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Integrationsfaktor Bildung?

„Eine Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems vor dem Hintergrund der Migration“

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Integration und Bildung

3. Analyse des deutschen Bildungssystem
3.1 Der Elementarbereich des deutschen Bildungssystems
3.2 Der Primarbereich des deutschen Bildungssystems
3.3 Der Sekundarbereich des deutschen Bildungssystems

4. Fazit der Analyse

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Migration und Integration vor dem Hintergrund des deutschen Bildungssystems. Betrachtet man die aktuelle Situation Deutschlands vor dem Hintergrund der Migration und Integration so lässt sich feststellen, dass die Politik vermehrt auf Problematiken bezüglich der Integration eingeht. Lange Zeit verwehrte sichjedoch die deutsche Politik, Deutschland als Einwanderungsland zu betiteln und Integration gezielt zu fördern. Betrachtet man die absoluten Zahlen der Zuwanderer zwischen 1987 und 2001 so kann jedoch festgestellt werden, dass Deutschland mehr Zuwanderer aufgenommen hat, als die klassischen Auswanderungsstaaten Australien und Kanada zusammen (vgl. Focus Migration Dossier 10, 2008, S. 1). Betrachtet man verschiedene internationale Vergleichsstudien, wie beispielsweise die PISA­oder IGLU-Studie, so werden Versäumnisse im Bereich der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sichtbar. Vor allem im Bereich der Bildung ist es dem deutschen Staat scheinbar nicht gelungen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund beziehungsweise ausländische Kinder und Jugendliche erfolgreich in das Bildungssystem zu integrieren (vgl. Bildung in Deutschland 2008, 2008, S. 138). Gerade durch Bildung soll jedoch Integration gefördert und erreicht werden (vgl. Bildung in Deutschland 2008, 2008, S. 137). So soll Bildung eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen und darüber hinaus Werte und Normen der Aufnahmegesellschaft vermitteln (vgl. Deutscher Bundestag Drucksache 14/4357, 2000, S. 23). Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem Begriff der Integration, da Integration je nach Ansicht unterschiedlich gedeutet werden kann. Im Anschluss an die Begriffsklärung des Wortes“ Integration“ wird das deutsche Bildungssystem vor dem Hintergrund der Migration analysiert. Zunächst wird der Elementarbereich des deutschen Bildungssystems untersucht, welcher sich vorwiegend aus den Kindertageseinrichtungen wie beispielsweise Kinderkrippen oder Kindergärten zusammensetzt. Der Primarbereich des deutschen Bildungssystems wird mit Hilfe der erhobenen Daten der IGLU-Studie vor dem Hintergrund der Migration untersucht. Letztlich wird der Sekundarbereich des deutschen Bildungssystems untersucht und im Anschluss an diese Analyse ein Fazit vor dem Hintergrund der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bereich der Bildung gezogen.

2. Integration und Bildung

Betrachtet man den Begriff „Integration“, so lässt sich feststellen, dass unterschiedliche Sichtweisen über die Bedeutung und den Inhalt der Integration existent sind. Um Integration „bewerten“ zu können, muss zunächst der Begriff definiert werden.

Integration

„Das Wort integration kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Wiederherstellung, Erneuerung.

Allgemein wird mit Integration heute die Einfügung beziehungsweise Eingliederung in ein Ganzes, aber auch Anpassung oder Angleichung bezeichnet. Insoweit ist der Begriff mehrdeutig, so dass es gegebenenfalls notwendig wird, seine konkrete Bedeutung im jeweiligen Kontext zu ermitteln.

In der Sozialarbeit/Sozialpädagogik geht es schwerpunktmäßig um die soziale Integration von gesellschaftlichen Minderheiten und Randgruppen. Hier wird soziale Integration in der Regel als Anpassung an das Normengefüge und den Lebensstil einer Gesellschaft oder Gruppe verstanden, wobei abweichende Verhaltensweisen (abweichendes Verhalten) zugunsten eines Anpassungsprozesses allmählich aufgegeben werden sollen.

Diese Erwartungen richten sich in besonderer Weise an Ausländer und Immigranten (Immigration), die sich möglichst reibungslos an den deutschen Lebensstil anpassen sollen, aber auch an andere Minderheiten wie zum Beispiel Menschen mit Behinderungen (behindert).

(http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/proiekte/slex/seitendvd/konzepte/l52/l5211.htm, Zugriff am: 21.04.2010 ) „Unter Integration verstehen wir einen wechselseitigen Prozess, an dem einzelne Personen oder Gruppen und die sogenannte Mehrheitsgesellschaft aktiv beteiligt sind. Er umfasst politische, rechtliche, wirtschaftliche, soziale, kulturelle und kommunikative Aspekte. Sein Ziel ist die bestmögliche Gestaltung der Lebensverhältnisse von Zuwanderern unter den gesellschaftlichen Gegebenheiten in Deutschland. Dabei soll die nationale, kulturelle und religiöse Identität der Zuwanderer gewahrt bleiben.“

(http://www.aric.de/fileadmin/users/PDF/Begriff_integration.pdf, Zugriff am: 21.04.2010) „Integration bezeichnet die Eingliederung zugewanderter Bevölkerungsgruppen in bestehende Sozialstrukturen und die Art und Weise, wie diese Bevölkerung mit dem bestehenden System sozioökonomischer, rechtlicher und kultureller Beziehungen verknüpft wird. Integriert werden kann nur, was mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Zu den Anforderungen an die Migranten zählen umfassende Neu-Sozialisation und weitgehende

Neuorganisation derPersönlichkeit, Erwerb derKommunikationsfähigkeit, ständiger

Lernprozess und Bereitschaft zur Veränderung.“

(http://www.aric.de/fileadmin/users/PDF/Begriff_integration.pdf, Zugriff am: 21.04.2010) Alle drei Definition vermitteln unterschiedliche Sichtweisen auf den Begriff der Integration.

Die erste Definition geht zunächst von einem einseitigen Integrationsprozess aus, der durch die MigrantInnen stattfinden muss. Es geht um die Anpassung an gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Aufnahmegesellschaft. Verhaltensweisen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, werden als Störfaktoren angesehen und sollen zugunsten der Integration aufgegeben werden. Kritisch an dieser Definition ist die Frage nach den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, da der „deutsche Lebensstil“ nicht definiert wird und generell die Homogenität einer Gesellschaft angezweifelt werden kann. „Abweichende Verhaltensweisen“ sind ebenfalls kritisch zu hinterfragen, da in dieser Definition nicht genau erörtert wird, welches Verhalten Integration fördert und welches Verhalten Integration verhindert. Die zweite Definition der Integration definiert Integration als einen wechselseitigem Prozess, den die Aufnahmegesellschaft und die MigrantInnen aktiv gestalten müssen. Auffällig an dieser Definition ist im Vergleich zur ersten Definition, dass MigrantInnen ein Recht auf nationale, kulturelle und religiöse Identität zu kommt. Die dritte Definition stimmt in den meisten Charakteristiken mit der ersten Definition überein, wobei von den MigrantInnen eine „Neu-Sozialisation“ und eine „Neuorganisation der Persönlichkeit“ gefordert wird. Auch wird Integration als Lernprozess verstanden, der ständig aktualisiert werden sollte. Alle drei Definition versuchen einen Prozess zu definieren, wobei jedoch unterschiedliche Ansprüche erhoben werden. Betrachtet man die erste und die dritte Definition, so könnte gemutmaßt werden, dass beispielsweise kulturelle Differenzen Integration eher behindern und nicht konstruktiv verwertbar sind. Eventuelle Differenzen könnten als „abweichende Verhaltensweisen“ interpretiert werden, die eine Integration erschweren.

Strukturiert man Integration nach Esser, so kann zwischen Systemintegration und Sozialintegration differenziert werden (vgl. Focus Migration DossierlO, 2008, S. 1). Betrachtet man die Integration von MigrantInnen in eine Aufnahmegesellschaft, so wird der Begriff Sozialintegration verwendet, der sich wiederum in verschiedene Dimensionen unterteilen lässt (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 1). Kulturation, beziehungsweise Akkulturation, beschreibt den Vorgang des Erlernens von einzelnen Elementen einer „fremden“ Gesellschaft. Es geht primär um Wissensvermittlung, die das aktive Teilnehmen an der Gesellschaft ermöglichen soll. So ist beispielsweise das Erlernen der Sprache für MigrantInnen eine „Schlüsselkompetenz“ (vgl. Focus Migration DossierlO, 2008, S. 1). Von Platzierung wird ausgegangen, wenn MigrantInnen gewisse Position innerhalb der Gesellschaft einnehmen, beispielsweise die Position eines Bürgers oder Arbeitnehmers (vgl. Focus Migration DossierlO, 2008, S. 1). Schließen MigrantInnen interethnische Ehen oder gehen sonstige interethnische Beziehungen ein, wie beispielsweise Freundschaften oder Vereinsmitgliedsschaften, so wird von Interaktion gesprochen (vgl. Focus Migration DossierlO, 2008, S. 1). Identifikation bildet letztlich eine Stufe, die für manche Integrationsverständnisse das Maximalziel darstellt. Identifikation ist die subjektive Identifikation mit der Gesellschaft. Die MigrantInnen sehen sich als einen Teil der Aufnahmegesellschaft an (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 1). Diese verschiedenen Dimensionen der Sozialintegration stehen in Beziehungen zueinander und Bedingen einander (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 1). So kann erst eine fundierte Interaktion stattfinden, wenn zuvor die Sprache (Kulturation) erworben wurden ist. Erst wenn die MigrantInnen mit der Gesellschaft interagieren können sie sich auch mit der Gesellschaft identifizieren (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 1). Sind alle Dimensionen der Sozialintegration vollständig durch die MigrantInnen „erworben“, so spricht man auch von Assimilation (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 1). Kritisch an der Assimilation ist der Sachverhalt, dass die eigene kulturelle Identität und Eigenständigkeit der MigrantInnen bei diesen Prozessen verloren gehen kann (vgl. Focus Migration Dossier10, 2008, S. 2).

Die in dieser Arbeit verwendete Definition der Integration ist daher die Folgende:

„Sozialintegration kann man also definieren als die Inklusion und Akzeptanz von Migranten in Institutionen, Netzwerken und Positionen einer Gesellschaft. Der Prozess der Integration ist als interaktiver dialektischer sozialer Prozess zwischen Zuwanderern und der Aufnahmegesellschaft zu verstehen und erfolgt generationenübergreifend. Als Grundlagefür ein multikulturelles Zusammenleben wird ein Pool von geteilten Werten und Normen (z. B. Rechtsstaatlichkeit) betont.

Als Schlüsselfür die Sozialintegration in das Aufnahmeland wird der Spracherwerb (Kulturation) angesehen und darauf aufbauend die strukturelle Angleichung der nationalen Gruppen an das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt (Platzierung). Die Platzierung in die Gesellschaft ist daher so zentral, weil sie zur Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen befähigt. Denn neben der Möglichkeit, ökonomisches Kapital zu erwerben und Anerkennung zu erlangen, vermittelt eine erfolgreiche Platzierung dem Positionsinhaber das Gefühl, gebraucht zu werden und ein Teil der Gesellschaft zu sein“ (http://www.focus-migration.de/uploads/tx_wilpubdb/KD10-integrationspolitik.pdf, Zugriff am: 21.04.2010)

Vor dem Hintergrund dieser Definition wird deutlich, welche Bedeutung die „Bildung“ fur die Integration einnimmt. So wird davon ausgegangen, dass das Bildungssystem die Integration der MigrantInnen ermöglichen und fördern kann, da die Bildungsinstitutionen zum einen Werte und Normen der Aufnahmegesellschaft vermitteln und zum anderen die Sprachkompetenz der MigrantInnen fördern (vgl. Integration durch Bildung 2006, 2006, S. 3). Diese „Kulturation“, gefördert und initiiert durch die Bildungsinstitutionen kann wiederum zu einer Platzierung der MigrantInnen innerhalb der Aufnahmegesellschaft fuhren. Das durch die MigrantInnen erreichte „Bildungsniveau“ definiert letztlich die soziale Platzierung innerhalb der Gesellschaft (vgl. Gesemann, 2007, S. 50). Gerade hier besteht eine mögliche „Gefahr“ für den Integrationsgedanken, sofern man von einer gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft ausgeht. Unterstellt man dem Bildungssystem Defizite im Bereich der Gleichberechtigung, so führt dieses Defizit zu einer ethnischen Schichtenbildung innerhalb der Gesellschaft, dass sich darin äußert, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe zu einer bestimmten sozialen Position führt (vgl. Gesemann, 2007, S. 50).

3. Analyse des deutschen Bildungssystem

3.1 Der Elementarbereich des deutschen Bildungssystems

Integration durch „Bildung“ findet bereits im Elementarbereich des Bildungssystems statt. So werden in Kinderkrippen, Kindergärten und in Vorklassen bereits soziale Kontakte zwischen den Kindern verschiedenster Herkunftsländer geknüpft und Werte und Normen der Aufnahmegesellschaft durch Erzieher und Betreuer vermittelt (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2005, S. 4).

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640759514
ISBN (Buch)
9783640759927
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162340
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Allgemeine Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Integrationsfaktor Bestandsaufnahme Bildungssystems Hintergrund Migration“ Integration Sarrazin Schulwesen Bildung Bildungssystem BRD

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Titel: Integrationsfaktor Bildung?