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Diskursethik und Anwendungsprobleme

Hausarbeit 2010 21 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Voraussetzungen der Diskursethik

3 Diskursregeln

4 Triffi Hegels Kritik an der kantischen Ethik auch auf die Diskursethik zu?

5 Das Anwendungsproblem der Diskursethik und Apels Teil B

6. Probleme des Diskurses und der Diskursethik

7. Verwendete Literatur

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit mochte ich mich mit der Diskursethik, wie sie Jurgen Habermas und Karl-Otto Apei in den 1980er Jahren entwickelten, beschaftigen. Hierbei mochte ich mich mit der Diskursethik zugrunde liegenden Diskurstheorie kritisch auseinander setzen. Die Diskursethik setzt an einer kommnnikativ vermittelten Konzeption von Normen und Werten an. Das zentrale Element der Diskursethik - daher auch der Name - ist der Diskurs. Wenn man iiber Ethiken im Allgemeinen spricht, geht es primar darum, auf welche Weise bestimmte moralisehe Normen durch eine bestimmte Theorie begrtindet wird. Natiirlich geht es spater auch urn die praktische Umsetzung solcher Entscheidungs- und Begriindungsverfahren. Jede ethische Theorie ist immerhin so gut, wie ihre praktische Implementierung bzw. ihre Kongruenz mit bestehenden gesellschaftlichen Strakturen und Konflikten.

Zunachst mochte ich mit dem theoretischen Rahmen der Diskurstheorie beschaftigen. Was ist eigentlich unter einem Diskurs zu verstehen und wie hat man sich seine Funktionsweise vorzustellen. In den ersten beiden Abschnitten werde ich mich deshalb mit den Voraussetzungen der Diskursethik und den von Habermas aufgestellten Diskursregeln aus einander setzen. Im zweiten Teil der Arbeit soil es dann um einer kritische Auseinandersetzung mit dieser Konzeption gehen. Primar geht es um die Anwendbarkeit der von der Diskursethik entwickelten ethischen Theorie in der gegenwartigen Gesellschaft. Um die Letztbegriindung moralischer Normen mochte ich mich allerdings nicht kummem, da der Platz dafur schlichtweg nicht ausreichen wurde.

Bei der kritischen Auseinandersetzung werden sich Probleme auf drei unterschiedlichen Ebenen ergeben. Exemplarisch mochte ich mich deshalb mit Hegels Kantkritik beschaftigen, sowie Bimbachers Kritik am Diskursbegriff. Im Abschnitt 5 wird es um das geschichtliche Anwendungsprobtem, das von Karl-Otto Apel aufgeworfen wurde, sowie um Apels Losungsversuch des selbigen gehen.

2 Voraussetzungen der Diskursethik

Wenn es um die kantische Frage geht, was der Mensch tun soil und was er nicht tun soli, dann geht esum die Frage welche Handlungen „riehtig“ sind und weiche „falsch“. „Richtig“ und „falsch“ sind hier nicht so zu verstehen, wie etwa mathematische Aussagen. Auch ist darunter keine LJberei n stimmung mit der AuBenwelt gemeint, wie das zum Beispiel bei assertorisehen Aussagen wie „draufien regnet es“ der Fall ist. Diese Art von Aussagen kann man als wahr oder als falsch bewerten. Der Versuch Handlungen in solch ein Muster zu bringen und in moralisch bzw. unmoralisch zu kategorisieren, erfordert einen MaBstab. Einen solchen MaBstab will die Diskursethik bieten.

Die Diskursethik geht davon aus, dass moralische Normen, d.h. Vorstellungen davon welche Handlungen moralisch sind, nicht irgendwo in der Welt aufzufmden sind. Es bedarf zunachst einmal eines Subjekts, eines Menschen, damit man sinnvoll von Handlungen sprechen kann und es auch jemand gibt, der Handlungen fur moralisch falsch halt. Wir erachten Handlungen als moralisch falsch, weil wir Griinde dafur vorweisen konnen. Plausiblerweise lassen sich Handlungen stets nur begrundet als moralisch oder unmoralisch bezeichnen, nicht aber intuitiv oder spekulativ. Durch die Griinde bewerten wir unsere Handlungen und in dem wir Griinde vorbringen, versuchen wir andere Menschen von der „Richtigkeit“ einer bestimmten einzelnen Handlungen, oder sogar eines ganzen Handlungstyps zu iiberzeugen.

Das eben gezeichnete Bild zeigt schon den dem Diskurs zugrunde liegenden Mechanismus. Ein Diskurs ist das wechselseitige Vorbringen und Akzeptieren von Griinden von Personen. Eine Voraussetzung eines Diskurses ist, dass dieser Austausch von Argumenten zunachst einmal zeitlich infinit ist. Normen, die aus einem Diskurs hervorgehen, sind niemals geschiitzt gegen zukiinftige Probleme, Einwande und Gegenargumente. Das bedeutet, dass Ergebnisse eines Diskurses niemals unfehlbar sind und offen sind fur gute Griinde, die diese Ergebnisse auflbsen, verandem oder erweitem. Ein Diskurs scheint auf den ersten Blick kein artifizielles Verfahren, sondem spiegelt in gewisser Weise die menschliche Lebensweise. Denn wir verandern ja unsere Uberzeugungen gerade durch das akzeptieren von besseren als den eigenen Griinden und versuchen andere Personen durch eigene gute Griinde von etwas zu iiberzeugen. Wir wissen schlicht nicht, welche Griinde fur eine Uberzeugung in Zukunft vorgebracht werden. Da die Mdglichkeit der Anderung seiner Uberzeugungen dem Menschen wesentlich ist, ist auch ein Diskurs niemals abgeschlossen und jede Norm birgt damit ein fatlibles Element. Sie muss fur zukiinftige Kritik offen bleiben.

Ein Diskurs beinhaltet aber auch eine Art Verpflichtung. Bring! man Argumente in einen Diskurs ein, verpflichtet man sich damit gfeichzeitig, diese Argumente so gut wie moglich gegen zukiinftige Kritik zu immunisieren. Die vorgebrachten Griinde, d.h. Argumente sollen so formuliert sein, dass sie potentieiler Kritik standhaiten kdnnen und andere gleichzeitig von ihrer Gilte Oberzeugen. Em Merkmal eines gates Arguments ist auBerdem das oben genannte fallible Element, also die Mdglichkeit durch bessere Grande zuriiekgewiesen werden zu kdnnen. Das Ziel der Diskursethik ist in einem Diskurs eine geltende moralische Norm hervorzubringen. Voraussetzung dafur ist, dass alle von der Norm Betroffenen, damit auch alle am Diskurs Teilnehmenden, dieser zastimmen. Das Ziel ist also ein Konsens. Hat man solch einen (vorlaufigen) Konsens erreicht - erhalt eine Norm geltende Kraft - darm ist diese Norm auch als „ricfttig“ oder eben moralisch einwandfrei zu bezeichnen.

Die Diskursethik steilt sich damit in die kantische Tradition. Kant hatte ja mit seinem kategorischen Imperaiiv gefordert, dass man nach derjenigen Maxime handeln solle, nach der man zugleich wollen wilrde, dass sie allgemeines Gesetz werden solle. Kant steilt mit dem kategorischen Imperativ eine Art Universalisierungs-Gesetz auf. Richlige Handlungen lassen sich durch diesen universalen Charakter begrunden. Wenn man will, dass diese oder jene Maxime nach der man handelt ein allgemeines Gesetz sei, so begriindet man damit eine moralisch gehaltvolle Hand lung. Kant begriindet moralische Handlungen liber einen „Verallgemeinerungstest“, namlicb den kategorischen Imperativ. Die Diskursethik schlieBt sich der kantischen Methode an und fuhrt einen universalen Anspruch ein, fragt sich damit was ein jeder wollen oder nicht wollen wurde. Wie dieser „Verallgemeinerungstest“ der Diskursethik genau aussieht mochte ich spater erlautem. Zunachst mochte ich die Untersehiede der Diskursethik zur kantischen Auffassung darlegen.

Der erste wesentliche Unterschied der diskursethischen Auffassung zu Kant ist, die Verlagerung der monologischen hm zu einer dialogischen Ethik. Das kantische Subjekt soil sich selbst dazu anhalten, dariiber nachzudenken, welche Maxime verallgemeinerungswiirdig ist und welche nicht. Die Universalisierung geschieht nach der Diskursethik immer in einem Austausch von Vielen. Damit kommt man vom egozentrischen Bild Kants hin zu Subjekten, die eine Multiperspektivitat an den Tag legen mussen. Die Subjekte im Diskurs mirssen sich in den anderen „hinein versetzen“ konnen, d.h. dessen Perspektive einnehmen kdnnen. Kants rationales Subjekt soil diesen Perspektivenwechsel selbst - als Einzehrer - vomehmen. Der zweite wesentliche Unterschied ist, dass Kant fur die Bewertung von Handlungen Maximen als entscheidenden Punkt ansieht. Bei der Diskursethik spielt dagegen die Norm eine wesentliche Rolle. Normen sind so etwas wie pfadabhangige, teilweise kodifizierte Verhaltensrichtlinien. GrdBtenteils herrschen moralische Normen in der Gesellschaft implizit vor. Die Verschiebung von der kantischen Maxime hin zu gelteriden Normen tragt der dialogischen Konzeption der Diskursethik Rechnung.

In diesen beiden Punkte unterscheidet sich die Diskursethik wesentlich von der kantischen Ethik.

Nun mochte ich mich wieder der angesprochenen Gemeinsamkeit widmen und die der Diskursethik zugrunde liegenden Prinzipien darlegen. Wir haben oben bereits gesehen, was das Ziel eines Diskurses ist Das Ziel ist, Argumente von solcher Glite vorzubringen, dass sie von keinem vemfinfti gerwe i se wider leg t werden kdtmen. Ist ein solcher (vorlaufrger) Konsens erreicht, bringt der Diskurs eine Norm in die Gesellschaft ein. Habermas hat 1983 daraus folgendes Kriterium entwickeft: (Vgl. Habermas 1983, 103)

>D<: Normen sind „nur dann“ gliltig, wenn sie „die Zustimmung aller Betroffenen als Teilnehmer eines praktischen Diskurses finden (oder finden kdnnten).

Habermas gibt hier also ein Ausschlusskriterium dafur an, wann wir es mit einer geltenden Norm zu tun haben und wann nicht. Eine Norm ist nur dann giiltig, wenn ihr alle Betroffenen zustimmen (wurden). Nun konnte man sich ja iiberlegen, eine Norm durch einen Diskurs hervorzubringen, indem man alle Betroffenen in irgendeiner Weise dazu bringt dieserNorm zuzustimmen, auch wenn sie sich ansonsten dagegen entscheiden wurden. Dies konnte man zum Beispiel erreichen, indem man die Teilnehinenden besticht, erpresst oder in irgend einer anderen Form dazu zwingt, fur das „erwunschte“ Ergebnis zu stimmen. Das Ergebnis ware doch, so Habermas, eine gultige Norm, da ihr im Diskurs alle Betroffenen zugestimmt haben. Das eine auf diese Weise gewonnene Norm keine gultige Norm im Sinne der Diskursethik ist, diirfte klar sein. Ziel eines Diskurses ist es Normen zu finden, anhand deren man Handlungen als „wunschenswert“ oder „lohenswert“ beurteilt. Wenn diesen MaBstab in irgendeiner Weise eingeschrankte Personen, z.B. erpresste, gefolterte o.a., besehlossen hatten, dann ware diese Norm wohl kaum im Sinne aller Menschen. Wenn es um moralische Fragen geht, dann meinen wir gewohnlich aber alle vemiinftigen Personen und nicht nur einige wenige Privilegierte.

Hieraus ergibt sich, dass man zusatzlich zum dem oben genannten Kriterium auch noch eine Regel bendtigt, die besagt auf welche Weise eine Zustimmung, bzw. ein Konsens erreicht wurde. Habermas bietet hierfur die folgende Losung: (Vgl. Habermas 1983, 103)

>U<: Jede gultige Norm mufi der Bedingung genugen, daB die Folgen und Nebenfolgen, die sich aus der allgemeinen Befolgung der strittigen Norm fiir die Befriedigung der Interessen eines jeden Einzelnen voraussichtlich ergeben, von alien zwanglos akzeptiert werden konnen.

Bis hierhin sind die folgenden ersten Ergebnisse einer Grundauffassung der Diskursethik festzuhalten: a) Die Diskursethik bietet ein Verfahren, um iiber bestehende Normen der Gesellschaft zu streiten. b) Die Auseinandersetzung geschieht im Diskurs unter Einhaltung der Diskursregeln. c) Die Diskursethik verwendet ein Universalisierungsprinzip, als Priifstein fur (moralische) Normen.

3 Diskursregeln

Wir haben bereits gesehen, dass ein Diskurs nach bestimmten Regeln fiinktioniert. Das zentrale Element eines Diskurses 1st die Argumentation, also das gegenseitige Vorbringen und Akzeptieren von Argumenten, also Schliissen, Entscheidend ist die Giite der vorgebrachten Griinde. Im Folgenden werde ich mich genauer mit den Diskursregeln auseinander setzen. Die Diskursregeln stellen Bedingungen an einen Diskurs. Die Diskursregeln bauen demnach auf der dem Diskurs zu Grande liegenden Argumentationsregel auf und konstatieren diese gleichsam.

Nach Habermas gibt es drei Ebenen von Diskursregeln. Zum einen gibt es logisch-semantische Regeln. Diese Regeln sichem Widersprachsfreiheit und verschaffen Eindeutigkeit der Bedeutung verwendeter BegrifFe. Zweitens gibt es dialektische Regeln. Diese sollen den Anspruch an Wahrhaftigkeit sichem und begriinden kdnne, warum iiberhaupt diese oder jene Problemstellung in den Diskurs eingebracht wird. Zum dritten gibt es rhetorische Regeln. Diese Regeln sichem ein zwangloses und allgemeines Teilnahmerecht am Diskurs und zeichnen die bekannt gewordene ideale Sprechsitualion aus. Sie soli die Teilnahme aller potentiell Betroffener am Diskurs sichem. Der ethische Gehait nimrnt mit jeder Ebene zu. Die logisch-semantische Ebene verlangt noch keinen ethischen Gehait, wohingegen auf der rhetorischen Ebene ethische Gehalte eingebracht und expliziert werden. Hinter die E>iskursregeln kann nicht weiter zuruckgegangen werden, das heiBt es gibt keine funktionalen Aquivalente fur sie. Wenn man sich auf einen Diskurs einlasst, dann sind diese Regeln die minimale Grundlage, die vemiinftigerweise nicht zuriickgewiesen werden kann.

Auf der untersten, der logisch-semantischen Ebene geht es darum grundlegende prozedurale Regeln fur die allgemeine Verstandigung zu schaffen. Habermas hat hier mehrere Punkte im Auge. (Vgl. Habermas 1983, 97)

- Kein Sprecher darf sich widersprechen
- Jeder Sprecher, der ein Pradikat <F> auf einen Gegenstand <a> anwendet, muss bereit sein, <F> auf jeden anderen Gegenstand, der <a> in alien relevanten Hinsichten gleicht, anzuwenden.
- Verschiedene Sprecher dtirfen den gteichen Ausdruck nicht mit verschiedenen Bedeutungungen benutzen.

Diese Regeln fordem von alien Diskursteiinehmem Klarheit und Verstandlichkeit. Das bedeutet, dass die Behauptung, die Jemand auBert, erstens widerspruchsfrei sein muss, das bedeutet A zu behaupten, schliefit die Mdglichkeit aus, non-A zu behaupten. Zweitens muss jeder der „Fa“ behauptet, das Pradikat F auch auf alle moglichen Objekte, die a hinreichend ahnlich sind wie z.B.

a', anwenden. Niemand der A behauptet, darf A mit einer anderen Bedeutung benutzen. Wie kann man sich diese erste Forderung anhand einer konkreten Behauptong kiarmachen? Ais Beispiel kann die Aussage „Einen Menschen zu toten ist schlecht!“ dienen. Mit dieser Aussage soli eine bestimmte moralische Norm bekraftigt werden, namlich die des Nicht-toten sollen eines anderen Menschen. Treffe ich diese Behauptung, dann legt mich das darauf fest, dass ich nicht gleichzeitig das Gegenteil behaupten kann. Auch kann ich nicht bestimmte „Objekte“ (Lebewesen), die Menschen sind, oder diesem zumindest ahnlich, als Ausnahme fur diese Behauptung bestimmen. In einem Diskurs darf auBerdem niemand die Begriffe „Mensch“ und „tcten“ mit einer anderen Bedeutung verwenden.

Auf der zweiten Ebene fmden sich die dialektischen Regeln. Diese Regeln sollen dafiir sorgen, dass die argumentative Praxis im Diskurs gewahrleistet ist und eine hinreichende Kommunikation zwischen den Diskursteilnehmem zustande kommt. Als minimale, nicht zuriickweishare, dialektische Regeln stellt sich Habermas folgende Regeln vor. (Vgl. Habermas 1983, 98)

- Jeder Sprecher darf nur das behaupten, was er selber glaubt.
- Wer eine Person A anders behandeln will als eine Person B, muss dies begriinden.
- Wer eine Behauptung oder eine Norm, welche nicht Gegenstand des Diskurses ist, angreift, muss dafiir einen Grund angeben
- Wer ein Argument vorgebracht hat, ist nur bei einem Gegenargument gegen dieses dazu verpflichtet, weitere Argumente vorzubringen.
- Wer eine Einstellungen, Wiinsche und Bedurfnisse vorbringt, muss begriinden, warum er dies tut

In einem Diskurs miissen alle Behauptungen, die zur Normfmdung eingebracht werden, sowie alle Zweifel und Einwande durch Griinde gestiitzt werden. Ich kann erstens immer nur das vertreten, was ich selbst glaube, und all das anzweifeln, wofiir ich einen guten (Zweifels)Grund fmden kann. Diese Bedingung erlaubt es also nicht eine bestimmte strategische Haltung gegenuber bestimmten Behauptungen einzunehmen, wie es z.B. in politischen oder juristischen Debatten der Fall sein kann. Jeder darf nur dasjenige vertreten, woran er als Person glaubt und was er aufierdem argumentativ stiitzen kann.

Die dritte Ebene der Diskursregeln besteht aus den rhetorischen Regeln. Diese Regeln sorgen dafiir, dass der Diskurs innen wie nach auBen hin eine zwanglose Struktur besitzt. Ebenso sollen diese Regeln dafiir sorgen, dass alle und alle moglichen Interessen der von der jeweiligen Norm Betroffenen im Diskurs berucksichtigt werden. Die rhetorischen Regeln bergen erst den ethischen Kern von bestimmten Behauptungen. Diese Regeln haben Elabermas Diskursethik weithin bekannt gemacht und zeichnen den Diskurs als Idealvorstellung mil einer idealen Sprechsituation ans. Naturlich tauchen, wenn es am fdealvarstellungen geht Probleme auf, wie zum Beispiel alie Interessen aller Betroffenen zu beriicksichtigen und frei von jeglichen Zwangen sprechen zu konnen. Auf die Probleme mochte ich aber wetter unten emgehen.

Die Regeln auf der rhetorischen Ebene legt Habermas wie folgt fest. (Vgl. Habermas 1983, 98)

- Jeder, der sprechen kann, darf an Oiskursen teilnehmen
- Jeder darf jede Behauptung problematisieren.
- Jeder darf jede Behauptung in den Diskurs einfuhren
- Kein Sprecher darf durch innerhalb oder auBerhalb des Diskurses herrschenden Zwang daran gehindert werden, seine festgelegten Rechte wahrzunehmen.
- Jeder Sprecher muss das, was er behauptet, auf Verlangen begrijnden, es sei denn, er kann Grilnde anfuhren, die es rechtfertigen, die Begrtindung zu verweigem.

Prinzipiell muss es in einem Diskurs moglich sein, dass erstens jedes handlungsfahige Subjekt (Person) daran teiinimmt und somit Behauptungen in den Diskurs einbringt und bestehende problematisiert. Zweitens darf jede Person ihre Einstellungen, Wiinsche und Bedurfnisse auBem. Drittens darf keine Person von auBen oder innen daran gehindert werden, diese beiden Rechte wahrzunehmen. Diese qualitativen Bedingungen an einen Diskurs fuhren, nach Habermas bereits zu Bedingungen an Normen, die aus einem solchen Diskurs gewcmnen werden.

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Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640767397
ISBN (Buch)
9783668125988
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162775
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Diskursethik Anwendungsprobleme

Autor

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