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Übergangsriten - Eine kurze Darstellung

Hausarbeit 2006 16 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Hauptteil
1. Formen von Übergangsritualen
2. Übergangsriten
3. Schwellenzustand
- Rebellionsriten
- The Power of Rights
4. Eigenschaften von Schwellenwesen
5. Kritik an Gennep und Turner

Schlusswort

Quellen

Einleitung

Das Thema Rituale beschränkt sich nicht nur, wie man zunächst annehmen mag, auf „nicht-westliche“ Kulturen, vielmehr sind sie sind in jeder Kultur zu finden. In einigen sind die Rituale mehr mit Symbolen und Mystizismus verbunden, in anderen eher weniger.

Eine genaue Definition des Rituals ist nicht möglich. Zum einen weil sie sehr kulturabhängig sind und zum anderen weil sich die Ansichten darüber im Laufe der Zeit immer wieder verändert habe. Selbst heute noch herrschen die verschiedensten Meinungen darüber. Die möglichen Definitionen sollen hier aber nicht diskutiert werden. Viel mehr möchte ich mich nur auf einen kleinen Teil der Rituale, nämlich den Übergangriten beschränken, da mir diese bei meiner Arbeit als zentral wichtig erschienen.

Den Aspekt des Symbolismus habe ich hier bewusst weggelassen. Zwar erschien er mir als bedeutend, doch da er in einem anderen Referat bereits besprochen worden ist, fand ich es ein wenig unpassend es in meiner Arbeit noch mal zu erwähnen.

Bei der Arbeit an den Übergangsriten stütze ich mich hauptsächlich auf die Thesen von Van Gennep und Turner. Was Van Gennep mit Übergangsriten denn meint, wieso Turner sich hauptsächlich mit der Schwellenphase befasste, was ein Übergangsritual genau ausmacht oder was der Sinn der Rebellionsriten ist, sind nur eine der vielen Fragen die ich mit meiner Arbeit versuche zu beantworten. Auch einem Kritiker habe ich Platz eingeräumt.

Die folgende Darstellung der Übergansriten behandelt nur einen kleinen Teil des großen Themas. Um einen Überblick behalten zu können, konzentriere ich mich nur auf einige wichtige Aspekte. Es würde den Rahmen des Machbaren sprengen, hier alles anzusprechen.

Hauptteil

1. Formen der Übergangsrituale

Wie bereits erwähnt ist eine eindeutige Definition von Ritualen nicht wirklich möglich ist. Grob gesagt könnte man sie als kulturgebundene Handlung sehen, die für soziale Ordnung und Sicherheit sorgt.

Da ich mich in der vorliegenden Arbeit ausschließlich auf die Übergangsriten beziehe möchte ich zuerst einen kleinen Überblick geben. Zum einen wären da die Übergangsriten des Zeitablaufs. Dazu zählt alles was mit dem Wechsel von Himmelskörpern zu tun hat, wie z. B. Sonnen- und Mondfinsternissen, Jahreszeitenveränderungen und der Jahreswechsel, der auch in unserer Kultur mit Silvester gefeiert wird. Dann unterscheidet man noch die Riten des Raumes. Sie müssen abgehalten werden, wenn ein bestimmter Raum oder Platz betreten oder verlassen wird, beispielsweise beim verlassen von heiligen Bezirken. Als Beispiel dienen die Triumphbögen hier sehr gut. Diese hatten früher eine reinigende Bedeutung. D. h. wenn z. B. Soldaten von ihren Kriegszügen nach Hause kehrten, mussten sie vorher durch einen Triumphbogen gehen, da sie durch den Krieg (metaphorisch) blutbefleckt waren und das hindurchgehen sie reinigen sollte. Als letztes kommen die Personenriten. Damit sind in erster Linie die Initiationsriten gemeint. Wenn sich die soziale Position einer Person innerhalb einer Gemeinschaft ändert.

2. Übergangsriten

Der Begriff Übergangsriten und seine Definition geht auf das gleichnamige Werk „Les rites de passage“ (1909) des französischen Anthropologen Arnold van Gennep zurück. Grundsätzlich bezeichnet er damit den Übergang einer Person, von einem sozialen Status in den Nächsten. Das geschieht beispielsweise wenn eine Person von einer Partnerschaft in eine Ehe übergeht oder ein Kind in die Pubertät hineinwächst. Diese Veränderungen bringen Unsicherheiten und Ungewissheiten mit sich. Daher werden sie von Ritualen begleitet, die Sicherheit in diesen unsicheren Lebensabschnitt bringen soll. Da man durch die Riten Personen von ihrer alten Rolle loslöst und sie auf die neue vorbereitet und anpasst, bleibt die soziale Ordnung erhalten. Vor allem weil die einzelne Positionen und somit auch die Aufgaben in der Gruppe neu zugewiesen werden. Diese Form des rituellen Handelns hat nur ein Ziel, nämlich „das Individuum aus einer genau definierten Situation in eine andere, ebenso genau definierte hinüberzuführen.“[1] Sie können sich auf Individuen oder auch auf Gruppen beziehen. Die Charakteristika der Übergangsriten bringt folgendes Zitat genau auf den Punkt: „ Jede Gesellschaft ist aus einer Vielzahl strikt von einander getrennter sozialer Gruppierungen zusammengesetzt: Familien-, Lokal-, Berufs-, Religionsgruppen etc. Doch die Dynamik des sozialen Lebens erfordert ständige Grenzüberschreitungen: Menschen wechseln ihren Aufenthaltsort, ihre Alters-, Status- und Berufsgruppenzugehörigkeit. Veränderungen stellen aber eine Gefährdung der statischen Ordnung des Soziallebens dar. Deshalb sind sie in allen Gesellschaften von Riten begleitet, um mögliche Störungen der Sozialordnung durch eine Steuerung der Veränderungsprozesse abzuschwächen. Derartige Riten, die räumliche, soziale und zeitliche Übergänge sowohl begleiten als auch gewährleisten und kontrollieren, bezeichnet van Gennep als Übergangsriten.“[2] Wichtig daran ist, dass solche Übergänge in jeder Gesellschaftsform vorkommen und je nach Kultur stärker oder schwächer von Ritualen begleitet werden. Van Gennep konnte drei Phasen aufweisen, die in allen Übergangsriten vorkommen: die erste Phase ist die Trennungsphase (rites de séperation). Hier löst man sich aus der bisherigen sozialen Rolle und kann erst so in die zweite, nämlich die Schwellenphase (rites de marges) gelangen. In diesem Stadium hat der Initiant (oder die Initianten) keinerlei Merkmale seiner alten oder seiner zukünftigen Rolle. Die dritte ist die Angliederungsphase (rites d’agrégation). Hier ist der Übergang bereits vollzogen. Das Individuum oder Kollektiv hat wieder klar definierte strukturbedingte Rechte und Pflichten und die Gemeinschaft erwartet, dass dieser sich an traditionelle Normen und ethische Maßstäbe anpasst.

3. Schwellenphase

Während van Gennep sich auf alle drei Phasen bezieht, widmet sich Turner in seinem Werk „Das Ritual – Struktur und Anti-Struktur“ besonders der Schwellenphase. Er hält sie für wichtig, da hier die entscheidenden Dinge zur Umwandlung der Initianten geschehen. Wie bereits erwähnt, ist die Schwellenphase die jenige Phase des Rituals in der der Initiant seine bisherige soziale Rolle bereits abgestreift hat und sich auf die neue vorbereitet. Er bezeichnet sie als „Betwixt and Between“ (in seinem gleichnamigen Buch) weil es eine Phase ist, in der der Initiant sich zwischen zwei genau definierten Stadien befindet, aber keinem genau zuzuordnen ist.

Charakteristisch für dieses Stadium des Rituals ist, dass der Initiant in eine andere Realität hineinmanövriert wird. Dadurch, dass der Neophyt in dieser Situation außerhalb der sozialen Wirklichkeit lebt, bekommt dieser die Möglichkeit normale und gewöhnliche Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu hinterfragen. Dadurch besteht eigentlich die Möglichkeit, das gesellschaftliche Gerüst ins Wanken zu bringen. Diese Station des Rituals wird von Turner Liminalität genannt[3]. In dieser Phase besteht die Freiheit Dinge zu sagen und zu tun, die innerhalb der Gesellschaft nicht toleriert werden würden.

[...]


[1] Gennep, Arnold van: Übergangsriten. Frankfurt/Main: Campus 1986, p. 15

[2] Gennep, Arnold van: Übergangsriten. Frankfurt/Main: Campus 1986, Klappentext

[3] Turner, Victor: Das Ritual. Struktur und Antistruktur. Frankfurt/Main:Campus 1989

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640766635
ISBN (Buch)
9783640767083
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161315
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Historische Ethnologie
Note
1.7
Schlagworte
Übergangsrituale Übergangsriten Schwellenzustand Rebellionsriten The power of rights Schwellenwesen Arnold van Gennep Victor Turner Religionsethnologie

Autor

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Titel: Übergangsriten - Eine kurze Darstellung