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Liebe in der Erziehung. Von Aspekten der Liebe und ihrer pädagogischen Bedeutung.

Referat (Ausarbeitung) 2001 13 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aspekte der Liebe

3. Pestalozzis ‚sehende
Liebe’ als Vorbild
pädagogischer Liebe

4. Abschließende
Betrachtungen

5. Verwendete Literatur

1 Einleitung

„Liebe in der Erziehung“, für die einen eine unhinterfragte Selbstverständlichkeit, für die anderen Ausgang intensiver Betrachtungen, kritischer Auseinandersetzung und doch stets mit dem Fazit: Liebe in der Erziehung findet einfach statt, ist möglich und nötig. Doch wie diese Liebe aussieht, wie sie aussehen sollte und was sie nicht sein sollte, dazu soll die vorliegende Arbeit einige Ansätze liefern. Ausgangspunkt für die folgenden Betrachtungen ist ein Zitat von Dieter Baa title="">[1]

Dieter Baacke lehrt als Professor Pädagogik an der Universität Bielefeld und hat sich neben den Probleme in der Erziehung von Kleinkindern auch schon denen des Kindes- und Jugendalters gewidmet.

In dem zitierten Werk „Die 0-5jährigen“ untersucht er ausführlich die verschiedenen Disziplinen der Kindheitsforschung mit dem Ziel eines ‚sozialökologischen’ Ansatzes, der kindliche Lebenswelten in ihrer Komplexität erfassen soll. Er kritisiert dabei zunächst, dass „eine neugierige und zugleich kindzentriert-freundliche Sichtweise“[2] neben den wissenschaftlichen Sichtweisen meist zu kurz kommt. Baacke konstatiert die ‚Kompetenz’ des Kleinkindes und die Wichtigkeit deren Beachtung für seine „Würde, Zukunft und Chance“[3]. Dabei stützt er sich jedoch nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien der Kindheit, sondern auch auf Erfahrungen aus der Perspektive von Kindern, wie sie in literarischem Material verarbeite sind. Trotz dieser vielfältigen Einblicke besteht Baacke auf der ‚Unverfügbarkeit’ des Kindes, die seiner Meinung nach immer im Bewusstsein bleiben muss.

Das vorangestellte Zitat, dass die Grundlage zu dieser Arbeit liefern soll, ist dem letzten Kapitel seines Buches entnommen: „Pädagogisches Nachdenken: Zwischen Selbstironie und Liebe“[4]. Während der Bearbeitung des Textes im Rahmen des Seminars „Kindheitsdeterminismus“ konzentrierte ich mich vor allen Dingen auf die von Baacke dargestellten Aspekte von Liebe und ihrer Bedeutung für pädagogisches Denken und Handeln. Ich stellte mir dabei die Frage, wie die Liebe zum Kind aussehen muss, die es nicht einengt, nicht für eigene Zwecke missbraucht, sondern ‚frei macht’, d. h. dem Kind alle Entwicklungschancen einräumt, anstatt es ‚nach dem eigenen Bilde’ zu formen. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage stieß ich auf Unterstützung durch die Gedanken Pestalozzis und deren Auslegung durch Urs P. Meier, die zwar von 1987 stammt, jedoch auch damals schon „mitten in einer Zeit fortschreitender Spezialisierung und Professionalisierung erzieherischen Handelns auf der einen, und zunehmender Trennung von Engagement und Reflexion auf der anderen Seite“[5] die Notwendigkeit erkennt, „eine Weile innezuhalten, um wieder Klarheit zu gewinnen über die fundamentalen Aufgaben und Anliegen der Pädagogik“[6].

2 Aspekte der Liebe

„… die kleinen Kinder, die wir in die Welt gesetzt haben und die dadurch auf eine Liebe angewiesen sind, die nicht vergewaltigt, sondern frei macht.“[7]

Diese abschließende Aussage Baackes am Ende seines Buches enthält ebenso viel Vertrautes, wie Befremdliches und ist daher einer näheren Betrachtung wert.

Natürlich sind kleine Kinder in besonderem Maße abhängig von den Erwachsenen, sind auf ihre Hilfe und auf ihre liebevolle Zuwendung angewiesen. Aber wollen gerade im pädagogischen Bereich nicht alle nur ‚das Beste’? Können genau in diesem Bestreben so gravierende Fehler liegen, dass Baacke sogar von Liebe spricht, die vergewaltigt? Und wie müsste die Liebe aussehen, die gerade dies nicht tut, sondern ‚frei macht’?

Um mich diesen Fragen anzunähern, möchte ich zunächst auf die Aspekte von Liebe eingehen, die Baacke in seinem Kapitel: „Pädagogisches Nachdenken: Zwischen Selbstironie und Liebe“ anspricht und versuchen, deren Bedeutung für pädagogisches Handeln und Denken herauszuarbeiten.

Liebe durch Pflege

„Neugeborene, Säuglinge und Kleinstkinder machen die Erfahrung von Liebe, Zuneigung, Geborgensein, Ermuntertwerden etc. zunächst über Grundhandlungen von Pflege[8]. Das Menschenkind kann nach Mehringer als eine sog. „physiologische Frühgeburt“[9] gesehen werden, d. h. es kommt im Vergleich zu anderen Säugern relativ unreif und unselbstständig zur Welt und ist deshalb im besonderen Maße auf die Hilfe Erwachsener angewiesen, um sein Überleben zu sichern. Mehringer bezeichnet das erste Lebensjahr sogar als „eine Art ‚extra-uteriner’ Schwangerschaft“[10], eine Zeit, in der das Kind noch besonders anfällig für Störungen ist. So führen die frühzeitige Entbehrung der Mutter und Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren zur vermehrten Ausbildung von Ängsten und höherer Krankheitsanfälligkeit[11]. Trotzdem vertritt Baacke die These, dass auch diese kleinen Kinder schon kompetente Wesen sind, die das Recht auf eine Erziehung von Geburt an haben und kritisiert, dass dieser Zusammenhang erst allmählich in den Alltag und die pädagogische Reflexion eingeht. Allerdings denke ich, dass die zahlreichen Kurse zur Vorbereitung einer individuellen Geburt, Kurse zur Säuglingsmassage und pädagogisch betreute Gruppen für Eltern mit Kleinkindern, die von Geburtshäusern und niedergelassenen Hebammen angeboten werden und teilweise auch von Entbindungskliniken übernommen werden, eine Wendung in diese Richtung anzeigen. Allerdings kritisiert Baacke zu Recht, dass die „pädagogisch-institutionellen wie budgetären Absicherungen“[12] noch weit von einem einheitlichen Konzept entfernt sind, obwohl Einigkeit darüber herrscht, dass „die ‚0-5jährigen’ neben Pflege eben auch Erziehung brauchen, und dies zunächst nicht in einschränkender, sondern in umfassend-zuwendender Form“[13].

Liebe zu sich selbst

Der viel beschriebene Egozentrismus bei Kleinkindern versetzt Eltern und Pädagogen immer wieder aufs Neue in Situationen pädagogischer Handlungsnot. Sie lernen nun auch unsympathische Seiten an den Kindern kennen. Aus dem niedlichen, schützenswerten Säugling ist nun ein Wesen geworden, vor dem man unter Umständen andere kleine Kinder beschützen muss, denn „offensichtlich sind kleine Kinder nicht in der Lage, ihre Spielkameraden als eigenständige Persönlichkeiten eigenen Rechts anzusehen, sondern sie behandeln ihre Spielkameraden eher wie unpersönliche Objekte oder gar wie Spielzeug“[14]. Da jedoch soziales Handeln und Lernen hoch im Kurs steht, fühlen sich die Erwachsenen nun ständig genötigt einzugreifen. Doch genau darin liegt nach Baackes Meinung der Fehler. „Gerade bei kleinen Kindern, deren Entwicklungszeiträume ja recht eng bemessen sind, scheinen wir auf schnelle Veränderungen und ‚Verbesserungen des Verhaltens’ großen Wert zu legen. Damit überfordern wir die Kinder aber nicht nur, sondern verhindern auch, dass sie zu ‚ glücklichen Kindern’ werden“[15]. Schon Jean-Jacques Rousseau beschreibt in seinem Erziehungsroman ‚Émile’, dass ein Kind sich zunächst einmal selbst lieben lernen muss, bevor es diese Liebe auch auf andere Menschen übertragen kann, denn Rousseau fasst Selbstliebe als positive Instanz der Befriedigung natürlicher Bedürfnisse auf. Wie soll ein Kind auch ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn es sich von Anfang an nur über eine Wir-Instanz definieren darf? Rousseau geht sogar so weit, eine ‚rein negative Erziehung’[16] in den ersten Jahren zu fordern, um das Kind vor ‚verständnislosen Forderungen der Tugend’[17] zu bewahren. Auch Baacke beschreibt in einem Beispiel aus der Praxis, wie das schnelle Tadeln ‚unsozialen’ Verhaltens bei einem Kleinkind zu Missverständnissen führen und „eine zunächst unerprobte soziale Gleichgültigkeit sich in Aggression verwandeln“[18] kann, womit man dann genau das Gegenteil von dem erreicht hätte, was man eigentlich erreichen wollte.

[...]


[1] Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 422.

[2] Ebenda, S. 9

[3] ebenda, S. 10

[4] ebenda, S. 388

[5] Meier, Urs P.: Pestalozzis Pädagogik der sehenden Liebe. Zur Dialektik von Engagement und Reflexion im Bildungsgeschehen. Bern und Stuttgart: Paul Haupt, 1987, S. 16 ff.

[6] ebenda, S. 17

[7] Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 422.

[8] Ebenda, S. 391

[9] vgl. ebenda, S. 390

[10] vgl. ebenda, S. 390

[11] vgl. ebenda, S. 390

[12] ebenda, S. 392

[13] ebenda, S. 392

[14] Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 393

[15] ebenda, S. 396

[16] vgl. Oelkers, J.: Einführung in die Theorie der Erziehung. Weinheim und Basel: Beltz Studium, 2001

[17] ebenda

[18] Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 393

Details

Seiten
13
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638211741
ISBN (Buch)
9783640610273
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16279
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historische Pädagogik/Sozialisationsforschung
Schlagworte
Liebe Erziehung Aspekten Bedeutung

Autor

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Titel: Liebe in der Erziehung. Von Aspekten der Liebe und ihrer pädagogischen Bedeutung.