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Der Prolog im Himmel in Goethes Faust

Zur Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung..

2 Die Handlung im „Prolog im Himmel“

3 Der „Prolog im Himmel“ als Rahmenhandlung des Dramas

4 Eine Wette als Resultat der Auseinandersetzung zwischen dem Herrn und Mephisto im „Prolog im Himmel“
4.1 Vergleich desPrologsmitdem BuchHiob
4.2 Der Herr und Mephisto als ebenbürtige Kontrahenten

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Der englische Goethe-Biograf Nicholas Boyle sagte einmal über das Faust-Drama:

,,Es ist das Größte - und sein erster Teil zugleich das Anziehendste -, was Goethe geschaffen hat. Da steckt wirklich alles drin.“ (zitiert nach Kröger 2006, S. 5)

Goethes Faust gilt als das bedeutendste Werk der deutschen Literatur. Es dauerte über ein halbes Jahrhundert bis Goethe das heute vorliegende Gesamtwerk fertig gestellt hatte, das in der Endfassung nun bereits seit über 175 Jahren vor allem die deutsche Kultur durch­zieht und die Menschen weltweit begeistert.

Da es mir auf dem Gymnasium verwehrt blieb, mich mit dem Faust-Drama Goethes zu beschäftigen, bin ich erst durch das Seminar, zu dem diese Hausarbeit als Leistungsnach­weis dient, zur intensiveren Beschäftigung mit dem Thema gekommen. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass sich die „Einführung in die Dramen-Analyse“ für mich in eine persönliche Einführung in Goethes Faust verwandelt hat. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass die hiermit verbundene Wissenserweiterung nicht zugunsten meines späteren Berufes erfolgte, so ist sie doch eine Bereicherung für mein kulturelles Verständnis.

Besonders fasziniert mich das äußere Gebilde um die Kernhandlung des Fausts. Der Him­mel und die Hölle treffen in personifizierter Form in einer Kontroverse aufeinander und streiten um das Wesen des Menschen, ferner um den Sinn menschlichen Lebens, worauf­hin der Vertreter der Hölle freie Hand für sein diabolisches Treiben auf der Erde bekommt. Um den vom Herrn auserwählten Menschen Faust zu verführen, wird der Weg nicht nur mit Leichen gepflastert, er führt an die ungewöhnlichste Orte und Zeiten und offenbart verrücktestes Treiben von Menschen und geisterhaften Wesen.

Vom Kampf zwischen Gut und Böse schon immer fasziniert, ist die Handlung, dass eine göttliche und eine teuflische Instanz auf diese Weise das Leben der Menschen beeinflus­sen, quasi damit spielen, für mich der Anlass dazu, mich in der folgenden Ausarbeitung mit dem „Prolog im Himmel“ zu beschäftigen. Die zu beantwortende Frage ist somit, ob in diesem Kapitel eine Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles abgeschlossen wird bzw. ferner, ob eine derartige Wette überhaupt abgeschlossen werden kann. Zu diesem Zweck werde ich die betreffenden Textstellen aus Faust. Eine Tragödie als Grundlage verwenden, diese auf ihre Aussagen hin untersuchen, um schließlich, unter Zuhilfenahme von Deutungsansätzen aus der Sekundärliteratur, aufgrund meiner eigenen Interpretation eine fundierte Antwort auf die bereits erwähnt Frage geben zu können.

In der vorliegenden Hausarbeit sind die Quellenangaben den Zitaten direkt nachgestellt, bei der Bezugnahme auf Inhalte des Faust-Dramas beschränke ich mich der Einfachheit halber lediglich auf die Angabe der entsprechenden Verse.

2 Die Handlung im „Prolog im Himmel“

Goethes Drama Faust I wird von drei Prologen eingeleitet, die dem Leser den Zugang zu der Tragödie erster Teil ermöglichen sollen. Die Zueignung, das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel stellen zusammen das dreifache Präludium dar (vgl. Kröger 2006, S. 7).

In der Zueignung wendet sich der Dichter seinem lange vernachlässigten Drama wieder zu, wobei er sich weniger als kreierender Schöpfer sondern als Künstler empfindet, auf den die Figuren einwirken, ihn förmlich bedrängen, sodass er sie bzw. die Verse niederschreibt.

Das Vorspiel auf dem Theater besteht aus einem (Streit-)Gespräch zwischen dem Theater­direktor, dem Dichter und einem Schauspieler, die alle unterschiedliche Erwartungen an die Inszenierung haben und darüber aneinander geraten. Letztendlich fordert der Direktor den Dichter und den Schauspieler dazu auf, die Inszenierung eine Spannbreite „Vom Him­mel durch die Welt zur Hölle“(V. 242) haben zu lassen, was genau genommen zum dritten Vorspiel überleitet.

Denn im Prolog im Himmel treffen, neben der Erwähnung des Erdenbewohners Faust, die zwei nicht-weltlichen Instanzen in Form des Herrn (Himmel) und Mephistopheles (Hölle) erstmals aufeinander.

Nachdem die Erzengel Raphael, Michael und Gabriel von der Welt als Werk Gottes ge­sungen und dabei auf deren beständige Herrlichkeit {„Die unbegreiflich hohen Werke / Sind herrlich wie am ersten Tag.“) (V. 249f), trotz einiger bedrohlicher Aspekte {„schau­ervoller Nacht.“) (V. 254) eingegangen sind, meldet sich Mephisto zu Wort. Ganz im Ge­gensatz zu den Lobesgesängen der Erzengel auf die Schöpfung richtet er den Fokus spezi­ell auf die Menschen und kritisiert offen deren Dasein. Mephisto macht deutlich, dass er nichts Positives an der menschlichen Existenz finden kann, diese als Plage für die Men­schen selbst ansieht und teilt auf Nachfrage des Herrn bereitwillig mit, wie sehr er die Menschen deswegen bedauert {„Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen, / Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.“) (V. 297f). Der Herr führt den Gelehrten Doktor Faust als positives menschliches Beispiel an, worauf der Dialog mit dem Angebot einer Wette durch Mephisto endet.

Dieser ist sich sicher, Faust verführen und vom rechten Pfade abbringen zu können. Der Herr hingegen hat besonderes Vertrauen in den Menschen Faust, der rastlos und stets unzu­frieden nach einer Antwort auf die Frage sucht, was die Welt im Innersten zusammenhält (vgl. V. 382f). Dieses Streben beabsichtigt Mephisto Faust auszutreiben. Doch der Herr verlässt sich darauf, dass Faust, den er bald mit der von ihm so intensiv begehrten Klarheit erleuchten will, sich trotz der Versuchungen Mephistos des rechten Weges bewusst sein wird (vgl. V. 388f).

Laut den Bedingungen, die der Herr für den Verführungsversuch gestellt hat, darf Mephis­to für die Dauer von Fausts Leben auf der Erde seine Machenschaften an ihm ausprobie­ren. Jedoch muss er auf der Erde als das auftreten, was er ist {„Du darfst auch da nur frei erscheinen“) (V. 336).

Schließlich endet der Prolog im Himmel mit der Nennung eben dieser Wesensbezeichnung indem Mephisto sich selbst wörtlich als „Teufel“ darstellt (vgl. V. 353).

Auf das Präludium folgt die Kernhandlung des Dramas, wobei der Fokus nun direkt auf Faust und somit auf das Geschehen auf der Erde gerichtet wird. Erst an diese Stelle ist ein­leitend die Überschrift Der Tragödie erster Teil zu finden.

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Titel: Der Prolog im Himmel in Goethes Faust