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Das narrative Interview in der qualitativen Sozialforschung

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Interviews in der qualitativen Forschung- Definitionen und Allgemeines
1.1 Erzählgenerierende Interviews

2. Das narrative Interview
2.1 Die Datenerhebung
2.2 Die dreifachen Zugzwänge des Erzählens

3. Die Analyse des narrativen Interviews

4. Die Aufgaben der Beteiligten in der Interviewsituation

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der Sozialforschung interessieren immer wieder die Funktionen und Strukturen der gesamten Gesellschaft. Die Komplexität einer Gesellschaft lässt sich durch die individuellen Biographien einzelner Mitglieder erfassen

Doch wie gelangt man als Forscher an die individuelle Lebensgeschichte unbekannter Menschen und wie kann man diese für die Sozialforschung verwertbar machen?

Dazu kann eine individuelle Biographie rekonstruiert und anschließend ausgewertet werden, wobei das Forschungsinteresse bei biographischen Deutungsmustern und Interpretationen des Biographieträgers liegt (vgl. Schütze 1983, S.284)

Unter einer Biographie werden die verschiedenen Prozesse an denen ein Biographieträger teilhatte verstanden. Diese Prozesse treffen zusammen, wirken zusammen und beeinflussen sich gegenseitig (vgl. Detka 2005, S.353)

Fritz Schütze vertritt die These, dass es sinnvoll ist, die Frage nach den Prozessstrukturen des individuellen Lebenslaufs zu stellen und davon auszugehen, dass es elementare Formen dieser Prozessstrukturen gibt, die im Prinzip in allen Lebensläufen anzutreffen sind. Darüberhinaus nimmt Schütze an, dass es systematische Kombinationen derartiger elementarer Prozessstrukturen gibt, die als Typen von Lebensschicksalen gesellschaftliche Relevanz besitzen

Die Lebensgeschichte ist eine sequenziell, also zeitlich, geordnete Aufschichtung größerer und kleinerer in sich sequenziell geordneter Prozessstrukturen. Mit dem Wechsel der dominanten Prozessstruktur im Fortschreiten der Lebenszeit ändert sich auch die jeweilige Gesamtdeutung der Lebensgeschichte durch den Biographieträger. Wichtig für diese Gesamtbiographie sind die interne Abfolge von inneren und äußeren Ereignissen und Zuständen und der Übergang zwischen einem Endpunkt und einem neuen Anfangspunkt (vgl. Schütze 1983, S.284f.)

Da das narrative Interview eine geeignete Methode ist, um die Biographien einzelner Individuen zu untersuchen, wird sich die folgende Arbeit mit diesem Datenerhebungsverfahren beschäftigen

Die Anfänge des Einsatzes von Interviewmethoden in der Sozialforschung sind gegen Ende des 19.Jahrhundert zu verzeichnen (vgl. Friebertshäuser 1997, S.373). Zu Beginn beinhaltet Kapitel 1 zunächst eine knappe Einführung zur Datenerhebung mittels Interviews in der qualitativen Forschung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den erzählgenerierenden Interviews, welchen auch das narrative Interviewverfahren zugehörig ist

Das narrative Interview ist eine sprachbezogenen qualitative Forschungsmethode zur Generierung und Analyse empirischer Daten und steht in biographischen Studien im Zentrum der Erhebung. Über Sprache soll die in sozialen Interaktionen konstituierte Wirklichkeit erfasst werden, woraus Wahrnehmungs-, Handlungs- und Bewertungsorientierungen resultieren (vgl. ebd., S.375; vgl. auch Detka 2005, S.351ff.)

Kapitel 2 beschäftigt sich daher mit den zentralen Schritten der Datenerhebung und den im Interview entstehenden dreifachen Zugzwängen des Erzählens. Dadurch gewinnen die Erfahrungsaufschichtungen des Interviews an Verständlichkeit

Kapitel 3 beschreibt die einzelnen Analyseschritte des narrativen Interviews nach Fritz Schütze. Das narrative Interview unterscheidet sich zu anderen qualitativen Interviews. Es zielt nicht darauf, bereits aufgestellte Hypothesen mittels der Ergebnisse des Interviews zu prüfen, sondern der Forscher interpretiert diese Ergebnisse, um daraus Hypothesen zu bilden

Jedoch kann das narrative Interviewverfahren auch an Grenzen stoßen. Um diese zu überwinden, werden im 4.Kapitel die zu beachtenen Aufgaben der Beteiligten in der Interviewsituation erläutert. So sollen möglich entstehenden Problemen entgegengewirkt werden

Abschließend sollen in einem Fazit die zentralen Punkte der narrativen Interviewführung zusammenfassend dargestellt und der Bezug zur Sozialforschung und der praktischen sozialen Arbeit hergeleitet werden

1. Interviews in der qualitativen ForschungDefinitionen und Allgemeines

„Das Interview erscheint als einfach Methode, nicht zuletzt aufgrund seiner Nähe zum Alltagsgespräch. Fragen zu stellen liegt nahe und erscheint so leicht. Darin liegt etwas Verführerisches…“ (Friedrichs 1990, S.209 zit. nach Friebertshäuser 1997, S.371)

Da man durch Interviews einen schnellen Zugang zum Forschungsfeld, sowie den darin lebenden Personen erhält, werden diese in der qualitativen Forschung häufig eingesetzt und spielen eine zentrale Rolle. Durch Interviews erhalten die Befragten die Gelegenheit über ihre Biographie, Erfahrungen und Kontexte zu berichten und machen so diese Informationen der Forschung zugänglich (vgl. ebd., S.371)

Ein Interview ist eine verabredete Zusammenkunft zweier Personen in direkter oder indirekter Interaktion, auf der Basis vorab getroffener Vereinbarungen und damit festgelegter Rollenvorgaben als Interviewender und Befragter. Mittels der Interviewtechniken für die sich der Interviewende entschieden hat, können verbale Daten erhoben, sowie Auskünfte und Erzählungen des Befragten hervorgelockt werden (vgl. ebd., S.373)

1.1 Erzählgenerierende Interviews

Erzählgenerierende Interviews arbeiten ausdrücklich nicht mit einem vorbereiteten Gesprächsleitfaden und grenzen sich so von üblichen Frage-Antwort-Interviews ab. Diese Interviewtechnik hat damit zum Ziel, die Interviewten zu Erzählungen ihres Alltags, ihrer Biographie oder speziellen Ereignissen anzuregen. Bei der Interviewführung ist es also wichtig, das Datenmaterial nicht durch Leitfragen vorzustrukturieren, sodass der Befragte die Erzählung über seine Lebensgeschichte selbst gliedert. Der Interviewer nimmt dabei die Rolle des interessierten Zuhörers ein, der sich zurückhält (vgl. ebd., S.373 und S.386)

2. Das narrative Interview

Insbesondere in der Biographieforschung hat das narrative Interview, dass hauptsächlich von Fritz Schütze entwickelt wurde, einen hohen Stellenwert und entwickelte sich zu einem Standardinstrument dieser Forschungsrichtung

Dieses Erhebungsverfahren folgt nicht dem sonst üblichen Frage- und Antwortschema von Interviews, sondern die Aufgabe des Befragten ist es, den Gegenstandsbereich in einer ausführlichen und durch den Forscher ungestörten Stegreiferzählung begreifbar zu machen (vgl. Hermanns1992, S.119; vgl. auch Friebertshäuser 1997, S.387)

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Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640744879
ISBN (Buch)
9783640745319
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161142
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Erziehungswissenschaften
Note
Schlagworte
Interview Sozialforschung

Autor

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Titel: Das narrative Interview in der qualitativen Sozialforschung