Lade Inhalt...

Die Formen der Parodie in "Ubu Roi" von Alfred Jarry

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Verschiedene Parodiebegriffe und Formen der Parodie
2.2. Parodie in Ubu Roi
2.2.1. Dramaturgische Parodie
2.2.2. Szenenparodie
2.2.3. Motivparodie
2.2.4. Sprachparodie

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alfred Jarry wurde am 8. September 1873 in der Bretagne Frankreichs in eine Familie des gehobenen Kleinbürgertums hineingeboren. Er durchlief die normale Schullaubahn und legte ein sehr gutes Abitur ab. Während seiner Schulzeit entstand bereits der Vorläufer seines Werkes Ubu Roi. Sein Vorhaben an der ‚Ecole Normale Supérieure‘ angenommen zu werden, scheiterte, woraufhin Jarry sich wieder vermehrt dem Schreiben und dem Theater zu wand. Er wurde Schriftsteller und 1896 schließlich auch ‚Secrétaire-régisseur‘ am ‚Théatre de l’Œuvre‘. Hier fand am 10. Dezember 1896 auch die Uraufführung seines Stückes Ubu Roi statt, die nach dem Eröffnungsausruf „Merdre!“ aufgrund von Tumulten im Publikum unterbrochen werden musste. Durch die wachsende Nichtbeachtung seiner Werke wurde Jarry nach und nach zum Außenseiter und begann sich in seiner Art und seinen Bewegungen immer mehr seinem Protagonisten Père Ubu anzunähern.[1] Die wahre Bedeutung seiner Werke wurde erst viel später deutlich, als klar war, dass Ubu Roi den Vorläufer zum absurden Theater darstellte und Jarry damit eine neue Form des Theaters begründete.[2] Da Jarrys Stück heute eine besondere Rolle zugemessen wird, wurde es auch immer wieder nach verschiedenen Aspekten untersucht und diskutiert. Diese Arbeit wird besonders auf die parodistischen Elemente eingehen, die in dem oben genannten Werk zu Haufe zu finden sind.

Um eine Grundlage zu schaffen, wird als aller erstes erklärt, worum genau es sich bei dem Begriff ‚Parodie‘ handelt und welche Schwierigkeiten es bei der Deutung geben kann. Desweiteren wird erläutert, welche verschiedene Formen von Parodie es geben kann und in welchem Maße diese verschiedenen Formen in Ubu Roi wiederzuerkennen sind. Besonders eingegangen wird hier auf die dramaturgische Parodie, die Szenenparodie, die Motivparodie sowie die Sprachparodie. Die Arbeit endet mit einer kurzen Zusammenfassung des Hauptteils sowie mit einem Verzeichnis der verwendeten Literatur.

2. Hauptteil

2.1. Verschiedene Parodiebegriffe und Formen der Parodie

Zu Beginn soll geklärt werden, um welchen Parodiebegriff es sich in dieser Arbeit handelt.

Parodie [grch., „Nebengesang“, „Gegengesang“ ], 1. Literatur: eine Darstellungsweise, die ein als bekannt vorausgesetztes Werk durch Entstellung oder Verformung des Inhalts, aber unter Beibehaltung der Form lächerlich macht. Gewöhnlich wird ein ernster oder erhabener Inhalt durch einen banalen oder komischen ersetzt. Der Effekt einer P. ist umso größer, je weiter Form u. Inhalt auseinanderklaffen. Die literar. P. ist bes. häufig, wenn eine vorherrschende Dichtungsgattung sich erschöpft hat; z.B. gab es im 18.Jh. zahlreiche P.n auf die klass. französ. Tragödie. – Bedeutende Verfasser von P.n im 20.Jh. sind R.Neumann u. F. Torberg.

2. Musik: die umformende Nachahmung einer Komposition, bei der musikal. Substanz des parodierten Werkes erkennbar erhalten bleibt […][3]

Bis heute ist der Begriff der Parodie noch nicht eindeutig definiert, was auf seinen etymologischen Ursprung zurückgeht. ‚Parōdía‘ stammt ursprünglich aus dem Griechischen der Antike und hat zum einen die Bedeutung ‚Nebengesang‘ oder ‚Gegengesang‘ und kann damit eine ernsthafte Nachahmung (von Theodor Verweyen auch „parodia seria“[4] genannt) bezeichnen. Die zweite und heute gebräuchlichere Bedeutung umfasst jedoch die, meist mit Komik und Zuspitzung arbeitende, Verballhornung bereits bekannter Werke. Dies geschieht oft durch geringfügige Änderungen oder auch Abwetungen eines Originals, wobei jedoch sehr typische Elemente beibehalten werden. Diese Form der komischen Parodie (von Theodor Verweyen auch „parodia iocosa“[5] genannt) beschränkt sich heutzutage jedoch in keinster Weise mehr nur auf Literatur. Man findet sie auch in weiteren Bereichen wie etwa der Musik, dem Kino und Fernsehen oder der Bildenden Kunst. Deshalb ist die Parodie auch nicht als eigene Gattung zu bezeichnen. Vielmehr ist sie ein Stilbegriff, der sich durch viele Bereiche unseres alltäglichen Lebens ziehen kann und sich in verschiedenen Gattungen realisieren lässt. Für den Begriff der Parodie kennen wir in unserem Sprachgebrauch einige Synonyme, wie z.B.: Satire, Karikatur, Persiflage, Zerrbild, oder Travestie.[6]

Bei der in Alfred Jarrys Ubu Roi auftauchenden Form der Parodie handelt es sich weitestgehend um die parodia iocosa.

2.2. Parodie in Ubu Roi

Bemerkenswert an Ubu Roi ist, dass die Parodie ein entscheidendes Element darstellt, welches sich durch das gesamte Werk hinweg erkennen lässt. Schon die Entstehungsgeschichte zeigt erste parodistische Elemente. Bei dem ersten Entwurf des Stückes mit dem damaligen Titel Les polonais, das Jarry mit einem Freund während seiner Schulzeit schrieb, handelte es sich bei dem Protagonisten um eine Travestie auf seinen damaligen Physiklehrer Félix Hébert. Der Name des Hauptdarstellers war somit ursprünglich Père Hébe, aus dem später schließlich Père Ubu wurde.[7]

Der ‚Held‘ Pére Ubu kann durchaus auch als Parodie auf uns bekannte historische Usurpatoren[8] gesehen werden. Seine Art der Machtergreifung und die Regierungsweise lassen sich in der Geschichte wiederfinden. Somit sind Ähnlichkeiten zu Macbeth, Napoleon, Nero oder Richard III. unverkennbar.[9] /[10] Diese Ähnlichkeiten beziehen sich zum einen auf die historischen Personen. Napoleon kam über Umwege an die Macht. Nero ließ töten um die Macht zu ergreifen und entwickelte sich schließlich zu einem Tyrannen, gefürchtet für seine Unberechenbarkeit, seine Willkür, viele Hinrichtungen und Morde. Auch Richard III. und Macbeth erreichten erst durch Totschlag den Thron. Zum anderen gibt es Ähnlichkeiten mit den Protagonisten literarischer Werke wie The Tragedy of Macbeth oder The Tragedy of King Richard the Third. Die Parallelen zu Shakespeares Werken scheinen sehr stark ausgeprägt. Besonders Macbeth tritt hier immer wieder in den Vordergrund[11]. Die Rolle von Mère Ubu verhält sich beispielsweise analog zu der von Lady Macbeth, wenn beide ihre Männer zum Königsmord anstiften, um selber den Thron besteigen zu können. Père Ubu verhält sich dementsprechend wie die Vorlage Macbeth. Er bringt den König um und wird zum neuen Machthaber. Wie Macbeth entwickelt er sich immer mehr zum Tyrannen. Auch die Ubus verlieren über ihre Machtbesessenheit und ihre Gräueltaten den Verstand und ihre Menschlichkeit. Neben dieser Parodie auf die Protagonisten aus Shakespeares The Tragedy of Macbeth lassen sich in Ubu Roi noch viele weitere, von Jarry bewusst gewählte, parodistische Elemente entdecken. Man kann sie unter vier großen Hauptpunkten zusammenfassen: Dramaturgische Parodie, Szenenparodie, Motivparodie und Sprachparodie.

[...]


[1] Vgl. Jürgen Grimm: Das avantgardistische Theater Frankreichs 1895-1939. München: Beck 1982. S. 42.

[2] Französische Literaturgeschichte. Hrsg. Von Jürgen Grimm. Stuttgart:2006. S.320.

[3] [Art.] Parodie. In: Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden. Hrsg. Von Wolf-Eckhard Gudemann Bd.13. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon 1994. S.278.

[4] Theodor Verweyen: Theorie und Geschichte der Parodie. http://www.erlangerliste.de/vorlesung/parodie_1.html (25.08.2010).

[5] Ebd.

[6] Vgl. Theodor Verweyen: Erlanger Liste: Lenore fuhr ums Morgenrot/Einführung. http://www.erlanger-liste.de/parodie/leneinf.html (25.08.2010).

[7] Vgl. Jürgen Grimm: Das avantgardistische Theater Frankreichs. S.42. u.62.

[8]Usurpator [lat.], der unter Verletzung bisher geltender Legitimitätsvorstellungen, insbes. durch Revolution oder Putsch (Usurpation) zur Herrschaft gelangte Machthaber. Heute wird als U. nur noch derjenige bezeichnet, der sich unter Bruch der Verfassung durch militär. Gewalt in den Besitz der Macht gesetzt hat[…]“ ([Art.] Usurpator. In: Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden. Hrsg. Von Wolf-Eckhard Gudemann Bd.18. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon 1994. S.278.)

[9] Vgl. Konrad Schoell: Die französische Komödie. Wiesbaden: Athenaion-Verlag 1983. S.204.

[10] Henri Béhar: Jarry dramaturge.Paris: A.-G. Nizet 1980. S.41.

[11] Konrad Schoell: Die französische Komödie. S.205.

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640751044
ISBN (Buch)
9783640751648
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161421
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,8
Schlagworte
Formen Parodie Alfred Jarry Ubu Roi

Autor

Zurück

Titel: Die Formen der Parodie in "Ubu Roi" von Alfred Jarry