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Internet, eine geeignete Kommunikationsform für ältere Patienten in Deutschland, um über chronische Erkrankungen zu informieren?

Hausarbeit 2009 30 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Grundlagen
2.1. (Internet -) Kommunikation und Information
2.2. Gesundheitskommunikation
2.3. Theoretische Modellannahmen zur Medien- und Internetnutzung im Krankheitsfall

3. Chronische Erkrankungen
3.1. Adipositas
3.2. Typ-2-Diabetes
3.3. Herz-Kreislauf-Krankheiten
3.4. Krebs
3.5. Zusammenfassung: Chronische Erkrankungen

4. Statistische Kennzahlen zur (gesundheitsbezogenen) Internetnutzung der Personengruppe 50+
4.1. On-, Offliner und Nutzungsplaner der Personengruppe 50+
4.2. Vulnerable Gruppen von On- und Offliner der Personengruppe 50+
4.3. Wissenschaftlicher Forschungsstand zur gesundheitsbezogenen Internetnutzung

5. Vor- und Nachteile von internetbasierten Gesundheitsinformationen

6. Zusammenfassung und Ausblick

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verzeichnis der Tabellen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der wissenschaftlichen Literatur wird immer mehr davon gesprochen, dass Patienten1 gesundheitsbezogene Internetinformationen zur ärztlichen Konsultation mitbringen (vgl. Kaltenborn 2001). Inwieweit sich die Kommunikationsform Internet eignet, um speziell die ältere Patientengruppe über chronische Erkrankungen zu informieren, stellt in anbetracht der demographischen Entwicklung (vgl. Statistisches Bundesamt 2006) aus Public-Health-Perspektive eine wichtige Fragestellung für die zukünftige gesundheitliche Versorgungssituation in Deutschland dar.

Inwieweit die Grundvoraussetzungen zu einer gesundheitsbezogenen Internetnutzung innerhalb der Personengruppe 50+ in Deutschland vorliegen, soll anhand der Faktoren zur sozialen Ungleichheit und den bekannten statistischen Kennzahlen zur Internetnutzung exemplarisch für die nicht übertragbaren chronischen Erkrankungen Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf­Erkrankungen und Krebs mittels des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes diskutiert werden.

Hierzu werden im zweiten Kapitel definitorische Grundlagenbegriffe, sowie theoretische Grundlagenmodelle zur Medien- und Internetnutzung im Krankheitsfall vorgestellt. Im Anschluss (Kapitel drei) werden epidemiologische Grunddaten und vulnerable Gruppen der sozialen Ungleichheit, der hier zu untersuchenden chronischen Erkrankungen aufgezeigt. Das viertel Kapitel stellt statistische Kennzahlen zur Internetnutzung und den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur gesundheitsbezogenen Internetnutzung der Personengruppe 50+ dar. Mögliche Vor- und Nachteile von internetbasierten Gesundheitsinformationen werden zum Überblick im fünften Kapitel tabellarisch aufgelistet, um abschließend im sechsten Kapitel die hier vorgestellten Ergebnisse kritisch zu diskutieren und um einen potentiellen Forschungsbedarf, der einen Einfluss auf die gesundheitliche Versorgungssituation in Deutschland haben könnte, aufzuzeigen.

2. Definitorische Grundlagen

In den nachfolgenden Unterkapiteln werden die notwendigen definitorischen Grundlagen determiniert, sodass innerhalb dieser Forschungsfrage ein einheitliches Begriffsverständnis geschaffen wird.

2.1. (Internet -) Kommunikation und Information

„Unter Kommunikation wird der Prozess des Austausches von Bedeutung im Zuge sozialen Handelns verstanden“ (Neverla et al. 2007, S. 25). Sender und Rezipient sind hierbei aktiv und intentional beteiligt und können grundsätzlich beide Kommunikationsformen annehmen. Ziel ist es, sich gegenseitig auszutauschen, zu vermitteln und zu verstehen (vgl. Neverla et al. 2007). In der optimalen Gesprächssituation stehen sich paritätische Partner persönlich gegenüber. Das Internet2 stellt folglich keine Kommunikationssituation dar, sondern ist vielmehr Kommunikationsmedium, da Rezipienten „(...) allenfalls zeitlich, räumlich und sachlich extrem versetzt reagieren [können]“ (Neveria et al. 2007, S. 25).

Die Information hingegen stellt keinen Handlungsprozess dar, sondern ist vielmehr „(...) die Eigenschaft einer Mitteilung3, die Unsicherheit reduziert“ (Neverla et al. 2007, S. 26).

2.2. Gesundheitskommunikation4

4 Die Gesundheitskommunikation „(...) ist jegliche Information und Kommunikation mittels und über medizinische und gesundheitliche Themen (...)“ (Neverla et al. 2007, S. 20). Es beinhaltet alle Informations- und Kommunikationsformen, sowohl medialer5 als auch interpersonaler6 Art. Neuere Definitionen der Gesundheitskommunikation schließen die Ebenen der Gruppen- und Organisationkommunikation, sowie die gesellschaftliche Kommunikation mit ein (vgl. Neverla et al. 2007). Nach Hurrelmann und Leppin (2001) bezeichnet die Gesundheitskommunikation demnach „(...) die Vermittlung und den Austausch von Wissen, Meinungen und Gefühlen zwischen Menschen, die als professionelle Dienstleister oder Patienten/Klienten in den gesundheitlichen Versorgungsprozess einbezogen sind, und/oder als Bürgerinnen und Bürger an Fragen von Gesundheit und Krankheit und öffentlicher Gesundheitspolitik interessiert sind. Dieser Austausch kann direkt­personal, wie in der Arzt-Patienten-Interaktion oder in einer Interaktion unter Experten erfolgen, oder er kann durch Medien vermittelt sein “ (Hurrelmann & Leppin 2001, S. 11).

2.3. Theoretische Modellannahmen zur Medien- und Internetnutzung im Krankheitsfall

Mediennutzung ist modellhaft als sinnkonstituierendes Handeln zu verstehen (vgl. Meyen 2001). Menschen, die Medien nutzen, „(...) tun dies als Teil ihrer Alltagspraxis und als Form ihres sozialen Handelns, das - wie jedes menschliche Handeln - im Prinzip intentional und sinnhaft geschieht“ (Neverla et al. 2007, S. 27). Korrespondierend mit ihrer sozialen Lage und individuellen Befindlichkeit entscheiden sie selbst7 über Art, Umfang, Zielsetzung und Sinnhaftigkeit ihrer Mediennutzung (Neverla et al. 2007).

Die theoretischen Modellannahmen zur Medien- und Internetnutzung im Krankheitsfall sind stark restriktiv, „(...) weil es den Rezipienten weder um eine beliebige und zufallsgenerierte Auswahl aus dem breiten Spektrum des Medienangebots [...] noch um Unterhaltung (...)“ (Nevería et al. 2007, S. 27) geht. Deshalb handelt es sich bei der Medien- und Internetnutzung im Krankheitsfall primär um die Fragestellungen, „(...) ob und wie weit Menschen Medienangebote nutzen bzw. nutzen wollen und nutzen können, die für ihre Krankheit relevant8 sind“ (Neveria et al. 2007, S. 28). Demzufolge muss sich die Deutung des Informations- und Kommunikationshandelns im Krankheitsfall auf einen rezipientenzentrierten und nicht auf einen medienzentrierten theoretischen Ansatz fokussieren (vgl. Neverla et al. 2007).

Wenn sich Rezipienten den Medien zuwenden, wird dies wie zuvor beschriebenen als intentionales Handeln verstanden (vgl. Neverla et al. 2007). Als Ausgangslage erscheinen Konzepte der Informationssuche (vgl. Atkin 1973; Buchwalder 2001), die sich nicht nur auf die rationale Auswahl und Verarbeitung rein sachlicher Informationen konzentrieren, sondern auch emotionale Komponenten umfassen, im Vorteil gegenüber dem Uses-and-Gratifications-Approach9, der die Bedürfnislage der Rezipienten zum Ausgangpunkt macht (vgl. Bonfadelli 1999). Das umfassendste prozessuale Verlaufsmodell zur Informationssuche bei der Medien- und Intemetnutzung im Krankheitsfall ist das „(...) ,Sense-Making’, zu deutsch auch situatives Sinnkonstruktionsmodell oder ,situationaler Ansatz des Informationsgebrauchs’“ (Bonfadelli 1999, S. 175; zitiert nach Neveria et al. 2007, S.29) nach Dervin (1998). Nach der Grundidee Dervins (1998) ist die Mediennutzung als eine situative Problemlösung und Suche nach Sinnhaftigkeit zu verstehen. Sobald Wissenslücken bestehen, versucht der Rezipient diese unter Verwendung eines „(...) Mittels bzw. Mediums (...)“ (Neveria et al. 2007, S. 30) zu lösen. Letztlich entsteht aus dieser Annahme heraus ein Dialog zwischen Informationssuchenden und den jeweilig relevanten Informationsanbietern auf medialer oder interpersonaler Ebene (vgl. Neverla et al. 2007).

Die reellen Informations- und Kommunikationsabläufe im Krankheitsfall lassen sich in Bezug auf die zu untersuchende Fragestellung dieser Arbeit am effektivsten mit dem so genannten „Comprehensive Model of Information Seeking“ nach Johnson & Meischke (1993) untersuchen. In dem von Johnson & Meischke (1993) konzipierten Modell bilden die Merkmalsfaktoren auf Seiten der Rezipienten wie auch die Merkmalszuschreibungen auf Seiten der Medien das Faktorenbündel, um das Informationsverhalten zu beschreiben (vgl. Napoli 2001; Neveria et al. 2007). Insbesondere die Faktoren Bildung, Alter und Geschlecht und deren signifikantes Zusammenspiel auf Seiten der Rezipienten, stehen hierbei nach empirischen Befunden im Mittelpunkt der Mediennutzung (vgl. Neverla et al. 2007). Die weiteren rezipientenorientierten Merkmalsfaktoren Betroffenheit, Salienz10 und Beliefs können auch „(...) durch den Sammelbegriff des ,Involvement’, mit dem ein starker motivationaler Kern der aktiven Informationssuche gemeint ist“ (Neveria et al. 2007, S. 31)“, ersetzt werden. Bisher wurde die systematische Anwendung des Involvement-Konzepts im Bereich der Gesundheitskommunikation noch nicht angewendet (vgl. Neverla et al. 2007), sodass sich die Analyse, ob das Internet eine geeignete Kommunikationsform für ältere Patienten in Deutschland ist, um über chronisch Erkrankungen zu informieren, auf die theoretischen Modellannahmen zum rezipientenorientierten Verhalten (situationaler Ansatz des Informationsgebrauchs), sowie deren Merkmalsfaktoren (Bildung, Alter und Geschlecht) fokussieren wird.

3. Chronische Erkrankungen

In den nachfolgenden Analysen kann nicht auf alle chronischen bzw. nicht übertragbaren chronischen Krankheiten sowie deren signifikanten Kohorten und vulnerablen soziodemographischen Gruppen explizit eingegangen werden, deshalb wird sich die Analyse dieser schriftlichen Ausarbeitung auf die folgenden nicht übertragbaren chronischen Krankheiten11

- Adipositas,
- Typ-2-Diabetes,
- Herz-Kreislauf-Krankheiten und
- Krebs

[...]


1 Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird innerhalb der Arbeit ausschließlich die männliche Form verwendet.

2 Das Internet wird auch als Hybridmedium bezeichnet (vgl. Höflich 1997).

3 Ob Mitteilungen Informationen enthalten, „(...) ist abhängig vom Auge des Betrachters, nämlich von dessen Wissenstand und Wissensbedarf“ (Nevería et al. 2007, S. 26).

4 Das Forschungsfeld der „Health Communication etablierte sich in den 1970er Jahren im nordamerikanischen Raum und fokussierte sich zunächst „(...) auf die praxisorientierte Analyse der Arzt-Patienten-Interaktion“ (Neverla et al. 2007, S. 21).

5 Zum Beispiel medizinische Fachbücher, Fachzeitschriften und allgemeine Massenmedien wie das Internet (vgl. Neverla et al. 2007).

6 Zum Beispiel Arzt-Patienten-Gespräche (face-to-face) (vgl. Beom 2002; Neverla et al. 2007).

7 Entspricht dem Regefall für freie Individuen in der modernen Gesellschaft (vgl. Neverla et al. 2007).

8 Die Nutzer haben einen Neuigkeits- und Nutzwert, der Unsicherheiten reduziert oder einen Informationsgewinn, der die Möglichkeit zur interpersonalen Kommunikation bietet (vgl. Neverla et al. 2007).

9 Nach Bonfadelli (1999) weist der Uses-and-Gratifications-Ansatz empirisch ungenügend geklärte Komponenten der Bedürfnisse und ihrer Befriedigung durch die Medien auf.

10 „Salient bedeutet soviel wie ,hervorstechend’, ,hervortretend’, ,auffallend’“ (Stolz 2000, S. 87).

11 Nach Schauder (2005) sind weiterhin noch Zahnerkrankungen und Osteoporose, sowie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung und dementielle Erkrankungen als nicht übertragbare chronische Krankheiten einzustufen.

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640758876
ISBN (Buch)
9783640759231
Dateigröße
973 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162320
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Internet Kommunikation ältere Patienten chronische Erkrankung

Autor

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Titel: Internet, eine geeignete Kommunikationsform für ältere Patienten in Deutschland, um über chronische Erkrankungen zu informieren?