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Nachhaltigkeit in Unternehmen und im Kontext beruflicher Bildung

Masterarbeit 2010 62 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Nachhaltigkeit
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Unternehmensziel Nachhaltigkeit

3 Nachhaltigkeitskonzepte in Unternehmen
3.1 Umweltmanagementsysteme
3.1.1 Normatives Umweltmanagement
3.1.2 Strategisches Umweltmanagement
3.1.3 Operatives Umweltmanagement
3.1.4 Umweltmangementsysteme
3.2 Ökocontrolling
3.2.1 Strategisches Ökocontrolling
3.2.2 Operatives Ökocontrolling
3.2.3 Instrumente des Ökocontrollings
3.3 Ökobilanz
3.3.1 Methodik
3.3.2 Anwendungsfelder von Ökobilanzen
3.4 Nachhaltige und umweltorientierte Innovationen
3.4.1 Nutzerintegration in den Innovationsprozess
3.4.2 Reboundeffekte

4 Nachhaltigkeit im Kontext beruflicher Bildung
4.1Umweltbildung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
4.2 Zielsetzungen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
4.3 Berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

5 Kritik

6 Schluss / Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zieldimensionen und Herausforderungen unternehmerischer Nachhaltigkeit

Abbidlung 2: Mögliche Erfolgswirkungen von Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Komponenten des Umweltmanagements

Abbildung 4: Instrumente des Ökocontrollings

Abbidlung 5: Rahmen einer Ökobilanz

Abbildung 6: Schema der Ökobilanzierung des IÖW

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung und Zielsetzung der Arbeit

Zu den größten Herausforderungen unserer Zeit gehört es, den Wohlstand zu sichern, ohne dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Um dies zu erreichen, setzen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und auch Unternehmen weltweit auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, international unter dem Stichwort sustainable development bekannt, hat sich zu einem zentralen Begriff entwickelt, anhand dessen über die zukünftige Entwicklung der Menschheit diskutiert wird. Es bezeichnet einen Prozess gesellschaftlicher Veränderung, bei dem der Begriff der Nachhaltigkeit, der als sustainability bezeichnet wird, das Ende eines solchen Prozesses, also einen Zustand beschreibt.1 Nach der heute überwiegend akzeptierten Definition ist nachhaltige Entwicklung dann realisiert, wenn die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Das Konzept ist ein weltweit anerkanntes Leitbild in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es zielt auf eine Umsteuerung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene ab, um die Lebenssituation der heutigen Generation und die kommender Generationen zu verbessern. Gleichzeitig sollen die Lebens- und Entwicklungschancen erhöht werden.2 Für Unternehmen bietet diese Entwicklung eine Vielzahl an Chancen und Herausforderungen. Ihr Blick richtet sich nicht mehr allein auf Produktionsprozesse, Produkte und technische Innovationen, sondern in zunehmenden Maße auf die Art und Weise, wie Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus genutzt werden und auf die Frage, inwieweit Produkte und Dienstleistungen global und dauerhaft übertragbare Konsum- und Lebensstile unterstützen.3 Durch die Fokussierung auf Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess oder durch die Produktion nachhaltiger Produktionsgüter können Unternehmen neue Märkte erschließen, Wettbewerbsvorteile aufbauen und Reputationsvorsprünge sichern.4 Die Öffentlichkeit wie Medien, Presse, Shareholder und Stakeholder zeigen ein steigendes Interesse an der Unternehmensführung und deren Handlungsweisen. Unternehmen haben erkannt, dass soziale und ökologische Indikatoren den Markterfolg essentiell beeinflussen können. Unternehmerische Selbstverantwortung, auch bekannt unter dem englischen Begriff Corporate social responsibility, ist bereits heute für zahlreiche Unternehmen ein Instrument der Unternehmenssteuerung, das die Erreichung nachhaltigen Erfolgs erst möglich macht und zu einer „Win-Win-Situation“ für Unternehmen und Gesellschaft führt5. Nachhaltigkeit als gesamtgesellschaftliches Ziel ist aber nicht nur durch Beiträge der Ökonomie zu erreichen. Neben Vertretern aus der Wirtschaft müssen auch weitere gesellschaftliche Gruppen aus den Bereichen der Politik, der Wissenschaft und der Bildung in einen engen Dialog miteinander treten, um nachhaltige Entwicklung zu generieren. Die Bildung nimmt hierbei eine sehr bedeutungsvolle Rolle im Nachhaltigkeitsdiskurs ein. Nachhaltige Handlungsweisen bedingen Lern- und Veränderungsherausforderungen sowohl für die Gesellschaft und ihre Institutionen als auch für einzelne Personen.6 Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben zu lernen, wie er die Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitgestalten kann. Die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung steht vor der Herausforderung, im gesamten Bildungssystem, sei es in Kindergärten, Schulen, Erwachsenenbildungseinrichtungen oder Hochschulen, Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Sinn und ein Gespür für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft nicht nur zu erlernen, sondern vor allem selbst zu entwickeln. In diesem Kontext kommt der beruflichen Bildung hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen unmittelbar mit dem Beschäftigungssystem verknüpft ist. Berufliche Bildung hat also die Aufgabe, Lernende so zu qualifizieren, dass sie den Anforderungen der Unternehmen im Hinblick auf eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensführung gerecht werden können.7 Bereits in der Agenda 21 wird der beruflichen Bildung eine herausragende Rolle beigemessen. Sie ist neben der allgemeinen schulischen Bildung und der universitären Forschung eines der bedeutendsten Umsetzungsfelder bei der Implementierung des Leitbildes der Nachhaltigkeit in die Gesellschaft. Die berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BBNE) gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung der menschlichen Ressourcen im Bereich der Nachhaltigkeit und für die Erleichterung des Überganges in eine nachhaltige Welt.8

Das Ziel dieser Masterarbeit besteht darin, einen Überblick über das komplexe Thema der Nachhaltigkeit in den Bereichen der Unternehmensführung und der beruflichen Bildung zu geben, um somit Handlungsweisen aufzuzeigen, wie das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen von betrieblicher Ökonomie und Berufsbildung erreicht werden kann.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um das Ziel dieser Masterarbeit zu erreichen, soll zunächst eine ausführliche Klärung des Begriffes der Nachhaltigkeit erfolgen, woraufhin aufgezeigt werden soll, welchen Einfluss das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen unternehmerischer Entscheidungen hat bzw. haben kann. Hierbei sollen Auswirkungen und Zielgrößen von Nachhaltigkeit im Kontext des Unternehmens erläutert werden. Daraufhin sollen vier verschiedene Unternehmensinstrumente vorgestellt und skizziert werden, die zur Generierung von Nachhaltigkeit und als Hilfsmittel zur Durchsetzung von nachhaltigen Absichten im Unternehmen herangezogen werden. Der Aufbau, die Zielsetzung, sowie die Anwendung dieser vier Instrumente im Umfeld des unternehmerischen Handelns werden dabei näher beschrieben. Im Anschluss daran soll erläutert werden, wie das Prinzip der Nachhaltigkeit und der Umweltbildung im Bereich der beruflichen Bildung angewendet und umgesetzt wird. Es soll erklärt werden, inwiefern eine Verknüpfung des Begriffes der Nachhaltigkeit mit dem Bildungssektor erfolgt. Nach einer kurzen kritischen Betrachtung des Nachhaltigkeitsbegriffes wird abschließend im sechsten und letzten Kapitel ein Fazit gezogen. Um dieser Arbeit einen möglichst adäquaten, differenzierten und expliziten Charakter zu geben, wird auf eine hohe Vielzahl an wissenschaftlichen Quellen zurückgegriffen, um die beschriebenen Teildisziplinen möglichst präzise beschreiben zu können.

2 Nachhaltigkeit

2.1 Begriffsdefinition

Der Begriff der Nachhaltigkeit fand das erste Mal im 18. Jahrhundert in der deutschen Sprache Einzug. Im Bereich der Ökonomie hat erstmals Hans Carl von Carlowitz den Terminus in Bezug auf die Forstwirtschaft benutzt. In diesem Zusammenhang wird als „nachhaltig“ die Bewirtschaftungsweise eines Waldes bezeichnet, wenn in diesem nur so viel Holz geschlagen wird, wie nachwachsen kann, sodass sich der Baum- bzw. Holzbestand selbständig regeneriert.9 Die Einführung des Begriffs der nachhaltigen Entwicklung und die damit verbundene Konzeptentwicklung sind auf verschiedene Studien und Konferenzen zurückzuführen. Angestoßen wurde die Diskussion 1972 durch den Club of Rome10 mit der Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des Wachstums zur Lage der Menschheit“. Darin wurde ein Szenario entwickelt, das für das Jahr 2030 bei anhaltendem industriellen Wachstum nach westlichem Vorbild den Kollaps der Welt prophezeite und die Begrenzung der natürlichen Ressourcen deutlich werden ließ.11 Im Laufe der 1970er Jahre etablierte sich der Begriff Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit und wurde vor allem im Rahmen der aufkommenden Öko- und Anti- Atomkraftbewegung in erster Linie im ökologischen Handlungsfeld gebraucht.12 Im Jahre 1987 definierte die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz des damaligen norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland13 den Begriff der Nachhaltigkeit als eine Entwicklung, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“14 Zusammenfassend sah die Kommission vier zentrale Problembereiche:

1. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen,
2. wachsende Ungleichheit in den Einkommens- und Vermögensstrukturen,
3. die zunehmende Anzahl der in Armut lebenden Menschen,
4. Bedrohung von Frieden und Sicherheit.

Die Brundtland-Kommission sah also neben dem Ziel der Bewahrung und des Schutzes der Umwelt die Herstellung sozialer Gerechtigkeit sowie die Gewährleistung politischer Partizipation als Ziel der nachhaltigen Entwicklung.15 Entgegen zahlreicher Annahmen bedeutet der Begriff Nachhaltigkeit also weitaus mehr als nur Umweltschutz. Nachhaltigkeit umfasst neben ökologischen auch ökonomische und soziale Ziele. Diese können aber nur erreicht werden, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und weitere gesellschaftliche Gruppen eng und systematisch zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Nachhaltige Entwicklung hat das Ziel, die beiden Bereiche Umwelt und Entwicklung zusammenzuführen und zu etwas Neuem zu vereinen.16 Die Anwendung naturwissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse kann heutige wie künftige Generationen belasten und die mit dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg verbrauchten Ressourcen stehen künftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung, was mitunter auch zur Folge hat, dass manche Lebensbedingungen und Arbeitsverhältnisse sich nicht mehr als human bezeichnen lassen.17 Ungerechtigkeiten in der Verteilung von Lebenschancen bestehen national wie global. Die bestehenden Konsummuster und Verbräuche in den hoch entwickelten Ländern sind weitaus größer als sie sein dürften, würde man diese Verbräuche allen Menschen zugestehen wollen. Diese Probleme, Risiken und Gefahren müssen erkannt, analysiert, bewertet und reduziert werden.18 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung gewann seit dem Bericht der Brundtland-Kommission im Laufe der Jahre weltweite Aufmerksamkeit und wird seitdem vor allem in Politik und Wissenschaft als Leitprinzip zukünftiger Entwicklungen diskutiert. Auf dem Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro im Jahr 1992 wurde dieser Ansatz bestätigt und es wurde dabei festgehalten, dass ein ökologisches Gleichgewicht nur dann erreicht werden könne, wenn parallel dazu soziale Gerechtigkeit und ökonomische Sicherheit angestrebt würden.19 Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland erläuterte das Leitbild der Nachhaltigkeit im Jahr 2002. Demnach ist nachhaltige Entwicklung durch folgende Grundprinzipien gekennzeichnet:

- Das Prinzip der Generationsverantwortung, welches die Beachtung der Belange
nachfolgender Generationen beinhaltet,
- das Integrationsprinzip, das Verknüpfung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen beinhaltet und
- das Partizipationsprinzip, das auf eine Stärkung der Eigenverantwortung der verschiedenen Akteure (Wirtschaft, Wissenschaft, gesellschaftliche Gruppen, einzelne Bürgerinnen und Bürger) bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien gerichtet ist.20

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass Nachhaltigkeit eine Form des menschlichen Zusammenlebens unter Beachtung ökonomischer, ökologischer und sozialer Stabilitäts- und Entfaltungskriterien beinhaltet.21 Im Laufe der historischen Entwicklung haben sich die Verantwortung für zukünftige Generationen und die Verantwortung für die heute lebenden Menschen in globaler Perspektive als ethische Grundlagen nachhaltiger Entwicklung herausgebildet. Daraus resultieren weit reichende Gestaltungserfordernisse und unter Umständen auch Konflikte zwischen verschiedenen Aspekten nachhaltiger Entwicklung.22 Inwiefern Nachhaltigkeit im Bezugsrahmen von Unternehmen behandelt wird, ist in folgendem Abschnitt aufgezeigt.

2.2 Unternehmensziel Nachhaltigkeit

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie z. B. David Ricardo oder Thomas Malthus, maß die klassische Ökonomieliteratur dem Erhalt der natürlichen Ressourcen keine wesentliche Bedeutung zu. Erst im Zuge der UN-Umweltkonferenz 1972 in Stockholm, der Erd-Öl-Preiskrise 1973/74 und der ersten Studien über die „Grenzen des Wachstums“ rückte ins Bewusstsein, dass die natürlichen Ressourcen nicht unendlich sind und von der Menschheit überbenutzt werden.23 Ausgehend von ihren auf ökonomischen Mitteln wie auch auf ihrem Wissen beruhenden Einflussmöglichkeiten sind Unternehmen nicht mehr nur passive Anpasser, sondern beeinflussen die Entstehung von gesetzlichen Regelungen, artikulieren sich in öffentlichen Diskursen und versuchen auch das Verhalten der Akteure am Markt zu beeinflussen. Aufgrund dieser gewachsenen Handlungsfähigkeit sieht ein breiter öffentlicher Diskurs eine zunehmende Verantwortung der Unternehmen für die zukunftsfähige Gestaltung der Geschäftstätigkeit, wie auch der nationalen und internationalen Rahmenbedingungen.24 Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist die idealisierte Leitidee einer nachhaltigen Wirtschaftsweise die anhaltende, weltweite Gewährleistung individueller Chancen zur Sicherung von Grundbedürfnissen. Nachhaltigkeit beinhaltet die Verwirklichung hoher Lebensqualität bei Erhalt der Natur und menschengerechter Gesellschaftsverhältnisse. Innerhalb des Nachhaltigkeitsmanagements eines Unternehmens sollen neben ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte integrativ berücksichtigt und zu einer neuen Sichtweise zusammengeführt werden.25 Schaltegger formuliert fünf Eigenschaften, über die ein durchgängig durch Nachhaltigkeit geprägtes Unternehmen verfügt:26

1. Das Unternehmen schafft gesellschaftliche und unternehmerische Werte.
2. Das Unternehmen verursacht null Emissionen und verfügt über keine negativen Wirkungen.
3. Vom Unternehmen gehen keine indirekten negativen Wirkungen auf die Lieferkette und das Konsum- oder Entsorgungsverhalten von Abnehmern aus.
4. Das Unternehmen verhindert unnachhaltige Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen.
5. Das Geschäftsmodell dient als Vorbild für andere Unternehmen.

Da es ausgeschlossen werden kann, dass in der Realität ein Unternehmen alle fünf Kriterien vollständig erfüllt, gelten sie vielmehr als Orientierungspunkte für die Ausgestaltung des Unternehmens, denn als verpflichtende Richtsätze. In der Literatur wird zur Ableitung von operationalisierbaren Ziele unternehmerischer Nachhaltigkeit überwiegend auf das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zurückgegriffen.27 Es umfasst, wie in der folgenden Abbildung 1 abgebildet, die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales, die im Unternehmen zu integrieren sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zieldimensionen und Herausforderungen unternehmerischer Nachhaltigkeit28

Als regulative Idee ist das Prinzip der Nachhaltigkeit kein statisches Beurteilungsraster, sondern eher Leitbild für ein prozessorientiertes Denken: Über strategische Suchprozesse von Unternehmen werden intern und extern Räume sozialer Kommunikation und Kooperation geschaffen, die zu neuen ökonomischen Entwicklungen führen, die unter anderem ökologisch vorteilhaftere Lösungen hervorbringen.29 Zur Realisierung des Leitbildes einer Nachhaltigen Entwicklung im Unternehmen ergeben sich folgende Handlungsprinzipien:

- Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen darf ihre Regenerationsrate nicht
überschreiten.
- Nicht-erneuerbare Ressourcen wie fossil-gestützte Energie, Material und Fläche
sind sparsam und schonend zu nutzen.
- Es dürfen nur so viele nicht-erneuerbare Ressourcen verbraucht werden, wie regenerierbare Substitute für den Zeitpunkt der späteren Erschöpfung geschaffen werden.30
- Die Produktivität des Ressourceneinsatzes ist durch technischen Fortschritt zu verbessern.
- Die Freisetzung von Schadstoffen darf nicht größer sein als die Aufnahmefähigkeit der Umweltmedien.31

Nachhaltige Entwicklung ist allerdings nicht nur unter der Einhaltung verschiedener Regeln und Vorschriften zu verstehen. Es darf hierbei auch nicht der Eindruck entstehen, dass ein nachhaltiges Wirtschaften nicht mit ökonomischen Interessen einer Unternehmung vereinbar ist. Nachhaltige Entwicklung kann auch dazu führen, zahlreiche unternehmerische Möglichkeiten und Chancen zu ermöglichen. Eine Fokussierung, Wiederbelebung oder das Überdenken von nachhaltigen Visionen und Strategien kann in Hinblick auf neue Geschäftsfelder zum Unternehmenserfolg beitragen. So kann das Prinzip der Nachhaltigen Entwicklung als wichtiger Treiber für Innovationen in Prozessen, Technologien oder Produkten beitragen. Somit können neue Märkte erschlossen und Pioniergewinne realisiert werden.32 Ein nachhaltiges Unternehmensmanagement kann auch die Kundenbindung verbessern. Dadurch kann eine gewisse Loyalität der Abnehmer gewonnen werden. Automatisch werden über dauerhafte Strategien die Beziehungen zu den Kunden intensiviert. Käufer ziehen in erhöhten Maße Nachhaltigkeitskriterien (z.B. ökologisch, fair) in ihre Kaufentscheidung mit ein. Aktuelle Kunden kommunizieren das Konzept und machen somit neue Kunden und Käuferschichten auf das Angebot aufmerksam.33 Darüber hinaus erzielen Unternehmen Public-Relation-Effekte und steigern somit nicht nur ihren Bekanntheitsgrad, sondern erhalten beiläufig auch noch ein positives Image. Nachhaltigkeitsaktivitäten können also auch im Bereich der Werbung oder Sponsoring für ein Unternehmen eingesetzt werden.34 Marken für Konsumprodukte haben mittlerweile oft den klassischen Bereich eines Qualitätsversprechens erweitert und präsentieren sich als Indikatoren für Life-style oder Persönlichkeit. Unternehmen setzen dabei sehr stark auf die Anziehungskraft ihrer Marken, in dem sie viel Geld investieren. Die Marken müssen jedoch positiv besetzt sein, damit sich die Kundinnen und Kunden damit identifizieren können. Wird das Marken-Image durch negatives Verhalten des Unternehmens - egal auf welchem Standort in der Welt - beschädigt, sinken nicht nur die Umsatzzahlen, sondern auch die Aktienkurse. Je stärker die Marke, desto mehr ist das Unternehmen risikoexponiert.35 Nachhaltige Unternehmenspolitik erzeugt zudem auch Konsens- und Vertrauenseffekte, steigert die Glaubwürdigkeit und führt häufig zum Abbau von Dissonanzen, Friktionen und Reaktanzen. Sie ist in der Lage, öffentlichen Druck teilweise zu mindern und die Zustimmung der Stakeholder zu vermehren.36 Ein zentrales Argument für die Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und ökonomischen Interessen ist die Kosteneinsparung. Oftmals geht eine Emissionsreduzierung mit einer Kosteneinsparung einher. Durch Veränderungen in den Bereichen der Logistik und der Energienutzung sind häufig große Erfolge zu erzielen.37 Zusammenfassend ist also zu sagen, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen sowohl ökonomische, als auch vorökonomische Erfolgswirkungen hat, die in der folgenden Abbildung 2 zusammengefasst aufgezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mögliche Erfolgswirkungen von Nachhaltigkeit38

Neben diesen beispielhaften Folgen und Wirkungen von nachhaltigem Handeln zeigt sich in der Praxis auch, dass Nachhaltigkeit auch unabhängig vom Buisness Case, also dem Geschäftsszenario, verfolgt wird. So gibt es Eigentümer und Manager von gesellschaftsorientierten Unternehmen, deren Motivation zum nachhaltigen Handeln sich nicht nur auf einen ökonomischen Erfolg beschränken lässt. Durch gesellschaftlich verantwortungsvolles Verhalten mehrerer Unternehmen kann ein wirtschaftsfreundliches Klima in der Bevölkerung entstehen und somit die gesellschaftliche Akzeptanz für das marktorientierte Wirtschaftssystem eines Landes oder einer Branche gesichert werden.39

Zur Durchführung und zur Generierung von Nachhaltigkeit im Unternehmen und der Erreichung der beschriebenen Ziele stehen den Entscheidungsträgern zahlreiche Mittel und Instrumente zur Verfügung. Im Folgenden sollen nun vier verschiedene Konzepte vorgestellt werden, die zur Erreichung des Ziels der Nachhaltigkeit in Unternehmen verwendet werden. Hierbei soll deutlich gemacht werden, dass das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen der Unternehmenspolitik nicht bloß eine leere Redensart zur Imageverbesserung ist, sondern dass es zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen gibt, sowohl intern als auch extern einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

[...]


1 vgl. Grundwald, A. / Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 6.

2 vgl. Grundwald, A. / Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 27-29.

3 vgl. Fichter, K.: Modelle der Nutzerintegration, 2005, S. 10

4 Vgl. Herzig, C./ Schaltegger, S.: Nachhaltiges Unternehmertun, in: Merz, J./ Wagner, J. (Hrgs.): Perspektiven der Mittelstandsforschung. Ökonomische Analysen zu Selbständigkeit, Freien Berufen und KMU, 2004, S. 361

5 Vgl. Grewe, W./ Löffler, J.: Aspekte, in: Gazdar, K. et al. (Hrsg.): Erfolgsfaktor Verantwortung. Corporate Social Responsibility professionell managen, 2006, S. 43.

6 Vgl. Hoffmann, E. et al.: Gesellschaftliches Lernen, in: Hoffmann, E. et al. (Hrsg.): Gesellschaftliches Lernen und Nachhaltigkeit, 2007, S. 18.

7 Vgl. Fischer, A.: Handlungsfeld Berufliche Bildung, in: Michelsen, G./ Godemann, J. (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation, 2005, S. 798.

8 Vgl. Mertineit, K./ Exner, V.: Berufsbildung, 2003, S. 217.

9 Vgl. Tremmel, J.: Nachhaltigkeit, 2003, S. 17 f.

10 Der Club of Rome wurde 1968 in Rom gegründet und beschreibt sich selbst als nicht-profitorientierte, nicht-staatliche Organisation mit dem Ziel, Wissenschaftler, Ökonomen, Geschäftsleute, Regierungsmitglieder, etc. zusammenzubringen, um die Welt in Hinblick auf Politik, Soziales, Technik, Ökonomie, Ökologie und Kultur zu verbessern. Vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/mission_des_club_of_rome_540.htm

11 Vgl. Molitor, H.: Nachhaltige Orientierungen, 2003, S. 19.

12 Vgl. Pfriem, R./ Paech, N.: Konzepte der Nachhaltigkeit, 2004, S.94-96.

13 In nlehnung an den Vorsitzenden auch als „Brundtland-Kommission“ bekannt.

14 Hauff, V.: Zukunft, 1987, S. 46

15 Vgl. Grundwald, A./ Kopfmüller, J.: Nachhaltigkeit, 2006, S. 21.

16 Vgl. Stahlmann, V.: Lernziel, 2008, S. 157.

17 Vgl. de Haan, G.: Lehren und Lernen nachhaltig, in: Hellwig, M./ Hemker, R. (Hrsg): Jahrbuch für Nachhaltigkeit 2007, 2008, S. 15.

18 Vgl. de Haan, G.: Lehren und Lernen nachhaltig, in: Hellwig, M./ Hemker, R. (Hrsg): Jahrbuch für Nachhaltigkeit 2007, 2008, S. 16-18.

19 Vgl. Seeber, G./ Krämer, J.: Ökonomie und Ökologie, 2007, S. 53.

20 Vgl. Siebenhüner, Nachhaltigkeit, in: Dudeck, A./ Jansen-Schulz, B. (Hrsg.): Zukunft Bologna? 2007, S. 285-287; Bundesregierung: Bericht, 2002, S. 7.

21 Vgl. Siebenhüner, Nachhaltigkeit, in: Dudeck, A./ Jansen-Schulz, B. (Hrsg.): Zukunft Bologna? 2007, S. 287.

22 Vgl. Grundwald, A./ Kopfmüller, J., Nachhaltigkeit, 2006, S. 36.

23 Vgl. Rogall, H.: Ökonomie der Nachhaltigkeit, 2004, S. 39.

24 Vgl. Siebenhüner,B.: Dance of Change, in: Hoffmann, E. et al. (Hrsg.): Gesellschaftliches Lernen und Nachhaltigkeit, 2007, S. 100-101.

25 Vgl. Schaltegger, S.: Nachhaltige Unternehmen, im Internet: http://www.leuphana.de/umanagement/csm/content/nama/downloads/download_publikationen/was _kennzeichnet_nachhaltige_Unternehmen.pdf, Abfrage vom 30.03.2010, 2009, S. 1 f.

26 Schaltegger, S.: Kennzeichnung, in: Studiosus Nr. 11, November 2008, S. 16.

27 Vgl. Schwarze, C.: Gestaltung, 2009, S. 35.

28 Schaltegger, S. et al.: Nachhaltigkeitsmanagement, 2007, S. 14.

29 Vgl. Pfriem, R.: Heranführung, 2005, S. 211.

30 Vgl. Burschel, C./ Losen, D./ Wiendl, A.: Nachhaltige Unternehmung, 2004, S. 31-32.

31 Vgl. Rogall, H.: Ökologische Ökonomie, 2008, S. 175-178.

32 Vgl. Hardtke, A./ Prehn, M.: Perspektiven der Nachhaltigkeit, 2001, S. 90.

33 Vgl. Bergmann, G./ Daub, J.: Kompetenzmanagement, 2006, S. 46.

34 Vgl. Pfriem, R./ Paech, N.: Konzepte der Nachhaltigkeit, 2004, S. 94-95.

35 Vgl. Leitschuh-Fecht, H./ Steger, U.: Business Care, im Internet: http://fairwirtschaften.de/downloads/txt_businescase.pdf, 2003, Abfrage vom 07.04.2010, S. 8-9.

36 Vgl. Bergmann, G./ Daub, J.: Kompetenzmanagement, 2006, S. 46.

37 Vgl. Bergmann, G./ Daub, J.: Kompetenzmanagement, 2006, S. 47.

38 Schwarze, C.: Gestaltung, 2009, S. 37.

39 Vgl. Schwarze, C.: Gestaltung, 2009, S. 35.

Details

Seiten
62
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640758494
ISBN (Buch)
9783640758609
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161677
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Schlagworte
nachhaltigkeit berufsschule wirtschaftspädagogik berufs- und wirtschaftspädagogik nachhaltige entwicklung

Autor

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