte Haushalte, die also noch andere Quellen hatten, um ihren Lebens­unterhalt zu bestreiten, als die Lohnarbeit, auch niedrigere Löhne für die gleiche Arbeit akzeptierten. Insofern hatten die Produzenten ein Interesse daran, daß es möglichst wenig proletarisierte Haushalte gibt (vgl. Wallerstein 1984, 21ff).

Mit zunehmender Proletarisierung der Haushalte in den Kerngebieten breitete sich das kapitalistische Weltsystem immer weiter in Zonen aus, in denen die Proletarisierung der Haushalte nicht so weit fortgeschritten waren. Das Niveau der Realeinkommen der Gebiete, die jeweils neu in die Weltwirtschaft einge­gliedert wurden, lag am untersten Ende der Lohnhierarchie (vgl. Wallerstein 1984, 33).

2.2. Die Dreiteilung des kapitalistischen Weltsystems

Das kapitalistische Weltsystem unterscheidet sich von anderen Sozialsystemen, die ihm vorangingen, im Einsatz von Kapital in einer ganz bestimmten Weise: Es »wurde mit dem vorrangigen Sinn und Ziel eingesetzt, sich selbst zu vermeh­ren« (Wallerstein 1984, 9).

Wallerstein beschreibt eine strukturelle Dreiteilung des kapitalistischen Weltsy­stems, nämlich daß die Weltökonomie aus einen einzigen Markt besteht, der vom Prinzip der Gewinnmaximierung beherrscht wird, daß eine Reihe staatli­cher Strukturen unterschiedlicher Stärke nach innen und außen vorhanden ist, und daß die Aneignung von Mehrarbeit in einem Ausbeutungsverhältnis statt­findet, welches drei Stufen umfaßt (vgl. Wallerstein 1983, 305 f).

Das dreiteilige System, welches bei der Aneignung der Mehrarbeit zum Zuge kommt, »wiederholt sich in allen Institutionen der kapitalistischen Weltökono­mie« (Wallerstein 1983, 306). Denn es ist diese Dreiteilung, die die Stabilität des Systems garantiert. Insofern hebt Wallerstein hervor, daß die Oberen im Sy­stem stets darum bemüht seien dafür zu sorgen, daß nicht nur eine Unterschicht, sondern auch eine Mittelschicht gibt. Dieser Aufbau spiegelt sich auch im kapi­talistischen Weltsystem wieder, in dem es Staaten des Zentrums, der Semiperi­pherie und der Peripherie gibt (vgl. ebd.).

Die mittleren Sektoren, also die Semiperipherien im Staatensystem oder die Mittelschicht in der Gesellschaft sind wohlhabender als die unteren Schichten beziehungsweise die Staaten der Peripherie, beuten diese also ihrerseits aus, während die mittleren Sektoren ihrerseits selbst von den oberen ausgebeutet werden. Die mittleren Schichten betrachten sie sich selbst als wohlhabender als die unteren Schichten, statt sich als weniger wohlhabend zu betrachten als die oberen Schichten (vgl. Wallerstein 1983, 308). Dies wirkt auf das System als solches stabilisierend.

Hervorzuheben ist, daß die dreiteilige Schichtstruktur für Wallerstein kein Spe­zifikum des kapitalistischen Weltsystems ist. »Die dreigeteilte Schichtstruktur stellt den Normalzustand jeder Art von Weltsystem dar. Sollte dies jedoch ein­mal nicht mehr der Fall sein, löst sich das Weltsystem auf« (Wallerstein 1983, 310; Hervorhebung im Original).

2.3. Die Rolle des Staates im kapitalistischen Weltsystem

Zu den Strukturprinzipien des kapitalistischen Weltsystems gehören auch staat­liche Strukturen, die, wie bereits unter 2.2. erläutert, dreistufig organisiert sind. Starke Staaten stehen schwächlichen und schwachen Staaten gegenüber. Zwar überschreitet das kapitalistische Weltsystem die juridisch festgelegt Grenzen, also die Staatsgrenzen, jedoch kommt das kapitalistische Weltsystem ohne Staaten nicht aus.

In den Zentren konzentrierte sich der Mehrwert, der aus den schwächeren Zonen der Peripherie abfloß und »schuf sowohl die finanzielle Basis als auch die politi­sche Motivation, starke Staatsapparate zu gründen, die [...] die Fähigkeit hatten, sicherzustellen, daß die Staatsapparate peripherer Zonen relativ schwächer wur­den und blieben« (Wallerstein 1984, 27). Denn in den schwachen Staaten liegen auch die Arbeiter am unteren Ende der Lohnhierarchie und sind gegenüber den Kapitalakkumulatoren in einer schwachen Position.

Eine weitere Aufgabe des Staates in einer kapitalistischen Weltwirtschaft ist die Begrenzung des Zugangs zu Märkten. Insofern hängen Kapitalisten auch von Staaten ab, beziehungsweise von der Zusammenarbeit mit Staaten, vorzugsweise starken Staaten, denn »selbstverständlich hängt der Grad, zu dem ein indivi­dueller Kapitalist einen gegebenen Markt monopolisieren kann, zum großen Teil vom Handeln des Staates ab, der das Monopol legitimieren kann [...]« (Waller­stein 2002, 45).

Zudem besteht die Anforderung an den Staat, daß er Leistungen erbringt, wie zum Beispiel die der Infrastruktur, aus der die meisten Menschen einen Nutzen ziehen, wobei dieser Nutzen jedoch nicht für alle gleich groß ist (vgl. Waller­stein 1984, 46f). Zudem wird vom Staat gefordert, umzuverteilen. Die Forde­rung nach Umverteilung wird nicht nur aus der Bevölkerung an den Staat heran­getragen, sondern auch von den Kapitalisten. Daraus ergibt sich das Dilemma des Staates, auf der einen Seite mit den Forderungen nach mehr Leistungen konfrontiert zu sein, bei gleichzeitigen Bemühungen der Steuerzahler, die Steu­erquote zu drücken (vgl. Wallerstein 2002, 52). »Den doppelten Druck auf den Staat, die Ausgaben zu erhöhen, aber gleichzeitig die Steuern zu senken, kann man als »fiskalische Krise der Staaten« bezeichnen.« (ebd.).

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Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640743001
ISBN (Buch)
9783640742967
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161080
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1.7
Schlagworte
Wallerstein Weltsystem Kapitalismus Weltbank IWF

Autor

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Titel: Die Rolle von IWF und Weltbank im kapitalistischen Weltsystem