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Wer die Deutschen sind

Rezension von Sylvia Schroll-Machls "Die Deutschen – Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben"

Rezension / Literaturbericht 2010 10 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Inhalt

3. Darstellung

4. Kontext

5. Fazit

1. Einleitung

Im Zeitalter von Globalisierung und internationaler Zusammenarbeit sehen sich heute viele Unternehmen mit den Herausforderungen interkultureller Kooperation konfrontiert. Um diese bewältigen zu können, stehen inzwischen zahlreiche verschiedene Methoden zur Entwicklung von interkultureller Kompetenz zur Verfügung, die auf die Begegnung zwischen den Kulturen vorbereiten sollen. Neben der Simulation entsprechender Situationen und dem Analysieren anderer Kulturen ist immer häufiger auch das Reflektieren über die eigene Kultur wichtiger Bestandteil interkultureller Trainings. Das soll vor allem dabei helfen, ein objektiveres Bild über interkulturelle Missverständnisse und Konflikte zu erhalten, aber auch ein Umdenken bewirken, weg von der Idee, dass die Welt vorwiegend vom eigenen Standpunkt aus betrachtet werden sollte. Durch die Analyse der eigenen Kultur kann die Perspektive des Gegenübers und somit auch sein Verhalten und seine Reaktionen in interkulturellen Situationen schließlich besser verstanden werden.

Auch die Diplom-Psychologin und Diplom-Religionspädagogin Sylvia Schroll-Machl will auf diese Weise interkulturelles Verständnis schaffen. Ihr 227 Seiten starkes Werk „Die Deutschen – Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben. “ bietet einen Einblick in die deutsche, in diesem Falle also in die eigene Kultur und wendet somit quasi interkulturelle Analysemethoden auf sich selbst an. In der Untersuchung von sieben ‚typisch deutschen‘ Kulturstandards beleuchtet die Autorin die Hintergründe der eigenen, kulturbedingten Verhaltensweisen und bemüht sich gleichzeitig um Aufklärung über die Interpretation von und den Umgang mit solchen Kulturstandards. Ihre Arbeit soll dabei vor allem praxisbezogen und schlichtweg nützlich für tatsächliche interkulturelle Begegnungen, vorwiegend im Beruf, sein. Die vorliegende dritte Auflage des Werks erschien im Jahre 2007 durch den Verlag Vandenhoeck&Ruprecht in Göttingen und ist für rund 25,90 Euro in Buchhandlungen und entsprechenden Online-Versandhäusern zu finden.

2. Inhalt

Schroll-Machl wendet sich in ihrem Buch konkreten Kulturstandards zu, die sie und andere Experten der deutschen Kultur zusprechen. Das bedeutet, es wird eine Schnittmenge aus häufig auftretenden Verhaltensmustern eines Kulturkreises gebildet und analysiert. Untersuchungen dieser Art und das Aufzeigen von Möglichkeiten, mit diesen Verhaltensweisen umzugehen, sind in der interkulturellen Forschung häufig anzutreffen. Sylvia Scroll-Machl bezieht sich dabei nicht wie üblich auf die Kulturstandards fremder Kulturen, sondern auf die der eigenen, in diesem Falle der deutschen. Da dies längst keine typische Herangehensweise an interkulturelle Problemstellung darstellt, beginnt die Autorin ihr Buch mit der Erläuterung und Begründung ihrer Arbeitsweise. Hier wird näher auf den hohen Wert von Reflexion des eigenen Verhaltens eingegangen, die nicht nur dabei hilft, das eigene Verhalten zu verstehen, sondern auch dabei, zu erahnen, warum fremdes Verhalten als irritierend oder erfreulich empfunden wird. Wie es aus der Sicht der interkulturellen Wissenschaft allgemein als notwendig gilt, betont Schroll-Machl anschließend deutlich und ausführlich, dass die vorgestellten Verhaltensweisen keineswegs zur Stereotypenbildung führen sollen und zwar häufig zu beobachten, aber keinesfalls auf jeden einzelne Person und jede Situation zu übertragen sind.

Den Hauptteil über deutsche Kulturstandards leitet eine vertiefte Definition des Begriffs ein. Daran angeknüpft wird eine kurze Erläuterung darüber, wie sich Kulturstandards im Laufe der Geschichte eines Kulturkreises verändern und schließlich zu dem entwickeln, was sie sind und was wir heute als selbstverständlich begreifen. Daraufhin wird das Thema näher eingekreist und die spezifische Entstehung deutscher Kulturstandards erläutert. Die Autorin wählt als relevante deutsche Kulturanstandards Sachorientierung, Wertschätzung von Strukturen und Regeln sowie regelorientierte, internalisierte Kontrolle, Zeitplanung, die Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen, „Schwacher Kontext“ als Kommunikationsstil und Individualismus. Jeder dieser sieben Kulturstandards wird mit einer anfänglichen Definition eingeleitet, mit einer Erklärung seiner Bedeutung ausgestattet und letztendlich in einen historischen Hintergrund eingeordnet. In Form von Vor- und Nachteilen schlussfolgert Schroll-Machl besondere Schwierigkeiten, aber auch Chancen eines jeden Kulturstandards. Dazu werden konkrete Handlungsempfehlungen zum Umgang mit den entsprechenden Verhaltensmustern angeboten.

3. Darstellungsform

Das vorliegende Werk erscheint im Taschenbuchformat. Die äußere Gestaltung unterstützt dabei die Absicht der Autorin, vor allem Klienten aus der Wirtschaft anzusprechen: Das Cover zeigt die Skyline der Main-Metropole Frankfurt, die auch international als Deutschlands Finanz- und Wirtschaftszentrum gilt. Von der Rückseite des Buches, das ebenso wie seine Vorderseite in Grau gehalten ist, kann der Leser zusammenfassende Informationen über den Buchinhalt und die Autorin entnehmen.

Auch der Aufbau des Buchinhalts ist vorwiegend nach praktischem Nutzen gestaltet. Die Erforschung von interkulturellen Begegnungen stellt eine besonders junge Wissenschaft dar, deren Ergebnisse idealerweise hohen Praxisbezug aufweisen sollen. Silvia Schroll-Machl ist sich dieser Herausforderung bewusst und macht ihre Ausführungen auch für fachfremde Leser zugänglich. Unkomplizierte Erklärungen und klare Formulierungen machen das Werk in diesem Sinne leserfreundlich und verständlich, ohne die Problematik interkultureller Begegnungen zu banalisieren. Die Autorin nähert sich komplexen Problemstellungen vom Weiten an und definiert anschließend deutlich die für sie relevanten Schwerpunkte. Diese bearbeitet sie klar strukturiert, verwendet einen einheitlichen Aufbau mit immer gleichen Elementen für die Erläuterung jedes Kulturstandards. Dieses Muster behält die Autorin streng ein und stellt auf diese Weise sicher, dass die Kulturstandards tatsächlich auch in ihrer Entstehung, ihrer Tiefe, nachvollzogen werden können. Das einheitliche Vorgehen bei ihren Beschreibungen lässt außerdem Vergleiche zwischen den einzelnen Kulturstandards zu und bietet ein klares, einheitlich scheinendes Gesamtkonzept. Den insgesamt sieben genannten Kulturstandards kommt dabei gleichmäßig verteilte Aufmerksamkeit zu.

Zu den immer wiederkehrenden Elementen jedes Kapitels gehört außerdem eine tabellarische Darstellung über Charaktereigenschaften, die zum jeweiligen Kulturstandard gehören. Dazu wird angegeben, welche dieser Eigenschaften den Deutschen von welchem anderen Kulturkreis zugesprochen werden. So lässt sich etwa der Tabelle zum Kulturstandard ‚Sachorientierung‘ entnehmen, dass britische und ungarische Befragte die Deutschen für rational und vernünftig halten (vgl. S. 47). Der Tabelle wird jeweils eine leicht humoristische, aber nicht karikierende Zeichnung gegenübergestellt, die die Ausprägung eines Kulturstandards im Verhalten ein wenig überspitzt darstellen soll.

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Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640769735
ISBN (Buch)
9783640770007
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162074
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Deutschen Rezension Sylvia Schroll-Machls Deutsche Fremdwahrnehmung Selbstsicht Berufsleben

Autor

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Titel: Wer die Deutschen sind