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Prostitution in der römischen Antike

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Die Frau in der römischen Antike

3.) Zum Begriff „Prostitution“ in der Antike

4.) Arten der Prostitution
Zwangsprostitution
Freiwillige- und Gelegenheitsprostitution

5.) Kunden der Prostituierten

6.) Orte der Prostitution

7.) Prostitution und das römische Recht

8.) Prostitution als Thema der antiken Geschichtsschreibung

9.) Schlussbetrachtungen

10.) Quellen- und Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Schulbücher vermitteln ein recht einseitiges Bild von der römischen Antike. Sie informieren über Kriege, militärische Erfolge und politische Hintergründe. Mittlerweile jedoch ist es zu einem Anliegen der Forschung geworden, auch das Privatleben und die Lebensumstände der Menschen zu durchleuchten. Besonders, wenn es um die Geschichte der Frauen geht, ist jedoch die Antike ein schwieriges Feld. Die antiken Geschichtsschreiber waren durchweg männlichen Geschlechts und somit wird ein subjektives, rein aus männlicher Sicht beschriebenes Bild der Antike kreiert. Zudem rücken die antiken Autoren zumeist das Leben der oberen Bevölkerungsschicht im Mittelpunkt. Doch wie lebte das „einfache Volk“? Und weiterhin: Wie steht es um die Frauen der Antike? Wie gestaltete sich das Zusammenleben von Mann und Frau? Um diese Frage umfassend beantworten zu können, muss auch das Leben der unteren Bevölkerungsschichten, zu denen auch die Prostituierten gehörten, beleuchtet werden. In den antiken Quellen wird die Frau meist entweder als tugendhafte Ehefrau oder als schändliches Lustobjekt dargestellt. Dazwischen gibt es kaum Facetten. Doch es gab durchaus auch Frauen, die eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen und politischen Raum einnahmen, auch wenn de facto keine Frau in politischen Ämtern agieren durfte.

Das Thema der Prostitution spielt auch in einigen antiken Werken eine Rolle. In dieser Arbeit soll das Milieu der Prostitution nähere Betrachtung erfahren. Welchen Stellenwert hatte dieses Gewerbe in der römischen Gesellschaft? Welche Stellung hatten überdies die Frauen inne, die als Prostituierte tätig waren und was bedeutete diese Arbeit für ihr soziales Leben? Es stellt sich weiterhin die Frage, inwiefern aus der Analyse des Lebens der Prostituierten Rückschlüsse auf die Frau und das Frauenbild im Allgemeinen getroffen werden können. Inwiefern gibt außerdem der Handel mit der körperlichen „Liebe“ Aufschluss über die Sexualität der Menschen in der römischen Antike?

Die Prostituierte war eine gesellschaftlich abtrünnige Frau; meistens waren es Sklaven, die in den Bordellen der Römer arbeiteten. War die Frau, die in diesem Gewerbe tätig war, für die Römer keine Frau, kein Mensch mehr, sondern nur noch ein „Gebrauchsobjekt“? Eine weitere Frage ergibt sich aus dieser Problemstellung: Was machte eine Frau in der römischen Antike aus? Wodurch wurde sie erst als solches anerkannt?

Diese Fragen sollen in dieser Arbeit so weit wie möglich beantwortet werden. Die männliche Prostitution, die in der damaligen Zeit ebenfalls eine Rolle spielte, wird hier jedoch an dieser Stelle nicht thematisiert und sollte an anderer Stelle durchleuchtet werden.

2.) Die Frau in der römischen Antike

Der Mensch wurde in der römischen Antike nach seinem Geschlecht, seinem Alter und dem sozialen Status seines Hauses definiert. Im Allgemeinen war die Frau in der römischen Gesellschaft keine juristische Person. Sie hatte nicht das Recht, ein offizielles Amt zu bekleiden. Auch hatten sie kein Recht auf Besitz. Außerdem besaß die Frau im antiken Rom kaum rechtliche Handlungsfreiheit. Freie Frauen besaßen im privaten Raum eine gewisse Handlungsfreiheit, die sich jedoch ausschließlich auf ihre eigene Person beschränkte und nicht das Haus betraf. Da die meisten Prostituierten Sklavinnen waren, besaßen sie folglich auch keinerlei Rechte.[1]

Bereits von Geburt an hatten Frauen eine andere Stellung in der römischen Gesellschaft als Männer. Sie wurden auf unterschiedliche Weisen erzogen und sozialisiert, es galten andere Normen, ein anderes Wertesystem. Verschiedene Quellen reflektieren das Bild von der Frau als schwachem, triebhaftem und leichtsinnigem Geschlecht. Es galt daher als Rahmenbedingung für eine funktionierende Gesellschaft, Frauen unter die Herrschaft von Männern zu stellen.[2] In der antiken Literatur tritt die Frau vornehmlich in ihrer Funktion als potenzielle Heiratskandidatin in Erscheinung.

Dem Gebären eines Kindes wird im Leben der Frauen eine essentielle Rolle zugesprochen; erst mit Geburt eines legitimen Kindes wird die Frau überhaupt als solche angesehen.[3]

Die antike Literatur kreiert bei der Betrachtung von Frauen Extreme. Entweder wird sie als vorbildliche Ehefrau dargestellt, oder als Ehebrecherin geschmäht. Letztere wurden häufig sogleich als Prostituierte diffamiert.

Das Idealbild der ehrenvollen Ehefrau steht in deutlichem Kontrast zu der Prostituierten. Während letztere von den antiken Autoren vornehmlich als Objekte der Lust dargestellt werden, ist die Rolle der Ehefrau deutlich differenzierter. Ihr oblagen die Aufgaben der Haushaltsführung und der Nachwuchsproduktion.[4] Das römische Ideal der pudicitia steht als Inbegriff für die Tugenden einer Ehefrau, die sich idealtypisch durch Häuslichkeit (domiseda), Sparsamkeit (frugi), Fleiß und Wachsamkeit (labrosia, efficax, vigilans), Schamhaftigkeit, Zurückhaltung und Selbstbeherrschung (pudicitia), moralische Reinheit und Keuschheit (castitas) und Frömmigkeit (pietas) auszeichnete. Diese Grundwerte waren ein Wegweiser für das Verhalten der Frau im Privaten, ebenso wie im öffentlichen Raum. Verstieß eine Frau gegen den römischen Ehrenkodex, konnte sie –unabhängig von ihrem sozialen Status zu einer Abtrünnigen und sozialen Unperson werden.[5]

.Im Gegensatz zu diesem Idealbild ist die Prostituierte gekennzeichnet durch künstliche Schönheit, auffallendes Auftreten, ein unberechenbares Wesen und sexuelle Freuzügigkeit.

In den Quellen zur Antike werden Frauen zumeist einem dieser Extreme zugeordnet, Facetten dazwischen gibt es hingegen kaum. Dies resultiert vermutlich aus der hohen Wertigkeit, die in der Antike der ehelichen Keuschheit beigemessen wurde, war sie doch eine grundlegende Voraussetzung für die Sicherung einer legitimen Nachkommenschaft.[6]

3.) Zum Begriff Prostitution in der Antike

Die Prostitution gelangte von Griechenland nach Rom und verbreitete sich rasch über das Reich, da die Römer diesem Gewerbe gegenüber relativ liberal gesonnen waren.[7]

Im antiken Rom gab es für Frauen, die diesem Gewerbe nachgingen, mehrere unterschiedliche Bezeichnungen. Eine davon ist beispielsweise lupa und kann mit „Wölfin“ übersetzt werden. Aus diesem Begriff leitet sich auch das Wort lupanar ab, das Bordell in der Antike. Die Bezeichnung einer Prostituierten als Wölfin ist mit einer starken Negativ-Wertung verbunden; die Frau wird damit als wild und ungestüm verurteilt. Eine weitere Bezeichnung, mit der die Römer diese Frauen versahen, ist prostituta. Von diesem Wort leitet sich auch die heute gebräuchlichen Begriffe „Prostitution“ und „Prostituierte“ ab, was übersetzt „Preisgebung zur Unzucht, Entehrung“ bedeutet.[8]

Als Prostituierte wurden damals –wie auch heute- Frauen bezeichnet, die ihren Körper an Männer verkauften. Ein wichtigeres Faktum bei der Begriffserklärung von Prostitution war die öffentliche Zurschaustellung. Eine Frau wurde zur Prostituierten, wenn sie ihre sexuellen Dienste öffentlich anbot. Während das römische Recht demnach Bordell-, Straßen- und Edelprostituierte in diese Kategorie einordnete, werden in den antiken Schriften oft auch Musikerinnen oder Schauspielerinnen als Prostituierte bezeichnet, die ihren Lebensunterhalt ebenfalls dadurch verdienten, dass sie anderen Menschen durch Unterhaltung Befriedigung verschafften.[9]

[...]


[1] Vgl. B. Patzek: Quellen zur Geschichte der Frauen. Band 1: Antike, Stuttgart 2000, S. 203-205

[2] Vgl. E. Hartmann: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora, München 2007, S. 7-13

[3] Vgl. W. Dahlheim: Geschichte der römischen Kaiserzeit, (=Oldenburg Grundriss der Geschichte, Bd. 3), München 2003, S. 221ff

[4] Vgl. E. Hartmann: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora, S. 7-13

[5] Vgl. B. Patzek: Quellen zur Geschichte der Frauen. Band 1: Antike, Stuttgart 2000, S. 206

[6] Vgl. E. Hartmann: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora, S. 7-13

[7] Vgl. W. Krenkel: s.v. „Prostitution“, in DKP, Bd. 4, II92

[8] Vgl. H. Geiß: s.v. Prostitution, in: Lexikon der Antike, Leipzig 1986, S. 454

[9] Vgl. E. B. Stumpp: Prostitution in der römischen Antike, Berlin 2001, S. 46

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640745852
ISBN (Buch)
9783640746477
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161397
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Prostitution Lupanar Frauen in der Antike

Autor

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