Lade Inhalt...

Vollstreckungsrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung

Band 2 der Skriptenreihe zum Assessorexamen

Fachbuch 2010 121 Seiten

Jura - Zivilprozessrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Teil: Grundlagen
1. Abschnitt: Einzelvollstreckung nach ZPO, ZVG und GBO
I. Vollstreckung wegen Geldforderungen
II. Vollstreckung wegen anderer Forderungen
III. Der Gerichtsvollzieher
IV. Pfändung
V. Verwertung

2. Teil: Formelle Rechtsbehelfe im Vollstreckungsrecht
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Vollstreckungserinnerung § 766 ZPO
A. Auslegung des Antrags
B. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit nach § 766 I 2, II ZPO
II. Zuständigkeit
III. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
IV. Erinnerungsbefugnis
V. Form/Frist
VI. Rechtsschutzbedürfnis
C. Begründetheit
D. Erinnerungsantrag
E. Beschluss des Gerichts
3. Abschnitt: Sofortige Beschwerde § 793 ZPO bzw. § 11 I RPflG i.V.m. § 793 ZPO
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
II. Zuständigkeit
III. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
IV. Beschwerdebefugnis
V. Form und Frist § 569 ZPO
VI. Rechtsschutzbedürfnis
B. Begründetheit
C. Aufbau des Beschlusses
4. Abschnitt: Rechtspflegererinnerung § 11 II RPflG
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
II. Zuständigkeit
III. Form und Frist § 569 ZPO
B. Begründetheit

3. Teil: Materielle Rechtsbehelfe im Vollstreckungsrecht
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Vollstreckungsgegenklage § 767 ZPO
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
1. Statthaftigkeit der Klage
2. Abgrenzung zu anderen Verfahren
II. Zuständigkeit
III. Klageantrag
IV. Rechtsschutzbedürfnis
V. Sonstige Prozessvoraussetzungen
B. Begründetheit
I. Sachbefugnis
II. Vorliegen einer materiell-rechtlichen Einwendung
III. Keine Präklusion
C. Urteil
3. Abschnitt: Drittwiderspruchsklage § 771 ZPO
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
II. Zuständigkeit
III. Klageantrag
IV. Rechtsschutzbedürfnis
V. Sonstige Prozessvoraussetzungen
B. Begründetheit
I. Sachbefugnis
II. Interventionsrecht
III. Keine Einwendungen des Beklagten
C. Urteil
4. Abschnitt: Klage auf vorzugsweise Befriedigung § 805 ZPO
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
II. Zuständigkeit
III. Antrag
IV. Rechtsschutzbedürfnis
V. Sonstige Prozessvoraussetzungen
B. Begründetheit
C. Urteil
5. Abschnitt: Widerspruchsklage § 878 ZPO
A Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit
II. Zuständigkeit
III. Sonstige Prozessvoraussetzungen
IV. Widerspruch
V. Rechtsschutzbedürfnis
B. Begründetheit
C. Urteil
6. Abschnitt: verlängerte Vollstreckungsabwehrklage § 812 BGB
A. Zulässigkeit
B. Begründetheit

4. Teil: Klauselrechtsbehelfe
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Klauselrechtsbehelfe zum Gläubigerschutz
A. Erinnerung § 573 ZPO B. Sofortige Beschwerde § 11 RPflG, § 567 ZPO
I. Zulässigkeit
1. Auslegung und Abgrenzung der Rechtsbehelfe
2. Statthaftigkeit
3. Zuständigkeit
4. Wirksame Einlegung des Rechtsbehelfs
a) Postulationsfähigkeit
b) Schriftform
c) Frist
5. Beschwer
6. Rechtsschutzinteresse
II. Begründetheit
III. Entscheidung
C. Klauselerteilungsklage § 731 ZPO
I. Zulässigkeit
1. Auslegung und Abgrenzung der Rechtsbehelfe (sofern dies erforderlich ist)
2. Statthaftigkeit
3. Zuständigkeit
4. Sonstige Prozessvoraussetzungen
5. Rechtsschutzinteresse
II. Begründetheit
III. Entscheidung
3. Abschnitt: Klauselrechtsbehelfe zum Schuldnerschutz
A. Erinnerung § 732 ZPO (ggf. i.V.m. § 11 RPflG)
I. Zulässigkeit
1. Auslegung und Abgrenzung der Rechtsbehelfe
2. Statthaftigkeit
3. Zuständigkeit
4. Wirksame Einlegung
5. Form
6. Entgegenstehende Rechtskraft
7. Rechtsschutzbedürfnis
II. Begründetheit
III. Entscheidung
B. Klauselgegenklage § 768 ZPO
I. Zulässigkeit
1. Auslegung und Abgrenzung der Rechtsbehelfe
2. Statthaftigkeit
3. Zuständigkeit
4. Sonstige Prozessvoraussetzungen
5. Entgegenstehende Rechtskraft
6. Rechtsschutzbedürfnis
II. Begründetheit
III. Entscheidung

5. Teil: Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung
1. Abschnitt: Allgemeine Voraussetzungen
A. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
I. Antrag
II. Allgemeine Zulässigkeitsvoraussetzungen
III. Rechtsschutzbedürfnis
B. Allgemeine Zwangsvollstreckungsvoraussetzungen
I. Vollstreckbarer Titel
1. Titel
2. Vollstreckbarer Inhalt
II. Vollstreckungsklausel §§ 724 ff. ZPO
1. Allgemeines
2. Voraussetzungen der Klauselerteilung
a) Zulässigkeit des Klauselantrags
b) Begründetheit des Antrags
aa) Voraussetzungen der einfachen Klausel
bb) Zusätzliche Voraussetzungen der qualifizierten Klausel
α) Titelergänzung nach § 726 I ZPO
β) Titelumschreibung nach den §§ 727 ff. ZPO
γ) Nachweis der qualifizierten Voraussetzungen
III. Zustellung § 750 I ZPO
IV. Besondere Zwangsvollstreckungsvoraussetzungen
1. Zug-um-Zug-Leistungen
2. bestimmter Kalendertag
3. Sicherheitsleistung
V. Keine Vollstreckungshindernisse
1. Insolvenzverfahren
2. Einstellung und Aufhebung der Zwangsvollstreckung
3. Vollstreckungsvertrag
VI. Ordnungsgemäße Durchführung
2. Abschnitt: Fahrnisvollstreckung §§ 808 ff. ZPO
A. Allgemeines
B. Gegenstände der Pfändung
C. Pfändung
D. Pfändungsverbote
3. Abschnitt: Pfändung und Überweisung
A. Allgemeines
B. Rechtsfolgen
C. Drittschuldner
D. Voraussetzungen einer wirksamen Pfändung
I. Vorliegen eines wirksamen PfÜB
II. wirksame Zustellung an den Drittschuldner
III. Bestehen der Forderung
IV. Prüfung der formellen Rechtmäßigkeit des Verfahrens
1. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
2. Allgemeine Vollstreckungsvoraussetzungen
3. Besondere Vollstreckungsvoraussetzungen
4. ordnungsgemäße Durchführung
E. Rechtsbehelfe des Drittschuldners bei der Forderungspfändung
F. Einziehungsklage (bzw. Einzugsklage) gegen den Drittschuldner
I. Zulässigkeit einer Klage
1. Klageart
2. Zuständigkeit
3. Prozessführungsbefugnis
4. entgegenstehende Rechtskraft bzw. anderweitige Rechtshängigkeit
5. Streitverkündung
II. Begründetheit
1. Anspruch des Schuldner gegen den Drittschuldner im Zeitpunkt der Zustellung
2. Bestehen eines Einzugsrechts des Gläubiger aus dem PfÜB nach § 836 ZPO
a) Keine Nichtigkeit des PfÜB
b) Unpfändbarkeit gem. § 851 ZPO
3. Einwendungen des Drittschuldners / Untergang des Anspruchs
G. Hinterlegung bei einem Forderungsprätendentenstreit
I. Allgemeines
II. Abzugrenzende Fälle
1.Doppelabtretung
2. Pfändung und Abtretung
3. Doppelpfändung
4. Rechtsbehelfe des Drittschuldners
H. Pfändung im Erbrecht
I. Vollstreckung in den Nachlass
II. Vollstreckung in Eigenvermögen des Erben
I. Pfändungsausschluss
J. Wertpapierpfändung
K. Pfändung in andere als Geldforderungen
L. Pfändung in einen Herausgabeanspruch bzgl. eines Grundstücks
I. Pfändung bei Alleineigentum
II. Pfändung bei Gesamthands- und Miteigentum
1. Gesamthandseigentum
2. Miteigentum
M. Zwangsversteigerung, -verwaltung, -hypothek
I. Zwangshypothek § 864 ff. ZPO
II. Zwangsversteigerung §§ 866 I, 869 ZPO i.V.m. §§ 15, 20, 35 ff. ZVG
III. Zwangsverwaltung §§ 146 ff. ZVG
N. Vollstreckung wegen Herausgabe
O. Vollstreckung bei Titel auf Handlungen
I. Arten der Vollstreckung von Handlungen
II. Rechtsmittel
P. Abgabe einer Willenserklärung § 894 ZPO

6. Teil: Einstweiliger Rechtsschutz
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz
A. Statthaftigkeit
B. Zulässigkeit
I. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
1. Zuständigkeit
2. Sonstige Verfahrensvoraussetzungen
3. Angabe des Rechtsschutzziels
4. Form § 920 III ZPO ggf. i.V.m. § 936 ZPO
II. Berühmen eines Arrest-/Verfügungsanspruchs
III. Bestehen eins Arrest-/Verfügungsgrundes
IV. Rechtsschutzbedürfnis
C. Begründetheit
D. Entscheidung
I. Allgemeines
II. Urteil
III. Beschluss
3. Abschnitt: Vollstreckung
4. Abschnitt: Widerspruchsverfahren § 924 ZPO
A. Zulässigkeit
I. Statthaftigkeit §§ 924, 936 ZPO
II. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen
B. Inhaltliche Prüfung des Widerspruchs
C. Entscheidung
D. Sonstiges

7. Teil: Anfechtungsgesetz
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Voraussetzungen der §§ 9, 11 AnfG
A. Zulässigkeit
I. vollstreckbarer Titel gegen den Veräußerer nach § 2 AnfG
II. Fälligkeit nach § 2 AnfG
III. Unzulänglichkeit des Schuldnervermögens nach § 2 AnfG
IV. kein eröffnetes Insolvenzverfahren nach § 16 InsO
B. Begründetheit
I. Anwendungsbereich
1. Rechtshandlung nach § 1 AnfG
2. Objektive Gläubigerbenachteiligung nach § 3 AnfG
II. Anfechtungsgrund nach §§ 3, 4 AnfG
III. Frist nach §§ 3, 4 AnfG und nach § 7 AnfG
C. Entscheidung

8. Teil: Gesamtvollstreckung nach der InsO
1. Abschnitt: Allgemeines
2. Abschnitt: Anfechtung nach dem Insolventgesetz
Begründetheit
I. Anfechtbare Rechtshandlung vor dem Insolvenzverfahren
2. Objektive Gläubigerbenachteiligung
3. Anfechtungsgrund

9. Teil: Arbeitsrecht

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Teil: Grundlagen

1. Abschnitt: Einzelvollstreckung nach ZPO, ZVG und GBO

I. Vollstreckung wegen Geldforderungen (in das gesamte Vermögen des Schuldners)

(gilt ebenso für Duldung der Zwangsvollstreckung nach § 1147 BGB (vgl. § 592 S. 2 ZPO)

in bewegliches Vermögen:[1]

- Sachen nach §§ 803 ff., 808 ff. ZPO
- zuständig ist der Gerichtsvollzieher nach §§ 753 I, 808 I ZPO
- Forderungen und sonstige Rechte nach §§ 803 ff., 828 ff. ZPO

in Geldforderungen §§ 828 ff. ZPO

in Ansprüche auf Herausgabe oder Leistung von Sachen §§ 846 ff. ZPO,

in sonstige Rechte (z.B. Anwartschaftsrecht, …) §§ 857, 859 ZPO

- Vollstreckungsgericht (wird tätig durch den Rechtspfleger)

in Grundstü>- Zwangshypothek nach §§ 866-868 ZPO

- Grundbuchamt (wird ebenfalls tätig durch den Rechtspfleger)
- Zwangsversteigerung §§ 864-866 ZPO / §§ 1 ff. ZVG
- Vollstreckungsgericht (Rechtspfleger) § 869 ZPO und § 1 ZVG
- Zwangsverwaltung §§ 846-866 ZPO / § 146 ff. ZVG
- siehe Zwangsversteigerung
- bei einer Zwangsverwaltung bleibt der Schuldner der Eigentümer aber die Erträge gehen über auf den Vollstreckenden
- bei einer Zwangsversteigerung wird das Eigentum durch die Versteigerung Kraft Hoheitsaktes übertragen, daher ist eine Einigung und Eintragung nicht nötig (vgl. § 90 ZVG); das Grundbuch ist somit zwischenzeitlich falsch (Standardproblem: der Einschluss von Zubehör §§ 865 II 1 ZPO; eine Vollstreckung in bewegliches Vermögen ist nicht mehr zulässig, da dies vom Haftungsverband erfasst wird)
- da eine Zwangsversteigerung ca. zwei Jahre dauert, stellt sich die wirtschaftliche Frage, ob in dem Fall eine Zwangsverwaltung nicht sinnvoller ist, wenn Erträge sicher sind (z.B. weil die Mieter zahlen), die Forderung des Gläubigers in der Zeit beglichen werden kann mit den Erträgen und das Grundstück schwer zu veräußern ist à ggf. kann sogar beides gleichzeitig sinnvoll sein; zulässig ist das gem. § 866 II ZPO
- Zwangshypothek ist nur ein Sicherungsmittel für die Zeit bis zur Zwangsversteigerung

II. Vollstreckung wegen anderer Forderungen

wegen Herausgabe einer Sache

- bewegliche Sachen nach §§ 883, 884, 897 ZPO (als zwangsweiser Besitzwechsel)
- Grundstück § 885 ZPO (als zwangsweiser Besitzwechsel; z.B. einer Mietwohnung)
- zuständig ist der Gerichtsvollzieher §§ 753, 883 ff. ZPO

wegen eines Anspruchs auf Abgabe einer Willenserklärung

es erfolgt keine Zwangsvollstreckung da die Abgabe durch Titel fingiert wird

Umsetzung der Fiktion durch einen Titel und ein Rechtskraftzeugnis nach §§ 706 II, 566 ZPO

sofern ein anderer Titel als ein Urteil vorliegt (z.B. Vergleich) bedarf es einer Klage auf Erwirkung der Handlung nach § 888 ZPO um einen Titel zu erhalten, mit der die Willenserklärung fingiert werden kann

wegen eines Anspruchs auf Handlung, Duldung oder Unterlassen

-Erwirken von Handlungen - vertretbare § 887 ZPO (durch Ersatzvornahme)
- unvertretbare § 888 ZPO (durch Zwangsgeld/-haft)
-Duldung oder Unterlassen § 890 (Ordnungsgeld/-haft)
- zuständig ist das Prozessgericht 1. Instanz

III. Der Gerichtsvollzieher

- Gerichtsvollzieher handelt nach §§ 753 ff. ZPO, §§ 154, 155 GVG und nach dem GvKostG, der GVO und der GVGA[2]
- die Dienstaufsicht über den Gerichtsvollzieher führt der Direktor/Präsident des Landgerichts
- die Fachaufsicht führt das Vollstreckungsgericht § 766 ZPO

IV. Pfändung

- es gilt das Prioritätsprinzip nach § 804 III, 826 ZPO; daher richtet sich eine Pfändungsmaßnahme nach ihrem zeitlichen Rang

- nach § 804 I ZPO entsteht ein Pfandrecht an dem gepfändeten Gegenstand nach § 804 II ZPO gilt das jeweilige Recht über Pfandrechte an Sachen, Forderungen und Rechten nach §§ 1204 ff. BGB
- eine Pfändung erfolgt nach § 808 ZPO grds. durch eine Sigelanbringung
- eine Pfändung ist nur unwirksam und damit nichtig bei einem schweren Fehler:

ein Titel fehlt oder dieser ist zu unbestimmt, ein funktionell unzuständiges Organ nimmt die Pfändung vor, wesentliche Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung werden nicht eingehalten (z.B. wird das Pfandsiegel nicht angelegt § 808 II ZPO), Nichtexistenz von Gläubiger oder Schuldner

- alle anderen Fehler führen nur zur Anfechtbarkeit der Vollstreckungsmaßnahme gem. §766 ZPO
- eine wirksame Pfändung hat dagegen folgende Wirkungen:

1. Verstrickung (bei Grundstücken heißt es Beschlagnahme)

es tritt die Verstrickung ein,[3] dies ist die staatliche Beschlagnahme und begründet ein öffentlich-rechtliches Gewaltverhältnis mit zivilrechtlichen und strafrechtlichen Folgen (§ 136 BGB behördliches Veräußerungsverbot; § 136 StGB Verstrickungsbruch)[4]

2. Pfändungspfandrecht § 804 ZPO

- nach der öffentlich-rechtlichen Theorie richtet sich die Verwertung und das Pfandrecht ausschließlich nach den öffentlichen Vorschriften und nicht nach den §§ 1024 ff. BGB;[5] daher kann das Pfandrecht auch an schuldnerfremden Sachen entstehen, obwohl auch nach dieser Ansicht der Erlös vom zu unrecht bereicherten Gläubiger herausverlangt werden kann
- nach der gemischt privatrechtlichen-öffentlich-rechtlichen Theorie die Grundlage der Verwertung ist die öffentlich-rechtlich einzuordnende Verstrickung; das Pfändungspfandrecht richtet sich dagegen nach dem materiellen Recht der §§ 1024 ff. BGB[6] ; daher kann an schulderfremden Sachen auch kein Pfandrecht bestehen, welches aber gerade der Rechtsgrund für das Behaltendürfens des Erlöses darstellt
- die h.M. folgt zu Recht der gemischten Theorie, da nur diese ohne Widerspruch erklären kann, dass bei einer schuldnerfremden Sache dem wirkliche ehemalige Eigentümer ein bereicherungsrechtlichen Anspruch auf Herausgabe des Erlöses zusteht

V. Verwertung

- die Verwertung erfolgt bei Sachen durch Versteigerung nach § 814 ZPO (bei körperlichen Sachen besteht eine Woche Warte-Frist nach § 816 ZPO)
- bei Forderungen findet die Verwertung durch einen Pfändungsbeschluss nach § 829 ZPO und einen Überweisungsbeschluss gem. § 835 ZPO statt; zusammen werden diese Beschlüsse PfÜB (Pfändungs- und Überweisungsbeschluss) genannt
- bei einer Taschenpfändung: durch Übergabe des Geldes nach § 815 ZPO, bei Wertpapieren nach § 821 ZPO
- der Eigentumswechsel erfolgt durch Hoheitsakt;[7] dieser ist wirksam mit der Verstrickung, der Einhaltung der wesentlichen Verfahrensvorschriften nach §§ 814, 817 II ZPO und der Ablieferung des Gegenstandes;[8] die §§ 929 ff. BGB gelten nicht; daher ist eine mögliche Bösgläubigkeit des Erwerbers unerheblich;[9] der Zuschlag für den Erwerber stellt nach § 817 ZPO den Rechtsgrund für den Erwerb dar, daher liegt auch keine ungerechtfertige Bereicherung des Erwerbers gegenüber dem Schuldner als ehemaligen Besitzers vor
- Entstrickung (als Auflösung des Pfandrechts): erst mit Übergabe der Sache oder dem Surrogat an den Erwerber, bei einer Aufhebung durch Gerichtsvollzieher oder bei einem gutgläubigen Erwerb durch einen Dritten nach §§ 136, 929, 932 BGB
- durch den Erwerb verliert der Gläubiger sein Pfandrecht an der Sache, da ein lastenfreier Erwerb eintritt
- für den Erlös gilt die dingliche Surrogation analog § 1247 S. 2 BGB; d.h. der Schuldner wird Eigentümer des Erlöses und der Gläubiger hat ein Pfandrecht daran; aber der Schuldner wird bereits frei von seiner Schuld gegenüber den Gläubiger, wenn der Gerichtsvollzieher den Erlös annimmt gem. § 819 ZPO; der Gläubiger trägt daher die Gefahr des Untergangs nach Annahme des Gerichtsvollziehers; bei Geldpfändung gilt § 815 III ZPO, so dass der Schuldner bei einer Vollstreckung mit der Übergabe an den Gerichtsvollzieher frei wird; bei einer freiwilligen Leistung ist diese Wirkung allerdings umstritten (s.u.)[10]
- ein Verwertungsaufschub für den Schuldner kann nach §§ 813 a, b ZPO eintreten
- eine anderweitige Verwertung kann nach § 825 ZPO vorgenommen werden[11]
- gibt es mehrere Gläubiger und entsteht ein Streit über Verteilung, muss der Gerichtsvollzieher den Erlös hinterlegen und es findet ein Verteilung nach §§ 872 ff. ZPO statt

2. Teil: Formelle Rechtsbehelfe im Vollstreckungsrecht

1. Abschnitt: Allgemeines

- nach § 802 ZPO sind sachliche und örtliche Zuständigkeit nach der ZPO immer ausschließliche Zuständigkeiten
- formelle Rechtsbehelfe sind bei Verfahrensfehlern zu ergreifen; wird daneben ein materieller Einwand oder ein Einwand gegen die Erteilung einer Klausel (hier sind grds. nur Klausel-Rechtsbehelfe zulässig, außer es liegt ein evidenter Verstoß vor) geltend gemacht, wird dies in der Begründetheit abgewiesen, da dies nicht zum Prüfungsumfang der formellen Rechtsbehelfe gehört; eine Formulierung könnte lauten: Soweit der … rügt, dass … verletzt ist, wird er damit nicht gehört, da dieser materielle Verstoß nicht mit dem formellen Rechtsbehelf gerügt werden kann.
- neben formellen Verstößen werden nur Verstöße geprüft, wenn diese evident sind, oder ein Verstoß gegen § 851 ZPO vorliegt, da diese Norm sowohl formelle als auch materielle Anforderungen stellt
- bei einem formellen Verfahren ergeht immer ein Beschluss, bei einem materiellen Verfahren ergeht dagegen immer ein Urteil
- für die Kostenentscheidung ist es unerheblich, wie viele Einwände der Antragssteller vorgetragen hat bzw. wie viele davon erfolgreich sind, der Antragssteller trägt bereits keine Kosten mehr sobald ein einziger Einwand durchgreift; daher ist es als Anwalt immer sinnvoll mehrere Rechtsbehelfe einzulegen, um zumindest mit einem durchzudringen
- formelle Rechtsbehelfe sind kein Vollstreckungshindernisse, daher läuft ein Vollstreckungsmaßnahme weiter; Vollstreckung wird durch Vollstreckungsorgan dann nur gem. § 775 Nr. 2 ZPO eingestellt, wenn einstweiliger Rechtsschutz beantragt und bewilligt worden ist gem. § 766 I 2, 732 II ZPO
- bei formellen Rechtsbehelfen ist dolo-agit-Einrede nach § 242 BGB (insb. wenn der Schuldner einwendet, er sei zwar zur Herausgabe einer Sache dinglich verpflichtet, habe aber im Gegenzug einen schuldrechtlichen Herausgabeanspruch gegen den Gläubiger) nicht möglich, da dies die materielle Rechtslage betrifft; begründet wird dies mit der Prüfungskongruenz von Gericht und Gerichtsvollzieher, da der Gerichtsvollzieher vor Ort nicht die Einrede des § 242 BG und somit die Eigentumsverhältnisse prüfen kann; will der Schuldner soll sich auf die materielle Rechtslage berufen, so muss er sich einen Titel auf Herausgabe erstreiten; einzige Ausnahme gilt bei einem einfachen Eigentumsvorbehalt nach §811 II ZPO (aber wiederum nicht bei einem verlängerten oder erweiterten Eigentumsvorbehalt)
- sofern kein formeller oder materieller Rechtsbehelf greift, gilt subsidiär § 765a ZPO als Allgemein Härteklausel, insb. bei Verletzung der Grundrechte und bei Räumungsvollstreckung
- § 97 ZPO gilt für bei allen Kosten, und zwar nicht nur bei Rechtsmitteln sondern bei allen Erinnerungen und Einsprüchen, d.h. auch für die Rechtsbehelfe des Vollstreckungsrechts

2. Abschnitt: Vollstreckungserinnerung § 766 ZPO

die Vollstreckungserinnerung richtet sich gegen die Art und Weise der Zwangsvollstreckung; es besteht kein Devolutiv- oder Suspensiveffekt; die Vollstreckungserinnerung ist daher kein Rechtsmittel, sondern nur ein Rechtsbehelf;[12] es gilt ein eingeschränkter Amtsermittlungsgrundsatz

A. Auslegung des Antrags

analog § 133 BGB; was wäre vernünftig, was schützt den Antragsteller am Besten

B. Zulässigkeit

I. Statthaftigkeit nach § 766 I 2, II ZPO

- gegen Verfahrensfehler bzw. formelle Fehler in der Zwangsvollstreckung[13]
- dagegen nicht gegen materielle Fehler, wie z.B. den gutgläubigen Erwerb Dritter, …
- bei Handlungen/Unterlassen des Gerichtsvollziehers nach § 766 I und II ZPO
- bei Maßnahmen (aber nicht bei Entscheidungen) des Richters oder des Rechtspflegers

Maßnahmen sind alle Vorgänge die keine Entscheidungen sind (insb. der Erlass eines PfÜB ist eine Maßnahme)

eine Entscheidung liegt vor, sofern der Erinnerungsführer (also der Gegner des Antragstellers in der Ausgangssache) angehört wird, der Ausgangsantrag abgelehnt oder geändert wird (gegen Entscheidungen ist nicht die Erinnerung, sondern die sofortige Beschwerde nach § 793 ZPO zulässig);[14] diese Fälle stellen eine Entscheidung dar, da sich das entscheidende Organ mit allen Argumenten beider Seiten auseinandergesetzt hat (Abwägung); daher ist eine Abhilfemöglichkeit nach § 766 ZPO sinnlos und eine sofortige Beschwerde besser; bei einer vom Gesetz vorgeschrieben aber tatsächlich unterbliebenen Anhörung liegt richtigerweise nach h.M. nur eine Maßnahme vor (str.), da gerade keine Auseinandersetzung mit den Argumenten der Gegenseite erfolgt; im Einzelfall kann sogar beides gleichzeitig vorliegen, so z.B. bei einer Teilablehnung, oder wenn der Schuldner gehört wird aber der Drittschuldner nicht, so dass dann jeweils für die Parteien verschiedene Rechtsbehelfe möglich sind

Gegner der Erinnerung ist grds. die andere Partei und nicht der Staat; anders ist dies aber bei §766 II ZPO, hierbei handelt es sich um ein einseitiges Verfahren

II. Zuständigkeit

es handelt sich um eine ausschließliche Zuständigkeit nach §§ 766 I, 764 II, (828 II bei PfÜB), 802 ZPO:

- sachlich ist immer das Amtsgericht zuständig
- örtlich das Gericht im Bezirk der Vollstreckungshandlung
- funktionell immer der Richter wegen dem Richtervorbehalt des § 20 Nr. 17 a.E. RpflG

III. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen

- ein Erinnerungsantrag muss gestellt werden; dieser muss aber weder bestimmt noch begründet sein;[15] ist er dies trotz dessen, beschränkt dies die Prüfung des Gerichts auf die vorgetragenen Aspekte

- Vorliegen der allgemeinen Prozesshandlungsvoraussetzungen: Parteifähigkeit und Prozessfähigkeit; es besteht aber kein Anwaltszwang wegen § 78 III ZPO, da immer vorm Amtsgericht verhandelt wird

IV. Erinnerungsbefugnis

- es ist das Geltendmachen einer Rechtsverletzung nötig (vgl. § 42 VwGO)[16]
- diese besteht für den Schuldner immer als Gegner der Maßnahme[17]
- der Gläubiger ist beschwert, wenn die Vollstreckung abgelehnt, verzögert oder nicht wie beantragt durchgeführt wird
- ein Dritter ist dann beschwert, wenn eine verfahrensrechtliche drittschützende Norm betroffen ist; bereits an dieser Stelle und nicht erst in der Begründetheit sollten alle in Betracht kommenden Normen aufgelistet werden
- für die Verletzung drittschützender Normen kommen insb. folgende Regelungen in Betracht:
- bei einem PfÜB kann der Drittschuldner alle Fehler rügen, da er grds. beschwert ist, da er nun an einen anderen zahlen muss als dies ursprünglich der Fall war
- Art. 13 GG bei Verletzung der Wohnung
- § 750 ZPO bei fehlender Klausel, da dies jeden schützt, also sowohl Schuldner als auch Dritte
- § 865 ZPO falls einem Dritten ein Grundpfandrecht zusteht
- § 804 III ZPO bei Rangverletzung Dritter
- § 809 ZPO ist immer drittschützend; allerdings kann sich der Schuldner nie auf diese Norm berufen, da § 809 nur reinen Drittschutz gewährt und nicht den Schuldner davor schützt, dass nicht bei ihm sondern woanders vollstreckt wird
- § 811 Nr. 1, 5 ZPO ist auch drittschützend für alle potentiellen Unterhaltsberechtigten, da auch deren Unterhalt dadurch gesichert wird, weil ansonsten letztendlich die Staatskasse und die Sozialsysteme belastet wird; bevor die Allgemeinheit haftet soll daher lieber der Gläubiger mit seiner Forderung ausfallen
- bei evidentem Dritteigentum
- ein Dritter wird als Schuldner behandelt

V. Form/Frist

- für die Form gilt § 569 II, III ZPO analog[18]
- es gilt keine Frist; es kann höchstens Verwirkung eingreifen

VI. Rechtsschutzbedürfnis

- von Beginn der Zwangsvollstreckung:[19] ab Wegnahme einer Sache oder ab Erlass eines PfÜB, bzw. schon bei vorgelagerter Maßnahme wie dem Erlass eines Durchsuchungsbefehls nach § 58a ZPO
vor Beginn der Vollstreckung ist die Erinnerung nur zulässig, wenn die Zwangsvollstreckung unmittelbar bevor steht und ein Abwarten für den Erinnerungsführer unzumutbar ist
- bis zum Ende der Zwangsvollstreckung: diese endet mit der Auskehr des Erlöses und nicht schon mit dem Zuschlag bei der Versteigerung
- die Erinnerung ist auch zulässig gegen nichtige Vollstreckungsakte, damit der Rechtsschein einer rechtmäßigen Maßnahme beseitigt werden kann

C. Begründetheit

- die Erinnerung ist begründet, wenn die Zwangsvollstreckung (un-)zulässig ist, also wenn verfahrensrechtliche Voraussetzungen für die konkrete Zwangsvollstreckungsmaßnahme (nicht) vorgelegen haben oder wenn eine drittschützende Norm verletzt worden ist.
der Gläubiger wird sich stets auf die Zulässigkeit berufen; der Schuldner wird dagegen die - Unzulässigkeit vortragen und der Dritte muss die Verletzung drittschützender Normen vorbringen
- sofern der Schuldner die Erinnerung einlegt, wird das komplette Zwangsvollstreckungsverfahren mit allen Voraussetzungen durchgeprüft (zur Prüfung aller Voraussetzungen s.u. im 3. Teil: Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung)
- sofern der Gläubiger einwendet, dass der Gerichtsvollzieher eine Maßnahme zu Unrecht verweigert gem. § 766 II ZPO, werden allerdings nur die Punkte geprüft, aufgrund derer der Gerichtsvollzieher die Vollstreckung verweigert, da das Gericht nicht ohne weiteres in die Tätigkeit des Gerichtsvollziehers eingreifen darf und eine Vollstreckung vorschreiben kann (vgl. dazu die Gewaltenteilung); weigert sich der Gerichtsvollzieher später dann erneut aus anderen Gründen ist eine weitere Erinnerung notwendig
- bei einer Erinnerung eines Dritten wird nur die drittschützende Norm geprüft und nicht die Rechtmäßigkeit des ganze Verfahrens, da es dem Dritten nicht zugute kommen kann, wenn nur Normen verletzt sind, die allein den Schuldner schützen sollen[20]
- der Zeitpunkt bis zu dem der vorliegende Sachverhalt zu berücksichtigen ist, ist der Zeitpunkt der Entscheidung;[21] daher ist eine Heilung eines Verstoßes beachtlich; eine Heilung ist allerdings nicht möglich bei einem Fehler der zur Nichtigkeit führt und ebenso, wenn der Vollstreckungsschutz erst nachher eintritt, wie z.B. bei § 811 ZPO (dadurch soll verhindert werden, dass der Schuldner absichtlich Teile seines Vermögen zerstört nur um der Vollstreckung zu entgehen und den Gläubiger zu schädigen)
- wichtig ist schließlich, dass Titel, Klausel, Zustellung nur nur bei der Pfändung vorliegen müssen; daher ist es unbeachtlich, wenn der Schuldner die Sache nach der Pfändung an einen Dritten weitergibt und an diesen z.B. nicht zugestellt wurde (ansonsten könnte der Schuldner die Vollstreckung durch endlose Weitergabe an Dritte vollständig unterlaufen)

D. Erinnerungsantrag

Rechtsanwalt …

Adresse

Erinnerung

In der Zwangsvollstreckungssache

des …

Erinnerungsführers,

- Verfahrensbevollmächtigter: … -

(im Übrigen folgt der Erinnerungsantrag dann dem Aufbau der Klageschrift des Rechtsanwalts[22] )

E. Beschluss des Gerichts

Aktenzeichen: ...

Amtsgericht …

Beschluss

In der Zwangsvollstreckungssache[23]

des …, … (Adresse),

Erinnerungsführers

- Verfahrensbevollmächtigter: … -

gegen

den …, … (Adresse),

Erinnerungsgegner,

- Verfahrensbevollmächtigter: … -

hat das Amtsgericht … am … durch … beschlossen:

- bei Unzulässigkeit:

Die Erinnerung des … vom … wird verworfen.[24]

- bei Unbegründetheit:

Die Erinnerung des … vom … wird zurückgewiesen.

- bei Begründetheit:

Die Zwangsvollstreckung vom … (Datum) in den … (genaue Benennung des Gegenstandes ggf. inkl. Angabe des Pfändungsprotokolls) aus dem … (Benennung des Titels: Urteil des …; vollstreckbare Ausfertigung ...) wird für unzulässig erklärt (insoweit, als dass … - ggf. ist dies einzufügen, falls z.B. der Gerichtsvollzieher die Sache nicht im Gewahrsam des Schuldner belassen hat, ...). Der Gerichtsvollzieher wird angewiesen, … (z.B.: die Sache zurückzugeben)

- bei Erfolg gegen einen PfÜB

Der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss wird aufgehoben und der Antrag auf Erlass abgewiesen.

- bei Stattgabe nach § 766 II ZPO:

Der Gerichtsvollzieher wird angewiesen, die Pfändung aus dem … (genauer Titel) des im Besitz des Schuldners befindlichen … (genauer Gegenstand) nicht aus dem Grunde … abzulehnen. (es wird nur dieser eine Grund ausgeschlossen, den der Gerichtsvollzieher als Ablehnungsgrund benennt)

- bei Teilerfolg, falls Antragssteller einen bestimmten Antrag gestellt hat:

Die weitergehende Erinnerung wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens trägt der … (nach §§ 91, 97 ZPO;[25] dies bezieht sich nur auf die außergerichtlichen Kosten, da keine Gerichtskosten entstehen; falls es sich um das einseitige Verfahren nach § 766 II ZPO handelt und der Gläubiger gewinnt gibt es gar keine Kosten)

Die Vollziehung der Entscheidung wird bis zu ihrer Rechtskraft oder einer anderslautenden Entscheidung des Beschwerdegerichts ausgesetzt. (analog § 570 II ZPO, da der Schuldner sonst die Maßnahme sofort nach § 776 ZPO aufheben lassen könnte und der Gläubiger dann sein erworbenes Pfändungspfandrecht sofort verlieren würde, selbst wenn er in höherer Instanz dann wieder Recht bekommt, so dass andere Gläubiger ihm mittlerweile zuvor gekommen sein können)[26]

Gründe:

… (Wiedergabe des Tatbestands[27] ; der Vortrag des Gerichtsvollziehers ist von Amts wegen zu ermittelnder Sachverhalt und daher als unstreitiger Vortrag zu behandeln[28] )

… (Entscheidungsgründe[29] ; diese sind entsprechend der Entscheidungsgründe eines Urteils abzufassen)

(Rechtsschutz erfolgt durch sofortige Beschwerde nach § 793 ZPO; eine Rechtsmittelbelehrung im Beschluss ist allerdings nicht nötig)

3. Abschnitt: Sofortige Beschwerde nach § 793 ZPO bzw. § 11 I RPflG i.V.m. § 793 ZPO

A. Zulässigkeit

I. Statthaftigkeit

- die Beschwerde ist zulässig bei Entscheidung des Richters oder des Rechtspflegers, sofern formelle Fehler beanstandet werden
- zur Abgrenzung von Maßnahme und Entscheidung s.o. bei der Statthaftigkeit der Vollstreckungserinnerung
- insbesondere liegen Entscheidungen vor, so dass die Beschwerde statthaft ist, bei:

bei Beschlüssen als Rechtsmittel gegen § 766 ZPO, Anordnung der Durchsuchung und Nachtpfändung § 758a ZPO, Erlass eines Haftbefehls § 901 ZPO, Entscheidung über Erzwingung von Handlungen, Duldung, Unterlassen (da jeweils nach § 891 ZPO Anhörung nötig)

bei Anordnungen des Vollstreckungsgerichts ist eine Anhörung dagegen meist nicht erforderlich, so dass meist eine Maßnahme vorliegt

II. Zuständigkeit

grds. ist das Beschwerdegericht (LG oder das OLG nach §§ 72, 119 GVG) aufgrund des Devolutiveffekts, aber das Organ kann erst selbst abhelfen gem. § 572 I ZPO[30]

III. Allgemeine Verfahrensvoraussetzungen

- Parteifähigkeit und Prozessfähigkeit
- für das Einlegung der Beschwerde besteht kein Anwaltszwang; für die Postulationsfähigkeit ist dann aber eine Vertretung durch eine Rechtsanwalt in der mündlichen Verhandlung notwendig, da diese zwingend mindestens vor dem Landgericht stattfindet[31]
- es ist ebenfalls, siehe dazu die Erinnerung, kein bestimmter Antrag nötig vgl. § 569 III Nr. 1 ZPO

IV. Beschwerdebefugnis

- beschwerdebefugt sind der Gläubiger, der Schuldner sowie Dritte, wenn deren Rechten verletzt sind; so ist dies z.B. beim Drittschuldner durch den PfÜB der Fall, der in seine Rechte eingreift
- der Gerichtsvollzieher ist nach h.M. nicht beschwerdebefugt, da er nicht in seinen Rechten verletzt sein kann (dies gilt auch für §766 ZPO)

V. Form und Frist § 569 ZPO

die Beschwerde ist schriftlich und mit Notfrist von zwei Wochen ab Zustellung nach § 224 I ZPO einzulegen

VI. Rechtsschutzbedürfnis

- von Beginn der Zwangsvollstreckung bis Beendigung[32] (siehe Erinnerung)
- das Rechtsschutzbedürfnis fehlt auch nicht, wenn der Rechtspfleger einen PfÜB nach einer Erinnerung des Schuldner aufhebt und Gläubiger jetzt gegen diese Entscheidung vorgeht; zwar ist in jedem Fall ein neuer Antrag auf Erlass eines PfÜB nötig, da das Gericht auch bei einem stattgebenden Beschluss im Rahmen der Beschwerde den alten PfÜB nicht wieder aufleben lassen kann, der Rechtspfleger aber ohne eine Entscheidung des Gerichts dann wohl auch den neuen Antrag aus dem Grund der Rücknahme ablehnen wird

B. Begründetheit

- Die Beschwerde ist begründet, wenn die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen für die konkrete Zwangsvollstreckungsmaßnahme (nicht) vorliegen.

Die Beschwerde ist begründet, wenn die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen für den Erlass der angefochtenen Entscheidung (nicht) vorliegen.

- stellt die Beschwerde ein Rechtsmittel gegen den Beschluss einer Erinnerung dar (dies ist der wichtigste Prüfungsfall der sofortigen Beschwerde), dann ist zu prüfen, ob Erinnerung zulässig und begründet ist[33]

- Zeitpunkt der Entscheidung und damit der zu berücksichtigenden Tatsachen ist die mündliche Verhandlung, vgl. § 573 ZPO[34]

C. Aufbau des Beschlusses

- vgl. hierzu den Aufbau der Erinnerung
- die Beteiligten werden als Beschwerdeführer und Beschwerdegegner bezeichnet
- der Tenor lautet:
- falls gegen eine Erinnerung nach § 766 ZPO vorgegangen:

Auf die sofortige Beschwerde/Rechtspflergererinnerung des … wird der vom …(Bezeichnung des Gerichts) erlassene Beschluss vom … - Az. … - aufgehoben und die vom Gerichtsvollzieher vorgenommen Pfändung am … in … für unzulässig erklärt.

- sofern nicht gegen eine Erinnerung vorgegangen wird trifft das Gericht selbst eine Entscheidung über den ursprünglichen Antrag; so z.B.:

Der Antrag des … auf … wird zurückgewiesen. / Auf den Antrag des … wird ...

- bei Unzulässigkeit oder Unbegründetheit der Beschwerde:

Die sofortige Beschwerde des … gegen … wird verworfen/zurückgewiesen.[35]

Die Kosten des Verfahrens trägt … (nach §§ 91, 97 ZPO[36] )

(es ergeht aber keine Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit, da diese Entscheidung als Beschluss immer vorläufig vollstreckbar ist)

Die Vollziehung der Entscheidung wird bis zu ihrer Rechtskraft oder einer anderslautenden Entscheidung des Beschwerdegerichts ausgesetzt. (analog §570 II ZPO um Pfandrecht zu schützen; vgl. dazu die Ausführungen bei der Erinnerung)

4. Abschnitt: Rechtspflegererinnerung § 11 II RPflG

als Auffangrechtsbehelf, da immer ein Rechtsbehelf möglich sein muss

A. Zulässigkeit

I. Statthaftigkeit

- die Rechtspflegererinnerung ist statthaft, sofern der Rechtspfleger eine Entscheidung trifft, die nach allgemeinen Regeln nicht anfechtbar ist
- insb. bei der Anordnung der vorläufigen Hemmung der Zwangsvollstreckung nach § 769 II ZPO, da dies ein Rechtsschutzverfahren und nicht Teil des Zwangsvollstreckungverfahrens ist[37]
- und auch bei der Gewährung des Verwertungsaufschubs nach § 81b ZPO, da dieser grds. unanfechtbar ist gem. § 813b V 4 ZPO
- die Erinnerung darf nach § 11 III RPflG nicht ausdrücklich ausgeschlossen sein

II. Zuständigkeit

vorrangig ist die Abhilfe nach § 11 II RpflG; wird durch den Rechtspfleger nicht abgeholfen entscheidet das Gericht, dem der Rechtspfleger angehört gem. § 11 II 2 RpflG

III. Form und Frist § 569 ZPO

die Erinnerung ist schriftlich und mit Notfrist von zwei Wochen einzureichen

B. Begründetheit

- die Rechtspflegererinnerung ist begründet, wenn der Rechtspfleger bei der Entscheidung die vollstreckungsrechtlichen Vorschriften nicht eingehalten hat[38]
- für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit ist der Zeitpunkt der Entscheidung des Gerichts maßgeblich

3. Teil: Materielle Rechtsbehelfe im Vollstreckungsrecht

1. Abschnitt: Allgemeines

- die materielle Rechtsbehelfe sind alle prozessuale Gestaltungsklagen (wie auch die Scheidungsklage)
- materielle Rechtsbehelfe sind einschlägig, soweit materielle Fehler gerügt werden
- nach § 802 ZPO sind sachliche und örtliche Zuständigkeit immer ausschließlich
- bei den materielle Rechtsbehelfen ist die dolo-agit-Einrede möglich; dies ist in der Begründetheit darzustellen, wenn der Antragsteller materiell neben dem Schuldner haftet insbesondere aufgrund einer Gesamtschuld oder falls er selbst haftet (zB § 1357 BGB bei Ehe); eingewendet werden kann dies aber nur, sofern das Vorliegen der Mithaftung bei erheben einer Widerklage, die ansonsten zur Geltendmachung der Gegenrechte bzw. des Regresses nötig wäre, evident, d.h. unstreitig oder leicht beweisbar wäre

- ab dem Erlass des Urteils (und schon vor Eintritt der Rechtskraft) besteht ein Vollstreckungshindernis nach § 775 Nr. 1 ZPO, und daher muss das Vollstreckungsorgan die Maßnahme rückgängig machen § 776 ZPO
- allerdings haben die Klagen keinen Suspensiveffekt; daher ist spezieller einstweiliger Rechtsschutz nötig nach § 789 ZPO (für die Vollstreckungserinnerung nach § 767 ZPO), § 771 III ZPO (für die Drittwiderspruchsklage), § 805 IV ZPO (für die Klage auf vorzugsweise Befriedigung); mit diesem jeweiligen Beschluss besteht dann ein Vollstreckungshindernis nach § 775 Nr. 2 ZPO; dies führt jedoch nur zur Einstellung und nicht zur Aufhebung der Vollstreckung nach § 776 ZPO, da diese Entscheidung nur einstweilig wirkt und somit nicht endgültig bei § 805 IV ZPO wird der Erlös hinterlegt; das Verfahren läuft dann nach § 13 II HinterlO ab; siehe dazu im Folgenden auch S. 86 ff.

2. Abschnitt: Vollstreckungsgegenklage § 767 ZPO

Die Vollstreckungsgegenklage ist eine prozessuale Gestaltungsklage[39] mit dem Ziel der Beseitigung der Vollstreckbarkeit des titulierten Anspruchs durch materielle Einwendungen.[40] (die Klage richtet sich nicht gegen den Titel selbst; dieser kann nur mit der Berufung bzw. Revision beseitigt werden)

A. Zulässigkeit

I. Statthaftigkeit
1. Statthaftigkeit der Klage

- die Klage ist gerichtet gegen einen Titel, also ein Urteil oder gegen sonstige Titel gem. §§795, 794 ZPO
- eingewendet werden können materielle Einwendungen gegen den Anspruch selbst, so z.B. Erfüllung, Aufrechnung, Zurückbehaltungsrechte, …; dagegen nicht der Einwand, die Rechtsprechung habe sich seit der Entscheidung geändert
- über § 785 ZPO sind auch die Einwendungen der Erben nach §§ 781-784, 786 ZPO zulässig
- schließlich gilt § 767 ZPO analog bei Vollstreckungsverträgen
- die Klage ist analog § 767 ZPO statthaft bei einem Titel ohne vollstreckungsfähigen Inhalt;[41] z.B. bei einer Teilklage, sofern der Teil nicht abgrenzbar oder der Titel zu unbestimmt ist; ein bestimmter Titel ist eine Grundvoraussetzung, da der Beklagte sonst nicht wissen kann, was von ihm zur Erfüllung erwartet wird und inwieweit die Einwendungen durchgreifen (obwohl es eigentlich eine Klage gegen den Titel selbst ist, ist dies hier ausnahmsweise statthaft, da ansonsten der Titel selbst nicht angegriffen werden kann); bei einem zu unbestimmten Titel hat der Kläger ein Wahlrecht zwischen § 767 ZPO und § 766 ZPO sowie § 732 ZPO da mit §732 ZPO nur gegen die Klausel und mit dem Verfahren nach § 766 ZPO nur gegen eine konkrete Maßnahme vorgegangen werden kann; gegen den Titel selbst kann der Kläger nur mit dem Verfahren nach § 767 ZPO vorgehen

2. Abgrenzung zu anderen Verfahren

- Abgrenzung zu § 766 ZPO bei Zug-um-Zug-Leistungen: § 767 ZPO ist einschlägig, wenn eine Mangelhaftigkeit besteht oder die Gegenleistung unmöglich geworden ist; § 766 ZPO ist dagegen einschlägig, wenn die Gegenleistung gar nicht erbracht wurde oder der Gerichtsvollzieher die Mangelfreiheit der Gegenleistung zu prüfen hat[42] (nach dem BGH ist dies grds. nicht der Fall bei der Übergabe einer beweglichen Sache, andererseits nötig bei der Nachbesserung)
- es bestehen Überschneidungen bei der Einwendung der Zahlung mit einer Bankquittung nach § 775 Nr. 5 ZPO, da die Erfüllung auch schon vom Gerichtsvollzieher bei der Zwangsvollstreckung zu beachten ist; dies nimmt der Vollstreckungsabwehrklage aber nicht das Rechtsschutzbedürfnis[43]
- Abgrenzung zu § 768 ZPO: je nachdem was für eine Klausel erteilt werden muss; bei einer einfachen Klausel gilt immer § 767 ZPO, dagegen ist bei einer qualifizierten Klausel § 768 ZPO vorrangig[44]
- Abgrenzung zu Rechtsmittel im Erkenntnisverfahren bzw. Einspruch beim Versäumnisurteil:

es besteht ein Wahlrecht für den Schuldner;[45] allerdings verliert eine bereits eingelegte Vollstreckungsgegenklage durch das Einlegen eines Rechtsmittels das Rechtsschutzbedürfnis, bzw. ist bei einem bereits vorher eingelegten Rechtsmittel schon unzulässig, da das Rechtsmittel einen weitergehenden Antrag enthält

- Abgrenzung bei Fällen der Rechtskraftdurchbrechung (§ 826 BGB, Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand nach § 233 ZPO, Restitution gem. § 578 ZPO, Abänderungsklage nach §323 ZPO):
hier bestehen keine Überschneidung, daher sind diese neben einer Vollstreckungsgegenklage zulässig; Ausnahme ist die Abänderungsklage nach § 323 ZPO bei wiederkehrenden Leistungen, die Vorrang besitzt, wenn von Anfang an wandelbare Umstände möglich gewesen sind (z.B. schwankende Leistungsfähigkeit, Bedürftigkeit im Familienrecht), ansonsten bei nachträglichem Eintritt ist nur die Vollstreckungsgegenklage zulässig
- Fortsetzung des ursprünglichen Verfahrens:
es besteht kein Vorrang, wenn die Beendigung des ursprünglichen Verfahrens ex-nunc nichtig gewesen ist; ein Vorrang besteht allerdings dann, wenn die Nichtigkeit des ursprünglichen Verfahrens ex-tunc gewesen ist, z.B. bei einem nichtigen Prozessvergleich, da der ursprüngliche Prozess tatsächlich nie beendet wurde und daher Vorrang besitzt (ist das ursprüngliche Verfahren wegen ex-tunc-Nichtigkeit vorrangig, so muss der Schuldner drei Anträge stellen: Antrag auf Verfahrensfortsetzung, Antrag auf Feststellung der Unwirksamkeit der Beendigung (dies ist eine Zwischenfeststellungsklage nach § 256 II ZPO)und einen neue Sachantrag; Vollstreckungsschutz erlangt der Kläger dann analog § 707 ZPO und gerade nicht über § 769 ZPO)
- neben der Vollstreckungsgegenklage kann ggf. eine Zwischenfeststellungsklage nach §256II ZPO betrieben werden, falls der Beklagte z.B. den Untergang bestreitet, da diese Voraussetzung für den Erfolg der Vollstreckungsgegenklage nicht von der Rechtskraft des Urteils nach § 767 ZPO erfasst wird

II. Zuständigkeit

- das Prozessgericht erster Instanz ist sachlich und örtlich gem. §§ 767, 802 ZPO zuständig[46]
- das Prozessgericht ist das Gericht, das den Titel geschaffen hat, dabei ist egal, ob dies in dem Verfahren zuständig gewesen ist, oder die Zuständigkeit fälschlicherweise angenommen hat
- bei Titeln nach § 794 ZPO gilt: das Prozessgericht erster Instanz ist das potentielle Gericht, das zuständig gewesen wäre, wenn der Rechtstreit im gerichtlichen Verfahren entschieden worden wäre
- bei einem Vollstreckungsbescheid gem. § 796 III ZPO und vollstreckbaren Urkunden nach §797 V ZPO ist zu bedenken, dass der Wohnsitz des Klägers zuständig gewesen wäre, da dieser im Erkenntnisverfahren der Beklagte gewesen wäre, nach dessen Wohnsitz sich die Zuständigkeit dann gerichtet hätte
- bei einem Prozessvergleich ist das Gericht zuständig, bei dem das Verfahren in der ersten Instanz anhängig war[47]
- bei der sofortigen Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung bei Grundstücken gilt §800III ZPO

III. Klageantrag

- in Klausuren ist der Antrag ist meist ungenau von den Parteien gestellt; im Tatbestand ist der Antrag trotzdem wie beantragt wiederzugeben; dieser Antrag ist dann erst im Gutachten bzw. den Entscheidungsgründen auszulegen und dann im Tenor richtig ausurteilen:

Der Kläger beantragt,

die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil/… des … vom … (Az.) für unzulässig zu erklären.

die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil/… des … vom … (Az.) iHv … für unzulässig zu erklären. (falls nur ein Teil der Vollstreckung unzulässig ist, z.B. bei Teilerfüllung durch den Kläger)

die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil/… des … vom … (Az.) bis zum … für unzulässig zu erklären. (bei Stundung)

die Pfändung der angeblichen Forderung des Schuldner … in … (Ort) gegen den … in … durch Pfändungs- und Überweisungsbeschluss des AG … vom … - Az. … - auf Zahlung von … für unzulässig zu erklären. (bei PfÜB)

IV. Rechtsschutzbedürfnis

- dies besteht ab dem Vorliegen eines Vollstreckungstitels (Erteilung der Klausel und der Beginn von Vollstreckungsmaßnahmen sind egal)
- und besteht, bis zu dem Zeitpunkt ab dem keine Vollstreckung mehr möglich ist; dies ist der Fall bei Rückgabe der vollstreckbaren Ausfertigung an den Beklagten oder schon vorher, sofern zumindest keine Vollstreckung mehr droht[48]
- bei einem Versäumnisurteil und Vollstreckungsbescheid besteht ein Rechtsschutzbedürfnis aber erst, wenn die speziellen Rechtsmittelfristen abgelaufen sind
- auch gegen KFB obwohl dagegen auch Behelf nach §§ 103 ff. ZPO mögl. aber da wird nur formelles Verfahren überprüft

V. Sonstige Prozessvoraussetzungen

Vorliegen der allgemeinen Voraussetzungen, wie Parteifähigkeit, Prozessfähigkeit, …

B. Begründetheit

Die Vollstreckungsgegenklage ist begründet, wenn die Parteien sachbefugt sind und dem Kläger eine materiell-rechtliche Einwendung gegen den titulierten Anspruch zusteht, die nicht präkludiert ist.[49]

I. Sachbefugnis

- sachbefugt sind die im Titel genannten Schuldner und Gläubiger sowie bei einer Titelumschreibung alle Dritten[50]
- als Klägerin sachbefugt ist auch die Ehefrau bei einem Räumungstitel gegen ihren Ehemann vgl. § 885 ZPO
- wird eine Forderung abgetreten, so kann der Zessionar auch schon vor der Umschreibung verklagt werden, wenn er Zwangsvollstreckung androht und Voraussetzungen der Klauselerteilung vorliegen; gegen den Zedenten kann ebenfalls weiterhin geklagt werden, da er noch weiter sachbefugt ist, wenn er noch eine Klausel besitzt und die Zwangsvollstreckung androht

II. Vorliegen einer materiell-rechtlichen Einwendung

- grds. nur vernichtende und hemmende Einwendungen, da rechtshindernde Einwendungen – z.B. die Sittenwidrigkeit eines Vertrages § 138 BGB – bereits bei Durchführung des vorherigen Prozesses vorgelegen haben und dort hätten geltend gemacht werden können
- nur bei Titel bei denen keine Präklusion möglich ist, können auch hindernde Einwendungen beachtet werden, da diese Titel nicht von einem Gericht stammen und die hindernden Einwendungen daher bisher noch nicht gerichtlich überprüft worden sind (zur Präklusion s.u.)
- Prüfung des Vorliegens einer Einwendung:

es erfolgt eine dem normalen zivilrechtlichen Verfahren entsprechende Prüfung des Einwands; daher findet die Prüfung anhand der Schlüssigkeit und Erheblichkeit statt ggf. inkl. einer Beweisstation; dabei ist die Beweislast nicht anders verteilt als im normalen Klageverfahren, dh. der klagende Schuldner muss das Vorliegen einer Einwendung beweisen; auch eine notariell beurkundete Vollstreckungsunterwerfung ändert an der Beweislast nichts, ist aber ggf. als prima facie zu werten[51]

- ausnahmsweise können Einwendungen, die eigentlich gegen den Titel gerichtet sind und nicht gegen den Anspruch selbst, geltend gemacht werden, so z.B. die Einwendung, die Unterwerfung unter die sofortige Zwangsvollstreckung sei unwirksam, z.B. weil die Unterwerfung durch AGB vereinbart wurde

III. Keine Präklusion

- der Einwand darf nicht präkludiert sein; damit soll eine erneute Prüfung des Ausgangsurteils außerhalb des Instanzenzuges verhindert werden, hatte der Schuldner die Möglichkeit Einwendungen bereits vorher geltend zu machen und hat er dies versäumt, so soll ihm die Vollstreckungsgegenklage nun nicht retten; es soll die Rechtskraft von Urteilen geschützt werden[52]
- eine Präklusion kann daher aber nur dann eintreten, wenn der Titel der Rechtskraft fähig ist
- bei anderen Titeln wie Prozessvergleich, … nach § 795 ZPO nur bei einer Verweisung auf §767 II ZPO, dafür reicht der § 795 ZPO allein nicht aus; z.B. nach § 796 II ZPO für den Vollstreckungsbescheid,[53] für vollstreckbare Urkunden ist es gerade ausgeschlossen gem. §797 IV ZPO; dies gilt analog für den Prozessvergleich und für den Kostenfestsetzungsbescheid
- ausgeschlossen sind Einwendungen, wenn sie objektiv zum Zeitpunkt der Entscheidung vorlagen, d.h. im Vorprozess hätten geltend gemacht werden können; unabhängig ist dabei, ob der Schuldner und jetzige Kläger von der Einwendung oder den begründenden Umständen Kenntnis hatte, da es allein auf die objektive Lage ankommt; dies ist mit dem Wortlaut des §767 II ZPO zu begründen, der allein darauf abstellt, ob die Einwendung entstanden ist, ohne dass auch die Kenntnis des Schuldner vorausgesetzt wird
- bei einem Versäumnisurteil sind alle Einwendungen präkludiert, die vor Ablauf der Einspruchsfrist entstanden sind[54]
- bei einem Vollstreckungsbescheid gem. § 796 II ZPO alle Einwendungen, die vor der Zustellung des Vollstreckungsbescheids vorlagen[55]
- eine Einwendung besteht, wenn alle nötigen Voraussetzungen der Einwendung vor dem für die Präklusion entscheidenden Zeitpunkt tatsächlich erfüllt sind
- bei Gestaltungsrechten bedeutet dies nach der Rspr. des BGH:

entscheidend ist z.B. für die Aufrechnung allein das Bestehen der Aufrechnungslage, also der Zeitpunkt zu dem eine Aufrechnung erstmals möglich gewesen ist, da § 767 II ZPO für die Präklusion von den Gründen der Einwendung spricht und nicht wie § 767 I ZPO von der Einwendung selbst;[56] die Gründe sind aber die Voraussetzungen der Aufrechnungslage; damit ist es egal, ob der Schuldner das Gestaltungsrecht auch ausübt und die nötige(Aufrechnungs-)Erklärungvornimmt, da es allein entscheidend ist, dass er die Möglichkeit hatte von dem Gestaltungsrecht Gebrauch zu machen; unterlässt er dies, kann er dies nicht mehr damit rückgängig machen indem er nun die Vollstreckungsgegenklage erhebt; allerdings kann es dem Inhaber des Gestaltungsrechts nicht zugemutet werden die (Aufrechnungs-)Lage früher herbeizuführen (z.B. bei der Möglichkeit durch Gestaltungsrecht vom Vertrag zurückzutreten und dafür eine kürzere Fristsetzung für Nacherfüllung zu setzen), da der Wortlaut nur auf objektive Lage abstellt und einer solchen Pflicht zur Herbeiführung zudem die Interessen des Inhabers des Gestaltungsrechts entgegenstehen (es besteht kein Zwang zur Herbeiführung der Voraussetzungen des Gestaltungsrechts, da der Inhaber z.B. an der Nacherfüllung deutlich mehr interessiert als am Rücktritt haben, da er sich sonst z.B. sonst wieder anderweitig bei anderen Anbietern umschauen muss um Ersatz zu erhalten)

[...]


[1] Zur Einteilung siehe auch Brox/Walker, Zwangsvollstreckungsrecht, 8. Aufl., Rn. 7 f., 16.

[2] Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 17.

[3] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 81.

[4] Brox/Walker, Zwangsvollstreckungsrecht, 8. Aufl., Rn. 361.

[5] Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 53 f.

[6] Brox/Walker, Zwangsvollstreckungsrecht, 8. Aufl., Rn. 382.

[7] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 101; Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 180.

[8] Brox/Walker, Zwangsvollstreckungsrecht, 8. Aufl., Rn. 411.

[9] Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 76.

[10] Siehe dazu auch Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 18.

[11] Dazu Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 286 ff.

[12] Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 139.

[13] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 59.

[14] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 4.

[15] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 344.

[16] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 7.

[17] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 60.

[18] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 58.

[19] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 11; Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 346.

[20] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 349; Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 64.

[21] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 14.

[22] Siehe dazu Zivilrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung, Band I.

[23] Es handelt sich nicht um einen Rechtsstreit; siehe auch Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 84.

[24] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 241.

[25] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 16.

[26] Vgl. Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 354.

[27] Zum Aufbau des Tatbestands siehe Zivilrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung, Band I.

[28] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 84.

[29] Zum Aufbau der Entscheidungsgründe siehe Zivilrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung, Band I.

[30] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 363.

[31] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 253.

[32] Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 229.

[33] Vgl. Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 233.

[34] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 368.

[35] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 255.

[36] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 369.

[37] Lippross, Vollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 374.

[38] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 261.

[39] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 264.

[40] Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S. 147.

[41] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 21.

[42] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 8.

[43] Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 504.

[44] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 8.

[45] Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 492; Lüke/Hau, Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., S.158.

[46] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 268; Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 496.

[47] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 10.

[48] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 11.

[49] Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 270.

[50] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 25.

[51] Zu den Stationen im Zivilrecht und dem prima facie Beweis siehe Zivilrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung, Band I.

[52] Siehe auch Breiler, Zwangsvollstreckungsrecht im Examen und in der Praxis, S. 271.

[53] Lackmann, Zwangsvollstreckungsrecht, 9. Aufl., Rn. 514.

[54] Kaiser, Die Zwangsvollstreckungsklausur im Assessorexamen, 3. Aufl., Rn. 22.

[55] Lackmann/Wittschier, Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht, 3. Aufl., Rn. 29.

[56] BGH NJW 1994, 2770; NJW-RR 2006, 229, 230.

Details

Seiten
121
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640762903
ISBN (Buch)
9783640763306
Dateigröße
1004 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162205
Note
Schlagworte
Vollstreckungsrecht Assessorexamen Jura Drittwiderspurchsklage einstweiliger Rechtsschutz Vollstreckungsabwehrklage Vollstreckungserinnerung Klauselerteilung Einzelvollstreckung Gesamtvollstreckung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Vollstreckungsrechtliches Lehrbuch für Referendare zur zweiten juristischen Staatsprüfung