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Zum Gewaltmonopol verhandeln

Über den Stand der Friedenskonsolidierung und die Rolle der Taliban in Afghanistan.

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien des Friedens
2.1 Kriegsende und Dimensionen der Friedenskonsolidierung
2.2 Staatszentrierte Friedenskonsolidierung
2.3 Institutionalistisch-Prozessuale Friedenskonsolidierung

3. Der Afghanistan-Konflikt
3.1 Historische Entwicklungen
3.2 Stammeskultur und Sozialstruktur
3.3 Friedenskonsolidierung seit 2001
3.3.1 Sicherheitspolitische Dimension
3.3.2 Allgemeinpolitische Dimension
3.3.3 Sozio-Ökonomische Dimension
3.4 Kritik an der Konsolidierungsstrategie
3.5 Verhandlungen mit den Taliban

4. Fazit: Endlich verhandeln

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als im Herbst 2001 die ersten NATO-Truppen unter amerikanischer Führung die Grenzen Afghanistans überschritten, war die nordatlantische Gemeinschaft fest ent- schlossen, die als Brutstätte des Terrorismus wahrgenommene Region am Hindu- kusch von allen islamistischen Einflüssen zu befreien. Mit einem massiven Militär- aufgebot wollte man die staatstragenden Taliban und die von ihnen unterstützte Ter- rororganisation Al-Quaida, für die Terroranschläge vom 11. September 2001 zur Re- chenschaft ziehen. Aufgrund ihrer modernen Waffen und ihrer militärischen Präzisi- on ging die NATO davon aus, Afghanistan mit hoher Geschwindigkeit erobern und anschließend nach westlichem Vorbild demokratisieren zu können.

Neun Jahre später schwelt der Konflikt noch immer. Obwohl der eigentliche Krieg bereits im Dezember 2001 beinahe beendet schien, setzen sich die Taliban bis heute stets erfolgreich zur Wehr und halten nicht nur den Konflikt in Gang, sondern Afgha- nistan auch im Fokus der Weltöffentlichkeit. Alle westlichen Versuche endlich den Frieden in das zentralasiatische Land zu bringen, scheitern auch nach mehr als 30 Kriegsjahren noch immer. Dabei hatte sich die NATO von Beginn an vorgenommen, durch friedensbildende Maßnahmen neue Gewalt gleich im Keim zu ersticken, die Kriegsfolgen rasch zu bewältigen und den Frieden langfristig zu konsolidieren.

Diese Bemühungen sind Thema der vorliegenden Hausarbeit. In der wissenschaft- lichen Diskussion stehen sich dabei mit dem staatszentrierten- und dem institutiona- listisch-prozessualen Ansatz zwei theoretische Konzepte gegenüber, die die Stabili- sierung einer vom Krieg zerrütteten Gesellschaft auf unterschiedlichen Wegen errei- chen möchten. Zu Beginn werden daher beide Ansätze ausführlich dargestellt, bevor sich der Fokus auf die eigentliche Konfliktgeschichte richtet. Anschließend werden die sozialen und sicherheitspolitischen Bedingungen in Afghanistan sowie die bishe- rige Strategie der NATO analysiert. Dabei wird das in letzter Zeit immer öfter vorge- schlagene Konzept der verstärkten Einbindung von Taliban-Eliten in den Wie- deraufbauprozess Afghanistans überprüft und kritisch gewürdigt.

Eine erschöpfende Untersuchung des Konfliktes ist im Rahmen einer Hausarbeit natürlich nicht möglich. Dennoch sollte aber der Blick auf die Bedingungen eines stabilen Friedens in Afghanistan auch in diesem Kontext präzisiert werden können.

2. Theorien des Friedens

Mit seiner 1992 veröffentlichten Agenda für den Frieden leitete der damalige Gene- ralsekretär der Vereinten Nationen, Boutros Boutros-Ghali, eine akademische Dis- kussion um die Voraussetzungen, Bedingungen und Wege zum Frieden ein, die sich noch bis heute fortsetzt. Unter dem Einfluss des damals gerade beendeten Ost-West- Konfliktes plädierte er für ein gemeinschaftliches Konzept der Weltgemeinschaft, um mehr Frieden in der Welt zu schaffen und zu erhalten. Dabei unterschied Boutros- Ghali im Hinblick auf die Prävention gewalttätiger Konflikte zwischen vorbeugender Diplomatie, Friedensschaffung und Friedenssicherung. Zudem prägte er den Begriff der Friedenskonsolidierung, mit dem er die Festigung des - oftmals noch zerbrechli- chen - Friedens in der Folgezeit gesellschaftlicher Konflikte beschrieb.1

Daran anschließend wurde diese Unterscheidung von der Wissenschaft weiter ver- feinert und präzisiert. So stellt Volker Matthies beispielsweise mit seinem Präventi- ons-Zyklus ein idealtypisches Modell des Konfliktverlaufs vor, in dem er zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiär-Prävention unterscheidet und damit sowohl die Ent- stehungs-, Eskalations-, Austragungs-, Deeskalations- sowie Konsolidierungsphase bewaffneter Konflikte abdeckt. Im Hinblick auf die konkreten Ursachen unterschei- det er weiterhin zwischen Strukturfaktoren, Prozessfaktoren und Auslösefaktoren, die allesamt bei der gewalttätigen Eskalation eines Konfliktes ihre eigenen Rollen spie- len und deshalb bei Gewaltprävention weitestgehend abgedeckt werden sollten.2

Dass von Gewalt- und nicht etwa von Konflikt- oder Krisenprävention gesprochen wird, ist im Übrigen nicht selbstverständlich. Gerade die deutschsprachige Wissen- schaft nutzt hier mannigfaltige Begriffskonstruktionen. Gewaltprävention ist jedoch treffend, da es eben nicht um das Vorbeugen jedweder - auch wünschenswerter - ge- sellschaftlicher Konflikte geht, sondern nur um deren gewalttätige Austragung. Auch Krisenprävention erscheint aufgrund der analytischen Unschärfe des Krisenbegriffs und seiner zunehmenden Inflation als wissenschaftlich inadäquate Bezeichnung.3

[...]


1 Vgl. Boutros-Ghali, Boutros: Agenda für den Frieden. Analysen und Empfehungen des VN-General- sekretärs, Stiftung Entwicklung und Frieden [Hrsg.], Bonn 1992

2 Vgl. Matthies, Volker: Krisenprävention und Konfliktkonsolidierung, in: Ferdowski, Mir A. [Hrsg.]: Sicherheit und Frieden zu Beginn des 21. Jahrhunderts, München 2004, S. 154 ff

3 Vgl. Matthies, Volker: Krisenprävention. Vorbeugen ist besser als heilen, Opladen 2000, S. 29 ff

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640779826
ISBN (Buch)
9783640780471
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162098
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Gewaltmonopol Stand Friedenskonsolidierung Rolle Taliban Afghanistan

Autor

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