Lade Inhalt...

Kinder- und Jugendliteratur im Dritten Reich

Strategien zur Indoktrination des Judenhasses mit Texten und Bildern

Examensarbeit 2005 348 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“
1.1 Darstellung und Analyse des Inhalts
1.2 Originaltext

2. „Der Giftpilz“
2.1 Darstellung und Analyse des Inhaltes
2.2 „Der Giftpilz“
2.3 „Woran man die Juden erkennt“
2.4 „So kamen die Juden zu uns“
2.5 „Was ist der Talmud?“
2.6 „Warum sich Juden taufen lassen?“
2.7 „Wie ein deutscher Bauer von Haus und Hof vertrieben wurde“
2.8 „So betrügen jüdische Händler“
2.9 „Was Hans und Else mit einem fremden Manne erlebten“
2.10 „Wie es Inge bei einem Judenarzt erging“
2.11 „So behandelt der Jude sein Dienstmädchen“
2.12 „Wie zwei Frauen von Judenrechtsanwälten betrogen wurden“
2.13 „So quälen die Juden die Tiere“
2.14 „Was Christus von den Juden sagte“
2.15 „Der Gott der Juden ist das Geld“
2.16 „Wie der Arbeiter Hartmann Nationalsozialist wurde“
2.17 „Gibt es anständige Juden?“
2.18 „Ohne Lösung der Judenfrage keine Erlösung der Menschheit“
2.19 Originaltext

3 „Der Pudelmopsdackelpinscher und andere besinnliche Erzählungen“
3.1 „Die Drohnen“
3.2 „Der Kuckuck“
3.3 „Die Hyänen“
3.4 „Das Chamäleon“
3.5 „Die Heuschrecken“
3.6 „Die Wanzen“
3.7 „Die Sperlinge“
3.8 „Der Pudelmopsdackelpinscher“
3.9 „Die Giftschlangen“
3.10 „Der Bandwurm“
3.11 „Die Bazillen“
3.12 „Ruf an die Jugend der Welt“
3.13 Originaltext

4. „Klaus - Der Hitlerjunge“
4.1 Originaltext

5. „Hurra die Reichswehr!“
5.1 Originaltext

6. Rückblick auf die behandelten Erzählungen in Form einer kritischen Reflexion unter Einbeziehung weiterer Schriften

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

Vorwort

Mit diesem Buch soll nationalsozialistische Kinder- und Jugendliteratur dargestellt, analysiert und für nachfolgende Generationen aufgearbeitet werden. Somit richtet es sich nicht nur an Linguisten und Geschichtswissenschaftler, sondern auch an Eltern und Lehrer, die ein Stück Geschichte begreifbar machen möchten sowie an alle anderen Menschen, die versuchen möchten nachzuvollziehen, wie fast ein ganzes Volk von Adolf Hitlers Ideologie konditioniert werden konnte.

Hierfür habe ich die Bücher „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“ von Elvira Bauer, „Der Giftpilz“ und „Der Pudelmopsdackelpinscher“ von Ernst Hiemer, „Klaus - Der Hitlerjunge“ von Bernhard Wende d. Ä. und Ilse Wende-Lungershausen sowie „Hurra die Reichswehr!“ von Hilde Drahn und Curt Schulz ausgewählt. Die ersten drei werden ausführlich analysiert und diskutiert, während die beiden letzteren im Originaltext und -bild weitgehend unkommentiert bleiben. Während Elvira Bauer mit ihrem Buch eher die ganz jungen Leser anspricht und jene, die das in Reimform verfasste Büchlein vorgelesen bekommen, hat „Der Giftpilz“ als Zielgruppe die 10- bis 14-jährigen Kinder, die entweder selber lesen oder sich noch gerne vorlesen lassen. „Der Pudelmopsdackelpinscher“ richtet sich an Jugendliche und Erwachsene zum Selberlesen. Einige Geschichten daraus sind intellektuell und didaktisch so gestaltet, dass sie auch jüngeren Kindern vorgelesen werden könnten, wenn die Vorleser den zweiten Teil aussparen oder zusammenfassend vortragen.

Auch die Text-Bild-Relation lässt diese Zielgruppendifferenzierung zu, da es von einer Text- und einer dieser gegenübergestellten Bildseite in Elvira Bauers Buch übergeht zu einer mehrseitigen Geschichte mit jeweils einem dazugehörigen, liebevoll gestalteten ganzseitigen Bild in „Der Giftpilz“ bis zu langen Geschichten mit nur sehr undetailliert gezeichneten, schwarz-weiß gehaltenen Illustrationen in „Der Pudelmopsdackelpinscher“.

Ein weiteres Kriterium für diese Altersspezifikation ist auch der didaktische Rahmen, welcher sich um die Geschichten spannt. Während Elvira Bauer durch Reime wiederkehrende Stereotype in das Gedächtnis der Zielgruppe zu imple- mentieren versucht, wird in „Der Giftpilz“ mit Autoritätspersonen als Beispiele für korrektes Verhalten argumentiert. „Der Pudelmopsdackelpinscher“ enthält zweigeteilte Geschichten, deren erster Teil Erzählungen aus der Tierwelt ent- hält, die dann im zweiten Teil kommentiert und differenziert werden. Die Daten ihrer Erstveröffentlichung entsprechen der hier behandelten Reihen- folge: 1936 („Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“), 1938 („Der Giftpilz“) und 1940 („Der Pudelmopsdackelpinscher“). Man kann eine ständige Intensivierung der Inhalte und des damit zusammenhängenden Verbreitens von Hass beobachten. Auch die Judenverfolgungen wurden in diesen Jahren immer massiver und offen- sichtlicher.

Meine Erkenntnisse möchte ich nun darstellen, indem ich die drei Bücher ein- zeln untersuche und im Anschluss daran einen Überblick über die weitere Lite- ratur gebe, die damals unter Kindern und Jugendlichen verbreitet wurde. Hierfür werde ich „Klaus der Hitlerjunge“ von Bernhard Wende d. Ä. und Ilse Wende-Lungershausen, „Hurra die Reichswehr!“ von Hilde Drahn, „So war’s bei uns in Knippelbrück“ von Friedl Ratke und die weit verbreitete Schülerzeitung „Hilf mit!“ des NS-Lehrerbundes einer genaueren Betrachtung unterziehen. Aber auch die Zeitschrift „Der Stürmer“, die in Julius Streichers Stürmer-Verlag in Nürnberg erschien, werde ich an mehreren Stellen zitieren. Sowohl dessen Verlag ist mit dem der drei hier schwerpunktmäßig behandelten Bücher iden- tisch als auch dessen Botschaft, die den Hass auf alles Jüdische vermitteln sollte. Darüber hinaus fand „Der Stürmer“ als kostenlose Werbepostille für die Bücher Verwendung.

Im Fazit werde ich die Ergebnisse abschließend kurz zusammenfassen.

1 „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“

Im Jahr 1935 erschien im Stürmer-Verlag Julius Streichers in Nürnberg ein Buch, das wie kein anderes zuvor Propaganda gegen die Juden verbreitete. Sein Titel lautet: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei sei- nem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“, im Folgenden mit „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid...“ abgekürzt. Der erste Teil dieses Buchtitels ist unter 5 der insgesamt 21 Gedichte als Warnung an die Leser vor den Juden gedruckt. Damit ist gemeint: „Dem Juden könnte man nicht trauen, wenn er Eid auf Hy- pokrates [sic!] (Ärzte) oder auf Justitia (Juristen) geschworen hat.“1 Autorin und Zeichnerin soll die damals 18jährige Elvira Bauer gewesen sein, wobei über ihr Alter verschiedene Angaben existieren und auch ihre Autorschaft nicht sicher ist.

Elvira Bauer wird in „Der Stürmer“ Nr. 51 von 1936 folgendermaßen beschrie- ben:

„(…) Elvira Bauer, ein Mädel aus dem Volke, das eben 18 Jahre alt geworden ist, war seit langem Stürmer-Leserin gewesen. Aber nicht bloß gelesen hat sie den Stürmer, sie hat das, was in ihm stand, auch in sich aufgenommen. (…) Elvira Bauer, das 18 jährige [sic!] Mädel, spielte ein paar Jahre hindurch in ei- nem Kinderheim mit den Kleinen und Kleinsten. So lernte sie das Kind in sei- nem Denken und Fühlen kennen. Und weil sie erkannt hatte, daß man schon dem Kinde sagen müsse, wer der Jude sei und welche Gefahr er dem Volke bringe, faßte sie den Plan, ein Bilderbuch zu schaffen, aus dem sich kleine und große Kinder Aufklärung holen können. (…) Aber eines Tages faßte sie sich doch ein Herz und ging ,zum Streicher’. Kaum hatte dieser die ersten Blätter gesehen und die ersten Verse gelesen, da war die Sache auch schon entschie- den. ,Mädel,’ sagte der Streicher, ,das ist ja ausgezeichnet, das hat uns bisher gefehlt!’ Das war an einem Sommertag des Jahres 1936. Es war der Glückstag für das 18 jährige Mädel aus dem Volke. Und das ist die Geschichte des Bilderbuches von Elvira Bauer.“

Die Juden werden als ehrloses Volk dargestellt, das nur dem Talmud unterworfen ist, nicht aber einem Eid, den einzelne seiner Mitglieder durch ihren Beruf bedingt leisten mussten. Daher ist auf dem Titelblatt des Buches in der rechten oberen Ecke das Bild eines Juden zu sehen, der seine Finger beim Schwur kreuzt und dabei hinterhältig grinst. Nicht weniger verschlagen soll der in der linken unteren Ecke abgebildete Fuchs erscheinen, der seit dem Altertum Hinterlist und Falschheit verkörpert.

Die Verschlagenheit des Fuchses findet sich in unzähligen Geschichten und Fabeln. Im mittelalterlichen Werk „Reinhart Fuchs“ von Heinrich dem Glîche- zâren zeigt er sich als böser Verführer, der die anderen Tiere mit List und Tücke ins Unglück stürzt. Einige verlieren dabei ihre Gliedmaßen, sehr viele tierische Protagonisten müssen jedoch für ihre Gutgläubigkeit und Vertrauensseligkeit mit dem Leben bezahlen, wie das Finale zeigt. Hier wird Reinhart Fuchs vor den Löwen Vrevel, den König der Tiere, geführt, wo er wegen seiner zahlrei- chen Verbrechen angeklagt werden soll. Da der Fuchs allerdings weiß, dass ihn die Todesstrafe erwartet, bedient er sich einer List, um sein Fell und somit sein Leben zu retten. Er nutzt die Leichtgläubigkeit und die Selbstgefälligkeit Vrevels aus, indem er sich ihm als Gesandter eines berühmten Arztes vorstellt und ihm anbietet, ihn von seinen Leiden zu befreien. Reinhart Fuchs greift zu mehreren Listen, um alle seine tierischen Widersacher auszuschalten, damit sie ihm auch später nicht mehr schaden können. Er verlangt von vielen seiner Kontrahenten ein diese das Leben kostendes Opfer, angeblich für die Genesung König Vre- vels. Alle anderen werden von Reinhart Fuchs betrogen und selbst König Vre- vel entkommt seiner Hinterlist nicht und büßt seine Arglosigkeit mit dem Leben. Auch als Ehebrecher zeigt sich Reinhart Fuchs, indem er mit der Wölfin Her- sant, Isengrins Frau, den Beischlaf vollzieht. Er wird in dem gesamten Werk als böses und gewissenloses Wesen dargestellt, dem das Leben und die Befind- lichkeit anderer Lebewesen völlig gleichgültig ist und das nur auf seinen eige- nen Vorteil bedacht ist.

Dies ist ebenfalls die Intention des Buches „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid …“. Hier wird allerdings der Fuchs durch die Person des Juden ersetzt. Die Attitüden, die dem Fuchs in der mittelalterlichen Fabel unterstellt werden, sind hier bewusst auf die Juden übertragen worden, um sie negativ zu charakterisieren und ihre Vernichtung zu rechtfertigen. Die Schulbehörden hatten dieses Buch nicht für den Unterricht freigegeben und sogar vielen Funktionären des Nationalsozialismus war es zu geschmacklos und primitiv. Damit war es jedoch ganz nach Julius Streichers Sinn, denn er galt zu seiner Zeit sogar unter seinen Parteigenossen als einer der hetzerischsten Antisemiten und wurde von einigen wegen seiner „pervers-neurotischen Zwangsvorstellungen“ gemieden.2

Das Buch ist in zwei thematische Teile untergliedert. Der erste Teil befasst sich mit den Vorwürfen und Unterstellungen gegen die Juden und im zweiten Teil werden die nationalsozialistischen Gegenmaßnahmen beschrieben. Diese äu- ßern sich in der Verherrlichung Julius Streichers und seiner Wochenzeitschrift „Der Stürmer“, dem Boykott jüdischer Händler, hier eines jüdischen Kaufhaus- betreibers, dem Ausschluss der jüdischen Schüler und Lehrer aus deutschen Schulen bis hin zur Ausgrenzung von Juden aus Erholungsgebieten. Das posi- tive Gegenbild zu den Juden stellt die Zeichnung einer Gruppe von Hitlerjungen vor einer alpinen Kulisse dar. Das zugehörige Gedicht enthält folgende Zeilen:

„Den deutschen Führer lieben sie.

Den Gott im Himmel fürchten sie. Die Juden, die verachten sie. Die sind nicht ihresgleichen; Drum müssen sie auch weichen!“

(S. 40, Z. 13-17)

Hier ist erkennbar, dass sich eine Sprachabgrenzung zur Darstellung der Ge- fühle der Hitlerjungen, stellvertretend für das deutsche Volk, vollzieht: Liebe - Furcht - Verachtung. Damit wird ein Spektrum intensiver Gefühle angespro- chen.

Die Liebe ist eine starke Empfindung, die Menschen in die Lage versetzen kann, auch unüberwindbar erscheinende Schwierigkeiten zu meistern. Dazu fällt mir allerdings auch das Sprichwort „Liebe macht blind“ ein, das als eine mögliche Erklärung für den unreflektierten Gehorsam und die Gefolgschaft der Menschen in Bezug auf die Verfolgung der nationalsozialistischen Ziele und Ideale sein könnte. Die Furcht ist ebenfalls eine starke, meistens nicht beein- flussbare Emotion. Die Gottesfurcht jedoch ist ein Gefühl, das jedem Gläubigen zueigen sein sollte. Die Verachtung ist eine häufig durch Beeinflussung hervor- gerufene, manchmal auch durch eigene Erfahrung gebildete Regung.

Dieses Gefühl ist von den drei genannten auch das, welches scheinbar am schwersten zu revidieren ist, denn für die Verachtung sind objektive Argumente häufig irrelevant. Ebenso wie der Hass ist die Verachtung tief im Gefühlsleben des jeweiligen Menschen verankert. Das ist ein starker Antrieb für dementsprechendes Denken und Handeln.

Mit dem gezielten Ansprechen dieser Gefühle der Verachtung und des Hasses versucht Elvira Bauer, durch den Text und die farbenfrohen Zeichnungen die Leserschaft gegen die Juden aufzuwiegeln und die Vertreibung des gesamten jüdischen Volkes aus Deutschland voranzutreiben und zu rechtfertigen. Besonders das letzte Bild des Buches, auf dem einige der zuvor dargestellten Juden dem Schild „Einbahnstraße“ folgen und mit leichtem Gepäck griesgrämig ihres Weges ziehen, stellt das Ziel dieses Buches dar:

Dass alle Juden gehen und nie wieder zurückkehren.

Bei dem Begriff „Einbahnstraße“ erscheint mir sofort das Bild der Konzentrationslager, denn der Gang dorthin war für einen Großteil der Juden ebenfalls eine Reise ohne Wiederkehr und somit auch eine Einbahnstraße, die in der Sackgasse des Todes endete. Diesen Weg beschritten die meisten Juden ohne zu wissen, was sie am Ende erwartete. Auch die Worte „tempo, tempo“ auf dem Schild lassen vermuten, dass die Vernichtung der Juden Elvira Bauer und den Nationalsozialisten gar nicht schnell genug gehen konnte.

Der Schriftzug „Die Juden sind unser Unglück!“ auf dem von einem Jungen ge- haltenen Schild soll eindringlich zeigen, wie wichtig der Weggang der Juden für das deutsche Volk ist. Dieser Satz stand auch in jeder Ausgabe des „Stürmer“.

Dieser bewarb das Buch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid …“ intensiv, wie an diesen beiden Ausschnitten erkennbar ist:

„(…) Das Wissen vom Juden aber ist das Wissen vom Teufel. Ein Volk, dass von Geschlecht zu Geschlecht das Wissen vom teuflischen Treiben des Volkes Juda weitervererbt, bleibt davor bewahrt, auf's neue [sic!] der Schlange (und damit dem Teufel!) zu glauben und sein Glück für immer zu verlieren. Solch unverlierbares Wissen von den Gefahren, die den nichtjüdischen Völkern vom Juden drohen, wird nur dann einem Volke werden, wenn Herz und Hirn schon in frühester Jugend (und damit in empfänglichster Zeit!) dafür in Anspruch genommen werden. Die Eindrücke, die man schon in frühester Kindheit empfängt, bleiben unverlierbar durchs ganze Leben. (...)

Das Bilderbuch: ,Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid’, das in diesen Tagen in die deutschen Lande hinausgeht, will mithelfen mit freudigen Farben und verständlichen Versen der deutschen Jugend schon in ihrer Frühzeit Vermittlerin ernsten Wissens zu sein. Aber nicht bloß für die kleinen Kinder hat Elvira Bauer dieses einzigartige Bilderbuch geschaffen. Auch für Große ist es bestimmt (...).

Wer zu großen und kleinen Kindern sprechen will, muß die Sprache des Kindes und seine Aufnahmefähigkeit kennen. Elvira Bauer weiß, wie man es dem großen und kleinen Kinde sagen muß. Und Groß und Klein werden es ihr danken, daß sie das erste und beste Bilderbuch schuf, das man im neuen Reich mit seinem neuen Volk auf jeden Weihnachtstisch legen soll.3

Diese euphorische Werbung fand noch in derselben sowie in weiteren Ausga- ben des „Stürmer“ seine Fortsetzung durch die Werbeanzeige mit dem Wort- laut:

„(…) Meisterhaft versteht die Verfasserin, die Jugend in ein Wissensgebiet einzuführen, daß nur Wenigen bekannt geworden ist. In anschaulicher Weise wird hier mit Bildern und Versen gesagt, wer der Teufel der Welt ist. Hier wird der Jude gezeigt, wie er leibt und lebt.

Deutsche Eltern! Legt dieses Bilderbuch in die Hand eurer Kinder. Ihr macht ihnen damit eine große Freude und helft mit, sie zu erziehen, daß sie im späte- ren Leben mit offenen Augen sehen, wer der große Feind der Menschheit ist. Das kleine Meisterwerk ist im Stürmer-Verlag, Nürnberg erschienen (...).“4

Der Text ist in Sütterlin gesetzt. Besondere Hervorhebungen erfahren einzelne Worte und ganze Sätze durch Druck in roter Farbe. Dies geschieht mit den Textteilen, die Negativattribute der Juden und Parolen zur Hetze gegen diese enthalten.

Unter dem Titel „Die Juden ärgern sich - Ein Bilderbuch und seine Folgen“ erschien in der Ausgabe 6 des „Stürmer“ von 1937 ein Artikel, der beschreibt:

„Unser ,Bilderbuch für Groß und Klein’ hat dem Weltjuden das Jahresende ver- dorben und lässt ihn auch im Jahresanfang nicht zur Ruhe kommen. (…) Wenn Juden sich ärgern, dann offenbaren sie sich in ihrer ganzen Dummheit und Lä- cherlichkeit. Daß unser 'Bilderbuch für Groß und Klein' den Weltjuden dazu brachte, daß er sich wieder einmal so ganz als Jude offenbarte, gereicht die- sem Buch zur Ehre.“

Dieser Artikel diffamiert die Juden, indem er ihnen vorwirft, dass Dummheit und Lächerlichkeit zu ihren Wesenszügen gehören, die sich offenbaren, sobald sie sich über etwas ärgern. Dass der Ärger der Juden, sofern dieser vorhanden war, über diese Schmähschrift gerechtfertigt war, wird hier weder eingeräumt noch toleriert.

Der Titel dieses Artikels erinnert sehr an das Spiel „Mensch, ärgere dich nicht“, der von den Nationalsozialisten umgedeutet wurde in „Juden raus! - Das zeit- gemäße und überaus lustige Gesellschaftsspiel für Erwachsene und Kinder“, das damals verkauft wurde. Dabei mussten die Spielfiguren Judenhütchen sammeln und diese auf einem Sammelplatz ablegen. Wer zuerst „sechs Juden- hütchen auf den Sammelplatz gebracht hat, (…) rückt (…) ohne Rücksicht auf die gekennzeichneten Felder nach dem Mittelplatz vor. Erreicht er ihn als Erster, dann bekommt er den ersten Preis.“5 Dieses so 1934 in der Presse beworbene Gesellschaftsspiel erlebte im Jahre 1982 eine verachtenswerte Re- naissance, als von Neonazis in Deutschland an jüdische Bürger ein Spiel mit dem Titel „Jude ärgere Dich nicht“ versandt wurde.6 Dieses Spiel ist meiner An- sicht nach an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Die Spieler erhal- ten jeweils sechs Spielfiguren, wovon jede einzelne für eine Million Juden ste- hen soll. Diese Spielfiguren sollen aus den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Auschwitz, Majdanek und Treblinka, die in der Form des Davidsterns den Ausgangspunkt bilden, in die Gaskammern in der Mitte des Spielfeldes geführt werden. Die Spielanleitung zeugt vom Wortlaut her von pu- rer Menschenverachtung, wie als Beispiel der fünfte Punkt belegen kann: „Drängeln und behindern ist verboten - jeder kommt mal dran.“ Dies könnte der Spieler so interpretieren, dass die Juden gar nicht eilig genug in die Gaskam- mern gelangen konnten, um die Welt von sich selbst zu erlösen. Dieses Spiel stellt die Massenvernichtung in der Maske eines Spaßes dar, was dessen rea- litätsfremden und menschenverachtenden Charakter besonders unterstreicht.

1.1 Darstellung und Analyse des Inhalts

Das erste Gedicht trägt den Titel „Der Vater der Juden ist der Teufel“. In diesem wird den Juden unterstellt, dass sie von ihrem „Teufelsvater“ (Z. 13) das Lügen „mit Note 1“ (Z. 12) gelernt haben, was sodann im Talmud seine Niederschrift fand. Der Talmud wird in einer unter dem Gedicht abgedruckten Fußnote als „Das Buch mit den jüdischen Verbrechergesetzen“ definiert. Nachdem die Ju- den in ägyptischer Sklaverei „mit Hängemaul und Nasenzinken und wutver- zerrtem Augenblinken“ (Z. 23 f) geschuftet haben, trägt der Teufel sie nach Deutschland. Diese verbale Darstellung findet sich grafisch umgesetzt in der dazugehörigen Zeichnung. Auf dieser sind verschiedene Völker im Familien- verband abgebildet, die Juden jedoch als kleine, weiß gewandete Gestalten, die auf einer überdimensionierten Teufelsfigur mit Hörnern, Krallenhand, Schwanz und Pferdefuß durch die Nacht fliegen. Dieses Bild zeigt den Teufel als feuer rotes, zotteliges Wesen, das dieselben Gesichtzüge trägt, mit denen auch die Juden im weiteren Verlauf beschrieben und gezeichnet werden: Hakennase, wulstige Lippen, starker Bart- und Körperhaarwuchs. Durch diese Art der Prä- sentation neben Familien wird impliziert, dass die Juden „Kinder des Teufels“ sind.

„Das abstoßende Körperbild ist das Ergebnis des teuflischen Schöpfungsaktes. Es ist im Blut angelegt, also ein rassisches Merkmal.“7

Im zweiten Gedicht werden die deutschen „Tugenden wie Arbeitsamkeit, Kämpfertum, Mut, Schönheit und Stolz“8 verkörpert durch einen muskulösen, blonden Mann mit ebenmäßigen aber dennoch markanten Geschichtszügen und einer Schaufel in der Hand als Zeichen seiner Schaffenskraft. Ihm wird ein untersetzter buckliger Jude gegenübergestellt, der seine Zigarre im Winkel der wulstigen Lippen hält und die Börsenzeitung in der Jackentasche trägt. Seine Aktentasche und der Stift hinter dem Ohr weisen auf finanzwirtschaftliche Tätig- keiten hin. Das Gedicht sagt über ihn, dass er „der größte Schuft im ganzen Reich“ (Z. 6) sei und den Deutschen wegen seiner Schönheit und seines Mutes hasse, da er selbst hässlich sei.

Das Gedicht „Der ewige Jude!“ stellt die Juden als Christusmörder dar. Der Jude Ahaswer habe Christus auf dessen Kreuzigungsgang die Rast an seiner Türe verwehrt und müsse daher zur Strafe bis in alle Ewigkeit ziel- und rastlos umherziehen.

„Der Jud schleicht wie ein Fuchs herum Drum schaut Euch um!“ (Z. 37 f)

Die dazugehörige Zeichnung zeigt einen wild aussehenden Mann mit verknif- fenen Gesichtszügen, Hakennase, wulstigen Lippen, buschigen eng zusam- menstehenden Augenbrauen sowie wirren langen Haaren und Bart. Sein dicker Leib wird von einem schwarzen Mantel umhüllt. Auf seinem Handrücken wach- sen schwarze Haare. Auf einen Stock gestützt geht er mit zwei prall gefüllten Säcken auf dem Buckel ins Dunkle, wobei er sich grimmig umschaut. Diese Figur erinnert sehr an die Darstellung des „schwarzen Mannes“ in Geschichten, mit denen Kinder vor zu großer Vertrauensseligkeit gegenüber Fremden ge- warnt werden sollen. Die prall gefüllten Säcke könnten Kinder enthalten, die nicht auf entsprechende Warnungen gehört haben. Aber auch Diebesbeute könnte darin enthalten sein, denn als Diebe wurden die Juden auch häufig be- zeichnet.

Das nächste Gedicht möchte über „Jüdische Namen“ aufklären. Hierin wird den Juden vorgeworfen:

„Damit den Jud man soll nicht kennen, tat bald er anders sich benennen.“ (Z. 1 f)

Dies ist jedoch sachlich falsch, denn „seit dem frühen 19. Jh. wurde es Juden in europäischen Ländern zur gesetzlichen Pflicht gemacht, bürgerliche Namen anzunehmen. (Preußen 1812)“9. Daher waren sie zur Annahme eines Namens verpflichtet und machten dies nicht zur Verschleierung ihrer Herkunft, wie ihnen von den Nationalsozialisten häufig vorgeworfen wurde. Dadurch wird die gesamte Intention dieses Gedichtes als Lüge enttarnt.

Das Gedicht „Jud bleibt Jud“ handelt vom Juden Itzig, der sich hat taufen lassen. Bei einem freitäglichen Besuch des Pfarrers sieht dieser eine gebratene Gans auf Itzigs Tisch, obwohl Christen freitags kein Fleisch essen sollen. Der vom Pfarrer zur Rede gestellte Jude erklärt dies so:

„Das, was du siehst auf meinem Tisch, Ist keine Gans, das ist ein Fisch!

Ein Gänslein tat ich kaufen Gebraten wollt ich´s taufen Und sagte, als es war am Tisch: Du warst ne Gans und bist ein Fisch!“

(Z. 29 ff)

Hierdurch maßt Itzig sich an, das Sakrileg der Taufe selbst durchführen zu können. Dass er ein getötetes Tier getauft haben will, soll die blasphemische Einstellung der Juden zum christlichen Glauben belegen.

Auch das zu dieser Geschichte gehörende Bild zeigt einen schwitzenden, dicken, unrasierten Juden mit Hakennase und wulstigen Lippen, der zur Mit- tagszeit im Morgenmantel und mit Pantoffeln bekleidet am Tisch sitzt. Er lässt sich die Gans, den Wein und eine im Aschenbecher qualmende Zigarre schmecken. Der über seinem Kopf hängende Kalender, den ein Davidstern ziert, zeigt als Wochentag einen Freitag. Am Finger trägt Itzig neben einem Ring mit rotem Stein auch einen mit dem Davidstern, um ihn eindeutig als Ju- den identifizieren zu können. Der ihn besuchende Pfarrer bekommt vor Schreck den Mund nicht mehr zu über das frevelhafte Verhalten des Juden. Das Resü- mee des Gedichtes lautet:

„Fünf Eimer Wasser über´m Schopf Verändern keinen Judenkopf!“

Das sollt Ihr merken gut, Ein Jude bleibt ein Jud!“

(Z. 39 ff)

Dadurch soll der Leserschaft vermittelt werden, dass selbst durch die Taufe kein Jude zum Christen werden kann.

Im Gedicht „Der Viehjude“ wird einem in Not geratenen Bauern von einem jüdi- schen Viehhändler für seine Kühe und Schweine nur ein Bruchteil ihres Wertes gezahlt. Das ruiniert den Bauern. Auf der Zeichnung betrachtet der Bauer ver wundert einige Münzen in seiner Hand, als könne er gar nicht glauben, dass er sich so übervorteilen lassen konnte. Der dicke Viehhändler treibt unter dem Ge- schnatter der Gänse und Küken mit einem zufriedenen Grinsen die Kühe und Schweine vom Hof. Er freut sich offensichtlich darüber, ein gutes Geschäft ge- macht zu haben.

Das Gedicht „Der Sabbat“ beschreibt die Handlungen der Juden an diesem Tag:

„Er geht auch hin zum Wasserguß, Vor´m Sabbat er sich waschen muß! Doch tut er es nicht gar so fest, Für ferne Zukunft bleibt der Rest.“

(Z. 11 ff)

Diese Zeilen beschreiben die Juden als unsaubere Menschen, deren Religion ihnen zwar gebietet, sich am Sabbat zu waschen, was sie allerdings nur halb- herzig ausführen, so dass nicht der ganze Schmutz verschwindet. Auch das Beten mit dem Gebetsriemen wird ins Lächerliche gezogen: „(Oh Gaudi, sapperlot!)“ (Z. 10). Auf der Zeichnung ist ein korpulentes, edel gekleidetes Ju- denpaar auf dem Weg in die Synagoge abgebildet, das von einem jungen Ra- ben mit erstaunt geöffnetem Schnabel im Vordergrund sowie von einem blon- den Jungen ohne Schuhe und Strümpfe aus dem Hintergrund beobachtet wird. Der Junge soll die arme Bevölkerung darstellen, um die sich die Juden nicht kümmern. Das Judenpaar auf diesem Bild würdigt den Knaben keines Blickes, sondern geht mit geradeaus gerichteten Augen und verkniffenem Gesichtsaus- druck seines Weges. Hiermit werden die Juden auch als gefühllos und egois- tisch gezeichnet.

Das folgende titellose Gedicht schildert die Juden ebenfalls als geldgieriges und geiziges Volk, das von seinem Reichtum nichts abgibt. Das jüdische Volk wird von dem Kaufhausbesitzer Aaron Kahn repräsentiert, der zwar wie in Zeile 7 beschrieben einen riesengroßen Goldsack besitzt, den Armen allerdings ein Stück Brot verwehrt, wie im Bild dargestellt ist. Ein dicker, Zigarre rauchender Jude weist einem zerlumpt gekleideten alten Mann und einem blonden barfüßi- gen Mädchen die Tür. Die Abgewiesenen sehen hager und ärmlich aus. Der alte Mann legt tröstend die Hand auf den Kopf des Mädchens, das mit ängst- lichem Blick vor ihm her von der Tür des Juden fortläuft. Dieses Gedicht soll ein weiteres Beispiel für den Geiz und die Mitleidlosigkeit der Juden sein.

„Der Jude Isaak Blumenfeld“ ist Metzger und verkauft schmutziges Schweinefleisch an seine deutschen Kunden. Er nimmt es mit der Hygiene nicht genau. Juden essen kein Schweinefleisch. Daher verkauft er es nur an Deutsche. Das Fleisch wird durch den Schmutz schwerer, wodurch sich ein höherer Gewinn erwirtschaften lässt. Dies liest sich im Gedicht dann so:

„Ein Stück liegt auf dem Boden, Eins ist in Katzenpfoten.

Den Judenmetzger stört das nicht. Das Fleisch nimmt zu ja an Gewicht Und - man darf nicht vergessen Er braucht´s nicht selber essen!“

(Z. 7 ff)

„Der Stürmer“ warnt die Deutschen in der Ausgabe 3 von 1937 vor der „(…) Lebensgefahr, (…) wenn sie ihren Fleisch- und Wurstbedarf beim Judenmetzger decken. (…) Judenmetzger (verkaufen) bewusst das verdorbene Fleisch von ,treso’ geschächteten, kranken und verendeten Tieren (… als) Hinrichtungsfutter für ,Unbeschnittene’ (…).“

Mit diesem Artikel sollen Deutsche darauf aufmerksam gemacht werden, dass jüdische Metzger sie bewusst vergiften möchten. Somit wird diesen Mord vorgeworfen, um von den wahren Absichten der Deutschen abzulenken und diese zu rechtfertigen: Der Massenmord an den Juden.

Das Gedicht „Der jüdische Rechtsanwalt“ bezichtigt einen solchen, durch die Verschleppung des Prozesses, den er für ein deutsches Bauernpaar bestreiten soll, sich dessen ganzes Hab und Gut angeeignet zu haben. Gemäß Zeile 39 haben die Bauersleute den Prozess gewonnen, allerdings sind ihre „Sach und Geld (…) beim Judenadvokat“ (Z. 41 f). Dies ist sachlich falsch dargestellt, denn die siegreiche Partei bekommt von der unterlegenen ihre gesamten Auslagen erstattet. Daher ist der verurteilte Prozessgegner auch verpflichtet, die Bezah- lung des jüdischen Anwaltes zu übernehmen, so dass den Bauersleuten kein Schaden entstanden sein kann außer dem des zeitlichen Aufwandes. Der ent- sprechende Paragraph 91 der Zivilprozessordnung (ZPO) von 1935 lautet: „(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbeson- dere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten (…). (2) Die Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei sind in allen Prozes- sen zu erstatten (…). (3) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne der Abs. 1, 2 gehören auch die Kosten eines vorausgegangenen Güteverfahrens (…).“10 Elvira Bauer wusste dies vielleicht nicht, was mit ihrem jugendlichen Alter zu erklären wäre. Es wäre allerdings auch die Schlussfolgerung möglich, dass diese Tatsache absichtlich verschwiegen wurde, um die Juden als raffgieriges, nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Volk darzustellen.

Die dazugehörige zweigeteilte Zeichnung zeigt auf dem oberen Bild einen schlanken Anwalt, der seine wohlgenährten Klienten freundlich und zuvorkom- mend begrüßt, was gemäß der Datumsanzeige des Wandkalenders ein knap- pes Jahr später nicht mehr der Fall ist. Dann blickt der mittlerweile sehr korpu- lente Anwalt, mit einer Zigarre in der Hand an seinem Schreibpult sitzend, überheblich auf seine abgemagerten Klienten. Diese sehen im Vergleich zum ersten Bild nicht mehr so freundlich aus. Der Bauer schaut, während er sich mit krummem Rücken auf seinem Stock abstützt, den Anwalt flehend an. Die Ge- sichtszüge der Bäuerin sind von Wut verzerrt. Sie erkennen ihren Fehler zu spät, dass sie zu leichtgläubig waren und dem Anwalt besser nicht vertraut hätten.

Das nachfolgende Gedicht trägt den Titel „Das Dienstmädchen“. Ein deutsches Mädchen vom Land tritt in den Dienst einer jüdischen Familie. Sowohl das Hausherrenpaar als auch deren drei Töchter lassen das Dienstmädchen schuften, „Denn Putzen, Kochen, Fegen Ist Schande und nicht Segen! So sagt der Jud für seinen Stand, Nimmt deutsche Mädchen sich vom Land, Die kann er fest traktieren nach [sic!] jüdischen Manieren…“

(Z. 11 ff)

Hiermit soll ausgedrückt werden, dass es christlichen Dienstmädchen in jüdischen Familien sehr schlecht erging, was jedoch nicht stimmt. „Dienstmädchen in jüdischen Häusern wurden erfahrungsgemäß sehr gut behandelt. Eine Stellung in einer jüdischen Familie war sehr begehrt.“11

„Doch schinden will man sie Noch schlimmer als ein Vieh.“

(Z. 19 f)

Durch diesen Satz soll die schlechte Behandlung des Dienstmädchens ebenso hervorgehoben werden wie durch die Anweisung des Juden an seine Frau:

„Dem Goi magst du zum Leben Das Aas zu essen geben.“

(Z. 23 f)

Das dazugehörige Bild zeigt ein Dienstmädchen, das mit demütig herabge- senkten Augenlidern Schuhe putzt, während eine hässliche Frau mit Einglas in der Hand, offenbar eine Jüdin, sie beobachtet und Anweisungen gibt. Im Hin- tergrund ist eine rauchende Jüdin vor dem Spiegel mit der Morgentoilette be- schäftigt. Eine wohlgenährte Katze auf einem Schemel komplettiert die schein- bare Idylle.

Die nächsten beiden Gedichte tragen keine Titel, thematisch beschäftigen sie sich jedoch mit dem Verhältnis der jüdischen Männer zu deutschen Frauen.

Das erste Gedicht beginnt mit den Versen:

„Was ist der Jud ein armer Wicht! Mag seine eignen Frauen nicht! Er meint, er sei entsetzlich schlau, Wenn er sich stiehlt ´ne deutsche Frau.“

(Z. 1 ff)

Diese Verse machen deutlich, dass Elvira Bauer keine Ahnung vom Judentum hatte, denn „nach rabbinischer Auffassung (kann) das Judesein nur über die Mutter weitergegeben werden.“12 Die Vereinigung von Juden mit Nichtjüdinnen würde das Ende des jüdischen Volkes nach sich ziehen. Auch das Verb „steh- len“ ist hier deplatziert, denn wie auf dem Bild zu erkennen ist, legt der Jude zwar Besitz ergreifend seinen Arm um die Frau, diese wendet jedoch scheu und sittsam ihren Blick von ihm ab. Er versucht, sie mit einem Geschenk in Form einer Perlenkette für sich zu gewinnen. Also umwirbt er sie und raubt sie nicht gewaltsam, wie der Inhalt des Gedichtes vermitteln möchte.

Dem Werben eines jüdischen Mannes scheint die Frau im nächsten Gedicht nachgegeben zu haben. Ihr Vater wirft ihr vor, dass sie „um schöne Kleider und um Geld“ (Z. 5) dem Werben des Juden Sali Rosenfeld nachgebe und sogar gedenke ihn zu heiraten. Davor warnt ihr Vater sie mit den Worten:

„Ans Wagenjoch der guten Kuh Spannt niemals man den Dackel zu! Das ist ja die Unmöglichkeit!“

(Z. 9 ff)

Diese Aussage gepaart mit der Feststellung „Wir sind doch alle reinen Bluts!“ (Z. 3) zeigt auf, dass die Verbindung einer deutschen Frau mit einem jüdischen Mann Rassenschande und somit eine höchst verwerfliche Handlung ist.

Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom 15.09.1935 verbot „Mischehen“ in § 1.13 Die Abstammung war zu belegen bis in die Großelterngeneration und vor einer Heirat war neben einer solchen Ab- stammungsurkunde auch ein Ehetauglichkeitszeugnis14 vorzulegen, das vom Gesundheitsamt ausgestellt wurde. Es umfasste sechs Seiten. Die Anlage 1 als erste Seite war das „Ehetauglichkeitszeugnis“ an sich, das mit Siegel und Un- terschrift versehen werden musste. Anlage 2, der so genannte „Unter- suchungsbogen“, enthielt die persönlichen Daten des Antragstellers, dessen Glaubensbekenntnis und die seiner Eltern sowie frühere ärztliche Behandlun- gen. Auch die Vorgeschichte des Antragstellers wurde penibel genau von der Geburt über das Bettnässverhalten, die Anzahl des Sitzenbleibens in der Schule, sein Sexualleben bis hin zum Befund sämtlicher körperlicher Organe schriftlich festgehalten. Am Ende dieser vierseitigen Anlage wurde mit dem Stempel des untersuchenden Arztes und seiner Unterschrift entweder zur Ehe- schließung geraten oder nicht. Je nach Befund durfte die Ehe mit einem/einer Unfruchtbaren oder Erbkranken eingegangen werden, wenn entweder beide Partner unfruchtbar waren oder einer unfruchtbar und der andere erbkrank, denn aus solchen Verbindungen konnte kein Nachwuchs entstehen. In der An- lage 3 findet sich die Bescheinigung, auf Grund derer das Ehetauglichkeits- zeugnis mit Siegel und Unterschrift versagt wurde, wenn entsprechende Unter- suchungsbefunde vorlagen.

Hieran zeigt sich, dass eine Heirat im Dritten Reich nicht so unproblematisch war wie zu anderen Zeiten und zwischen Juden und Christen gar nicht erst genehmigt worden wäre.

Das Gedicht „Der jüdische Arzt“ handelt von einem Mediziner, der alle mögli- chen Medikamente an deutschen Patienten ausprobiert, um einen im Sterben liegenden Juden zu heilen. Als er eine wirkungsvolle Arznei gefunden hat, ver- abreicht er sie dem jüdischen Patienten. Zuvor hat er jedoch deutsche Patien- ten als „Versuchskaninchen“ missbraucht, die zum Teil der tödlichen Wirkung der Medikamente zum Opfer fielen. Hier wird das Verbrechen, welches deut- sche Ärzte in den Konzentrationslagern an Juden begangen haben, den jüdi schen Medizinern unterstellt, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt. Belegt ist hingegen, dass in den Lagern Massenversuche an Juden unternommen wurden wie „langandauernde Unterkühlungsversuche, Fleckfieber-Impfstoff-Versuche, die Ermordung von Geistesgestörten und Behinderten.“15

Auch die Versuche, die Dr. Werner Heyde alias Dr. Fritz Sawade durchgeführt hat, sollten in diesem Zusammenhang Erwähnung finden. Von Mai 1940 bis Dezember 1941 war er Leiter einer Tarnbehörde der "Kanzlei des Führers", der "Zentraldienststelle T 4" und ihrer (Medizinischen) Abteilung I. Heyde alias Sawade organisierte während des Zweiten Weltkrieges als Obergutachter die „Operation 14 f 13“, die so genannte Lagerinsassen-Euthanasie, bei der es um die Tötung von Konzentrationslager-Häftlingen ging, Sie kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben.

An dieser Stelle vollzieht das Buch eine Wendung weg von den Anklagen ge- gen die Juden hin zur Beschreibung der eingangs erwähnten nationalsozialisti- schen Gegenmaßnahmen. Das folgende titellose Gedicht ist eine Lobeshymne auf Julius Streicher, der als „Kämpfer“ (Z. 6) für ein „gesundes Volk“ (Z. 12) und den „deutschen Geist“ (Z. 13) eintritt. Er wird auf der dazugehörigen Zeichnung in seiner militärischen Uniform gezeigt, umringt von jubelnden Kindern.

Die Darstellung erinnert sehr an die Bilder Adolf Hitlers, der von Kindern oder Tieren flankiert als Kinder- und Naturfreund dargestellt wurde, wenn er nicht von Uniformierten oder Mitgliedern der Hitlerjugend umringt war. Julius Strei- cher wird durch diese Art der Präsentation positiv hervorgehoben, was durch seine Funktion als Herausgeber des Buches „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid …“ erklärlich wird. Er hat sich so selbst ein Denkmal gesetzt. Das zeigt seine ausgeprägte Egozentrik, gepaart mit seinem Antisemitismus. Dafür spricht auch die Bildunterschrift „Das ist der Streicher“, die dafür Sorge tragen sollte, dass sein Name schon kleinen Kindern ein durchaus positiv konotierter Begriff wurde.

Auch zur Werbung für seine Wochenzeitung „Der Stürmer“ benutzte er das Buch. Das nächste titellose Gedicht beschreibt die Bekanntheit Julius Streichers in der ganzen Welt, wobei besonders herausgehoben wird, dass sogar amerikanische Zeitungen Antisemitismus verbreiten:

„Die Zeitung in Amerika, die schreibt jetzt auch schon hie und da von Judenhaß und Judenpest“

(Z. 7 ff).

Das zugehörige Bild zeigt einen der Stürmerkästen, die an allen bedeutenden Orten mit starkem Publikumsverkehr aufgestellt waren, um möglichst vielen Menschen die im „Stürmer“ verbreiteten Hassparolen nahe zu bringen. Sogar die Überschriften der Artikel sind lesbar: „So schreibt Amerika!“, „Wieder Ras- senschande“, „Jud Torschild“, „Wie der Jude betrügt!“, „Der Talmudjude“ und „Jüdische Metzger“. Die Intention ist klar und eindeutig die Verunglimpfung der Juden, wie auch der unter dem Kasten angebrachte Spruch: „Die Juden sind unser Unglück!“ erkennen lässt, der auf jeder Ausgabe des „Stürmer“ prangt. Die auf der Wand zu erkennenden Kritzeleien wollen mit „Lest den Stürmer!!!“ zum Verweilen vor dem Kasten animieren. Die Karikaturen eines Juden mit ei- ner Nase so lang wie ein Schnabel, eines Schweins darunter und der Schriftzug „Jud pfui!“ tragen zur Schürung des Judenhasses bei.

Julius Streicher wird mit einem Profilbild über einer in übergroßen roten Buch- staben angekündigten Ansprache als überaus wichtige Persönlichkeit darge- stellt. Vor dem Kasten stehen drei blonde Kinder, die interessiert den Inhalt be- trachten. Im Vordergrund sind drei schwarze Raben, die als „böse Boten des Germanengottes Odin (und) Boten des Unheils“16 gefürchtet sind, in ein Ge- spräch vertieft. Neben ihnen stehen drei schwarz gekleidete Juden. Die grimmi- gen Mienen lassen erahnen, dass sie auf der Suche nach einer Vergeltungs- möglichkeit für die im „Stürmer“ abgedruckten Hassparolen sind, denn „drum tun sie ihn gar schrecklich hassen.“ (Z. 2)

Das nachfolgende unbetitelte Gedicht ist ein Aufruf zum Boykott jüdischer Händler, denn nur bei deutschen Händlern sollte man etwas kaufen, „(w)eil billig alles ist und echt!

Beim Juden aber kauft man schlecht!“ (Z. 11 f)

Dies wird am Ende nochmals durch die Erwähnung der Autorität in Gestalt der Mutter belegt:

„Drum merke, was die Mutter spricht: Bei einem Juden kauft man nicht!“

(Z. 13 f)

Der appellative Charakter wird durch die Ausrufezeichen am Ende der Sätze und durch die direkte Aufforderung an die jungen Leser, sich die Worte der Mutter zu merken, untermauert.

Das Bild zeigt das hübsch dekorierte Schaufenster eines jüdischen Spielzeugladens, für das sich das kleine Mädchen offensichtlich sehr interessiert. Die Mutter jedoch würdigt die Auslagen keines Blickes.

Zur letztendlichen Umsetzung des Boykotts kam es in und nach der Reichskristallnacht vom 09.11.1938, bei der die meisten Deutschen tatenlos zusahen und einige sich sogar an den Plünderungen der zerstörten Geschäfte und Synagogen beteiligten.

Ebenso tatenlos, sogar mit hämischer Freude in den Gesichtern, sehen die Kinder auf der Zeichnung des nächsten unbetitelten Gedichtes zu, wie ihre jüdi- schen Mitschüler das Schulgelände verlassen müssen. Begleitet werden sie von einem jüdischen Lehrer, denn gemäß des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933“17 wird in § 3, Absatz (1) bestimmt, dass „Beamte nicht arischer Abstammung (…) in den Ruhestand zu versetzen sind. Sofern diese gemäß § 8 noch keine zehnjährige Dienstzeit vollendet ha ben, wird ihnen kein Ruhegeld gewährt.“ Damit sind die entlassenen Lehrer nach ihrer Pensionierung völlig mittellos.

Die Schüler versprechen sich laut des Gedichtes von der Entfernung der „Judenbrut“ (Z. 6), dass alles besser werde:

„´Nen deutschen Lehrer wollen wir, Der uns den Weg zur Klugheit führ´, Der mit uns wandert, spielt und dann Auch Zucht und Ordnung halten kann!

Der mit uns fröhlich ist und lacht, Damit das Lernen Freude macht!“

(Z. 7 ff)

Mit diesen Zeilen soll ausgedrückt werden, dass ein jüdischer Lehrer nicht über Klugheit verfügt und diese daher auch nicht vermitteln kann.

Auch der Wunsch nach kindlicher Kurzweil wird laut, die sodann aber wieder durch Disziplin gezügelt werden soll. Darin ist das Prinzip der Hitlerjugend zu erkennen, in der Ordnung und Disziplin als höchste Tugenden angesehen wurden und Feigheit, Schwäche und proletarische Verhaltensmuster verpönt waren. So wurde in der 64-seitigen, ganzseitig bebilderten Werbebroschüre „Das ist die HJ“, im Auftrage des Reichsjugendführers herausgegeben von Obergebietsführer Willi Körber im Jahre 1935, in der euphorischen Einleitung zur Darstellung der Hitlerjugend geschrieben:

„Hitlerjunge sein: das ist nicht Prolet sein oder Bürgersohn, das ist nicht versonnener Schwärmer und nicht rekordsüchtige Sportskanone, das ist nicht Debattierklub und nicht Soldatenspielerei.

Hitlerjunge - das ist ein Kerl sein, ein ganzer Kerl, der weiß, was er will und wo sein Platz ist im Aufbruch seines Volkes und im Umbruch unserer Zeit. Hitlerjunge - das ist die große, entschlossene Kameradschaft der Jungen, die unerschütterliche Gefolgschaft, die zukunftsgläubig und immer bereit zur Fahne und zum Führer steht.“

Durch diese Werbebroschüre sollten Jungen zum Beitritt in die Hitlerjugend überredet werden, denn die ganzseitig bedruckten Seiten trugen neugierig ma- chende und Sehnsucht weckende Fotos, kamen aber mit einem Minimum an Text aus. Meist handelt es sich nur um einen Satz pro Seite, denn nach der Einleitung sollten die Fotos für sich sprechen und ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer vermitteln.

Ebenso wie die Kinder in der Hitlerjugend mit Freude neue Dinge gelernt haben, möchten auch die Schüler in dem Gedicht Freude am Lernen haben, was nur bei einem deutschen Lehrer möglich zu sein scheint.

Das Gedicht ist zur Zeit der „schleichenden Judenverfolgung der Jahre 1933 bis Herbst 1938“18 entstanden. Die jüdischen Schüler mussten gemäß eines Erlas- ses des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung vom 13.09.193319 nicht nur an den Fächern Vererbungslehre und Rassenkunde teilnehmen und diese als ein für alle Schüler vorgeschriebenes Teilgebiet in den Abschlussprüfungen belegen. Sie wurden häufig sogar als Beispiele für die schlechten Rassemerkmale vor der gesamten Klasse bloßgestellt und ausge- grenzt. „Ab Jahresbeginn 1938 wurden die jüdischen Schüler von der gemein- samen Abiturprüfung ausgeschlossen und (…) am 15. November 1938 erfolgte (…) der Ausschluß aller jüdischen Schüler aus sämtlichen allgemeinen Volksund höheren Schulen.“20 Dadurch blieb diesen Schülern dann nur die Möglichkeit, auf eine jüdische Schule zu wechseln, wo sie Leidensgenossen fanden und eine Schicksalsgemeinschaft bildeten, die sich gegenseitig stützte und ermutigte. Da ein gebildeter Feind jedoch immer gefährlicher ist als ein ungebildeter, wurde die Schulpflicht „zum 1. Juli 1942 gleichzeitig mit der offiziellen Schließung sämtlicher jüdischer Schulen (…) aufgehoben.“21 Damit wurde den jüdischen Schülern der Weg zur Bildung verschlossen.

Aber nicht nur der Weg zur Bildung, sondern auch jegliche Erholung wurde den Juden verwehrt, wie das nachfolgende Gedicht ohne Titel assoziiert.

Es beginnt mit den Versen:

„In unserm weiten Vaterland Manch Fleckchen Erde ist bekannt

Durch Schönheit und durch seine Kraft, Wodurch Gesundheit es verschafft.“

(Z. 1 ff)

Gleich die erste Aussage belegt die Besitzansprüche der Deutschen an den Teilen Deutschlands, die „Schönheit“, „Kraft“ und „Gesundheit“ erhalten. Um die Juden von diesen paradiesischen Orten fernzuhalten, verboten Schilder mit der Aufschrift „Juden sind unerwünscht!!“ ihnen den Zutritt, wie die folgenden Zeilen verdeutlichen:

„Den Deutschen nur gehört die Luft, drum Freundchen Jude hier verduft!“ (Z. 11 f)

Hier zeigt sich ein gewisser Hang zum Slang, denn das Wort „Freundchen“ ist keineswegs positiv konotiert, sondern wird als Drohung verwendet, häufig mit dem visuellen Stimulus des erhobenen Zeigefingers. Auch das Wort „verduften“ entstammt nicht der Hochsprache, sondern ist dem Slang, aber auch der Jugendsprache zuzuordnen.

Dem hierauf folgenden Gedicht über „Des Führers Jugend“ habe ich bereits im Vorfeld auf Seite 9 einige Zeilen gewidmet. Zusätzlich ist noch anzumerken, dass auch durch Begriffe wie „echt deutsch“ (Z. 1), „das deutsche Erbe“ (Z. 6) und „das große heil´ge Vaterland“ (Z. 7) der Patriotismus als Triebfeder allen Handelns herangezogen, charakterisiert und glorifiziert wird. Die Hitlerjugend wird als Garant für eine große deutsche Zukunft gezeigt, in der es keinen Raum für minderwertige Kreaturen wie die Juden gibt.

Deswegen setzt sich auch das letzte Gedicht ohne Titel dafür ein, dass alle Juden aus Deutschland verschwinden. Darauf bin ich bereits auf Seite 10 eingegangen. Ergänzend ist noch hinzuzufügen, dass auch hier wieder negative Begriffe zur Charakterisierung der Juden benutzt werden:

„Seht an das jammervolle Bild!

Die Juden garstig, frech und wild“

(Z. 5 f)

Diese Beschreibung steht im Gegensatz zum visuellen Eindruck des Bildes, auf dem die Juden schweigend ihren Weg auf der „Einbahnstraße“ schreiten. Dies wird mit den letzten Versen abschließend so beschrieben:

„Wie sie die Augen rollen Und sich von dannen trollen…“

(Z. 11 f)

An diesen lässt sich erkennen, dass die Juden nicht gern und freiwillig gehen, denn sonst würden sie es freudig machen. Allerdings ergeben sie sich in ihr Schicksal, ohne dagegen aufzubegehren, was möglicherweise auf ihren fried- fertigen Charakter schließen lässt und somit das gesamte im Laufe des Buches entworfene Bild in Frage stellt. Es könnte allerdings auch die Furcht vor den unangenehmen Konsequenzen des Bleibens sein, was sie zur Flucht bewegt.

[...]


1 Vgl.: Ginzel, G.B.u.a.: Mit Hängemaul und Nasenzinken…, S. 45

2 Vgl.: Schmidt, Peter W.: Judenfeindschaft und Schule in Deutschland 1933-1945; S. 143

3 Vgl.: Der Stürmer, Ausgabe 48 von 1936

4 Vgl.: Ebda

5 Vgl.: Grinzel, G. B. u. a.: Mit Hängemaul und Nasenzinken…, S. 106

6 Vgl.: Ebda; S. 107

7 Vgl.: Fischer; H.: Der braune Haß; S. 17

8 Vgl.: Ebda; S. 26

9 Vgl.: Ginzel, G. B. u. a.: Mit Hängemaul und Nasenzinken…; S. 35

10 Vgl.: Krantz, W.: Zivilprozessordnung und Gerichtsverfassungsgesetz …; S. 130 f

11 Vgl.: Ginzel, G. B. u. a.: Mit Hängemaul und Nasenzinken…; S. 47

12 Vgl.: Maaß, H.: Verführung der Unschuldigen; S. 24

13 Vgl.: Münch, Ingo von (Hrsg.): Gesetze des NS-Staates; S. 120

14 Vgl.: Hitlergesetze XIII, Die Nürnberger Gesetze; S. 94 ff

15 Vgl.: Ginzel, G.B.u.a.: Mit Hängemaul und Nasenzinken…; S. 53

16 Vgl.: Ebda; S. 55

17 Vgl.: Münch, Ingo von (Hrsg.): Gesetze des NS-Staates; S. 26 ff

18 Vgl.: Benz, U.: Sozialisation und Traumatisierung; S. 93

19 Vgl.: Walk, J.: Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat

20 Vgl.: Benz, U.: Sozialisation und Traumatisierung; S. 97

21 Vgl.: Ebda; S. 97

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kinder- und Jugendliteratur im Dritten Reich